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Argumentation schreiben in 6 Schritten + Beispiele

Ziel einer Argumentation ist es, einen guten Überblick über ein Thema zu schaffen und den Leser von deiner Meinung zu überzeugen. Wie dir das gelingt, erfährst du bei uns. Wir haben Grundlagen, verschiedene Argumenttypen, die Argumentationsstruktur im Überblick, eine Anleitung in sechs Schritten und zahlreiche Beispiele.

Eine erfolgreiche Argumentation ist nicht nur wichtig, um deine Mitmenschen von deiner Meinung zu überzeugen. Auch bei jeder Entscheidung im Leben, musst du für dich abwägen, ob du für oder gegen etwas bist. Die Fähigkeit zu argumentieren, wird bereits in der Schule geübt. In Form einer Stellungnahme oder einer Erörterung gilt es Argumente zu finden und die eigene Aussage zu stützen. Wir zeigen dir, wie dir das gelingt.

Grundlagen der Argumentation

Grundlagen der Argumentation

Zu den Grundlagen der Argumentation gehören zum einen das Argument und zum anderen die Prämisse. Prämissen bilden die Voraussetzungen für ein Argument, indem sie logische Schlüsse vor Augen führen und dem Leser Schritt für Schritt verdeutlichen, wie du dein Argument aufbaust. Im Anschluss findest du hilfreiche Argumenttypen, die du in deinem Hauptteil verwenden kannst.

Definition: Argument

Der Begriff “Argument” kommt vom lateinischen Begriff “argumentum” und bedeutet soviel wie “Darlegung”, “Gehalt” oder “Beweismittel”. Das Verb “argumentieren” kommt vom lateinischen “arguere”, das “behaupten”, “beweisen” oder “zeigen” bedeutet. Der lateinische Ursprung fasst bereits sehr gut zusammen, was unter einem Argument zu verstehen ist.

Es gilt, jemanden mit gehaltvollen Aussagen von seinem Standpunkt zu überzeugen. Ein Argument besteht aus mehreren Prämissen. Diese Prämissen sollen möglichst viele Argumente hervorbringen und zu einer Konklusion führen. Was genau eine Prämisse ist, erfährst du im folgenden Kapitel.

Definition: Prämisse

Eine Prämisse bezeichnet das, was einem bestimmten Plan zugrunde liegt. Sie ist eine Voraussetzung für eine Aussage, aus der ein logischer Schluss (Konklusion) gezogen werden kann. Wenn man zum Beispiel weiß, dass alle Fische im Wasser leben (erste Prämisse) und dass alle Karpfen Fische sind (zweite Prämisse), weiß man, dass alle Karpfen im Wasser leben (Konklusion).

Die beiden Prämissen ergeben zusammen mit der Konklusion ein Argument. Ein weiteres Beispiel ist: Alle Hunde bellen. Alle Dackel sind Hunde. Alle Dackel bellen. Eine Prämisse muss nicht immer wahr sein. Der indirekte Beweis geht zum Beispiel von einer falschen Annahme aus, um diese zu widerlegen und so sein Argument aufzubauen. Weiteres dazu erfährst du im Kapitel über Argumenttypen.

Was eine These ist

Eine These ist eine Behauptung, eine Empfehlung, eine Bewertung oder ein Urteil. Sie wird aufgestellt, um deine Argumentation einzuleiten. Ziel ist es, den Leser von ihrer Gültigkeit zu überzeugen. Das Gegenteil einer These ist eine Antithese. Thesen werden nicht nur Argumentationen vorausgestellt. Sie sind ein wichtiger Teil sämtlicher Aufgaben in der Schule oder Universität. Weiteres erfährst du in der Anleitung für deine Argumentation.

Seriöse Argumenttypen

Diese Argumenttypen überzeugen

Wie stark deine These ist, hängt immer von deinen Argumenten ab. Hierbei sind qualitativ hochwertige Argumente am effektivsten. Die Argumenttypen zu kennen, ist hilfreich für die Schule und die Universität. Du brauchst sie nicht nur für eine Argumentation; auch Referate, Stellungnahmen, Erörterungen, Sachtextanalysen und Redeanalysen profitieren von gelungenen Argumenten. Wir haben die seriösen Argumenttypen jeweils mit einem Beispiel versehen.

Autoritätsargument

Lateinisch “argumentum ad verecundiam”, übersetzt “Beweis durch Ehrfurcht”, nimmt Bezug auf bekannte Stiftungen oder seriöse Persönlichkeiten wie Wissenschaftler, Experten oder Politiker. Es ist etwas weniger wirksam als das Faktenargument, das sich auf wissenschaftliche Studien stützt, hat aber dennoch eine hohe Aussagekraft. Je renommierter deine Quelle ist, umso stärker ist dein Argument.

