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Fabel: Merkmale, Analyse & Tiersymbolik (+ 10 typische Fabeln)

Die Fabel ist eine sehr alte literarische Gattung, in denen personifizierte Tiere meist die Hauptrolle spielen. Die Lehren und Stereotypen der Fabel begegnen uns in der Schule, im Studium oder auch im Alltag. Wir haben Wissenswertes und die wichtigsten Merkmale der Fabel sowie Tipps zum Aufbau deiner Analyse, beliebte rhetorische Mittel und die Symbolik der Fabeltiere. Zur Veranschaulichung findest du zusätzlich zehn Fabeln als Beispiele.

Die Fabel vermittelt wichtige Lebensweisheiten für Menschen mithilfe von Tieren. Durch ihre Vermenschlichung und ihre einseitigen Charaktere stellen zum Beispiel der gelehrte Storch, der böse Wolf, der schlaue Fuchs oder der mutige, sture Kater in der Fabel heute noch feste Tiersymbole dar. Wir informieren dich über alle Facetten der Fabel und helfen dir dabei, ihren Kern zu analysieren und zu verstehen.

Kurze Definition der Fabel

Kurze Definition der Fabel

Eine Fabel ist eine in Prosa oder Versform verfasste kurze Erzählung, die eine abschließende Moral oder Lehre beabsichtigt. Diese soll durch überspitzte, vermenschlichte Darstellungen von Tieren, Pflanzen oder Dingen (selten Menschen) offensichtlich interpretierbar gemacht werden. Häufig wird die Moral am Ende zusätzlich vom Autor noch ausformuliert. Bekannte Fabel-Autoren sind zum Beispiel Äsop (–565 v. Chr.), Jean de La Fontaine (1621–1695) oder Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781).

Die Geschichte der Fabel

Der Einsatz von Fabeln als Schullektüre kann bereits ab dem 3. Jahrtausend vor Christus in Vorderasien datiert werden. Ebenfalls außerhalb von Europa sind Fabeln aus Mesopotamien, Anatolien und der Levante aus vorchristlicher Zeit überliefert. Bekannte Fabelsammlungen sind die assyrische Ninurta-Uballitsu-Fabelsammlung von 833 v. Chr. und die altindische Fabelsammlung “Panchatantra” (übersetzt: “fünf Gewebe”), die zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert nach Christus entstand.

Die Fabel in Europa

Die Fabel in Europa

Als wohl bekanntester europäischer Begründer der Fabeldichtung gilt Äsop, der um 600 v. Chr. als Sklave in Griechenland lebte. Seine Texte fanden erst einige Jahrhunderte später Eingang in das mittelalterliche Europa.

Der älteste bekannte deutschsprachige Fabeldichter benutzte bereits einen Künstlernamen und nannte sich “Der Stricker”. Seine Fabeln stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Die älteste deutschsprachige Fabelsammlung ist Ulrich Boners “Edelstein” um 1324.

Als literarische Gattung etablierte sich die Fabel erst langsam im Zeitalter des Humanismus (grob gefasst 15.–17. Jahrhundert). Davor wurde sie, unter anderem auch von Aristoteles, eher als rhetorisches Element und Stilmittel betrachtet. Im 18. Jahrhundert erlebte die Fabel dann ihre Hochphase, wurde als Gattung endlich ernst genommen und erlebte unter anderem durch La Mottes “Discours sur la Fable” (1719) einen Aufschwung.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts weichen die Fabeln neuer Autoren stärker von den klassischen Fabelfiguren ab. Es gibt mehr Fabeln, in denen Menschen vorkommen und auch die Anzahl der Singvögel steigt (vergleiche Gotthold Ephraim Lessing). Bis heute gibt es Autoren, die sich mit der Gattung Fabel befassen.

Merkmale einer Fabel

Die wohl auffälligsten Merkmale einer Fabel sind ihre Kürze, ihre Moral und ihre tierischen Protagonisten. Nicht selten gibt es auch Pflanzen oder Dinge, die vermenschlichte Rollen einnehmen. Menschen sind hingegen eher selten und wenn überhaupt in neueren Fassungen wie zum Beispiel von Lessing anzutreffen.

