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Charakterisierung schreiben: Aufbau, 5 Merkmale & 3 Beispiele

Eine Charakterisierung fasst die wichtigsten Eigenschaften einer Romanfigur zusammen. Dazu gehören sowohl äußere als auch innere Merkmale. Wir helfen dir weiter mit den wichtigsten Merkmalen einer Charakterisierung, einem detaillierten Aufbau, zahlreichen Adjektiven zur Beschreibung und Beispielen zur Veranschaulichung.

Eine Charakterisierung wird in der Schule im Deutsch- oder Englisch-Unterricht und mitunter auch noch später im Studium gebraucht. Ob Aufsatz, Klausur oder wissenschaftliche Arbeit – wir haben alles Wissenswerte für dich zusammengestellt, damit du schnell und erfolgreich eine Charakterisierung schreiben kannst.

Definition einer Charakterisierung

Charakterisierung: eine Definition

Auch wenn die Begriffe “Charakterisierung” und “Personenbeschreibung” häufig gleichbedeutend verwendet werden, gibt es einen großen Unterschied. Eine Personenbeschreibung bezieht sich auf die äußeren Merkmale einer Person (wie Kleidung, Körper, Mimik, Gestik), eine Charakterisierung beinhaltet dagegen auch die inneren Merkmale (wie Gedanken, Gefühle, Charakterzüge).

Eine Charakterisierung dient also dazu, das Äußere und das Wesen einer Figur greifbar zu machen. Sie kann dir dabei helfen, die Verhältnisse der Figuren untereinander zu beschreiben oder Prognosen über das zukünftige Handeln der jeweiligen Figur zu treffen. Auch charakterliche Entwicklungen gehören dazu. In einer Interpretation oder einem Aufsatz kann eine Charakterisierung dir dabei helfen, deine Argumente zu untermalen.

Direkte und indirekte Charakterisierung im Text

Die Figuren in einem Text können entweder direkt oder indirekt charakterisiert sein. Bei einer direkten Charakterisierung beschreibt entweder der Erzähler, eine andere Figur oder sogar deine Figur selbst ihren Charakter. Zum Beispiel: “Lila war schon immer launisch.” Aus dieser Aussage geht die Charaktereigenschaft direkt hervor: Lila ist ein launischer Mensch, der schnell seine Stimmung ändert.

Bei einer indirekten Charakterisierung kannst du die Eigenschaften einer Person mithilfe ihrer indirekten Signale interpretieren. Damit sind Äußerungen der Person selbst sowie Empfindungen und Gedanken gemeint. Zum Beispiel: “Ich hatte Bedenken, ob ich wirklich zum Schulball gehen sollte. Nachher will noch jemand mit mir reden, oder schlimmer: jemand fordert mich zum Tanz auf.” Aus dieser Aussage kannst du ableiten, dass der Sprecher unsicher und kontaktscheu ist und nicht gerne tanzt.

Aufbau und Inhalt einer Charakterisierung

Bevor du mit deiner Charakterisierung startest, solltest du alle Stellen markieren, die Hinweise auf Charaktereigenschaften der ausgewählten Figur geben. Nutze auch Klebezettel, um dir die entsprechenden Seiten zu merken und mache dir kurze Notizen. Ergänze bei Notizen immer die Seitenzahl, damit du deine Beispiele hinterher wiederfindest.

Ziel einer Charakterisierung ist es, verborgene Charakterzüge zu finden, zwischenmenschliche Beziehungen herzustellen, Widersprüche aufzudecken und die Entwicklung der Figur nachvollziehbar darzustellen. So kannst du auch mögliche Prognosen für die weitere Entwicklung der Handlung stellen.

Aufbau einer Charakterisierung

Einleitung

Die Einleitung der Charakterisierung beginnt immer mit einem Einleitungssatz. In diesem solltest du die Textsorte, den Autor, den Titel des Werks, das Erscheinungsjahr und das Thema des Werks nennen. In einem zweiten Satz kannst du zusätzlich den Charakter kurz vorstellen, den du dir genauer anschaust.

Hauptteil

Der Hauptteil der Charakterisierung gliedert sich in Außensicht und Innensicht. Beginne hierbei immer mit den äußeren Merkmalen der Person. Zuerst kannst du Eigenschaften des Erscheinungsbilds nennen, danach etwas zur sozialen Situation sagen und schließlich die Sprache und das Verhalten beschreiben, das du von außen betrachten kannst. Manchmal ist es auch passender, zuerst mit der sozialen Situation zu beginnen. Das ist immer abhängig vom Schwerpunkt deiner Charakterisierung.

