Skip to main content

Allegorie: Definition & 8+3 typische Beispiele für die Stilfigur

Die Allegorie ist ein beliebtes Stilmittel und wird in verschiedenen Formen angewendet. Verwendung findet sie vor allem in der bildenden Kunst und Literatur. Alles was du über die Allegorie wissen musst, erfährst du im Folgenden.

Die Allegorie ähnelt der Metapher. Auch sie stellt bildhaft dar, was sonst zu abstrakt wäre, um es zu beschreiben. Die Allegorie macht sich die Metapher sogar zu ihren Zwecken zunutze. Wie das genau funktioniert und was eine Allegorie genau ausmacht, erfährst du im Folgenden.

Definition von Allegorie

Definition von Allegorie

Das Wort Allegorie stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt “verschleierte Sprache“. Und genau um diese Verschleierung geht es bei der Allegorie. Mithilfe des Stilmittels wird ein bestimmter Sachverhalt abstrahiert und versinnbildlicht. Ein allgemeines Phänomen wird durch ein bestimmtes Symbol abgebildet. Dies kann sowohl ein einzelner Gegenstand als auch ein bildhafter Text sein, der mit zahlreichen Metaphern und Personifikationen einhergeht, die im Text ein großes Ganzes formen. Mehr über die rhetorischen Stilmittel erfährst du hier.  

So ist beispielsweise die Darstellung des Todes in Form des Sensenmanns eine Allegorie. Der komplizierte und abstrakte Sachverhalt des Todes nimmt hier eine genaue Gestalt an und ist somit zugänglicher und weniger komplex. In diesem Fall wird dazu eine Personifikation genutzt. Dabei werden einem abstrakten Sachverhalt menschliche Züge zugesprochen. Damit bekommt die Darstellung bildliche Züge, während sie bei einer Verwendung von mehreren Metaphern auf der rein sprachlichen Ebene verbleiben würde. Unterscheiden kannst du die Allegorie deshalb zwischen der bildlichen Allegorie und der sprachlichen Allegorie.

Bildliche Allegorie

Die bildliche Allegorie hat in der Kunst bereits eine lange Tradition und reicht zurück bis in die Antike. Dabei werden beispielsweise bestimmte Werte wie Liebe und Wut personifiziert und auf Gemälden oder als Skulpturen dargestellt. Ein bekanntest Beispiel ist das Gemälde “La liberté guidant le peuple“ von dem französischen Maler Eugène Delacroix aus dem Jahr 1830, das die personifizierte Freiheit in Form einer Frau auf dem Schlachtfeld zeigt.

Die Frau weist einige freiheitliche Symbole auf. Zum einen hält sie als Symbol für Frankreich die französische Flagge in der rechten Hand. Das Land befand sich zu dieser Zeit in der Julirevolution, bei der sich die einfachen Bürger gegen die französische Herrschaft auflehnten. Zum anderen hält die abgebildete Frau ein Gewehr und trägt die sogenannte Freiheitsmütze, die als Erkennungszeichen in der französischen Revolution diente. Beides deutet auf eine kämpferische Revolution hin, die zur Freiheit führen soll. Aufgrund zahlreicher Merkmale lässt sich das Gemälde somit als Allegorie für Freiheit deuten.

Allegorische Beispiele für die bildliche Allegorie

Allegorische Beispiele für die bildliche Allegorie: Sensenmann

Es gibt zahlreiche bekannte Beispiele für bildliche Allegorien, die im Alltag gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden, sondern schon einen festen Platz in der hiesigen Kultur oder als Nationalallegorie eine wichtige Bedeutung für das jeweilige Land haben. Nahezu jeder kennt ihre Symbolik und ihre Bedeutung, dennoch klären wir dich über einige bekannte Beispiele auf.

