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Epik: Merkmale, Analyse & 8 Besonderheiten von epischen Texten

Die Literatur kann in drei grundlegende Gattungen aufgeteilt werden: die Lyrik, Dramatik und Epik. Im Folgenden erfährst du alles über die Epik, welche Merkmale epische Texte auszeichnen und welche Besonderheiten du bei der Analyse beachten solltest.

Die Epik umfasst zahlreiche Textformen, die du teilweise in der Schule analysieren musst. Dieser Artikel stellt dir ein Muster zur Analyse eines epischen Textes vor. Zusätzlich gibt es acht Tipps, um diese zu erleichtern sowie sämtliche Merkmale der Epik.

Definition und Textformen

Epische Textformen

Das Wort Epik lässt sich von dem griechischen Wort “epikos“ ableiten, das soviel wie “zum Epos gehörend“ bedeutet. Die Epik wird oft auch als erzählende Literatur und erzählende Dichtkunst bezeichnet, denn sie bezeichnet fiktive Erzählungen. Sie kann in epische Kleinformen, mittlere epische Textformen und epische Großformen unterteilt werden.

Epische Kleinformen

  • Märchen: Eine meistens mündlich überlieferte Erzählung, die von wundersamen Ereignissen berichten. Sie haben meist keinen bekannten Ursprung und kommen in fast allen Kulturen vor.
  • Fabel: Eine in Vers- oder Prosaform geschriebene Erzählung, die durch vermenschlichte Tiere eine Lehre vermitteln soll.
  • Kurzgeschichte: Die Kurzgeschichte gehört zu den Prosatexten. Sie zeichnet sich durch ihre Kürze aus, besitzt aber ein besonderes Interpretationspotential.
  • Legende/ Sage: Eine Erzählung, die versucht den Kern oder Sinn eines Lebens oder Ereignisses zu vermitteln. Sie hat Parallelen zur Biographie aber gibt Glaubenswahrheiten, keine historischen Fakten wieder.
  • Anekdote: Eine Anekdote kann wahr oder erfunden sein und ist eine Geschichte über den Charakter eines Menschen. Sie ist humorvoll und dient zur Unterhaltung.
  • Kalendergeschichte: Eine kurze Erzählung in Prosaform, die der Unterhaltung und Belehrung dient oder auf eine Verhaltensänderung verweist.
  • Schwank: Ein Schwank ist ein Bühnenstück, das von einer Situation aus dem Volksleben erzählt. Meist handelt es sich um eine lustige Begegnung zwischen zwei Personen.
  • Parabel: Die Parabel ist ein kurzes Gleichnis, das eine Lehre vermitteln soll. Diese bleibt am Ende offen und soll vom Leser durch die Handlung erschlossen werden. Sie kann aber auch als rhetorisches Mittel in einem epischen Text vorkommen.

Mittlere epische Textformen

  • Novelle: Die Novelle ist etwas länger als die Kurzgeschichte, aber kürzer als der Roman. Sie berichtet von Problemen und Missständen, die nah an der Realität liegen.

Epische Großformen

  • Roman: Der Roman ist eine lange Erzählung des Schicksals einer oder mehrerer Personen. Die Geschichte wird ausführlich und ausgeschmückt geschildert und ist nicht auf formelle Vorgaben beschränkt.
  • Epos: Bei einem Epos handelt es sich um eine gleichartig aufgebaute Dichtung in Versform. Es umfasst in der Regel mehrere Werke.

Merkmale und Eigenschaften

Merkmale und Eigenschaften der Epik

Die Epik hat einige spezifische Merkmale und Eigenschaften, an denen du sie erkennen kannst. Obwohl epische Texte sehr unterschiedlich sein können, verbinden sie doch folgende Aspekte:

1. Bei dem Erzähler kann es sich um eine Figur aus der Geschichte handeln (Er-/ Sie-Erzähler beziehungsweise personaler Erzähler), aber auch um einen außenstehenden Erzähler (auktorialer beziehungsweise allwissender Erzähler). Auch eine Erzählperspektive in Ich-Form ist möglich (Ich-Erzähler).

