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Kurzgeschichte: 5 Merkmale + 5 wichtige Tipps zur Interpretation von short storys

Die Gattung Kurzgeschichte oder auch short story wird im Bildungsbetrieb oft und gern verwendet, um Interpretationen zu üben. Deshalb haben wir für dich die wichtigsten fünf Merkmale, mit denen du eine Kurzgeschichte erkennst und fünf tolle Tipps für eine gelungene Interpretation zusammengestellt.


Die Kurzgeschichte ist eine bekannte und beliebte Textgattung, die aufgrund ihrer Kürze viel Interpretationsspielraum lässt. Im Folgenden informieren wir dich darüber, was eine Kurzgeschichte eigentlich ist, welche grundlegenden Merkmale sie aufweist und was du bei ihrer Interpretation beachten musst.

Was ist eine Kurzgeschichte?

Was ist eine Kurzgeschichte?

Der Begriff „Kurzgeschichte“ ist von der englischen short story entlehnt. Das literarische Genre der Kurzgeschichte fällt in die Gattung der Epik (erzählende Literatur) und gehört zu den Prosatexten. Es handelt sich also um Fließtexte ohne Versmaß. Weitere Prosagenres sind Romane, Novellen, Erzählungen, Biografien und so weiter. Wie der Begriff schon vermuten lässt, handelt es sich um eine kurze Geschichte, die in ihrem Inhalt komprimiert ist. Es finden sich also viele Informationen auf engem Raum ohne großartige Ausschmückungen.

Kurzgeschichten wurden insbesondere durch den Aufstieg der Zeitschriften populär. Ab dem 19. Jahrhundert fanden sich vor allem in englischsprachigen Zeitschriften zahlreiche Kurzgeschichten. Bekannte Vertreter sind Edgar Allan Poe (1809–1849), Ernest Hemingway (1899–1953) und William Faulkner (1897–1962). In Deutschland wurde das Genre der Kurzgeschichte erst um 1900 aufgegriffen, unter anderem von bekannten Autoren wie Alfred Döblin (1878–1957), Robert Musil (1880–1942) oder Ilse Aichinger (1921–2016).

5 Merkmale einer Kurzgeschichte

5 Merkmale einer Kurzgeschichte

Kurzgeschichten können nicht strikt in einheitliche Merkmale gezwängt werden. Sie unterscheiden sich in ihrer Gestaltung oft voneinander. Dennoch haben wir versucht, einige allgemeingültige Kategorien zusammenzustellen. Von ihnen müssen nicht immer alle Merkmale auf eine Kurzgeschichte zutreffen. Oft genügt es, einige von ihnen ausfindig zu machen, um den Text als Kurzgeschichte klassifizieren zu können.

Umfang

Eine Kurzgeschichte hat – verglichen mit anderen Epik-Genres – einen recht geringen Umfang. Zum Vergleich: Ein Roman hat in der Regel um die 70.000 Wörter, eine Kurzgeschichte bis etwa 15.000 Wörter. Viele Kurzgeschichten umfassen nur wenige Seiten, doch es gibt auch einige, die bis zu 30 Seiten erreichen und dennoch alle Merkmale einer Kurzgeschichte erfüllen. Das Ziel dieser Gattung ist es, die gesamte Handlung in einem Zug lesen zu können.

Interpretationspotential

Eine Kurzgeschichte lebt davon, dass viel zwischen den Zeilen gelesen werden muss. Sie komprimiert ihre Informationen und benötigt deshalb etwas Denkarbeit, um vollständig verstanden zu werden. Es gibt viele Metaphern, Symbole und Leitmotive, die es zu deuten gilt. Aus diesem Grund werden Kurzgeschichten gern in der Schule zum Üben von Interpretationen eingesetzt.

Sprachstil und Erzähltechnik

Die Erzählperspektive kann sich von Kurzgeschichte zu Kurzgeschichte unterscheiden. Oft wird das Geschehen allerdings von einem personalen Erzähler wiedergegeben. Der Leser begibt sich in der Regel direkt in das Geschehen, anstatt durch eine lange Einleitung auf die Handlung vorbereitet zu werden.