Justitia: Justitia ist die römische Göttin der Gerechtigkeit, die für eine ausgleichende Gerechtigkeit steht und darum eine Waage in den Händen hält. Im Laufe der Jahrhunderte wurde ihre Bedeutung jedoch mit denen der griechischen Göttinnen Dike und Themis vermischt, die die Gerechtigkeit durch göttliche Ordnung und die strafende Gerechtigkeit verkörpern. Mittlerweile kennt man die Justitia vor allem als Symbol für das Rechtswesen.

Schwarzer Tod: Im Spätmittelalter bürgerte sich der Begriff “Schwarzer Tod“ als Bezeichnung für die Pest ein, die in Europa zwischen 1346 und 1353 mehrere Millionen Todesopfer forderte. Der Begriff drückt zum einen die Schwere der Epidemie aus und könnte sich zum anderen auf die Schwarzfärbung der Pestbeulen beziehen. Dargestellt wird der schwarze Tod oft als Skelett mit schwarzem Umhang und großer Sense und ähnelt damit dem allgemeinen Symbol für den Tod: dem Sensenmann.

Sensenmann: Der Sensenmann als personifizierte Allegorie für den Tod stammt aus dem Mittelalter und findet sowohl in der darstellenden und bildenden Kunst als auch in der Literatur Anwendung. Seine typische Darstellung ist die eines Skeletts mit einem langen schwarzen Gewand und einer riesigen Sense, mit der er die Menschen in den Tod holt.

Füllhorn: Auch das Symbol des Füllhorns kann als Allegorie angesehen werden. Mythologisch steht es für Glück in Form von Fruchtbarkeit, Reichtum und Überfluss. Bei dem Horn handelt es sich um einen trichterförmigen Flechtkorb, der mit allerhand Blumen und Früchten gefüllt ist.

Helvetia: Bei der Helvetia handelt es sich um eine Frauenfigur, die die Eidgenossenschaft der Schweiz symbolisiert und seit der Gründung der Schweiz im 19. Jahrhundert eine bedeutsame Nationalallegorie bildet. Noch heute finden sich auf den landeseigenen Münzen Abbildungen der Helvetia.

Uncle Sam: Ebenfalls eine Nationalallegorie bildet die offiziell anerkannte und weltweit bekannte Werbefigur des Uncle Sam aus den USA. Dargestellt wird er als hagerer, älterer, weißer Mann mit ernstem Blick und Ziegenbart, der in den Nationalfarben der USA eingekleidet ist.

Germania: Auch Deutschland besitzt solch eine Nationalallegorie in Form der Germania, die im 19. Jahrhundert als nationalromantisches Sinnbild für die demokratische Bewegung und den deutschen Nationalstaat diente. Die Germania wird üblicherweise als Frau dargestellt.

Mutter Natur: Die Mutter Natur ist eine personifizierte Allegorie der Natur. Die Fraulichkeit beziehungsweise Mütterlichkeit spiegelt sich in der Fruchtbarkeit, Ursprünglichkeit und Ganzheit der Natur wider.

Sprachliche Allegorie

Die sprachliche Allegorie

Die sprachliche Allegorie ist zwar auf einen Text beschränkt, jedoch nicht weniger bildhaft. Hier geht es vor allem um die Deutung eines literarischen Werks, was unter anderem auch als Allegorese bezeichnet wird. Das Werk als solches wird dann als Allegorie bezeichnet, bei der zwischen den Zeilen gelesen werden muss. Die eigentliche Aussage des Textes wird also erst bei näherem Hinsehen deutlich. Allegorien können dir beispielsweise bei einer Gedichtanalyse, Novellen-Analyse oder Romananalyse begegnen.

Ein bekanntes Beispiel ist George Orwells “Animal Farm“ beziehungsweise “Farm der Tiere“, bei der es oberflächlich um einen Bauernhof geht, bei dem sich die Tiere gegen die menschliche Herrschaft auflehnen. Nachdem es den Tieren anfänglich unter ihrer eigenen Herrschaft besser geht, übernehmen die Schweine nach und nach die Kontrolle, bis sie selbst eine Gewaltherrschaft errichten. Gedeutet wird die Fabel meist im Bezug auf die Geschichte der Sowjetunion, bei der auf die Revolution eine Diktatur Stalins folgte.