Beispiel: “Laut Stiftung Warentest schneidet nur eines dieser Produkte wirklich gut ab.”

Analogisierendes Argument

Bei einem analogisierenden Argument wird das Thema mit einem anderen Themenfeld verbunden und verglichen. Hierbei soll ein bestimmter Aspekt durch den Vergleich veranschaulicht werden. Am besten ist es, wenn die beiden Bereiche Ähnlichkeit aufweisen, sodass sie direkt miteinander verglichen werden können.

Beispiel: “Wenn das Straßenbahnfahren wie in Wien auch in Berlin nur einen Euro am Tag kosten würde, würde es wesentlich weniger Schwarzfahrer geben.”

Faktenargument

Das Faktenargument ist das stärkste Argument und sollte in deiner Argumentation am Ende des Hauptteils stehen. Es stützt sich auf Fakten und ist deshalb am wenigsten anfechtbar. Der Beweis kann zum Beispiel eine wissenschaftliche Studie oder ein physikalisches Gesetz sein.

Beispiel: “Man braucht länger, um auf den Eiffelturm zu steigen als auf den Kölner Dom, da der Eiffelturm fast doppelt so hoch ist.”

Indirektes Argument

Ein indirektes Argument ist effektiv bei Pro- und Contra-Argumentationen

Bei einem indirekten Argument wird eine Behauptung durch das Gegenteil bewiesen. Insbesondere bei einer Erörterung mit Pro- und Contra-Argumenten ist dieser Argumenttyp effektiv. Er profitiert davon, dass die Gegenseite gleichzeitig entkräftet wird, während dein Argument gestützt wird.

Beispiel: “Kritiker behaupten, dass Bücher sich besser zum Lernen eignen würden. Fakt ist aber, dass sich die Noten der Schüler verbessert haben, seitdem es das Internet gibt.”

Plausibilitätsargument

Das Plausibilitätsargument ist recht überzeugend, basiert aber nicht auf Fakten. Deswegen solltest du es bei deiner Argumentation eher mittig anordnen und dir gut überlegen, ob deine Aussage logisch ist. Das Ziel eines solchen Arguments ist es, einleuchtend für den Leser zu sein. Deine Aussage muss demnach plausibel und nachvollziehbar formuliert und begründet sein.

Beispiel: “Morgenmenschen haben morgens mehr Energie, weshalb es für sie klüger ist, schwierige Aufgaben direkt morgens zu erledigen. Nachtmenschen können direkt nach dem Aufstehen vermutlich besser mit leichteren Aufgaben in den Arbeitstag starten.”

Normatives Argument (Wertargument)

Das normative Argument stützt sich auf gesellschaftliche Normen und moralische Werte. Hierbei hängt die Stichhaltigkeit davon ab, inwiefern diese Norm als allgemeingültig betrachtet werden kann und ob der Leser sie anerkennt oder nicht.

Beispiel: “Kindererziehung sollte niemals von Gewalt begleitet werden.”

Vermeide diese Argumenttypen:

  • Argumentum ad baculum (stützt sich auf eine Befürchtung)
  • Argumentum ad misericordiam (stützt sich auf Mitleid)
  • Argumentum ad populum (stützt sich auf die öffentliche Meinung einer Mehrheit oder einer bestimmten Person)

Argumentationsstruktur im Überblick

Die Argumentationsstruktur

Eine Argumentation wird immer von einer These geleitet. Das kann entweder eine Behauptung, eine Empfehlung, eine Bewertung oder ein Urteil über etwas sein. In der Schule werden häufig Sachtexte vorgegeben, zu denen du dir eine Meinung bilden sollst. Für den Fall, dass du dein Thema frei wählen kannst, kannst du auch eine These zu etwas aufstellen, dass dich persönlich beschäftigt, wie zum Beispiel den Einsatz von Smartphones im Unterricht oder der Speiseplan der Cafeteria.

Deine Argumentationsstruktur folgt hierbei immer einer bestimmten Reihenfolge. Wir haben aller Arbeitsschritte einer Argumentation für dich kurz ausgeführt und einen Überblick erstellt. Eine genaue Anleitung mit ein paar Tipps und Beispielen findest du im nächsten Kapitel.