Aus der kurzen Fabel lässt sich immer eine eindeutige Lehre ziehen oder sie ist wie bei Äsop klar im letzten Satz formuliert. Obwohl also selten menschliche Figuren vorzufinden sind, hält die Fabel dem Menschen den Spiegel vor und reflektiert ihr ‘schlechtes’ Verhalten in gesteigerter Art und Weise. Beliebte Themen sind Stolz, Gier, Neid, Eitelkeit und unfaires Verhalten. Im Folgenden findest du übersichtlich alle prägnanten Merkmale einer Fabel:

  • Autor und Entstehung sind bekannt.
  • Die Geschichte ist frei erfunden.
  • In der Regel wird kein genauer Ort und keine Zeit genannt.
  • Tiere, Pflanzen oder Dinge besitzen menschliche Eigenschaften.
  • Die Protagonisten haben einseitige Charaktere und stellen Stereotypen dar.
  • Man kann aus Fabeln eine Lehre ziehen oder sie ist am Schluss klar ausformuliert.
  • Die Personifikation von Tieren, Pflanzen und Dingen schützt vor direkter Kritik am Menschen.
  • Die Ständeordnung ist ein häufiges Thema.
  • Die Handlung findet in einer kurzen Zeitspanne an nur einem Ort statt.
  • Es gibt keine Nebenhandlungen, nur eine Haupthandlung.
  • Es wird eine allgemein verständliche, einfache Sprache verwendet und es finden keine starken Ausschmückungen statt.
  • Beliebte Tiere sind: Löwe, Fuchs, Rabe, Hahn, Henne, Esel, Pferd, Wolf, Hase, Maus, Frosch, Hund und Lamm.
  • Die Handelnden tragen keine Namen, sondern sind typisiert (“das Schilfrohr”, “der Fuchs”, “der Holzhacker”).

Abgrenzung der Fabel zu anderen Gattungen

Abgrenzung der Fabel zu anderen Gattungen

Aufgrund verschiedener Überschneidungen kann es schwer fallen, die Gattung “Fabel” von den Märchen, Sagen, Legenden und Parabeln abzugrenzen. Dabei gibt es einige merkliche Unterschiede, die in der Schule oder Universität hilfreich sein können, um den vorliegenden Text richtig einzugrenzen und zu bestimmen.

Große Verwirrung stiften vor allem die Fabelwesen, die vor allem in Märchen, Sagen und anderen fantastischen Erzählungen vorkommen und nach der Fabel benannt wurden. Sie können sowohl menschlich als auch tierisch sowie Geistwesen oder Mischwesen sein. Alte mythische Fabelwesen sind zum Beispiel der Minotaurus oder der Zyklop, im Mittelalter waren es Drachen und Einhörner, moderne Fabelwesen sind Bigfoot oder das Monster von Loch Ness.

In der klassischen Fabel finden sich jedoch keine Mischwesen, sondern eher uns Menschen bekannte Fabeltiere wie Wölfe, Raben, Füchse, Löwen, Hühner und dergleichen. Unterscheide deshalb zwischen “Fabeltieren” und “Fabelwesen”. Um Klarheit zu schaffen, findest du im Folgenden alle Merkmale und Unterschiede ähnlicher Gattungen aufgelistet. Die Gattung “Märchen” wird hierbei in “Volksmärchen” und “Kunstmärchen” geteilt, da sie sich sowohl erzählerisch als auch inhaltlich unterscheiden.

Volksmärchen

  • mündlich überliefert
  • es gibt keinen Verfasser, keine eindeutig bekannte Ursprungszeit und keinen Ursprungsort
  • es kommen hin und wieder auch sprechende Tiere oder Dinge vor, doch es gibt in der Fülle der Volksmärchen insgesamt mehr Menschen als Hauptfiguren
  • einfache Sprache
  • stereotype Handlungsmuster, die nach bestimmten Schemata im Volksmärchen immer wiederkehren
  • stereotype Handlungsorte (zum Beispiel Wald, Schloss), manchmal werden sie auch gar nicht benannt
  • zeitlose Handlung
  • stereotype eindimensionale Charaktere, keine Entwicklung oder Psychologisierung
  • Happy End, das Gute siegt über das Böse

Kunstmärchen

  • frei erfunden
  • bekannter Verfasser, Ursprungsort und -zeit
  • es kann Misch- und Fabelwesen (zum Beispiel Meerjungfrauen, Riesen, Zwerge), sprechende Tiere (zum Beispiel Enten, Störche, Schlangen) und Menschen als Figuren geben
  • ausgeschmückte und künstlerische Sprache
  • es gibt originelle Haupt- und Nebenhandlungen
  • Handlungsort und -zeit sind festgelegt
  • mehrdimensionale Charaktere, Entwicklung und Psychologisierung
  • kein eindeutiges Happy End oder schlechtes Ende

