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Ode: Definition, 3 Arten + 3 Beispiele für Oden

Die Ode ist eine Gedichtform, die sich durch ihren positiven und feierlichen Charakter kennzeichnet. Dabei muss die Gedichtform im strophischen Aufbau und im Metrum strikte Vorgaben erfüllen. Wie diese aufgebaut ist, welche Formen es gibt und wie eine Ode wirkt, erfährst du im Folgenden.

Lange gab es keine klare Definition von Oden und welche Kriterien diese erfüllen müssen. Erst seit dem 18. Jahrhundert wurde festgelegt, dass sich nicht jedes lyrische Werk als Ode kennzeichnen darf und bestimmte Vorgaben erfüllt sein müssen.

Seitdem muss eine Ode, neben ihrem feierlichen Charakter, Vorgaben im strophischen Aufbau und in der Metrik erfüllen. Eine der bekanntesten Oden ist die des deutschen Dichters Friedrich Schiller 'An die Freude'. Als Europahymne wurde das Gedicht als Komposition von Beethoven in seiner neunten Sinfonie international bekannt.

Was eine Ode ist

Was eine Ode ist

Die Ode ist eine Gedichtform mit einem feierlichen und positiven Charakter. Die Bezeichnung leitet sich aus dem Griechischen ab und wird mit dem Wort Lied, Gedicht oder Gesang übersetzt.

In der Antike wurde die Ode noch nicht abgegrenzt und beschrieb jedes lyrische Werk, was zur Musik vorgetragen wurde. Daher wird die Hymne auch häufig als Synonym für die Ode genutzt. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es aber strikte Vorgaben, welche Werke sich als Ode bezeichnen dürfen.

Seitdem beschreibt die Ode eine Gedichtform und bezeichnet keine lyrischen Werke mehr, die mit Musik begleitet werden. Besonders im strophischen Aufbau, im Metrum und in der Thematik der Ode gibt es Merkmale. Im Vergleich zum Lied sind Oden kunstvoller gestaltet und haben einen gehobeneren Stil. Eines der bekanntesten Beispiele ist Friedrich Schillers Ode 'An die Freude', die in Beethovens neunter Sinfonie vertont wurde.

Aufbau der Ode

Aufbau der Ode

Die Gedichtform erkennst du durch einen bestimmten Aufbau. Für die Oden gibt es verschiedene Strophenmuster, die sich in bestimmten Punkten, wie dem Metrum, untereinander unterscheiden.

Es gibt folgende Odenstrophen:

  • Alkäische Odenstrophe
  • Sapphische Odenstrophe
  • Asklepiadeische Odenstrophe

In der Zeit der Antike haben sich die Vertreter der Oden noch stark an die vorgegebenen Strophenformen gehalten. Die bekanntesten Dichter waren in dieser Zeit der Grieche Pindar und der römische Dichter Horaz.

Stilistische und inhaltliche Merkmale von Oden

Der feierliche und positive Charakter ist Merkmal von Oden

Grundsätzlich hat die Gedichtform einen feierlichen und positiven Charakter, wodurch die Sprache erhaben und kunstvoll ist. Aus dem Grund ist der Sprachstil der Ode auch oft übertrieben und emotional.

Obwohl sich die Ode in Bezug auf die Betonung der Silben und der Strophenform an Vorgaben hält, ist ein Reimschema nicht vorgegeben. In den meisten Fällen hat die Ode sogar keine Reime am Ende der Zeile. Friedrich Gottlieb Klopstock und Friedrich Hölderlins experimentierten im 18. Jahrhundert mit dem Stil. Seitdem findest du in deutschen Oden auch Endreime und welche, die vom Metrum abweichen.

Oden sind enthusiastisch und behandeln hauptsächlich freudige Themen aus den privaten und gesellschaftlichen Bereichen. Ausnahmen, wie die Thematisierung der Trauer, gibt es in der Gedichtform auch, solche Thematiken tauchen aber selten auf.

Häufige Motive und Themen der Ode sind unter anderem:

  • Freundschaft
  • Liebe
  • Moral
  • Natur
  • Fürstenlob
  • Vaterland
  • Religion

Abgrenzung zur Hymne

Die Hymne als Lobgesang zu Göttern und Helden

Stilistisch sind sich die Hymne und die Ode sehr ähnlich. Ursprünglich war die Hymne ein Lobgesang, in der Helden, Götter oder die Natur besungen wurden. Ähnlich wie die Ode, hat die Hymne auch einen feierlichen Charakter.
Der größte Unterschied zwischen den beiden Gedichtformen ist der Inhalt und die Thematik.

Während die Ode allgemein einen feierlichen Charakter hat und die Themen breit gefächert sind, werden bei der Hymne Helden, Götter und die Natur besungen. Es ist ein Lobgesang, in dem diese gepriesen werden. Besonders in der Zeit des Barocks ging es in der Hymne um diese Themen, sodass sich beide Formen  leichter voneinander abgrenzen ließen.

