Skip to main content

Interpretation: 4 Tipps für eine gelungene Textanalyse + Beispiel

Besonders in der Schule musst du hin und wieder eine Interpretation schreiben. Egal ob im Fach Englisch, Geschichte oder natürlich Deutsch – Klausuren und Hausaufgaben beinhalten häufig Textanalysen. Doch auch in geisteswissenschaftlichen Studiengängen musst du oft noch Texte interpretieren. Wie das genau geht, erfährst du im Folgenden.

Texte zu interpretieren erlernst du als Grundhandwerk in der Schule. Dies ist oftmals gar nicht so einfach und bedarf einiger Übung. Wir erklären dir, wie du eine gute Interpretation aufbaust und was alles in eine umfassende Textanalyse gehört.

Was eine Interpretation ist

Was eine Interpretation ist

Die Interpretation meint im Allgemeinen die Auslegung von etwas Gegebenem. Schon die lateinische Übersetzung lässt darauf schließen. Denn übersetzt bedeutet der Begriff soviel wie Erklärung oder Auslegung. Interpretieren kannst du verschiedene Sachverhalte, so beispielsweise die Aussage eines Bekannten, Musik, Kunst und vor allem Literatur. Auf deinem Bildungsweg wird dir die Textinterpretation vermutlich oft begegnen. Also solltest du sie gut beherrschen können.

Wann eine Textinterpretation gefragt ist, erkennst du an Schlüsselwörtern wie “interpretiere“ oder “analysiere“. Dann wird von dir erwartet, dass du den Text genau unter die Lupe nimmst und zwischen den Zeilen liest. Auch wenn dir das anfangs vielleicht schwerfallen wird, kannst du doch schnell lernen, wie du richtig interpretierst und was in eine gute Interpretation gehört. Denn obwohl viel Deutungsvermögen von Vorteil ist, gibt es auch einige formale Grundsätze, an denen du dich bei deiner Interpretation orientieren kannst.

Unterscheiden solltest du allerdings zwischen einer Interpretation im Studium und einer Analyse, wie du sie in der Schule lernst. Während in der Schule klare Strukturen vorgegeben sind, kannst du im Studium – beispielsweise in der Literaturwissenschaft – verschiedene Methoden zur Analyse heranziehen. Im Folgenden legen wir den Fokus vor allem auf die Textinterpretation für die Schule. Allerdings erfährst du auch einiges, was für eine Textanalyse im Studium vorteilhaft sein kann.

Analyse schreiben: So geht’s

Analyse schreiben: So geht’s

Eine Interpretation, die du als Hausaufgabe oder Klassenarbeit in der Schule schreiben musst, folgt immer demselben Schema. Um eine gute Textanalyse zu schreiben, solltest du dieses Schema immer im Hinterkopf behalten und die einzelnen Punkte abarbeiten, damit du nichts vergisst. Am besten schreibst du dir einen Merkzettel oder eine To-Do-Liste, auf der du festhältst, welche Aspekte dir noch in deiner Interpretation fehlen.

Aufbau einer Interpretation

Wichtig ist zuallererst natürlich, dass du deine Interpretation richtig aufbaust. Denn bei der Textinterpretation gibt es eine feste Struktur, die du unbedingt einhalten solltest, damit deine Interpretation Sinn ergibt. So gehst du nicht nur sicher, dass du alle wichtigen Punkte in deine Analyse einbringst, sondern hast auch einen logischen Aufbau, der deinen Gedankengang unterstützt und dir auf diese Weise hilft, gute Argumente zu bilden, die deine Deutung des Textes stützen. Allgemein kannst du deine Textinterpretation in sechs Schritte einteilen.

1. Einleitung: Im ersten Schritt musst du deine Interpretation natürlich einleiten. Worum geht es genau? Um diese Frage zu beantworten, solltest du natürlich den Titel und Autoren des Textes (mitunter die genaue Textstelle) benennen, das Erscheinungsjahr des Textes angeben und kurz das Thema nennen. Wenn du möchtest, kannst du den Text auch schon einer Epoche zuordnen. Achte allerdings darauf, dass deine Einleitung nicht mehr als zwei Sätze umfasst.