1. Vorbereitung

  • Thema auswählen und analysieren, These entwickeln
  • Texte sammeln (wie Artikel, Interviews, Textpassagen aus Fachbüchern, Studien, Pressemitteilungen), die deine These unterstützen

2. Ordnung des Stoffes und Gliederung der Analyse

  • Textstellen für deine Argumente und Zitate sammeln
  • Stichpunktartige Gliederung, Argumente sortieren, Ablauf strukturieren

3. Einleitung

  • Einführung von Thema und These
  • zum Beispiel persönliches Erlebnis, Ereignis (Bericht) oder Statistik

4. Hauptteil

  • Die drei Bs: Behauptung, Begründung, Beispiel
  • das schwächste Argument zuerst, das stärkste zuletzt
  • Argumente sind entweder Pro und Contra oder beziehen sich nur auf eine Seite

5. Schluss

  • Zusammenfassung und persönliches Fazit (einziger Teil mit eigener Meinung)
  • Schlusssatz

6. Überarbeitung / Korrektur

  • Text auf Fehler überprüfen (Korrekturlesen)
  • Absätze ergänzen
  • Sprache sollte sachlich und verständlich sein (Besser schreiben lernen)
  • Argumentation soll nachvollziehbar sein
  • Zusammenhänge sollten schlüssig sein

Argumentation schreiben: Anleitung in 6 Schritten

Argumentation schreiben in 6 Schritten

In diesem Kapitel findest du eine Anleitung für eine Argumentation in sechs Schritten. Wir haben jeden Punkt ausgeführt und mit ein paar Tipps versehen. Generell solltest du darauf achten, bis zum Schluss objektiv und sachlich zu bleiben. Am Schluss darfst du dann ein persönliches Fazit mit deiner eigenen Meinung ergänzen. Gliedere deine Argumentation außerdem mit Absätzen, damit der Leser nicht ins Stocken gerät.

Zur Veranschaulichung haben wir die Anleitung mit Beispielen versehen. Thema ist die Debatte über die beiden Schulsysteme G8 und G9. Wir vertreten hierbei den möglichen Standpunkt, der für eine Vereinheitlichung von G9 an Schulen argumentiert. Ziel ist es also, möglichst viele Argumente für G9 oder gegen G8 zu finden, um den Leser so von dieser Meinung zu überzeugen.

1. Vorbereitung

Sofern du kein Thema vorgegeben hast, ist der erste Schritt, dir ein Thema zu überlegen. Hierbei ist es immer leichter, sich auf eigene Erfahrungen und Interessengebiete zu berufen. In der Schule werden auch häufig Sachtexte zur Verfügung gestellt, die bezüglich eines Themas auf ihre Vor- und Nachteile analysiert werden sollen. Wenn du das Thema selbst wählen darfst, kannst du dich auch für eine Seite entscheiden: Bist du Pro oder Contra?

Direkt schon eine These im Kopf zu haben, hilft dir dabei, von vornherein die richtigen Texte für dich sammeln zu können. Recherchiere nach Artikeln, Pressemitteilungen oder Studien, die deine These in deiner Argumentation unterstützen können. Ein Thema könnte sein:

“Die landesweite Einführung von G9 an Gymnasien.”

2. Ordnung und Gliederung

Das Wichtigste bei deiner Argumentation ist ein gelungener Aufbau. Nur so kann der Leser deine Gedankengänge nachvollziehen. Von der Einleitung bis zum Schluss sollte also alles am besten vorab geplant sein. Dazu kannst du dir eine kleine Übersicht erstellen und stichpunktartig festhalten, was du an welcher Stelle schreiben möchtest.

3. Einleitung

In der Einleitung stellst du dein Thema vor und merkst an, welches Ziel du mit deiner Argumentation verfolgst. Versuche hierbei, den Leser neugierig auf dein Thema zu machen und animiere ihn so, weiterzulesen. Hier findest du Tipps und weitere Beispiele für eine gelungene Einleitung.

“Ein schon seit langem aktuelles Thema sind die beiden Schulsysteme G8 und G9. Während Sachsen und Thüringen schon seit 1949 durchgängig die verkürzte Form an ihren Schulen betreiben, ist sich der Rest Deutschlands eher uneinig. Seit dem Jahr 2000 gibt es bis heute immer wieder Änderungen, die nicht nur für Verwirrung bei Eltern und Schülern sorgen, sondern auch eine Chancengleichheit der Schüler verhindern. Aus diesem Grund sollte es eine landesweite Vereinheitlichung der Schulsysteme auf G9 geben.”

4. Hauptteil

Der Hauptteil besteht aus mehreren Argumenten

Der Hauptteil ist der Kern deiner Argumentation. Hier beginnst du damit, deine Argumente darzulegen. Diese baust du nach dem üblichen Muster der drei Bs auf: Behauptung, Begründung und Beispiel. Beginne mit deinem schwächsten Argument und steigere dich dann. Bei einer Erörterung werden die Argumente zudem in Pro und Contra aufgeteilt. Achte darauf, direkte oder indirekte Zitate einzubauen, damit du deine Aussagen belegen kannst.