Die Handlung wird verdichtet dargestellt. Der Leser soll möglichst viele Informationen auf engem Raum bekommen. Es wird auf Ausschmückungen verzichtet und stattdessen dienen Andeutungen, Symbole und Metaphern als interpretierbare Informationsquellen. Das Erzähltempo ist dadurch beschleunigt. Auf Zeitsprünge wird jedoch eher verzichtet.

Es wird oft im Präteritum in einem Zeitraum von wenigen Sekunden, Minuten oder Stunden erzählt. Innere Monologe oder Einblendungen dienen manchmal dazu, Simultanität zu schaffen und so verschiedene Dimensionen in eine Momentaufnahme zu integrieren.

Der Sprachstil ähnelt meist der Alltagssprache, es werden auch Umgangssprache, Jargon oder Dialekte verwendet. Das Ende ist in der Regel offen oder hat eine Pointe. Wertungen oder Deutungen werden bei einer Kurzgeschichte vom Autor in der Regel vermieden. Die unabgeschlossene Handlung soll den Leser dazu anregen, über die Geschichte nachzudenken und sie zu interpretieren.

Figuren

Kurzgeschichten haben meist nur für wenige Hauptpersonen Platz. Oft sind es ein oder zwei Figuren, die im Fokus stehen. Eine Wandlung des Charakters findet dabei in der Regel nicht statt: Die Figuren werden in Aspekten charakterisiert und sind eher statisch als dynamisch. Oft haben sie nicht einmal Namen, sondern werden mit „sie“ oder „er“ betitelt. Sie bewegen sich zudem nur an wenigen Orten, an denen einer oder mehrere entscheidende Einschnitte in ihrem Leben geschehen sind. Die Figuren sind nicht heldenhaft, sondern alltagsorieniert gestaltet. Die Szenerie soll den Eindruck erwecken, als sei sie mitten aus dem Leben gerissen.

Themen

Kurzgeschichten sind oft düsterer Natur. Sie können fantastische und gruselige Elemente aufweisen, sind konfliktreich, skizzenhaft und emotional. Edgar Allen Poe konzentrierte sich beispielsweise auf Detektiv- beziehungsweise Kriminalgeschichten, die in die Richtung der Schauerliteratur tendierten. Zu den Themen gehören oft Probleme der Zeit, die sich am Alltag orientieren. Kurzgeschichten sind ein flexibles Genre, weshalb nicht selten Gattungsüberschneidungen zum Märchen, zu Fabeln oder Sagen stattfinden. Es gibt oft ein zentrales Thema oder Problem, um das sich die ganze Geschichte dreht. Die meisten Kurzgeschichten haben einen überraschenden Wendepunkt.

Interpretation einer Kurzgeschichte: 5 Tipps

Interpretation einer Kurzgeschichte: 5 Tipps

Kurzgeschichten leben davon, dass der Leser sie interpretiert und über ihre Bedeutung nachdenkt. Viele Details werden bewusst ausgelassen oder nur angedeutet. Es gibt viel Spielraum für eigene Gedanken, die bei einer richtigen Interpretation allerdings am Text belegt werden und in eine Argumentation eingebaut werden müssen. In den folgenden Tipps verraten wir dir, wie dir deine Interpretation mit Sicherheit gelingt. Hier kannst du besser schreiben lernen.

Der richtige Aufbau einer Interpretation

Wenn du eine Interpretation schreibst, solltest du dich immer an einen klaren Aufbau halten. Das hilft dir nicht nur, den Überblick beim Schreiben zu behalten, sondern auch deine Gedanken zu sortieren. Einleitung und Schluss sollten wie ein Rahmen für deine Analyse sein. Erst beginnst du mit dem groben Thema, dann gehst du in deiner Interpretation ins Detail und zum Schluss nennst du deine eigene Meinung und die Quintessenz des Textes.