2. Der Erzähler kann in Form (Er-/ Sie-Form), Verhalten (auktorial/ personal/ neutral), Sichtweise (melancholisch/ spöttisch/ etc.) und Verhältnis (nah/ distanziert/ neutral) zum Geschehen variieren.

3. Die erzählte Zeit, also die Handlung, spielt meistens in der Vergangenheit und wird im Präteritum, der einfachen Vergangenheit, beschrieben.

4. Die erzählte Zeit ist nicht an Raum und Zeit gebunden. In der Zeitgestaltung besteht also freier Spielraum.

Unterschiede zur Lyrik und Dramatik

Die Literatur kann in drei Gattungen geteilt werden: die Lyrik, Dramatik und Epik. Diese Gattungen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten.

Epik: Es wird eine fiktive Geschichte von einem fiktiven Erzähler in Vers- oder Prosaform erzählt. Die Handlung ist nicht an Raum oder Zeit gebunden.

Lyrik: Die Texte werden in Versen verfasst und sind von Subjektivität und vielen sprachlichen Mitteln geprägt. Mehr über die Lyrik erfährst du hier.

Dramatik: Der Text ist in Dialogform geschrieben und eigentlich für das Theater gedacht. Die Handlung hat keinen Erzähler und ist an Raum und Zeit gebunden.

Episches Theater

Das epische Theater wurde maßgeblich von dem Dramatiker Bertolt Brecht (1898-1956) geprägt und verbindet die Epik und die Dramatik, indem es sowohl erzählende als auch theatralische Elemente enthält. Es ist das Theater einer zunehmend wissenschaftlichen Epoche. Auch deshalb setzt es nicht auf die Emotionalität der Zuschauer, sondern auf dessen Moral und ethisch-politische Ansichten. Es soll den Zuschauer also nicht zum Mitfühlen, sondern zum kritischen Mitdenken bewegen. Das epische Theater soll lehrhaft sein und zielt auf eine Bewusstseinsbildung der Zuschauer. Dazu nutzt es Verfremdungseffekte, wie zum Beispiel Songs, Kommentare, Projektion oder direkte Ansprache des Zuschauers durch den Schauspieler.

Analyse eines epischen Textes

Analyse eines epischen Textes

Die Analyse und Interpretation eines epischen Textes verläuft ähnlich wie die eines dramatischen oder lyrischen Textes. Du beginnst mit einer Einleitung und einer kurzen Inhaltsangabe. Darauf folgt ein Übergang mit Deutungshypothese, der Hauptteil und zuletzt der Schluss. Unter jedem Punkt findest du erklärt, was damit gemeint ist. Mehr Tipps zur Textinterpretation gibt es hier. 

Einleitung

In der Einleitung einer Analyse gibst du die wichtigsten Eckdaten eines Textes an. Dazu gehört der Titel, die Textsorte, der Autor, das Thema (nicht zu verwechseln mit der Handlung) und Erscheinungsjahr und Erscheinungsort. Wenn dir die Epoche bekannt ist und diese für den Text relevant ist, kannst du auch diese hier erwähnen.

Inhaltsangabe

Nach der Einleitung folgt eine kurze Inhaltsangabe. Fokussiere dich hier auf die Haupthandlung und gehe nicht auf unwichtige Details ein. Du kannst den Text hier in sinngemäße Abschnitte einteilen und zu jedem dieser Abschnitte einen Satz schreiben. Achte darauf, keine wertenden Aussagen mit einzubringen.

Falls du mit einem Ausschnitt eines längeren Textes arbeitest, ist es wichtig, noch eine Kontextuierung vorzunehmen. Die Kontextuierung ist keine Inhaltsangabe, du sollst lediglich zu der gegebenen Textstelle hinführen. Das heißt, du sollst die Textstelle in die restliche Handlung des Werkes einordnen, aber nur die für die Textstelle wichtigen Ereignisse nennen.

