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Antithese: Definition, Wirkung + 16 Beispiele für das Stilmittel

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Antithesen kommen in verschiedenen Bereichen vor und haben je nach Kontext eine andere Funktion. Der gezielte Einsatz dieses rhetorischen Mittels im Alltag und in der Lyrik kann den Inhalt einer Aussage zusätzlich verstärken. Im Folgenden zeigen wir dir, was eine Antithese genau ist, was sie bewirkt und wie du sie erkennen kannst. Außerdem nennen wir bekannte Beispiele für Antithesen, die du sicherlich schon einmal gehört hast.

Definition: Was ist eine Antithese?

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Eine Antithese beschreibt einen Gegensatz

Der Begriff Antithese kommt vom lateinischen Wort antithesis beziehungsweise vom griechischen antíthesis, was übersetzt Gegensatz bedeutet. Wir sprechen von einer Antithese (Englisch: antithesis), wenn der Autor Sätze oder Satzteile gegensätzlichen Inhalts absichtlich zusammenstellt, die eigentlich unvereinbar sind – häufig mithilfe weiterer Stilmittel, um den Gegensatz zu verstärken.

Beispiel:

Ich bin reich und du bist arm.

In diesem Fall will der Autor eindeutig das Vermögen der jeweiligen Personen gegenüberstellen. Er nutzt bewusst eine Antithese, um den Gegensatz zu verstärken.

In der Alltagssprache wird der Begriff Antithese oft für jegliche Art von inhaltlichen Gegensätzen in Texten verwendet. Von einer Antithese als Stilmittel kann man aber nur dann sprechen, wenn eine besondere Gestaltabsicht dahinter steckt. Wenn sich der Gegensatz also von selbst ergibt, ohne dass der Autor ihn absichtlich und in auffälliger Form hervorhebt, handelt es sich nicht um eine Antithese. Das ist etwa bei einer einfachen Gegenbehauptung der Fall.

Beispiel:

– Der Baum in meinem Garten ist eine Esche.

– Nein, das ist keine Esche, das ist eine Buche.

These, Antithese, Synthese in der Dialektik

Die Dialektik, auch bekannt als die Lehre von den Gegensätzen in den Dingen oder den Begriffen sowie der Auffindung und Aufhebung dieser Gegensätze, können wir heute vereinfacht als Diskurs bezeichnen.

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Die Triade These, Antithese, Synthese in der Dialektik

Dieser Diskurs besteht aus der Triade These-Antithese-Synthese:

  • These: bestehende Auffassung oder Überlieferung
  • Antithese: Aufzeigen von Problemen und Widersprüchen
  • Synthese: Lösung oder neues Verständnis

Die Gegenüberstellung zweier Aussagen schafft also eine These und eine Antithese, also eine Negation der Auffassung aus der These. In dem Diskurs übernimmt die Antithese eine positive Funktion, da sie den Erkenntnisprozess vorantreibt und auf eine neue Ebene bringt. Dieses Ergebnis ist die Synthese.

Die Synthese dient wiederum als Negation der Antithese und fordert eine neue Gegenargumentation, sie ist also eine neue These.

Vereinfachtes Beispiel:

These:

Wir können rausgehen.

Antithese:

Wir können nicht rausgehen, weil es draußen regnet.

Synthese:

Wir können rausgehen, wenn wir einen Regenschirm mitnehmen.

Wirkung von Antithesen

Als Stilmittel findet man die Antithese oft in der Prosa, aber auch in der Lyrik. In beiden Anwendungsbereichen haben sie die gleiche Wirkung: Sie heben Aussagen hervor und können sie deutlicher und eindringlicher machen.

Das Aufeinandertreffen von Gegensätzen bewirkt, dass der Leser beziehungsweise Zuhörer die einzelnen Begriffe abgegrenzter wahrnimmt. Die gegenübergestellten Aussagen erscheinen klarer und konturierter. Außerdem kann die Antithese zwei Aspekte kontrastieren, also deutlich voneinander abheben.

Antithesen erkennen

Generell kannst du Antithesen leicht erkennen, indem du in unterschiedlichen Sätzen oder Satzteilen nach Gegenüberstellungen gegensätzlicher Begriffe oder Gedanken Ausschau hältst. Es gibt jedoch weitere Stilmittel, die ebenfalls Gegensätze darstellen und somit leicht mit einer Antithese zu verwechseln sind. Andere Stilmittel treten häufig mit einer Antithese gemeinsam auf. Wir zeigen dir, wie du diese Sonderfälle erkennst:

Antithese versus Oxymoron

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Antithese oder Oxymoron?