Sage

  • mündlich überliefert mit historischen Bezügen
  • folgt keiner literarischen Tradition
  • genaue Orts- und Zeitangaben
  • reale Schauplätze
  • Teilweise werden Naturgesetze aufgehoben, Fabelwesen treten auf
  • die Welt der Menschen und die Welt des ‘Andersartigen’ werden nicht vermischt, sondern räumlich voneinander getrennt
  • Personen werden oft mit Namen genannt, manchmal gibt es aber auch Typisierungen (zum Beispiel “der König”, “die Jungfrau”)

Legende

  • weist historische Bezüge auf und kann einen wahren historischen Kern haben, ist aber nicht sachlich, sondern literarisch ausgeschmückt
  • zielt auf das Vorlesen ab und steht in enger Verknüpfung zur literarischen Tradition
  • in der Regel sind Verfasser bekannt, die die Legenden bestimmter Heiliger oder bekannter Persönlichkeiten aufarbeiten
  • meist religiös behaftet
  • genaue Orts- und Zeitangaben
  • reale Schauplätze
  • keine Aufhebung der Naturgesetze, Menschen sind die Hauptfiguren
  • die Handlung hält sich an die Biografie der gewählten Person
  • Personen werden namentlich genannt

Parabel

  • oft als Binnenerzählung in ein Drama oder einen epischen Text eingebunden, sehr selten in eigenständiger Form
  • Autor und Erscheinungszeitraum des Textes sind bekannt
  • eine Art Gegenüberstellung mit einer intendierten Lehre
  • Lehre ist nicht ausformuliert, sondern verschlüsselt und begegnet dem Leser als Rätsel, dass es zu interpretieren und zu lösen gilt
  • nicht Tiere oder Dinge, sondern Menschen handeln

Analyse einer Fabel

Analyse einer Fabel

Im Unterschied zu einer Sachtextanalyse wird bei einer Fabelanalyse mehr Interpretationsarbeit geleistet. Kreativität und abstraktes Denken können hier sehr von Vorteil sein. Der Aufbau verhält sich ähnlich wie bei Gedichtanalysen, da viel Wert auf Symbolik gelegt wird.

Im Folgenden findest du die wichtigsten Schritte für den Analyse-Aufbau schnell und kurz erklärt, die wichtigsten rhetorischen Mittel und ihre Bedeutung und im Anschluss die wichtigsten Fabeltiere und ihre stereotype Symbolik.

Aufbau einer Fabelanalyse

Der Aufbau einer Fabelanalyse besteht wie jede Analyse aus guter Vorbereitung, einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss. Unter jedem Punkt findest du kurz erklärt, wie du Schritt für Schritt vorgehen kannst.

Vorbereitung

Lies die vorliegende Fabel zwei- bis dreimal und markiere prägnante Stellen. Falls dir direkt etwas zur Interpretation oder zur versteckten Lehre der Fabel einfällt, notiere dir sofort deine Ideen, bevor du sie vergisst.

Einleitung

Was weißt du über die vorliegende Fabel? In die Einleitung gehören Autor, Titel, Erscheinungsjahr und -ort sowie Textsorte. Außerdem sollte kurz angerissen werden, was das Hauptthema der Fabel ist. Meist genügt hierfür ein einzelner Satz. Zum Beispiel: “In der vorliegenden Fabel X aus dem Jahre X von dem Autor X geht es um X.”

Hauptteil

Im Hauptteil kannst du zum Inhalt, wenn nötig noch ein paar Sätze schreiben. Danach formulierst du deine Deutungshypothese. Was möchte die Fabel dem Leser mitteilen? Arbeite dann auf die Beantwortung dieser Frage hin.

Interpretiere den Textaufbau, die Erzählweise, die Sprache, den Stil (rhetorische Mittel) und die Charakterisierung der Handelnden (in diesem Fall wahrscheinlich die stereotypen Tiere). Nutze für deine Argumentation Belege, indem du Zeilenangaben (“vgl. Zeile X”) machst und eventuell Zitate hinzuziehst.

Schluss

Zum Schluss formulierst du die Botschaft der Fabel, die du durch deine Analyse herausgefunden hast, noch einmal aus. Ist sie warnend, pädagogisch oder einfach kritisch? Beziehe sie wenn möglich auf die heutige Lebenswelt. Ist diese Lehre auch heute noch nützlich und auf welche Situationen im Leben könnte man sie beziehen?

Die wichtigsten rhetorischen Mittel

Die wichtigsten rhetorischen Mittel einer Fabel

In diesem Abschnitt findest du die rhetorischen Mittel, die am häufigsten bei Fabeln eingesetzt werden. Wir haben sie kurz für dich erklärt, damit dir kein wichtiger Beleg für deine Argumentation im Hauptteil der Analyse fehlt. Hier findest du zusätzlich viele weitere rhetorische Mittel, die dir bei jeder Analyse weiterhelfen können.

