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Diminutiv: 7 Wirkungen + 125 Beispiele der Verniedlichung

Diminutiv-Verniedlichung-feature-shutter

Diminutive, auch bekannt als Verniedlichungen, laufen uns täglich und in verschiedenster Form über den Weg. Was genau ein Diminutiv ist, was es als rhetorisches Mittel bewirkt und welche bekannten Beispiele du sogar schon kennst, erfährst du im Folgenden.

Definition: Was ist ein Diminutiv?

Ein Diminutiv bezeichnet die grammatikalische Verkleinerung beziehungsweise Verniedlichung eines Substantivs. Der Begriff kommt von dem lateinischen Wort deminuere, was auf Deutsch vermindern oder verringern bedeutet.

Diminutive werden regelmäßig in der Alltagssprache verwendet, können aber auch gezielt als rhetorisches Mittel in Prosa und literarischen Texten eingesetzt werden.

Synonyme, also Wörter mit der gleichen Bedeutung, sind Deminutiv, Diminutivum und Deminutivum.
Das Antonym, also das Gegenteil von Diminutiv, ist Augmentativum. Das Augmentativum ist dementsprechend die Vergrößerungsform eines Substantivs. Der Plural von Diminutiv ist Diminutive.

Bildung des Diminutivs

Oft ist dir das Diminutiv eines Substantivs schon bekannt, da du es unbewusst bereits in deinen Wortschatz aufgenommen hast. Zudem gibt es ein paar einfache Regeln, nach denen du für jedes beliebige Wort das Diminutiv bilden kannst.

Regeln zur Bildung des Diminutivs

Diminutiv-Igel-Igelchen-shutter

Igel und Igelchen

Die Verkleinerungsform eines Substantivs wird gebildet, indem dem Substantiv ein entsprechendes Suffix, also eine Endung angehängt wird. Dieses Diminutiv-Suffix kann die Endung -chen oder -lein sein.

In manchen Fällen eignen sich beide Endungen zur Bildung des Diminutivs, in anderen Fällen hat sich nur eine der Verkleinerungsformen im Sprachgebrauch etabliert.

Beispiel:

Kind → Kindchen, Kindlein

Igel → Igelchen, Iglein

Oft geht die Bildung des Diminutivs mit der Änderung des Vokals der Stammsilbe zum entsprechenden Umlaut einher.

Beispiel:

Haus → Häuschen

Hund → Hündchen

Schaf → Schäfchen

Zudem fällt meistens der letzte unbetonte Vokal weg.

Beispiel:

Hase → Häschen

Hose → Höschen

Auge → Äuglein

Aus zwei Vokalen gebildete Umlaute werden zu einfachen Vokalen.

Beispiel:

Boot → Bötchen

Paar → Pärchen

Darüber hinaus gibt es einige weitere Anpassungen, die unter anderem nötig sein können, um den Klang des Wortes zu verbessern. Zum Beispiel Wörter, die mit -el enden, verlieren diese Endung in der Regel, wenn sie das Diminutiv-Suffix -lein erhalten.

Beispiel:

Spiegel → Spiegellein Spieglein

Vogel → Vögellein Vöglein

In manchen Dialekten, speziell im bayrischen und österreichischen Raum, wird das Diminutiv gebildet, indem die Endung -erl angehängt wird.

Beispiel:

Hund → Hunderl

Eine weitere Variante ist das schweizerdeutsche und südbadische Suffix -li. Andere Lautvarianten sind -le, -el, -la und -l.

Beispiel:

Tier → Tierli

Artikel des Diminutivs

Der Artikel eines Substantivs gibt das grammatische Geschlecht an, also ob es feminin (weiblich), maskulin (männlich) oder neutral (sächlich) ist.

Diminutive sind stets sächlich und erhalten dementsprechend alle den Artikel das, ungeachtet von dem Geschlecht der ursprünglichen Form des Substantivs.

Beispiel:

das Haus → das Häuschen

der Hund → das Hündchen

die Hose → das Höschen

Wirkung des Diminutivs

Generell hat das Diminutiv eine verniedlichende oder verkleinernde Funktion. Diese Funktion kann je nach Kontext verschiedene Wirkungen erzielen. Im Folgenden nennen wir mögliche Wirkungen, die mit dem Einsatz der Verkleinerungsform beabsichtigt werden.