Bei der Gedichtanalyse findest du häufig Gegensätze, die der Autor bewusst als Stilmittel eingesetzt hat, um zwei Gedanken zu kontrastieren. Doch oft stehst du dabei vor der Frage, ob es sich bei der Gegenüberstellung um ein Oxymoron oder eine Antithese handelt.

Zunächst finden Oxymora, genau wie Antithesen, häufig in der Lyrik Anwendung, dafür aber seltener in der Prosa. Es gibt jedoch einen eindeutigen Unterschied, der dir die Unterscheidung erleichtert: Während die Antithese ganze Inhalte, Sätze oder Satzteile gegenüberstellt, verbindet das Oxymoron nur zwei gegensätzliche Begriffe miteinander, die meistens unmittelbar aufeinander folgen.

Beispiel Antithese:

Ich bin reich und du bist arm.

Beispiel Oxymoron:

Die armen Reichen.

Das Oxymoron stellt also nicht wie die Antithese zwei gegensätzliche Inhalte gegenüber, sondern stellt zwei sich widersprechende Begriffe direkt zusammen, es entsteht also ein innerer Widerspruch. Das hat neben der Hervorhebung des Gegensatzes sowohl eine anschauliche, aber oft auch eine unterhaltende Wirkung.

Antithese und Parallelismus

Ein Stilmittel, das die Antithese verstärkt und deshalb häufig im Zusammenhang mit einer Gegenüberstellung zu finden ist, ist der Parallelismus. Der Parallelismus bezeichnet den gleichen Aufbau der Satzglieder in aufeinanderfolgenden Sätzen. Die Satzglieder zweier Verse sind also parallel angeordnet.

Beispiel:

Ich habe einen Hund gekauft.
Du hast eine Familie gegründet.

Die Kombination dieser beiden Stilmittel bewirkt, dass die Verse als Einheit wahrgenommen werden. Der zweite Teil des Parallelismus lenkt durch die Wiederholung die Aufmerksamkeit erneut auf den ersten Teil. Das hat zur Folge, dass diese Einheit, beziehungsweise in diesem Fall der Gegensatz, verstärkt wird und genauer gedeutet wird.

Antithese und Chiasmus

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Ein Chiasmus verstärkt einen Gegensatz

Das Gegenstück zum Parallelismus ist der Chiasmus, der ebenfalls häufig zur Verstärkung einer Antithese verwendet wird. Ein Chiasmus ist eine spiegelbildliche Anordnung von Satzgliedern. Gleichwertige Satzglieder werden nicht parallel, sondern kreuzweise entgegengesetzt und in unmittelbarer Abfolge angeordnet.

Beispiel:

Ich liebe Katzen,

Hunde liebst du.

Der Einsatz eines Chiasmus hat, wie der Parallelismus, den Effekt, dass die beiden Elemente der Antithese als Einheit erscheinen und dass der Gegensatz dementsprechend verstärkt wird. Darüber hinaus kräftigt der Chiasmus die antithetischen Behauptungen zusätzlich, da die Kreuzstellung der jeweiligen Satzteile den Gegensatz quasi sichtbar macht und so veranschaulicht.

Beispiele für Antithesen

Wie erwähnt, finden Antithesen aufgrund ihrer Wirksamkeit sowohl in der Lyrik als auch in der Alltagssprache und Prosatexten Anwendung. Viele der genannten Beispiele kennst du wahrscheinlich schon. Überlege, welcher Gegensatz jeweils aufgezeigt wird, welcher Effekt mit dem Einsatz der Antithese erzeugt wird und ob weitere Stilmittel diesen Effekt verstärken.

Antithetische Aussagen in der Alltagssprache

Es gibt eine Reihe an Sprichwörtern und Redewendungen, die Antithesen enthalten. Auch in der Werbung ist die Antithese ein beliebtes Mittel, um einen Sachverhalt zu verstärken und anschauliche Gegensätze zu erzeugen. Viele der folgenden Beispiele hast du bestimmt schon einmal gehört oder sogar selbst verwendet:

"Lieber einen Spatz in der Hand, als eine Taube auf dem Dach."
– Sprichwort

 

"Harte Schale, weicher Kern"
– Sprichwort

 

"Unter den Blinden ist der Einäugige König."
– Sprichwort

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Die bekannte Antithese im Kontext der Mondlandung

 

"Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit."
– Neil Armstrong

 

"Hochmut kommt vor dem Fall"
– Sprichwort aus dem Alten Testament

 

"Wer Wind sät, wird Sturm ernten"
– Sprichwort aus dem Alten Testament

 

"Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach."
– Sprichwort aus dem Evangelium nach Matthäus

 

"Irren ist menschlich, Vergeben göttlich."
– Alexander Pope

 

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Die Verwendung von Antithesen in der Werbung

"Für kleine Hunde mit großen Ansprüchen."
– Werbeslogan der Hundefuttermarke Cesar

 

"In Bayern daheim. In der Welt zu Hause."
– Werbeslogan von Erdinger Weißbier

 

"Heiße Angebote für die kalte Jahreszeit."
– verbreiteter Werbeslogan

 

"Während man in Villariba noch arbeitet, wird in Villabacho schon gefeiert."
– Werbeslogan von Fairy Ultra

 

Antithesen in der Lyrik

Auch in der Lyrik finden sich zahlreiche Antithesen. Besonders in der Gedichtanalyse ist es wichtig, das Stilmittel sicher zu erkennen und seine Wirkung im Kontext zu deuten. Im Folgenden zeigen wir dir Beispiele aus bekannten Werken und liefern jeweils einen Deutungsansatz:

 

Friedrich Schiller (1759-1805)

Das Lied von der Glocke

[Ausschnitt aus der achten Strophe]

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,
Wo Starkes sich und Mildes paarten,
Da gibt es einen guten Klang.
Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.

In dem Ausschnitt thematisiert Schiller die Partnerwahl. Die Antithesen Strenge und Zartes beziehungsweise Starkes und Mildes stellen jeweils Gegensätze in der Persönlichkeit dar. Im Folgenden Vers bewertet er diese Gegensätze als positiv für eine Partnerschaft, ganz nach dem Motto "Gegensätze ziehen sich an".

Im letzten abgebildeten Vers legt Schiller dem Leser in Form der Antithese nahe, dass man sich vor einer Heirat sicher sein sollte, ob der Partner oder die Partnerin die richtige Wahl ist. Der Wahn, also die Verliebtheit und Traumvorstellung, ist nämlich nur von kurzer Dauer, verglichen mit der langandauernden späteren Unzufriedenheit in der Ehe.

 

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1626-1692)

Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen /
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand /

Der augen süsser blitz/ die kräffte deiner hand/
Für welchen solches fällt/ die werden zeitlich weichen/
Das haar/ das itzund kan des goldes glantz erreichen/
Tilget endlich tag und jahr als ein gemeines band.

Der wohlgesetzte fuß/ die lieblichen gebärden/
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden /
Denn opfert keiner mehr der gottheit deiner pracht.

Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen/
Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen/
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

Hier nutzt Hoffman von Hoffmannswaldau die Antithesen, um die Vergänglichkeit der Schönheit zu verdeutlichen, indem er den Gegensatz zwischen dem jetzigen Vorhandensein der Schönheit und der zukünftigen Abwesenheit derselben darstellt. Was jetzt warmer Schnee ist, wird zu kaltem Sand. Das Haar wird den goldenen Glanz, den es Itzund (= jetzt) hat, endlich (= schließlich) verlieren.

 

Andreas Gryphius (1616-1664)

Es ist alles eitel

Du siehst, wohin du siehst nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden:

Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was itzt so pocht und trotzt ist morgen Asch und Bein
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Itzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch bestehn?
Ach! was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t.
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten!

Auch in diesem Gedicht von Gryphius geht es um die Vergänglichkeit, in diesem Fall alles Irdischen. Gryphius kontrastiert deutlich das Heute und das Morgen, itzund und bald. Wo jetzt noch Städte stehen, wird morgen Wiese sein; was jetzt noch blüht, wird bald zerstört; was jetzt noch pocht, also lebt, kann morgen Asch und Bein, also tot sein. Und auch wenn wir jetzt glücklich sind, können wir bald unglücklich sein.

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832)

Faust. Der Tragödie erster Teil.

Nacht, Wagner

Ach Gott! die Kunst ist lang;
Und kurz ist unser Leben.
Mir wird, bey meinem kritischen Bestreben,
Doch oft um Kopf und Busen bang’.
Wie schwer sind nicht die Mittel zu erwerben,
Durch die man zu den Quellen steigt!
Und eh’ man nur den halben Weg erreicht,
Muß wohl ein armer Teufel sterben.

In diesem Ausschnitt aus Goethes Faust stellt Fausts Schüler Wagner entmutigt fest, dass er nie die ganze Kunst (= Wissenschaft) erfassen kann, da sie zu lang (= umfassend) ist, während ein Menschenleben kurz ist. Diese Antithese, unterstützt durch einen Chiasmus, verdeutlicht die Unvereinbarkeit der beiden Aspekte.
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