Überleitung mit Deutungshypothese

Nachdem du den Inhalt eines Textes wiedergegeben hast, folgt eine Überleitung zum Hauptteil. Dies tust du mit einer Deutungshypothese. Die Deutungshypothese ist der erste Ansatz zur Deutung der Kernaussagen des Textes. Wie der Name schon sagt, ist dies jedoch nur eine Hypothese (Vermutung) und muss nicht vollständig oder korrekt sein. Deine Vermutung wirst du im Hauptteil dann belegen oder widerlegen.

Oftmals ist schon in der Aufgabenstellung ein Aspekt oder eine Fragestellung gegeben, die du analysieren sollst. Sollte dies der Fall sein, beziehst du dich in deiner Deutungshypothese natürlich darauf.

Hauptteil deiner Analyse

Nachdem du eine Deutungshypothese aufgestellt hast, belegst du diese nun im Hauptteil. Der Hauptteil ist die eigentliche Analyse. Gehe dabei zunächst auf die formalen Kriterien ein. Dazu gehören in der Epik die Erzählperspektive, die zeitliche Gestaltung, die Erzählform, der strukturelle Aufbau des Textes, aber auch die Figuren, die Sprache und die rhetorischen Mittel können hier wichtig sein.

Anschließend ist es wichtig, deine zuvor beschriebenen Aspekte zu interpretieren. Ob du das in einem separaten Abschnitt oder direkt nach dem beschriebenen Aspekt machst, ist dir überlassen. Sollte dein Lehrer dir jedoch diesbezüglich eine Vorgabe machen, hältst du dich besser daran.

Bei deiner Interpretation ist es wichtig, deine Deutungshypothese im Gedächtnis zu behalten. Außerdem wichtig könnten die geschichtlichen Hintergründe des Werks sein. Dazu zählt unter anderem auch die historische Epoche. Solltest du soziale, wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Umstände der jeweiligen Epoche kennen, die dieses Werk beeinflusst haben könnten, ist jetzt der Zeitpunkt, um diese zu erwähnen. Auch Ansichten des Autors könnten hier relevant sein.

Tipp: Vergiss während des gesamten Hauptteils nicht, deine Argumente mit Zeilenangaben zu belegen.

Schluss

Jetzt folgt der letzte Teil deiner Analyse. Du fasst hier deine Erkenntnisse aus der Analyse und Interpretation zusammen und ziehst ein Fazit. Beziehe dich auch nochmal auf deine Deutungshypothese und korrigiere oder ergänze sie gegebenenfalls.

Deine eigene Meinung solltest du nur äußern, falls dies auch ausdrücklich in der Aufgabenstellung gefragt wurde.

Besonderheiten von Epik-Texten

Besonderheiten der Epik-Analyse

Anfangs fällt dir die Analyse eines epischen Textes vielleicht schwer, jedoch wird dir dies im Laufe deiner Schullaufbahn immer wieder über den Weg laufen. Deswegen sind hier acht nützliche Tipps und Besonderheiten, die du für eine gelungene Analyse beachten solltest.

Erzähler

Was die Epik von anderen literarischen Gattungen unterscheidet, ist der Erzähler. Der Erzähler ist immer fiktiv und darf nie mit dem Autor verwechselt werden. Er ist lediglich der Vermittler der Geschichte – ein Werkzeug, um dem Leser die Idee des Autors zu veranschaulichen. Grundsätzlich wird zwischen dem Er-/ Sie-Erzähler (dieser kann auktorial, personal oder neutral sein) und dem Ich-Erzähler (dieser kann aus dem Geschehen heraus oder rückblickend erzählen) unterschieden.

Zeitgestaltung

Wie zuvor bereits erwähnt, ist die Epik nicht an Zeit gebunden. Der Erzähler kann frei zwischen Zeitraffung, -dehnung und -deckung hin und her wechseln. Die Erzählzeit (die Zeit, die zum Lesen benötigt wird) muss also nicht immer der erzählten Zeit (die Zeit, die in der Handlung vergeht) entsprechen.