Kleine oder junge Menschen kennzeichnen

Häufig wird das Diminutiv eingesetzt, um zu verdeutlichen, dass ein Mensch besonders klein oder jung ist. Gerade dann, wenn diese Eigenschaft im jeweiligen Kontext eine bestimmte Rolle spielt oder hervorgehoben werden soll.

Beispiele:

Was ist das denn für ein Männlein dahinten?
Na, was bist du denn für ein Kerlchen?
Diminutiv-Verniedlichung-Baby-Katze-Kätzchen

Diminutive können kleine und junge Menschen oder Tiere bezeichnen

Kleine oder junge Tiere und Pflanzen kennzeichnen

Genauso wird die Verniedlichungsform genutzt, um kleine oder junge Tiere oder Pflanzen zu bezeichnen. Besonders bei Tieren wird mit der Verwendung des Diminutivs häufig impliziert, dass es sich um ein Tierbaby handelt.

Beispiele:

Wir haben noch drei Kätzchen aus dem letzten Wurf abzugeben.
Unser Hündchen ist jetzt schon acht Jahre alt.
Wir haben im Sommer ein Bäumchen im Garten gepflanzt.

Kleine Gegenstände kennzeichnen

Des Weiteren kann das Diminutiv dazu dienen, kleine Gegenstände, speziell unter mehreren Gegenständen, zu bestimmen. Wie auch bei den Lebewesen verdeutlicht die Verniedlichung, dass es sich um eine vergleichsweise kleine Ausführung des Gegenstands handelt.

Beispiel:

– Kannst du mir bitte meine Tasche rüberreichen?
– Klar, welche ist denn deine?
– Das schwarze Täschchen auf dem Stuhl.

Koseform

Eine weit verbreitete Form des Diminutivs sind Kosenamen, also eine Art Spitznamen, die entweder aus dem Namen der bezeichneten Person oder aus einer assoziierten Eigenschaft abgeleitet werden. Diese verniedlichten Namen werden hauptsächlich für Kinder oder für geliebte Personen verwendet und symbolisieren Zuneigung, Liebe und Nähe zu der jeweiligen Person.

Beispiele:

Engelchen, kannst du mir helfen, den Tisch zu decken?
Gehen wir heute gemeinsam etwas essen, Spätzchen?

Abwertung einer Person oder eines Gegenstandes

Diminutive können aber auch eine negative Wirkung erzeugen, wenn sie speziell zu diesem Zweck angewendet werden. So kann die Verniedlichungsform bei der Beschreibung von einer Person bewirken, dass diese nicht für voll genommen oder abgewertet wird. Auch bei Gegenständen kann die Bezeichnung wertmindernd wirken.

Beispiele:

Du kleines Kerlchen hast mir gar nichts zu sagen!
Was? Mit diesem Bötchen willst du den See überqueren? Na dann viel Erfolg …

Untertreibung

Zudem kann das Diminutiv zur Untertreibung dienen, um einen Sachverhalt absichtlich herunterzuspielen, als weniger schlimm zu präsentieren oder um Situationen zu verherrlichen.

Beispiele:

Ich glaube wir haben ein Problemchen.
Ich hätte noch zu einem Pünktchen eine Anmerkung.
Deine Fältchen sind total unauffällig.

Ironie

Zuletzt kann die Verkleinerungsform genutzt werden, um Ironie zu erzeugen, also das Gegenteil von dem zu sagen, was eigentlich gemeint ist. Das geschieht dann, wenn eigentlich negative Gegebenheiten durch das Stilmittel verherrlicht werden.

Beispiele:

Das ist ja ein Wetterchen heute – Gewitter und Regen!
Ich hab in meiner Jacke ein altes Taschentuch gefunden – ein echtes Schätzchen!

Beispiele für das Diminutiv

Das Diminutiv wird sowohl in der Alltagssprache als auch in literarischen Texten häufig verwendet, um die eben genannten Wirkungen zu erzielen. Im Folgenden zeigen wir dir weitere Beispiele, die du teilweise schon kennst, aber bestimmt noch nicht als Diminutiv wahrgenommen hast.

Diminutive in der Alltagssprache

In den Wirkungen des Diminutivs hast du ja schon einige Beispiele des Stilmittels in der Alltagssprache kennengelernt. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Beispiele für die Verkleinerungsform, da zu fast jedem Substantiv das Diminutiv gebildet werden kann, um eben einen der vorgestellten Effekte zu erzeugen.