Einleitung

Du beginnst mit der Einleitung und schreibst im Präsens. Zunächst nennst du im Einleitungssatz Textsorte, Titel, Autor, Erscheinungsjahr, Hauptpersonen und das Thema. Fasse die Handlung kurz und präzise zusammen.

Hauptteil

Im Hauptteil befindet sich deine Analyse. Du schaust dir die Kurzgeschichte jetzt also genauer an. Stelle die Figuren, ihre Charaktere und Probleme vor. Wie entwickelt sich die Handlung und wie verhalten sich die Figuren? Erkenne und nutze Leitmotive und rhetorische Mittel für deine Argumentation und belege immer mit Seiten-, besser noch mit Zeilenangaben. Beschreibe die Erzählperspektive (Er-/Sie- oder Ich-Erzähler, auktorialer oder personaler Erzähler) und gib einen Überblick über die zeitliche Struktur: In welchem Zeitraum und zu welcher Zeit/in welcher Epoche spielt das Geschehen?

Schluss

Welche Aussage hat die Kurzgeschichte deiner Meinung nach? Überlege, was der Autor beabsichtigt haben könnte und ob es eine Moral oder einen Denkanstoß gibt, der zum Schluss erwähnenswert ist. Ebenfalls geeignet ist ein Schlussatz, der die wichtigsten Ergebnisse deiner Interpretation noch einmal zusammenfasst. Vergiss nicht, deine Interpretation am Ende noch einmal Korrektur zu lesen.

Betrachte zuerst die Überschrift

Oft wird schnell angefangen zu lesen, ohne auf die Überschrift zu achten. Insbesondere bei Prüfungen unter Zeitdruck will alles schnell hinter sich gebracht werden und wichtige Hinweise werden übersehen. Die Überschrift kann oft ein wichtiger Hinweis sein, um die Geschichte von Anfang an besser verstehen zu können. Manchmal wird vom Autor sogar vorausgesetzt, dass die Überschrift gelesen wird und die Information sich im Horizont des Lesers befindet. Wenn du das nächste Mal eine Kurzgeschichte liest und du öfter ins Stocken gerätst, erinnere dich daran, zunächst die Überschrift zu lesen.

Genau lesen, Textstellen markieren und in Abschnitte gliedern

Konzentriere dich beim Lesen einer Kurzgeschichte und markiere wichtige Passagen. Fällt dir ein bestimmtes Wort auf, kommt ein Motiv besonders häufig vor oder erkennst du rhetorische Mittel? Markiere die jeweilige Textstelle und benutze dabei am besten verschiedenen Farben.

Teile die Kurzgeschichte in grobe Abschnitte ein und Fasse jeden Abschnitt in ein paar Sätzen kurz zusammen. Am besten geht das, wenn du die Geschichte ausgedruckt vor dir liegen hast und deine kurze Zusammenfassung neben die Passage an den Rand schreibst.

Beantworte die fünf W-Fragen

Während des Lesens solltest du dir Notizen machen und dabei versuchen, die fünf W-Fragen zu beantworten. Sie können dir anschließend helfen, dich besser an die Handlung zu erinnern und die Kurzgeschichte zu interpretieren. Konzentriere dich auf die folgenden Fragen:

  • Wo? (Wo findet die Handlung statt? Ist der Ort relevant für die Geschichte?)
  • Wer? (Welche Figuren gibt es in der Geschichte? Was erfahre ich über sie?)
  • Was? (Was geschieht? Welche Probleme werden geschildert?)
  • Wann? (Wann und in welchem Zeitraum spielt die Geschichte sich ab?)
  • Wie? (Wie wird erzählt? Gibt es sprachliche Besonderheiten?)