Zeitraffung: Die Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit. Die Handlung wurde also wesentlich schneller erzählt, als sie eigentlich andauerte. (Beispiel: Es vergingen drei Wochen.)

Zeitdeckung: Die Erzählzeit und die erzählte Zeit entsprechen einander. Das Lesen einer Handlung dauert also genauso lang wie die Handlung selbst.

Zeitdehnung: Die Erzählzeit überwiegt der erzählten Zeit. Ein Vorgang, der eigentlich nur eine kurze Zeit andauert, wird detailliert, über mehrere Zeilen hinweg beschrieben.

Unterschied zwischen Thema und Handlung

Eine häufige Fehlerquelle ist, im Einleitungssatz das Thema und die Handlung zu verwechseln. In der Einleitung ist nur das Thema gefragt, nicht die Handlung. Unter einem Thema versteht man einen übergeordneten Leitgedanken des Textes. Achte deshalb darauf, die Handlung eines Textes immer einem übergeordneten Themenfeld zuzuordnen. Das Thema gehört in die Einleitung, die Handlung in die Inhaltsangabe.

Deutungshypothese

Falls in der Aufgabenstellung keine klare Anweisung zur Deutung des Textes gegeben ist, kann es oft schwer sein, eine passende Hypothese aufzustellen. Hier sind einige Ansätze:

Intention: Was möchte der Autor dem Leser vermitteln?

Kritik oder Befürwortung: Welche zeitlichen Umstände bestehen? Welche Ansichten hat der Autor selbst? Verweist der Autor auf zeitliche Missstände?

Appell an den Leser: Zu welchem Verhalten ruft der Autor auf?

Wirkung: Wie wirkt der Text auf den Leser? Welche rhetorischen Mittel werden verwendet?

Leitmotiv: Welches wiederkehrende Motiv wird verwendet und wie ist dies zu deuten?

Kommunikation: Welche Kommunikationsstruktur fällt dir auf? Wie wirkt sie sich auf die Beziehung zwischen den Figuren aus?

Inhaltsangabe

Um zwischen zuviel und zuwenig Information zu unterscheiden, kannst du dir hier vorstellen, dass du die Inhaltsangabe für einen Leser schreibst, der den Text nicht kennt. Orientiere dich daran, was dieser Leser erfahren müsste, um die wichtigsten Ereignisse des Textes zu verstehen.

Bewusstseinsstrom

Bewusstseinsstrom

Die Technik des Bewusstseinsstroms (englisch: Stream of consciousness) ähnelt dem inneren Monolog und ist hauptsächlich in der Epik zu finden. Sie soll helfen die Inhalte des Bewusstseins einer Figur möglichst unverändert darzustellen. Du erkennst ihn daran, dass Sätze eher einfach, ungeordnet und assoziativ gehalten sind. Auch Grammatik spielt keine große Rolle.

Hintergründe

Bei einer Analyse ist es oft auch nützlich einen Blick auf die Dinge zu werfen, die jenseits der vordergründigen Handlung passieren. Es ist nicht selten, dass die Ereignisse oder Beschreibungen des Hintergrunds, die der vordergründigen Handlung reflektieren.

Beispiel: Die Hauptfigur der Geschichte ist traurig. Im Hintergrund regnet es. Das Wetter passt sich hier der Stimmung der Hauptfigur an und steht symbolisch für Trauer.

Zeilenangaben

Achte darauf, dass du in deiner Analyse immer mit Textbelegen argumentierst. Grundsätzlich gilt, dass es in einer Analyse kein richtig oder falsch gibt. Du darfst jede These aufstellen und jede Aussage treffen, solange du dies mit einem Zitat aus dem Text belegen kannst.

Vergiss aber nicht, dass Zeilenangaben nur in den Hauptteil deiner Analyse gehören. Im Rest deines Textes solltest du die Handlung, falls nötig, in eigenen Worten wiedergeben.

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