Metapher

Wenn die Fabel die Lehre am Ende nicht ausformuliert, kannst du die gesamte Erzählung als Metapher betrachten. Sie veranschaulicht auf der Metaebene, in einer bildlich geschilderten Situation, was der Mensch aus der Geschichte lernen soll. Es wird metaphorisch (bildlich) gezeigt, was gemeint ist.

Anthropomorphismus (Personifikation)

Anthropomorphismus ist die Übertragung menschlicher Eigenschaften auf Tiere oder Dinge. Indem den Figuren in der Fabel menschliche Charaktereigenschaften wie Neid, Stolz oder Gier zugesprochen werden, werden sie für den Leser greifbarer. Der erzählerische Spielraum erweitert sich zudem stark, wenn Tiere, Pflanzen oder Dinge über menschliche Fähigkeiten verfügen (zum Beispiel das Sprechen, moralische Reflektieren oder Spielen von Instrumenten).

Wörtliche Rede

Die wörtliche Rede dient in einer Fabel dazu, die Tiere, Pflanzen und Dinge noch mehr zu personifizieren. Indem sie die menschliche Fähigkeit zu sprechen beherrschen, können ihre Charaktere für den Leser besser gedeutet werden. Als sprechendes Wesen kann sich der Mensch durch diese Gemeinsamkeit besser in die Figuren hineinversetzen und die geschilderte Situation auf seine eigene Lebenswelt übertragen. Die Lehre der Fabel wird interpretierbarer und mit höherer Wahrscheinlichkeit vom Leser verstanden.

Hyperbel

Eine Hyperbel ist eine Übertreibung. Wenn also in der Fabel die Situationen überspitzt dargestellt werden, kann von einer hyperbolischen Darstellung gesprochen werden, die die Lehre der Fabel in ihrer stärksten Ausprägung verdeutlichen soll. Ein Beispiel ist Äsops Fabel “Die Hasen und die Frösche”, in der sich die unglücklichen Hasen das Leben nehmen wollen, weil sie von allen gejagt werden, bis sie die Frösche sehen, die noch unglücklicher sind.

Die eigentliche Lehre, die auf diese Geschichte folgt, vermittelt hingegen weniger dramatisch, dass man sich nicht vom Unglück herunterziehen lassen soll, weil es immer Menschen gibt, die noch unglücklicher sind, als man selbst.

Alltagssprache

Die Alltagssprache ist zwar kein offizielles rhetorisches Mittel, aber kann in deiner Argumentation die Erzählweise des Autors näher beschreiben. Alltagssprache sorgt dafür, dass eine möglichst breite Masse an Menschen erreicht werden kann, da kein intellektueller Anspruch gegeben sein muss, um die Lehre der Fabel zu verstehen.

Außerdem verstärkt sie den Realitätsgehalt, indem sie die alltägliche Sprache des Menschen widerspiegelt und so für mehr Identifikationspotential sorgen kann. Da der Autor mit seiner Fabel implizit die Allgemeinheit (alle Menschen) anspricht, ist eine allgemein verständliche Sprache eine unausweichliche Voraussetzung.

Epimythion (nachgestellter Lehrsatz)

Ein Epimythion ist ein der eigentlichen Fabel nachgestellter Lehrsatz, wie eine ausformulierte Moral am Ende der Geschichte. Sie hält meist in einem einzelnen Merksatz fest, was man aus der Fabel lernen soll (siehe Äsops Fabeln). Das Gegenteil vom Epimythion ist das Anamythion oder Promythion als vorangestellter Lehrsatz (siehe Lessings “Der Falke”). Dieses sprachliche Mittel ist allerdings eher selten.

Fabeltiere: Stereotype Tiersymbolik in der Fabel

Tiersymbolik in der Fabel

Im Folgenden findest du die wichtigsten Fabeltiere und ihre Eigenschaften. Besonders beliebt sind der Kater, der Storch, der Wolf und der Fuchs. Diese vier Charaktere haben wir für dich ausgeführt, damit du sie in deine Analyse mit einfließen lassen kannst. Im Anschluss findest du zusätzlich in kurzer Fassung die typischen Eigenschaften und Namen weiterer Fabeltiere.