Fabeln sind typische Gattungen sprachlicher Allegorien, die immer einen bestimmten Sinn enthalten. Obwohl Texte aus nahezu allen literarischen Gattungen Allegorien sein können, neigen einige Textgattungen eher dazu allegorisch gelesen zu werden oder sollten sogar als Allegorie verstanden werden, um keine falschen Schlussfolgerungen zu ziehen (Beispiel Bibel).

Allegorische Beispiele für die sprachliche Allegorie

Einige Textgattungen sind schnell als Allegorien zu erkennen. Sie enthalten eine versteckte Botschaft, die nach längerer Beschäftigung mit dem Text zutage tritt. Beispiele sind Fabeln, Sprichwörter und biblische Gleichnisse. Diese Aussagen oder Geschichten erscheinen zuerst belanglos, erkennst du jedoch ihren Sinn, lassen sie sich auf viele Lebenslagen beziehen.

Fabel: Der Pfau und die Dohle (Äsop)

Ein Pfau und eine Dohle stritten sich um die Vorzüge ihrer Eigenschaften. Der Pfau brüstete sich mit dem Glanz, der Farbe und der Größe seiner Federn.
Die Dohle gab all dieses zu und bemerkte nur, dass alle diese Schönheiten zur Hauptsache nicht taugten – zum Fliegen. Sie flog auf, und beschämt blieb der Pfau zurück.
Sei nicht stolz auf bloß äußerliche Vorzüge.

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

Bei Fabeln lässt sich der entsprechende Sinn am leichtesten erkennen. Denn obwohl die eigentliche Fabel als Allegorie geschrieben ist, steht die Botschaft am Ende der Fabel noch einmal klar und deutlich ausformuliert. Der Sinn bleibt also nicht verborgen, dennoch handelt es sich bei der eigentlichen Geschichte um eine Allegorie. Bei den Protagonisten einer Fabel handelt es sich zumeist um vermenschlichte Tiere, die die menschliche Gesellschaft widerspiegeln. Mehr über die Fabel erfährst du hier.

Sprichwort: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Sprichwörter als sprachliche Allegorie

Bedeutung: Wer anderen eine Falle stellt, tritt selbst hinein. Es wird vor verwerflichem Handeln gewarnt: Wer anderen schaden will, läuft auch Gefahr, sich selbst zu schaden.
Herkunft: Dieses Sprichwort stammt aus dem Alten Testament: „Wer eine Grube gräbt, der kann selbst hineinfallen.“ (Koh 10,8)

Sprichwörter verdeutlichen meist in Form einer Allegorie eine Lebensweisheit, die auf diese Weise prägnant ausgedrückt wird. Meist werden bestimmte Erfahrungen verallgemeinert. Diese Erfahrungen lassen sich wiederum auf verschiedene Lebensbereiche beziehen. Sprichwörter haben keine Autoren und sind oft fest im allgemeinen Sprachgebrauch verankert. Mehr Sprichwörter und ihre Bedeutungen findest du hier.

Biblisches Gleichnis: Das Gleichnis vom Senfkorn: 13,31–32

Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

Biblische Gleichnisse sollten ebenfalls nicht wortwörtlich, sondern immer allegorisch gedeutet werden. Würdest du es nämlich wortwörtlich nehmen, hätte es wahrscheinlich nur wenig Aussagekraft für dich. In diesem Beispiel würde es einzig um das Wachstum eines Samenkorns gehen. Als Allegorie bezogen auf das Christentum bezeichnet es die Bedeutung des Reich Gottes, das zuerst klein erscheint, aber später bedeutungsvoll sein wird.

10 votes, average: 4,50 out of 510 votes, average: 4,50 out of 510 votes, average: 4,50 out of 510 votes, average: 4,50 out of 510 votes, average: 4,50 out of 5 (10 votes, average: 4,50 out of 5)
You need to be a registered member to rate this.
Loading...

Ähnliche Beiträge