Diminutive in Redensarten

Diminutiv-Beispiele-Küsschen

Das Diminutiv "Küsschen"

Im Folgenden stellen wir dir einige Redensarten vor, die Verkleinerungsformen eines Substantivs enthalten und sich damit im alltäglichen Sprachgebrauch etabliert haben.

Beispiele:

Zerbrich dir darüber nicht dein hübsches Köpfchen.
Ich hab da ein Händchen für!
Wir haben keine Zeit für Späßchen!
Du bist ein richtiges Muttersöhnchen.
Gibst du mir noch ein Küsschen?
Freundchen, so nicht!
Heute weht kein Lüftchen.

Verselbstständigte Diminutive

Zudem gibt es eine Reihe an alltäglichen Begriffen, die eigentlich eine grammatikalische Verkleinerungsform eines Grundbegriffes sind, sich aber mittlerweile als eigener Begriff eingebürgert, also quasi verselbstständigt haben. Oft sind sie so geläufig, dass uns der Ursprung des Wortes gar nicht mehr präsent ist. Hier sind einige Beispiele dafür:

  • Mädchen
  • Brötchen
  • Herrchen und Frauchen
  • Fräulein
  • Märchen
  • Kaninchen
  • Hähnchen
  • Wehwehchen
  • Ohrläppchen
  • Meerschweinchen
  • Erdmännchen
  • Seepferdchen
  • Rotkehlchen
  • Radieschen
  • Stiefmütterchen
  • Maiglöckchen
  • Weidenkätzchen
  • Veilchen
  • Plätzchen
  • Maskottchen

Diminutive als Kosenamen

Sicherlich hast du einen deiner Lieben auch schon einmal mit einem Kosenamen angesprochen, um deine Zuneigung zu zeigen oder um diese Person etwas zu necken. Viele dieser Kosenamen sind Diminutive, mit denen Tiere, süße Lebensmittel oder andere Gegenstände verniedlicht werden. Beliebte Kosenamen sind unter anderem:

  • Schätzchen
  • Häschen
  • Engelchen
  • Bärchen
  • Mäuschen
  • Spätzchen
  • Herzchen
  • Löckchen
  • Röschen
  • Glücksbärchi
  • Rosinchen
  • Träubchen
  • Erdbeerchen
  • Brummelbärchen
  • Schneckchen
  • Schnecki
  • Würmchen
  • Täubchen
  • Törtchen
  • Honigmäulchen
  • Hasilein
  • Schnucki

In diesem Artikel findest du weitere tolle Kosenamen.

Diminutive als Spitznamen für Personen

Zuletzt werden auch häufig aus Vornamen Diminutive gebildet, die dann ebenfalls als Spitznamen für eine Person verwendet werden. Hier sind ein paar Beispiele dafür:

Diminutiv-Spitznamen-Kosenamen

Diminutive als Spitznamen

  • Peter → Peterchen
  • Paul → Paulchen, Pauli
  • Sabine → Binchen
  • Anna → Annalein
  • Marie → Mariechen
  • Josefina → Finchen
  • Julia → Julchen
  • Lea → Leachen
  • Lisa → Lieschen
  • Stefanie → Steffi
  • Karl → Karlchen
  • Mona → Moni
  • Horst → Horsti
  • Berthold → Bertl
  • Waltraud → Traudl
  • Hans → Hansi, Hänschen, Hänsel

In diesem Artikel lernst du weitere Methoden zur Bildung von Spitznamen kennen.

Beispiele für Diminutive in literarischen Texten

Auch in literarischen Texten, speziell in Märchen und Gedichten, finden Diminutive häufig Anwendung. Wir zeigen dir die bekanntesten Beispiele und geben dir Ansätze zu möglichen Interpretationen ihrer Wirkung.

Diminutive in Märchen

Zunächst ist die Bezeichnung der Textgattung Märchen selbst schon ein Diminutiv und stammt von dem Wort Mär ab, das im ursprünglichen Sinn einen Bericht oder eine Erzählung bezeichnet. Darüber hinaus kannst du in zahlreichen Titeln, Namen und Dialogen die Verniedlichungsform entdecken. Im Folgenden siehst du einige Beispiele:

  • Das hässliche Entlein (Hans Christian Andersen)
  • Hänsel und Gretel (Verniedlichung von Hans und Greta) (Brüder Grimm)
  • Das tapfere Schneiderlein (Brüder Grimm)
  • Das Eselein (Brüder Grimm)
  • Brüderchen und Schwesterchen (Brüder Grimm)
  • Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein (Brüder Grimm)
  • Der Wolf und die sieben Geißlein (Brüder Grimm)
  • Schneeweißchen und Rosenrot (Brüder Grimm)
  • Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst (Brüder Grimm)
  • Rumpelstilzchen (Brüder Grimm)
  • Rotkäppchen (Brüder Grimm)
  • Dornröschen (Brüder Grimm)
  • Tischchen/ Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack (Brüder Grimm)
  • Mäuschen und Flöhchen (Brüder Grimm)
  • Der Ranzen, das Hütlein und das Hörnlein (Brüder Grimm)
  • Die drei Männlein im Walde (Brüder Grimm)
  • Schneewittchen (Brüder Grimm)
    Diminutiv-Beispiele-Märchen-Schneewittchen-Spiegel

    "Spieglein, Spieglein an der Wand"

    • "Spieglein, Spieglein an der Wand"
    • "Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?"
      "Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?"
      "Wer hat von meinem Brötchen gebrochen?"
      "Wer hat von meinem Gemüschen genommen?"
      "Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?"
      "Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?"
      "Wer hat von meinem Becherchen getrunken?"
      "Wer hat in meinem Bettchen gelegen?"

Diminutive in Gedichten

Auch in Gedichten lassen sich zahlreiche Diminutive ausmachen. Aufgrund ihrer Suffixe lassen sie sich leicht identifizieren. Im Zuge einer Gedichtanalyse solltest du das rhetorische Mittel also erkennen und dessen Wirkung deuten können. Im Folgenden bieten wir dir zu den Beispielen bereits erste Deutungsansätze:

Joseph von Eichendorff

Die Zwei Gesellen

[…]

Der erste, der fand ein Liebchen,
die Schwieger kauft' Hof und Haus;
der wiegte gar bald ein Bübchen,
und sah aus heimlichem Stübchen
behaglich ins Feld hinaus.

[…]

Das Gedicht thematisiert den Wunsch der Menschen, mit Einbruch des Frühlings die weite Welt zu entdecken. Die abgebildete dritte Strophe zeigt jedoch einen Mann, der diesen Plan verworfen hat und sich in eine kleinbürgerliche Umgebung zurückzieht. Die Diminutive verdeutlichen diese behagliche Atmosphäre.

Achim von Armin

Laß rauschen Lieb, laß rauschen

Ich hört ein Sichlein rauschen,
Wohl rauschen durch das Korn,
Ich hört ein Mägdlein klagen,
Sie hätt ihr Lieb verlorn.

Laß rauschen, Lieb, laß rauschen,
Ich acht nicht, wie es geht,
Ich thät mein Lieb vertauschen
In Veilchen und im Klee.

Du hast ein Mägdlein worben
In Veilchen und im Klee,
So steh ich hier alleine,
Thut meinem Herzen weh.

Ich hör ein Hirschlein rauschen
Wohl rauschen durch den Wald,
Ich hör mein Lieb sich klagen,
Die Lieb verrauscht so bald.

Laß rauschen, Lieb, laß rauschen,
Ich weiß nicht, wie mir wird,
Die Bächlein immer rauschen,
Und keines sich verirrt.

Das vorliegende Volkslied thematisiert ein Mädchen, das von seinem Geliebten verlassen wurde. Das wiederholte Diminutiv Mägdlein verdeutlicht die Verletztheit und Hilflosigkeit des Mädchens. Das lyrische Ich rät der Magd, nach vorne zu sehen und ihr Leben weiterzuleben. Es tröstet sie damit, dass der weitere Weg im Leben vorbestimmt ist und zum Ziel führen wird. Das ganze Lied über werden weitere Diminutive verwendet, um darzustellen, wie das lyrische Ich versucht, das Mädchen zu besänftigen.

Johann Wolfgang von Goethe

Neue Liebe, neues Leben

[…]

Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wider Willen fest;
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Verändrung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! Lass mich los!

Dieses Gedicht handelt davon, dass das lyrische Ich bemerkt, dass es sich verändert hat und dass seine Geliebte der Grund dafür ist. Daraufhin versucht es, ihr zu entkommen. Das Diminutiv Zauberfädchen in der letzten Strophe soll die Verbindung zu seiner Geliebten, den Bund, in dem sie stehen, verharmlosen und als eigentlich schwach, dünn, und leicht trennbar darstellen. Trotzdem ist dieses Fädchen so stark, dass das lyrische Ich es nicht trennen kann und wider Willen an die Geliebte gebunden bleibt.
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