2. Inhaltsangabe: Nach der Einleitung solltest du näher auf den Inhalt eingehen. Konzentriere dich dabei nicht auf unwesentliche Details, sondern gib die Haupthandlung strukturiert wieder und gehe auf die wichtigsten Charaktere ein. Hilfreich ist oft, wenn du den Text in verschiedene Abschnitte gliederst und den Inhalt Abschnittsweise wiedergibst. So kannst du die Handlung nicht nur selbst besser nachvollziehen, sondern auch deinen Lesern tust du damit einen Gefallen. Was du sonst für eine gute Inhaltsangabe beachten musst, erfährst du hier. Wie du ein englisches Summary schreibst, erklären wir dir in diesem Artikel.

3. Deutungshypothese: Nachdem du den Inhalt des Textes wiedergegeben hast, solltest du eine Deutungshypothese aufstellen, die du in der folgenden Analyse und Interpretation belegst. Beschreibe, wie du den Text deutest und was du im Folgenden zu belegen versuchst.

4. Formale Analyse: Da du nun eine Hypothese aufgestellt hast, kann du mit der Analyse des Textes beginnen. Dazu gehst du zuerst auf die formalen Kriterien des Textes ein. Was fällt dir am Aufbau des Textes auf? Benutzt der Autor bestimmte Wörter oder gar Slang? Ist der Satzbau auffällig? In diesem Schritt solltest du auch auf sprachliche Stilmittel eingehen. Kommt ein Stilmittel besonders häufig vor? Wiederholen sich bestimmte Symbole und lassen sie sich einem bestimmten Überthema zuordnen? Handelt es sich um Lyrik, solltest du in diesem Teil auch auf die Metrik und das Reimschema eingehen. Bei einem Prosa-Text solltest du die Erzählperspektive und die Erzählzeit benennen. Was du bei der Analyse einer Kurzgeschichte beachten musst, erfährst du hier. Tipps für eine gute Gedichtanalyse gibt es in diesem Artikel.

5. Interpretation: Nun kommst du zur eigentlichen Interpretation des Textes. Dabei gehst du auf die Erkenntnisse deiner bisherigen Analyse ein und interpretierst sie im Bezug auf deine Deutungshypothese. Deine jeweiligen Erkenntnisse solltest du mit entsprechenden Zitaten belegen. Symbole und rhetorische Stilmittel können deine Argumente ebenfalls stützen. Neben diesen formalen Aspekten spielt auch der historische Hintergrund und die Biografie des Autors eine entscheidende Rolle bei der Interpretation. Charakteristische Merkmale der Epoche solltest du in deine Interpretation ebenso miteinbeziehen. Mitunter kannst du den Text mit anderen Werken desselben Autoren oder mit anderen Werken aus der Epoche vergleichen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen.

6. Schluss: Zum Schluss fasst du die wichtigsten Erkenntnisse deiner Interpretation noch einmal zusammen. Konntest du deine Hypothese bestätigen? Und wenn ja, wieso? Der Schlussteil gleicht einem Fazit und stellt die wichtigsten Punkte noch einmal heraus.

Textinterpretation im Studium

Im Studium musst du ebenfalls häufig Textinterpretationen schreiben. Klassisch dafür ist besonders die Literaturwissenschaft, bei der Prosa und Lyrik im Vordergrund stehen. Zur Interpretation gibt es hier verschiedene Methoden. Bekannt und vielfach verwendet wird vor allem die Hermeneutik. Neben der Literaturwissenschaft kommt die Methode auch in der Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaft und Psychologie zum Tragen, um Texte reflektieren, verstehen und interpretieren zu können. Im Bezug auf die Literaturwissenschaft spricht man von der literarischen Hermeneutik, bei der neben der Autorintention auch auf die Entstehungsgeschichte und philologische Aspekte wie Übersetzungen eingegangen wird. Innerhalb der Hermeneutik gibt es wiederum verschiedene Interpretationen und Vorgehensweisen.

Rhetorische Stilmittel

Rhetorische Stilmittel erkennen für deine Interpretation

Einen besonderen Stellenwert in einer Interpretation nehmen rhetorische Stilmittel ein. Sie helfen dir dabei den Text besser zu verstehen und zwischen den Zeilen zu lesen. Mit ihnen kannst du deine Argumente hervorragend stützen. Rhetorische Mittel beeinflussen nicht nur den Klang, sie sorgen auch dafür, dass bestimmte Textstellen formal oder inhaltlich hervorgehoben werden. Zudem können einige Sachverhalte mit ihnen anschaulicher und verständlicher vermittelt werden. Sprachliche Bilder wie Metaphern eignen sich dazu ganz besonders gut. Andere Stilmittel wie Alliteration und Anaphern beeinflussen eher den Klang eines Textes, dienen aber auch zur Hervorhebung. Rhetorische Fragen sollen den Leser zum Nachdenken anregen. Mehr rhetorische Mittel und ihre Bedeutungen erhältst du hier.