Der Kater in der Fabel

Der Kater in der Fabel trägt meist die Namen “Hinze” oder “Murr”. Sein Charakter wird eigensinnig, stur, unruhig und konfliktbereit dargestellt. Er streift leicht orientierungslos umher und weiß dennoch genau, was er will. Meist begibt er sich auf die Suche nach einem Zuhause oder nach sich selbst. Dabei ist er stets kampfbereit und scheut keine Auseinandersetzung. Seine Wege sind oft abenteuerlich und er muss Mut beweisen bis er endlich sein Ziel erreicht.

In der Fabel wird eindeutig zwischen Katze und Kater unterschieden. Katzen werden oft “Murner” genannt und sind im Gegenteil zum Kater eher von Trägheit und Verschlafenheit geprägt. Sie verbringen ihre Zeit gern im Warmen und bewegen sich nur zum Fressen.

Der Storch in der Fabel

Der Storch trägt in der Fabel, aber auch im Märchen und in Sagen oft den Namen “Adebar” oder “Meister Adebar”. Er besitzt einen hochmütigen, aber gelehrten Charakter. Zudem gibt es den Mythos, dass er die Babys bringt. Der Storch mit einem Bündel im Schnabel wird noch heute als Symbol genutzt, um die Geburt eines Kindes zu verkünden. Der Name “Adebar” bedeutet nach germanischer Herkunft “Träger des Glücks”. Seine Namensgebung hängt also unmittelbar mit seiner Aufgabe zusammen, die Kinder zu bringen.

Der Wolf in der Fabel

Den Wolf namens “Isegrim” findet man im mittelalterlichen Epos “Reineke Fuchs”. Der Name des Wolfs setzt sich aus den mittelhochdeutschen Begriffen für “Eisen” (mhd. îsen) und “knurren” (mhd. grînen) zusammen. Sein Charakter ist von Gefräßigkeit, Rücksichtslosigkeit, Gier und Boshaftigkeit geprägt. Zudem ist er grimmig und tölpelhaft, weshalb er trotz seiner Boshaftigkeit leicht reingelegt werden kann.

Die Tiersymbolik und der typische Charakter des Wolfes findet sich auch in Fabeln und Märchen. Zum Beispiel geht es in Äsops Fabel “Das Lamm und der Wolf” darum, dass der böse Wolf unter einem ausgedachten Vorwand ein unschuldiges Lamm rücksichtslos frisst. In Grimms “Rotkäppchen” legt der gierige Wolf das Rotkäppchen rein, um erst seine Großmutter und dann das Mädchen selbst zu fressen.

In Grimms “Der Wolf und die sieben jungen Geißlein” frisst er die Geißlein erst, doch hinterher holt die Mutter sie wieder aus seinem Bauch heraus und füllt ihn mit Steinen – der Wolf wird also selbst hereingelegt. In “Die drei kleinen Schweinchen” fällt er tölpelhaft in einen Topf mit heißem Wasser, nachdem er erfolglos versucht hat, ein Steinhaus umzupusten.

Der Fuchs in der Fabel

Der Fuchs in der Fabel trägt entweder den Namen “Reineke” oder “Reinhart” und ist schlau. Seinen literarisch nachweisbaren Ursprung findet er wie “Isegrim” der Wolf in dem mittelalterlichen Epos “Reineke Fuchs”, das später von Goethe adaptiert wurde. “Reineke” nutzt seine Intelligenz gern zu seinem Vorteil, weshalb seine Hauptmerkmale Durchtriebenheit, Unehrlichkeit und Listigkeit sind.

Diese typischen charakterlichen Merkmale des Fuchses ziehen sich auch durch den heutigen Sprachgebrauch. Zum Beispiel gibt es die Redewendungen “ein Sparfuchs sein”, “etwas war ausgefuchst” oder “schlau wie ein Fuchs sein”. Fabeln und mittelalterliche Literatur haben ihren Beitrag zu diesen Redewendungen geleistet, die wir noch heute verwenden.

Weitere Fabeltiere und ihre Eigenschaften

  • Affe (Name: Martin)
    Eigenschaften: intrigant und eitel
  • Biber (Name: Bockert / Bokert)
    Eigenschaften: fleißig und arbeitsam
  • Bär (Name: Petz / Meister Petz / Braun)
    Eigenschaften: gutmütig, freundlich und einfältig
  • Dachs (Name: Grimbart)
    Eigenschaften: ruhig und nachdenklich
  • Esel (Name: Langohr / Boldeqyn)
    Eigenschaften: faul und störrisch
  • Hahn (Name: Henning)
    Eigenschaften: eitel, stolz und hochmütig
  • Hase (Name: Meister Lampe / Lampe)
    Eigenschaften: ängstlich, vorsichtig und vorlaut
  • Lamm / Schaf (Name: Lamb)
    Eigenschaften: unschuldig, schutzlos, fromm, schwach und einfältig
  • Löwe (Name: Leo / Leu / Nobel / König der Tiere)
    Eigenschaften: stark, mächtig, königlich und stolz
  • Kranich (Name: Lütke)
    Eigenschaften: bürokratisch und starrsinnig
  • Ziege (Name: Metke)
    Eigenschaft: leichtgläubig, unzufrieden und naiv
Aktualität der Fabeltiere im Film:

Noch heute werden die stereotypen Eigenschaften der Fabeltiere medial genutzt. In dem Film “Zoomania” (Disney, 2016), im englischen Original “Zootopia”, werden diese als Vorlage für Vorurteile genutzt und im Laufe des Films entkräftet: Ein Fuchs ist ein guter Freund, dem man vertrauen kann, ein Hase wird ein mutiger Polizist und ein Schaf ist der hinterhältige Drahtzieher eines Rachefeldzugs gegen Raubtiere.

10 Beispiele für Fabeln von bekannten Autoren

Beispiele für Fabeln von bekannten Autoren

Damit du dir besser vorstellen kannst, welche Texte eindeutig als Fabel klassifiziert werden können, haben wir hier einige Beispiele für dich zusammengestellt. Du findest im Folgenden bekannte Fabeln von verschiedenen Verfassern aus unterschiedlichen Epochen und Ländern. Unter anderem die bekannten Äsop-Fabeln sowie Fabeln von Jean de La Fontaine, Wilhelm August Corrodi und Gotthold Ephraim Lessing.

Zur Übung für die Schule oder für dein Studium kannst du mit ihnen selbstständig Analysen durchführen und dich mit der Herangehensweise an Fabeln vertraut machen. Je mehr du dich mit dieser Textsorte beschäftigst, umso größer wird dein Verständnis für sie werden und umso schneller wird sich deine Interpretationsfähigkeit verbessern. Eine solche Fähigkeit kannst du innerhalb deiner schulischen und akademischen Laufbahn immer wieder gebrauchen.

Der Fuchs und die Truthühner (La Fontaine)

Es wählte eine Truthahnherde,
Die ein begieriger Fuchs begehrte,
Zur Nachtrast eines Baumes Äste.
Umsonst beschlich der Fuchs die Feste;
Und liess er sich’s auch viele Gänge kosten,
Fand er doch wachsam stets das Federvolk auf Posten.
Er zürnte: "Wie? Man lacht mich aus! Man spottet mein!
Sollten wahrhaftig einzig diese mir entgehen?
Ich sage: nein! Bei allen Göttern, nein!"
Und wie er’s schwur, so ist’s geschehen.
Wenngleich das helle Mondenlicht
Auch günstig schien der Hühnerschar
Und klar ihr zeigte die Gefahr –
Der kundige Fuchs verzagte nicht,
Er hatte seinen Sack voll List und Lug.
Er tat zunächst, als wolle er den Baum ersteigen,
Indem er seine Pfote um die Rinde schlug;
Dann sank er hin, um sich als toten Mann zu zeigen,
Und wieder auferstanden trieb er neuen Trug:
Verwandelte sich wie ein Harlekin
In immer andere Gestalten,
Hob seinen Schwanz und schwenkte ihn,
Hat unentwegt die indischen Hühner wach gehalten.
Von diesen, die den Feind nicht aus den Augen liessen,
Wagte natürlich keins, zum Schlaf das Lid zu schliessen.
Scharf spähten sie und wurden endlich müd und matt,
Und manches taumelte erschöpft vom Baum
Und fand alsbald die letzte Ruhestatt,
Die ersten in des roten Mörders Magen,
Die nächsten trug er schnell in seinen Vorratsraum
Nach Malepartus ein.

Was meine Fabel euch erzählt?
– Wer nichts als immer die Gefahr im Auge hält,
Fällt schliesslich ganz gewiss hinein.

(Jean de La Fontaine, 1621-1695, französischer Schriftsteller)

Die Raupe (Corrodi)

Kind. Was hast du Raupe mir gemacht?
Um Blatt und Blüthe ganz gebracht
Hast du das schöne Bäumlein da,
Wie man so-schön noch keines sah!

Raupe. Sei nicht so zornig über mich,
Und denk ein wenig nur an dich.
Nicht wahr, du liebst was Gutes sehr?
Und ich hab nicht gesündigt mehr;
Ich ass nur, was mir herrlich schmeckt,
Hier war für mich der Tisch gedeckt!