Danach gehst du über zur Innensicht. Warum verhält die Person sich so, wie sie es tut? Welche Gedanken und Ziele hat sie? Wie wird sie von der Gesellschaft oder ihrem Umfeld beeinflusst? Widme dich auch der Beziehung der Figur zu den anderen Figuren und halte fest, ob es eine Entwicklung gab und der Charakter somit dynamisch und komplex ist oder ob die Figur statisch und einfach gehalten ist. Hier findest du alle wichtigen Punkte des Hauptteils auf einen Blick:

Außensicht:

  • Äußeres Erscheinungsbild (Alter, Geschlecht, Größe, Körperbau, Gangart, Haarfarbe, Gesichtsmerkmale, Mimik, Gestik, Narben, Muttermale, Schmuck, Kleidung)
  • Soziale Situation (Herkunft, Bildung, soziales Milieu, Freundeskreis, Familie, Beziehung, Beruf, gesellschaftliche Stellung)
  • Sprache (Kommunikationssituation, Sprechweise, Gesprächsanteil)
  • Äußere Handlung (sichtbares Verhalten, Reaktionen auf das Umfeld, Gewohnheiten, Tätigkeiten)
  • Gesellschaftliche Wirkung (augenscheinliche Auswirkungen der Figur auf ihr Umfeld)

Innensicht:

  • Innere Handlung (Gedanken, Motive, Ziele, innere Konflikte, Gefühlswelt)
  • Gesellschaftlicher Einfluss (äußere Faktoren, die das Denken und Verhalten der Figur beeinflussen)
  • Rolle innerhalb der Personenkonstellation (Beziehung zu anderen Personen, dramaturgische Funktion)
  • Entwicklung (Charakterveränderung, dynamischer/runder oder statischer Charakter)

Schluss

Zum Schluss kannst du deine Beobachtungen noch kurz zusammenfassen und deine eigene Meinung dazu abgeben. Hier sind sowohl Kritik als auch Lob erlaubt. Außerdem solltest du bewerten, welche Bedeutung die Person und ihre Beziehung zu anderen Personen für das Gesamtwerk haben.

Charakterisierung schreiben: 5 wichtige Merkmale

Charakterisierung schreiben: Beachte diese 5 Merkmale

Du solltest immer darauf achten, die fünf Merkmale einer Charakterisierung einzuhalten. Sie betreffen sowohl die Wahl der richtigen Zeit und Reihenfolge als auch das korrekte Zitieren, eine anschauliche Sprache und das Einbringen deiner persönlichen Meinung. Lies dir die folgenden Merkmale durch, bevor du beginnst, an deiner Charakterisierung zu schreiben.

1. Eine Charakterisierung wird immer im Präsens oder Perfekt geschrieben.

Du beschreibst den Text und die Figur im gegenwärtigen Zustand. Deshalb solltest du in erster Linie das Präsens verwenden: “Die Figur Linda ist schüchtern und sehr bedacht.” In manchen Fällen eignet sich auch das Perfekt: “Linda hat gelernt, ihre Schüchternheit abzulegen und ist selbstbewusster geworden.”

2. Im Hauptteil werden zuerst die äußeren Merkmale, dann die inneren beschrieben.

Diese Reihenfolge ist wichtig, da der Leser zuerst das äußerliche Erscheinungsbild der Person vor Augen hat, bevor er ihr Eigenschaften zuschreibt. Außerdem kannst du so mit den Erwartungen des Lesers spielen, wenn bestimmte äußerliche Merkmale nicht zum Klischee der Charaktereigenschaften passen. Achte darauf, Absätze zu machen, um die unterschiedlichen Perspektiven auf die Figur optisch zu trennen und deinen Text angenehmer für den Leser zu machen.

3. Sie enthält Zitate als Beweise für deine Argumente.

Die Feststellungen, die du während der Charakterisierung machst, müssen mit Beispielen aus dem Text belegt werden. Hierzu kannst du ein direktes Zitat in Anführungszeichen als Beispiel heranziehen oder du belegst deine Aussage mit einem Vergleich im Text. In jedem Fall musst du kenntlich machen, woher du das Beispiel nimmst.

Dazu schreibst du die Seitenzahl und die Zeile in Klammern hinter dein Zitat. Bei einem direkten Zitat schreibst du zum Beispiel: (S. 12, Z. 3). Ein indirektes Zitat kannst du zusätzlich mit “vgl.” (= vergleiche) versehen, also so: (vgl. S. 12, Z. 3). Hier findest du alle wichtigen Zitierregeln.