Wortspiele und rhetorische Mittel erkennen

Es gibt unzählige rhetorische Mittel (Tropen). Wir haben die Gängigsten für dich ausgewählt, da die Wahrscheinlichkeit recht hoch ist, dass sie in einer Kurzgeschichte vorkommen können. Sie helfen dir bei der Interpretation, da sie bewusst vom Autor eingesetzt werden, um wichtige Aspekte der Geschichte zu betonen. Du kannst sie bei deiner Analyse als Anhaltspunkte nehmen, um zu argumentieren, warum du die Geschichte auf eine bestimmte Art und Weise interpretierst. Im Folgenden findest du häufig eingesetzte rhetorische Mittel, ihre Bedeutung und Beispiele:

Metapher

Definition und Verwendung:

Es werden wenige Wörter verwendet, um Informationen zu vermitteln. Dieser verkürzte Vergleich, oft in bildlicher Sprache, geht über seine eigentliche, wörtliche Bedeutung hinaus und beruft sich auf den übertragenen Sinn.

Beispiele:

  • Tränenmeer
    (Dieser Begriff deutet darauf hin, dass viele Tränen fließen. So viele, dass der übertriebene Vergleich mit dem Flüssigkeitsumfang des Meeres verglichen werden kann.)
  • Jemandem das Herz brechen
    (Hiermit ist selbstverständlich keine reale Aktion gemeint, sondern eine übertragene. Das gebrochene Herz steht symbolisch für die gescheiterte Liebe. Es könnte zum Beispiel sein, dass die Person, der das Herz gebrochen wurde, verlassen oder betrogen wurde.)
  • Mauer des Schweigens
    (Die Mauer versinnbildlicht die Undurchdringlichkeit des Schweigens. Das Schweigen an sich verdeutlicht die Ablehnung einer verbalen Äußerung anderer Menschen Gegenüber.)

Alliteration

Definition und Verwendung:

Anfangslaute werden wiederholt, um einen Effekt zu erzeugen. Entweder sollen bestimmte Wortzusammenhänge deutlich gemacht werden, Melodie erzeugt werden oder lediglich die Wichtigkeit betont werden.

Beispiele:

  • Milch macht müde Männer munter.
    (Bei diesem Beispiel handelt es sich sogar um ein Tautogramm, da alle Wörter des Satzes mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen. Der Satz ist ein Werbeslogan aus den 1950er Jahren und die Alliterationen bewirken, dass sich jeder das Tautogramm gut merken kann.)
  • Ihre wallenden Wellen wirkten wunderbar im Sonnenlicht.
    (Hier handelt es sich um eine klassische Alliteration, die die imposante Wellenbewegung des Haares durch Lautlichkeit betonen soll.)

Anapher

Definition und Verwendung:

Worte oder Wortgruppen werden wiederholt, um ihre Wirkung zu verstärken und Melodie zu erzeugen. So wird sichergestellt, dass die Bedeutung des Satzes oder der Sätze auch wirklich verstanden wird. Oft werden Anaphern auch dazu verwendet, um zu steigern oder zusammenzufassen.

Beispiele:

  • Wegen ihm kann ich nie wieder ohne Todesangst einen Jahrmarkt besuchen. Wegen ihm kann ich nie wieder Karussell fahren. Ja, nur wegen ihm werde ich niemals wieder den Geruch von Zuckerwatte genießen können.
    (Diese Alliteration hat eine steigernde Funktion, indem sie weiter ins Detail geht. Ausgegangen von einem großen Problem, fallen dem Sprecher immer mehr Probleme ein, die damit verbunden sind und sein Problem noch größer machen. Betont wird die Projektion der Wut und die extreme Schuldzusprache auf den scheinbaren Verursacher der Probleme.)
  • Ich will dich sehen, will dich umarmen, will dich küssen, will dich lieben.
    (Diese Alliteration betont das Verlangen des Sprechers. Von ‘sehen’ zu ‘lieben’ findet eine Steigerung statt.)

Weitere bekannte Stilmittel sind:

  • Hyperbel (starke Über- oder Untertreibung)
  • Ironie (Äußerung, die das Gegenteil vom Gesagten meint)
  • Euphemismus (Beschönigung)
  • Ellipse (unvollständiger Satz, der sich in Gedanken leicht ergänzen lässt)
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