Kind. Hast Recht, ich kann nicht böse sein,
Und will dir diess Mal gern verzeihn;
Doch ach, wie mich das Bäumchen reut,
Fort ist die Frucht und aus die Freud!

(Wilhelm August Corrodi, 1826-1885, schweizer Dichter)

Der Falke (Lessing)

Des einen Glück ist in der Welt des anderen Unglück. Eine alte Wahrheit, wird man sagen. Die aber, antworte ich, wichtig genug ist, dass man sie mit einer neuen Fabel erläutert.

Ein blutgieriger Falke schoss einem unschuldigen Taubenpaare nach, die sein Anblick eben in den vertrautesten Kennzeichen der Liebe gestört hatte. Schon war er ihnen so nah, dass alle Rettung unmöglich schien, schon gurrten sieh die zärtlichen Freunde ihren Abschied zu. Doch schnell wirft der Falke einen Blick aus der Höhe und wird unter sich einen Hasen gewahr. Er vergaß die Tauben, stürzte sich herab und machte diesen zu seiner besseren Beute.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729–1781, deutscher Dichter und Dramatiker)

Die Gans (Lessing)

Die Federn einer Gans beschämten den neugeborenen Schnee. Stolz auf dieses blendende Geschenk der Natur, glaubte sie eher zu einem Schwane, als zu dem, was sie war, geboren zu sein. Sie sonderte sich von ihresgleichen ab und schwamm einsam und majestätisch auf dem Teiche herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie mit aller Macht abhelfen wollte. Bald suchte sie ihm die prächtige Biegung zu geben, in welcher der Schwan das würdigste Ansehen eines Vogels des Apollo hat. Doch vergebens; er war zu steif, und mit aller ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als dass sie eine lächerliche Gans ward, ohne ein Schwan zu werden.

(Gotthold Ephraim Lessing, 1729–1781, deutscher Dichter und Dramatiker)

Die Krebse (Äsop)

Geh doch gerade und vorwärts!" rief einem jungen Krebs seine
Mutter zu:
"Von Herzen gerne, liebe Mutter", antwortete dieser,
"nur möchte ich es dich ebenso machen sehen."

Jedoch vergeblich war der Mutter Anstrengung
und sichtbar ihre Klügelei und Tadelsucht.

Gib keine Befehle, die man nicht vollbringen kann,
und tadle an andern keine Fehler, die du selbst begehst!

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

Das Kamel (Äsop)

Als die Menschen das Kamel zum ersten Male sahen, erstaunten sie über die Größe des Tieres und flohen bestürzt davon.

Bald merkten sie aber, dass es nicht so furchtbar sei, wie sie es erwartet hatten, sondern dass man es leicht bändigen könne. Sie fingen es mit geringer Mühe ein und verwendeten es zu ihrem Nutzen. Ganz geduldig ließ es alles mit sich geschehen und wich jeder Gefahr aus. Nun fingen die Menschen an, weil es trotz seiner Größe und Stärke sich nie widerspenstig zeigte, sondern sich jede Kränkung ruhig gefallen ließ, es zu verachten, zäumten es auf und ließen es von ihren Kindern leiten.

Lass dich nicht von jedem gefährlich scheinenden abschrecken.

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

Der Löwe und das Mäuschen (Äsop)

Ein Mäuschen lief über einen schlafenden Löwen. Der Löwe erwachte und ergriff es mit seinen gewaltigen Tatzen.

»Verzeihe mir«, flehte das Mäuschen, »meine Unvorsichtigkeit, und schenke mir mein Leben, ich will dir ewig dafür dankbar sein. Ich habe dich nicht stören wollen.«

Großmütig schenkte er ihr die Freiheit und sagte lächelnd zu sich, wie will wohl ein Mäuschen einem Löwen dankbar sein.

Kurze Zeit darauf hörte das Mäuschen in seinem Loche das fürchterliche Gebrüll eines Löwen, lief neugierig dahin, von wo der Schall kam, und fand ihren Wohltäter in einem Netze gefangen. Sogleich eilte sie herzu und zernagte einige Knoten des Netzes, so dass der Löwe mit seinen Tatzen das übrige zerreißen konnte. So vergalt das Mäuschen die ihm erwiesene Großmut.

Selbst unbedeutende Menschen können bisweilen Wohltaten mit Wucher vergelten, darum behandle auch den Geringsten nicht übermütig.