Charakterisierung

Neben den rhetorischen Mitteln spielen die Charaktere, sofern vorhanden, natürlich eine wichtige Rolle bei der Interpretation des Textes. Besonders bei einer Romananalyse solltest du umfassend auf die Figurenkonstellation eingehen. Bei einer Gedichtanalyse oder der Interpretation einer Kurzgeschichte ist die Beziehung der Figuren untereinander meist nur angedeutet und eine umfassende Charakterisierung ergibt nur wenig Sinn. Bei Gedichten hat das lyrische Ich eine wichtige Bedeutung und kann verschiedene Rollen einnehmen. So gibt es ein explizites lyrisches Ich, das sich selbst benennt, und ein implizites lyrisches Ich, das erst mithilfe der Interpretation näher bestimmt werden kann.

Handelt es sich um eine Romananalyse beziehungsweise um die Interpretation eines Textauszugs aus einem bekannten Roman, solltest du die Figuren unbedingt weitestgehend charakterisieren. Belege an Textstellen, was für Charaktereigenschaften die einzelnen Figuren haben und wie sie in bestimmten Situationen handeln. Auch wie die Figuren untereinander agieren, ist eine wichtige Information. Darüber hinaus solltest du auch darauf eingehen, wie die Figuren an sich beschrieben werden.

Beschreibung von Raum und Zeit

Die Beschreibung von Zeit und Raum sollte in deiner Interpretation ebenfalls nicht fehlen. Dabei solltest du nicht nur beschreiben, wie der Ort der Handlung aussieht und in welcher Zeit sie spielt, sondern auch auf das Erzähltempo eingehen. Um das Erzähltempo zu bestimmen, musst du die erzählte Zeit im Bezug zur Erzählzeit interpretieren. Ist die erzählte Zeit länger als die Erzählzeit, besteht eine Zeitraffung. Dann wurden Ereignisse zusammengefasst. Ist die Erzählzeit genauso lang wie die erzählte Zeit, spricht man von Zeitdeckung. Eine Zeitdehnung besteht, wenn die erzählte Zeit kürzer ist als die Erzählzeit. Dann werden kurze Augenblicke detailliert beschrieben, so dass die Beschreibung länger dauert als der beschriebene Moment.

Interpretation am Beispiel Faust I

Interpretation von Goethes Drama “Faust I“

Goethes “Faust“ ist ein bekanntes Drama (Erstveröffentlichung 1808), das gerne für eine Dramenanalyse herangezogen wird. Anders als bei einer Gedicht- oder Romananalyse müssen hier der Dramenaufbau und Regieanweisungen in der Analyse berücksichtigt werden, um es daraufhin erfolgreich interpretieren zu können.

Damit du dir ein Bild machen kannst, wie eine Interpretation genau aussieht, haben wir Goethes “Faust I“ als Beispiel interpretiert. Dies ist natürlich nur eine Kurzfassung. In deiner eigenen Interpretation kannst du noch viel detaillierter vorgehen. Zudem haben wir Einleitung, Formale Analyse und Schluss weggelassen, so dass der Fokus allgemein auf der Interpretation liegt. Damit diese verständlich ist, darf die Deutungshypothese natürlich nicht fehlen. Falls du das Werk nicht kennst, haben wir zudem eine Inhaltsangabe für dich.

Zusammenfassung von Faust I

Doktor Faust steckt in einer Krise und sucht Antworten, die er durch seine Forschung jedoch nicht finden kann. Kurzerhand beschwört er einen Erdgeist, um diese Antworten zu bekommen, doch dieser macht sich nur lustig über den verzweifelten Doktor. Nach diesem Ereignis überlegt Faust sich umzubringen, entscheidet sich im letzten Moment jedoch dagegen. Am nächsten Tag macht Faust mit seinem Assistenten Wagner einen Spaziergang, bei dem diese von einem schwarzen Hund verfolgt werden, den Faust schließlich mit zu sich nach Hause nimmt. Dort offenbart sich der Hund als Mephisto, der Teufel. Dieser unterbreitet Faust ein Angebot: Der Teufel versucht Doktor Faust glücklich zu machen, wenn dieser ihm dafür seine Seele gibt.