4. Die Sprache ist anschaulich und enthält viele Adjektive zur Beschreibung.

Da das Ziel einer Charakterisierung ist, einen Charakter möglichst greifbar zu machen, benötigst du viele Adjektive und Vergleiche. So kannst du ein nachvollziehbares Bild deiner Figur schaffen. Wir haben im folgenden Kapitel unterschiedliche Adjektive zur äußerlichen und innerlichen Beschreibung einer Person für dich gesammelt.

5. In Einleitung und Hauptteil gibt es keine persönliche Wertung.

Die eigene Meinung solltest du dir bei einer Charakterisierung immer bis zum Schluss aufheben. Auch wenn du eine sehr bildliche Sprache verwendest, ist es wichtig, im Hauptteil objektiv zu bleiben. Im Schlussteil kannst du dann Kritik äußern, die Entwicklung, die Beziehungen oder den Charakter an sich bewerten und seine Bedeutung für das Werk herausstellen.

Hilfreiche Adjektive für eine Charakterisierung

Adjektive für eine Personenbeschreibung und Charakterisierung

In diesem Kapitel findest du einige hilfreiche Adjektive für eine Charakterisierung. Sie beziehen sich sowohl auf die Außensicht (Personenbeschreibung) als auch auf die Innensicht und bieten dir Beispiele dafür, wie du eine Person beschreiben kannst. Im Anschluss haben wir noch drei Textbeispiele, die veranschaulichen sollen, wie eine Charakterisierung aussehen kann.

Adjektive zur Personenbeschreibung (Außensicht)

  • Äußeres Erscheinungsbild:
    elegant, gepflegt, geschmackvoll, stilvoll, extravagant, auffällig, jugendlich, feminin, burschikos, ungepflegt, unscheinbar, kräftig, stämmig korpulent, muskulös, zart, dünn, blass, gebräunt, rosig, sommersprossig, groß, klein, ausdruckslos, nachdenklich, affektiert, weiblich, männlich, braunhaarig, blond, schwarzhaarig, rothaarig, modisch, unmodisch, natürlich, geschminkt, sportlich, verspielt
  • Körpersprache:
    grazil, anmutig, lässig, entspannt, locker, hektisch, nervös, flink, forsch, energisch, künstlich, übertrieben, resolut
  • Sprache:
    umgangssprachlich, mundartlich, gesprächig, still, wortkarg, langsam oder schnell sprechend, dialektal, vulgär, derb, kultiviert, förmlich, wissenschaftlich, bedacht, gewählt, kommunikativ, extrovertiert, introvertiert

Adjektive zur Beschreibung von Charaktereigenschaften (Innensicht)

  • Wesen:
    melancholisch, depressiv, schüchtern, besonnen, friedlich, ängstlich, zaghaft, cholerisch, hysterisch, aufbrausend, angepasst, reizbar, aggressiv, impulsiv, temperamentvoll, optimistisch, pessimistisch, lebhaft, unruhig, ruhig, ernst, humorvoll, aufmerksam, egoistisch, sozial, ungehalten, spontan, autoritär, devot
  • Charaktereigenschaften:
    eitel, eingebildet, arrogant, hochmütig, bodenständig, bescheiden, höflich, selbstständig, unselbstständig, unentschlossen, zögerlich, entschlossen, dominant, willensstark, selbstbestimmt, kühl, liebevoll, einfühlsam, charmant, ehrlich, unehrlich, selbstbewusst, unsicher, offen, vorurteilsbelastet, neugierig, verantwortungsvoll

3 Beispiele für eine Charakterisierung

In diesem Kapitel findest du drei Beispiele für eine Charakterisierung. Wir haben bekannte Figuren charakterisiert, zu denen häufig Aufgaben in der Schule gestellt werden. Zuerst findest du eine Charakterisierung zu Tschick aus dem gleichnamigen Buch von Wolfgang Herrndorf. Danach haben wir Anne Frank mithilfe ihres Tagebuchs charakterisiert und zum Schluss Dr. Faust aus Johann Wolfgang von Goethes “Faust I”. Sie dienen dir als Inspiration und helfen dir dabei, selbst eine gelungene Charakterisierung zu schreiben.

Charakterisierung von Andrej Tschichatschow aus “Tschick”

Charakterisierung von "Tschick" in Herrndorfs "Tschick" (2010)

Der Roman “Tschick” von Wolfgang Herrndorf aus dem Jahr 2010 handelt von den beiden Jungen Maik und Tschick, die trotz großer sozialer Unterschiede eine gemeinsame Reise in die Walachei unternehmen und enge Freunde werden.