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

Die Hasen und die Frösche (Äsop)

Die Hasen klagten einst über ihre mißliche Lage; »wir leben«, sprach ein Redner, »in steter Furcht vor Menschen und Tieren, eine Beute der Hunde, der Adler, ja fast aller Raubtiere! Unsere stete Angst ist ärger als der Tod selbst. Auf, laßt uns ein für allemal sterben.«

In einem nahen Teich wollten sie sich nun ersäufen; sie eilten ihm zu; allein das außerordentliche Getöse und ihre wunderbare Gestalt erschreckte eine Menge Frösche, die am Ufer saßen, so sehr, daß sie aufs schnellste untertauchten.

»Halt«, rief nun eben dieser Sprecher, »wir wollen das Ersäufen noch ein wenig aufschieben, denn auch uns fürchten, wie ihr seht, einige Tiere, welche also wohl noch unglücklicher sein müssen als wir.«

Laß dich nie durch’s Unglück niederschlagen; es gibt immer noch Unglücklichere, mit deren Lage du nicht tauschen würdest.

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

Der Pfau und die Dohle (Äsop)

Ein Pfau und eine Dohle stritten sich um die Vorzüge ihrer Eigenschaften. Der Pfau brüstete sich mit dem Glanz, der Farbe und der Größe seiner Federn.

Die Dohle gab all dieses zu und bemerkte nur, dass alle diese Schönheiten zur Hauptsache nicht taugten – zum Fliegen. Sie flog auf, und beschämt blieb der Pfau zurück.

Sei nicht stolz auf bloß äußerliche Vorzüge.

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

Die Stadt- und die Landmaus (Äsop)

Eine Landmaus hatte ihre Freundin, eine Stadtmaus, zu sich eingeladen und empfing sie in ihrer sehr bescheidenen Wohnung aufs freundlichste. Um ihren Mangel der sehr verwöhnten Städterin nicht merken zu lassen, hatte sie alles, was das Landleben Gutes bot, herbeigeschafft und aufgetischt. Da waren frische Erbsen, getrocknete Traubenkerne, Hafer und auch ein Stückchen Speck, wovon die Landmaus nur bei außergewöhnlichen Gelegenheiten aß.

Mit großer Genugtuung überschaute sie ihre Tafel und unterließ nicht, ihrer Freundin unablässig zuzusprechen.

Aber die Stadtmaus, durch die vielen gewohnten Leckereien verwöhnt, beroch und benagte die Speisen nur sehr wenig und stellte sich der Höflichkeit halber so, als wenn es ihr schmecke, konnte aber doch nicht umhin die Gastgeberin merken zu lassen, dass alles sehr wenig nach ihrem Geschmack gewesen sei.

»Du bist eine recht große Törin«, sprach sie zu ihr, »dass du hier so kümmerlich dein Leben fristest, während du es in der Stadt so glänzend führen könntest wie ich. Gehe mit mir in die Stadt unter Menschen, dort hast du Vergnügen und Überfluss.« Die Landmaus war bald entschlossen und machte sich zum Mitgehen bereit.

Schnell hatten sie die Stadt erreicht, und die Städterin führte sie nun in einen Palast, in welchem sie sich hauptsächlich aufzuhalten pflegte; sie gingen in den Speisesaal, wo sie noch die Überbleibsel eines herrlichen Abendschmauses vorfanden.

Die Stadtmaus führte ihre Freundin nun zu einem prachtvollen, mit Damast überzogenen Sessel, bat sie, Platz zu nehmen, und legte ihr von den leckeren Speisen vor. Lange nötigen ließ sich die Landmaus nicht, sondern verschlang mit Heißhunger die ihr dargereichten Leckerbissen.

Ganz entzückt war sie davon und wollte eben in Lobsprüche ausbrechen, als sich plötzlich die Flügeltüren öffneten und eine Schar Diener hereinstürzte. um die Reste des Mahles zu verzehren.

Bestürzt und zitternd flohen beide Freundinnen, und die Landmaus, unbekannt in dem großen Hause, rettete sich noch mit Mühe in eine Ecke der Stube.

Kaum hatte sich die Dienerschaft entfernt, als sie auch schon wieder hervorkroch und noch vor Schrecken zitternd zu ihrer Freundin sprach:

»Lebe wohl! Einmal und nie wieder! Lieber will ich meine ärmliche Nahrung in Frieden genießen, als hier bei den ausgesuchtesten Speisen schwelgen und stets für mein Leben fürchten müssen.«

Genügsamkeit und Zufriedenheit macht glücklicher als Reichtum und Überfluss unter großen Sorgen.

(Äsop, um 600 v.Chr., antiker griechischer Dichter)

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