Faust willigt ein und die beiden landen in einer Studentenkneipe, in der ausgelassene Stimmung herrscht. Da Faust jedoch wenig begeistert von den Vorkommnissen ist, bringt Mephisto Faust zu einer Hexe, die ihm einen Zaubertrank verabreicht, der Faust für Frauen unwiderstehlich machen soll. Dort sieht er das Abbild einer attraktiven Frau in einem Zauberspiegel. Faust und Mephisto gehen in die Stadt, wo sie auf Gretchen treffen, die der Frau aus dem Zauberspiegel zum Verwechseln ähnlich sieht.

Faust möchte Gretchen unbedingt für sich gewinnen und so besorgt Mephisto ein Schmuckkästchen, das die beiden in Gretchens Schlafzimmer platzieren. Gretchen bringt dieses jedoch zur Kirche. Daraufhin besorgt Faust ihr ein neues Schmuckkästchen, das Gretchen zu ihrer Nachbarin bringt. In diesem Moment kommt Mephisto hinzu, der der Nachbarin den Tod ihres Mannes bescheinigt. Die Nachbarin sieht in Mephisto einen neuen Partner und versucht sich ihm anzunähern. Gretchen und Faust können nun alleine sein und es kommt zu einem Kuss. Gretchen verliebt sich nun ebenfalls in Faust und es kommt zu einem erneuten Treffen, bei dem die beiden über Religion reden. Faust kann Gretchen überzeugen der Mutter ein Schlafmittel zu verabreichen, so dass die beiden die Nacht ungestört verbringen können. Das Mittel erweist sich jedoch als tödlich.

Als Folge der gemeinsamen Nacht ist Gretchen schwanger, was ihr Bruder Valentin prompt mitbekommt und Faust zur Rede stellt. Es kommt zum Kampf, bei dem Valentin stirbt. Mephisto reist mit Faust zur Walpurgisnacht, bei der ausgelassene Stimmung herrscht, doch Faust kann nur an Gretchen denken und erfährt schließlich, dass sie sterben soll, da sie ihr Kind tötete. Faust will Gretchen retten, doch diese will nicht mitgehen, da sie Mephisto als Teufel erkennt. Faust und Mephisto fliehen, während Gretchen hingerichtet wird und durch Gott in den Himmel gelangt.

Mögliche Deutungshypothese

In dem Stück geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse.

Mögliche Interpretation

Mögliche Interpretation von “Faust I“

Für Goethes Drama gibt es unzählige Interpretationen, die sich teilweise sogar widersprechen. Interpretierst du das Stück im Bezug auf die genannte Deutungshypothese, könntest du Mephisto als das Böse und Gretchen als das Gute benennen. Faust ist zwar vom Bösen besessen, fühlt sich dennoch vom Guten angezogen. Obwohl Gretchen zeitweise dem Bösen verfällt, entscheidet sie sich für das Gute, vor allem als sie das Böse als solches erkennt. Das Gute stirbt zwar am Ende, während das Böse am Leben bleibt, doch wird das Gute nach seinem Tod erlöst, indem es in den Himmel kommt. So scheint zwar das Böse zuerst zu gewinnen, doch ist das Gute auf einer viel höheren Ebene überlegen.

Tipp: Deine Interpretation solltest du mit ausreichend Textstellen und sprachlichen Mitteln belegen, damit sie in sich schlüssig ist. Belege an Textstellen, warum Gretchen gut und Mephisto böse ist. Welche Charakteristiken weisen die beiden als gut und böse aus? Welche Symbole und sprachlichen Mittel bestärken diese Vermutung? Gehe außerdem auf die Epoche ein, in der das Stück entstand. Da das Stück mehrere Jahrzehnte bis zur Fertigstellung in 1808 brauchte, fällt es sowohl in die Epoche der Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik und Romantik. Im Bezug auf die Epoche könntest du auch auf den Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion eingehen, der vor allem in dem Gespräch zwischen Gretchen und Faust über Religion ausgeführt wird, in dem auch die bekannte Gretchenfrage fällt.

20 votes, average: 4,50 out of 520 votes, average: 4,50 out of 520 votes, average: 4,50 out of 520 votes, average: 4,50 out of 520 votes, average: 4,50 out of 5 (20 votes, average: 4,50 out of 5)
You need to be a registered member to rate this.
Loading...

Ähnliche Beiträge