Der Protagonist Andrej Tschichatschow, alias “Tschick”, ist ein fiktiver Charakter. Er ist 14 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Rostow in Russland (vgl. S. 42, 98, 106). Seit vier Jahren lebt er bei seinem Bruder in einem Hochhaus in Berlin, wo er anfangs in die Förderschule ging, aber so gut Deutsch lernte, dass er nun das Gymnasium besucht (vgl. S. 45). Durch seine Muttersprache hat er einen russischen Akzent im Deutschen (vgl. ebd.). Durch seinen Bruder hat er schon Erfahrung mit Ladendiebstahl, dem Verkauf gestohlener Ware und Betrug gemacht.

Er ist mittelgroß, hat einen kantigen Kopf mit hohen Wangenknochen und asiatische Augen (vgl. S. 42). Außerdem hat er kräftige Unterarme und dünne Beine (vgl. S. 44). Bis Maik ihm neue Kleidung schenkt, trägt er immer wieder ein altes, weißes Hemd, an dem ein Knopf fehlt, durchgelaufene Schuhe und eine billige Jeans (vgl. S. 42). Seine Schultasche ist eine Plastiktüte. Seine neue Kleidung besteht aus einer Jeans, einem grauen Jackett und einer Sonnenbrille (vgl. S. 92.)

Bei seinem ersten Besuch der neuen Klasse auf dem Gymnasium wirkt er unfreundlich auf seine Mitschüler und findet keine Freunde. Er kommt regelmäßig betrunken zur Schule, was ein starkes Schwanken seiner Noten bewirkt (vgl. S. 47, 51). Es ist verschlossen und lässt niemanden an sich heran, weshalb viele Gerüchte über ihn entstehen. Auch mit seiner direkten Art kommt nicht jeder klar. Die Schüler aus der höheren Stufe machen sich über ihn lustig.

Maik spricht er zum ersten Mal wegen seiner Drachenjacke an (vgl. S. 61). Mit der Zeit freunden sie sich an. Tschick erzählt Maik im Vertrauen, dass er homosexuell ist (vgl. S. 213f.). Dass er sonst Witze über Schwule macht, lässt vermuten, dass er sich deshalb schämt und sich minderwertig fühlt (vgl. S. 77). Auch seine Verschlossenheit und Unsicherheit, die er mit seiner Art zu überspielen versucht, lassen darauf schließen. Ein weiter Vertrauensbeweis ist, dass Tschick bei der Gerichtsverhandlung die Schuld auf sich nimmt, um Maik zu schützen (vgl. S. 235). Er opfert sich auf und muss in ein Heim.

Somit erweist sich Tschick als ein Charakter mit positiven und negativen Eigenschaften. Er ist ein dynamischer Charakter, der sich von einer eher skeptischen und verschlossenen Person zu einem wahren Freund wandelt, der vertrauen kann und sich für Maik einsetzt. Die Erziehung seines Bruders und der kriminelle Umgang haben sich auf den eigentlich sensiblen Jungen negativ ausgewirkt.

Charakterisierung von Anne Frank aus dem “Tagebuch der Anne Frank”

Das "Tagebuch der Anne Frank" wurde in 70 Sprachen übersetzt

Das “Tagebuch der Anne Frank” wurde vom 12. Juni 1942 bis zum 1. August 1944 während der Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg von Anne Frank geführt und ab 1947 in unterschiedlichen überarbeiteten und gekürzten Versionen veröffentlicht. Das zu Beginn dreizehnjährige jüdische Mädchen erzählt von ihren Gedanken und dem Leben mit ihrer Familie in einem Hinterhaus, in dem sie sich verstecken müssen.

Anne ist groß, hat eine helle, sommersprossige Haut sowie dunkle Haare und Augen. Ihre Haare trägt sie schulterlang und meist offen. Sie hat ein spitzes Kinn mit einem Grübchen und kleine Grübchen in den Wangen. Meist trägt sie einen schlichten knielangen Rock und eine Bluse. Sie kommt aus einer wohlhabenden Familie, ist gut erzogen, immer höflich und fröhlich. Zu ihrem Vater hat sie ein gutes Verhältnis, mit ihrer Mutter versteht sie sich weniger gut, respektiert sie aber. Zu ihr und ihrer Schwester verhält sie sich eher wie zu Freundinnen.

Nachdem sie ihr Tagebuch “Kitty” zum dreizehnten Geburtstag geschenkt bekommt, berichtet sie zunächst über ihren Alltag; über die Familie, die Schule und Jungen (vgl. S. 24, 26, 28). Als sich die Familie im Hinterhaus verstecken muss und sie nicht mehr raus kann, hält sie dort ihre Gedanken und Gefühle fest. Die Franks leben nur mit dem Nötigsten auf engstem Raum zusammen, dürfen nur zu bestimmten Zeiten Wasser laufen lassen. Trotzdem gefällt es Anne in der Wohnung.