Normatives Argument (schwächstes Argument):

"Die Mittelstufe wird bei G8 verkürzt. Das heißt, Kinder sind bereits ab einem Alter von 15 Jahren mit dem verkürzten System konfrontiert und müssen mehr leisten als Kinder mit G9. Doch in diesem Alter sollten Kinder noch keine Terminkalender wie Erwachsene führen und ihren Tag akribisch durchstrukturieren müssen. Sie sollten ihre Kindheit noch genießen können."

Plausibilitätsargument (mittleres Argument):

"Wie “Die Zeit” (Nr. 43/2016) berichtet, verfolgte die weitläufige Umstellung auf G8 das Ziel, die Schüler schneller arbeiten zu lassen und somit für eine Entlastung der Sozialsysteme zu sorgen. Sie sollen länger Steuern zahlen und früher die Rente sichern. Doch hierbei bleibt weniger Zeit für Persönlichkeitsentwicklung und private Interessen, denn auch diese können später wichtig für die Berufswahl und die Dauer der Tätigkeit sein. Wählen die Schüler aus mangelnden persönlichen Interessensgebieten den falschen Beruf oder gehen aufgrund von früher Stressbelastung auch früher in Rente, ist mit diesem System nichts gewonnen."

Faktenargument (stärkstes Argument):

"Das deutsche Meinungsforschungsinstitut Emnid bestätigte zudem, dass acht von zehn Eltern (79 Prozent) mit schulpflichtigen Kindern G9 dem verkürzten System G8 vorziehen. Um die deutsche Demokratie auch auf der Schulebene walten zu lassen, sollte demnach eine Vereinheitlichung aller Bundesländer auf G9 erfolgen. So hätten alle Kinder die gleichen Chancen, sich auf ihre Berufswahl vorzubereiten und ihre Persönlichkeit zu festigen."

5. Schluss

Der Schluss mit Zusammenfassung und Fazit

Zum Schluss fasst du alles bisher Gesagte noch einmal kurz und prägnant zusammen. Danach versiehst du dein Ergebnis mit einem persönlichen Fazit und schließt deine Argumentation mit einem Schlusssatz ab.

Zusammenfassung und Fazit sollten nicht aus bloßen Wiederholungen der vorherigen Formulierungen bestehen. Versuche etwas Abwechslung hineinzubringen und dein Anliegen mit anderen Worten zu beschreiben. So ist dein Text noch eindringlicher und du beweist Wortgewandtheit. Zudem kannst du wichtige Bezüge der einzelnen Argumente untereinander schaffen, damit sich alles noch schlüssiger zusammenfügt und dem Leser einleuchtet.

“Abschließend lässt sich sagen, dass die Entwicklung der Kinder bei unserem Bildungssystem im Vordergrund stehen sollte und sie in so jungen Jahren noch nicht die Verantwortung tragen sollten, das deutsche Sozialsystem stützen zu müssen. In einer Leistungsgesellschaft, in der Burnout schon lange kein Fremdwort mehr ist, sollte sich das System für die Schonung der Lehrer und Schüler einsetzen, damit diese überhaupt bis zur Rente durcharbeiten können.”

Der Schlusssatz soll den Leser dazu anregen, über deine Argumentation nachzudenken und sich womöglich noch intensiver mit dem Thema zu befassen. In der Regel ist es ein Satz, manchmal kann aber auch ein weiterer Satz auf den Schlusssatz hinführen. In Bezug auf unser Beispiel-Thema könnte das so aussehen:

“Viele Bundesländer sind wieder zu G9, das sich bereits über einen langen Zeitraum bewährt hat, zurückgekehrt. Um Schülern, Eltern und Lehrern wieder Sicherheit zu bieten und damit jeder Schüler die gleiche Chance hat, sich auf sein Arbeitsleben vorzubereiten, ist es höchste Zeit, G9 in allen Bundesländern einheitlich einzuführen.”

6. Überarbeitung und Korrektur

Die Überarbeitung deiner Argumentation ist wichtig, damit deine Sätze schlüssig zusammenhängen und der Leser deiner Gedankengänge nachvollziehen kann. Überprüfe hier auch wie deine Argumentation 'aussieht': Gibt es genug Absätze und ist dein Text ansehnlich? Die Korrektur soll Flüchtigkeitsfehler beseitigen. Insbesondere wenn deine Argumentation bewertet wird, lohnen sich Überarbeitung und Korrektur. Sie können über den ein oder anderen Notenpunkt entscheiden.

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