Aus ihrem Tagebuch geht hervor, dass sie einen vielseitigen Wortschatz und viel Fantasie hat. Außerdem schreibt sie sehr anschaulich und detailliert. Sie ist lebhaft und intelligent, ihr Charakter manchmal allerdings auch recht ambivalent. Manchmal ist sie zurückhaltend und sehr freundlich, sie kann aber auch vorlaut sein und gemein werden. Gegenüber ihrer Schwester ist sie auch stur und eifersüchtig (vgl. S. 41). Trotz ihrer Lebensfreude ist sie manchmal auch melancholisch; fühlt sich missverstanden und allein. Außerdem beschäftigt sie sich mit ihrer Situation, nicht aus dem Haus zu dürfen und keinen Kontakt nach außen haben zu können, was sie traurig stimmt. Sie vertraut sich ihrem Tagebuch an, da sie das Gefühl hat, sonst mit niemandem reden zu können.

Insgesamt erkennt man eine charakterliche Entwicklung vom unsicheren Mädchen zu einer selbstbewussten jungen Frau. Anne Frank verliert nie ihren Mut und schenkt sich und ihrer Familie Hoffnung, dass sie sich eines Tages nicht mehr verstecken müssen. Trotz familiärer Probleme und eines tragischen Schicksals halten alle zusammen. Am 4. August 1944 wird das Haus gestürmt und Anne und ihre Schwester in das KZ Bergen-Belsen gebracht. Nach harter körperlicher Arbeit sterben sie beide im Februar/ März an Typhus. Annes Vater, Otto Frank, ist der einzige Überlebende der Familie. Anne ist noch heute ein Idol und eine Ikone, die die Erinnerung an eine schreckliche Zeit aufrechterhält, die sich niemals wiederholen sollte.

Charakterisierung von Dr. Heinrich Faust aus Goethes “Faust I”

Charakterisierung von "Faust" aus Goethes "Faust. Der Tragödie erster Teil." (1808)

In dem Drama “Faust. Der Tragödie erster Teil” von Johann Wolfgang von Goethe, veröffentlicht 1808 in der Weimarer Klassik, geht es um Doktor Heinrich Faust, der sich dem Teufel verschreibt, um seine Begierde nach Erkenntnis zu stillen.

Faust ist ein fünfzigjähriger Universalgelehrter, der wissenschaftliche Untersuchungen in der Medizin, Rechtswissenschaft, Philosophie und Theologie durchführt (vgl. V. 354ff.). Allerdings gibt ihm die Wissenschaft keine Erkenntnis darüber, was der Sinn des Lebens ist.

Er verkörpert in dem Drama weniger ein Individuum als einen Typus, der die Ziele und das Irren des Menschen aufzeigen soll. Dies wird bereits im Prolog sichtbar, in dem Gott und der Teufel Mephisto eine Wette abschließen, die Faust zum Versuchsobjekt macht. Gott glaubt an das Gute und die Tugend im Menschen und Mephisto beteuert ihre Triebhaftigkeit.

Faust hat einen festen Tagesablauf, in dem er die meiste Zeit in seinem Studierzimmer, verbringt. Er tritt also nicht viel in Kontakt mit seiner Umwelt und empfindet das enge Zimmer als “Kerker” (V. 398). Sein Charakter zeichnet sich vor allem durch seinen Drang nach der Erkenntnis aus, zu wissen, “was die Welt im Innersten zusammenhält” (V. 382f.).

Er ist ein rationaler, sehr ichbezogener Mensch, der aufgrund seines starken Wunsches nach Erkenntnis nur wenig geduldig ist. Dieser Wunsch treibt ihn sogar so weit, dass er überlegt sich das Leben zu nehmen und so zu “neuen Sphären reiner Tätigkeit” (V. 704) zu gelangen. Soziale Interaktion gehört weniger zu seinen Stärken, ebenso wenig der Umgang mit Frauen. Bisher hat er sich nicht mit seiner Triebhaftigkeit auseinandersetzt und gerät immerzu in Konflikt mit ihr.

Nachdem er sich auf einen Pakt mit Mephisto eingelassen hat, muss er nach zahlreichen Versuchungen erkennen, dass er sich mit beiden Seiten des Menschen, sowohl der Triebhaftigkeit als auch der Vernunft, beschäftigen muss, um Zufriedenheit zu erlangen und einen Sinn des Lebens zu erkennen. Die rein erlernte Wissenschaft reicht hierfür nicht aus.

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