In den nächsten Epochen erweiterte sich aber die Thematik. In der Epoche der Aufklärung, Empfindsamkeit und des Sturm und Drangs war die Abgrenzung zur Ode kaum möglich.
Kleinere Unterschiede findest du in der Struktur und im Aufbau der zwei Gedichtformen. In der Regel ist die Hymne frei von strikten Vorschriften, während Oden teilweise besondere Kriterien erfüllen müssen, zum Beispiel im Strophenmuster oder dem Metrum. Ebenso findest du in einer Hymne meistens Endreime. Oden haben kein festes Reimschema und in den meisten Fällen keine Reime am Ende einer Zeile.

Arten von Oden und Odenstrophen

Je nach strophischem Aufbau und Metrum, werden die Oden in unterschiedliche Formen eingeteilt. Jede Strophenform hat verschiede Bedingungen im Metrum und der Vers- oder Silbenzahl.
Weitere Informationen zum Metrum und den Versmaßen findest du hier.

Alkäische Odenstrophe

Die alkäische Odenstrophe besteht insgesamt aus vier Versen. Die ersten beiden Verse sind Elfsilber, der dritte Vers ein Neun– und der vierte Vers ein Zehnsilber. Die ersten beiden Strophen sind in der Regel gleich und beginnen mit zwei jambischen Versfüßen. Nach einer Zäsur folgt ein Daktylus und ein unvollständiger Trochäus.

Im dritten Vers findest du einen vierhebigen Jambus und im letzten Vers zwei Daktylen und zwei Trochäen. En Beispiel der alkäischen Odenstrophe ist das Gedicht 'Die Götter' von Friedrich Hölderlin. Im Beispiel zeigen wir dir eine Strophe des Gedichts mit der Metrik und der Silbenbetonung. Eine betonte Silbe wird mit 'X' und eine unbetonte Silbe mit 'x' dargestellt.


Du stiller Aether! Immer bewahrst du schön
Die Seele mir im Schmerz, und es adelt sich
Zur Tapferkeit vor deinen Strahlen,
Helios! Oft die empörte Brust mir.

x X x X x / X x x X x X
x X x X x / X x x X x X
x X x X x X x X x
X x x X x x X x x

Sapphische Odenstrophe

Die sapphiche Odenstrophe besteht ebenfalls aus vier Versen und wurde nach der griechischen Dichterin Sappho benannt. Die drei ersten Verse beginnen mit einem zweihebigen Trochäus, worauf ein Daktylus und ein weiterer Trochäus folgt. Im letzten Vers findest du einen Daktylus, gefolgt von einem Trochäus. Ein Beispiel einer sapphischen Odenstrophe findest du im folgenden Gedicht von Horaz.


Iam satis terris / nivis atque dirae
Grandinis misit / pater et rubente
Dextera sacras / iaculatus arcis
Terruit urbem

X x X x X x x X x X x
X x X x X x x X x X x
X x X x X x x X x X x
X x x X x

Asklepiadeische Odenstrophe

Die asklepiadeische Odenstrophe besteht aus vier Versen. Jeder Vers beginnt identisch mit einem Trochäus und einem Daktylus. In den ersten beiden Versen findest du hiernach eine Zäsur, gefolgt von einem Daktylus und einem Trochäus. Die letzten beiden Verse sind identisch, der letzte Vers hat zusätzlich noch eine betonte Silbe. Ein Beispiel für diese Odenstrophe ist das Gedicht 'Der Zürchersee' des deutschen Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock.


Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
Das den großen Gedanken
Deiner Schöpfung noch einmal denkt.

X x X x x X / X x x X x X
X x X x x X / X x x X x X
X x X x x X x
X x X x x X x X

 

Die Ode in der Musik

Die Ode in der Musik

Ursprünglich wurde die Gedichtform nicht vom Lied abgegrenzt. In der Antike war somit jedes Gedicht oder jeder lyrische Text, der zu einer Musik vorgetragen wurde, eine Ode. Die Texte wurden entweder allein oder in einem Chor zu einer bestimmten Melodie vorgetragen. Daher wurde die Gedichtform in der Musik auch in die chorische Ode und die monodischen Ode eingeteilt.

Chorische Ode

Die chorische Ode beschreibt lyrische Werke der Antike, die im Chor zu einer Melodie vorgetragen wurden. Als bekanntester und bedeutsamster Lyriker dieser Form zählt der griechische Dichter Pindar. Daher wird die chorische Ode auch pindarische Ode genannt. Ein weiteres Merkmal dieser Form ist der Aufbau: Eine chorische Ode wird in drei Strophen oder drei Teile eingeteilt. Diese werden in der Lyrik als Ode, Antode und Epode bezeichnet.

Monodische Ode

Neben der chorischen Ode gibt es die monodische Ode. Diese musikalische Form beschreibt die Ode, die im Einzelgesang vorgetragen wird. Die Dichterin Sappho gilt als eine der bekanntesten Lyrikerinnen der Antike und der monodischen Ode.

Durch Beethovens neunte Sinfonie wird die Ode auch gerne mit musikalischen Kompositionen in Verbindung gebracht. In der Form eines Gedichts wurde 'An die Freude' jedoch vom deutschen Dichter Friedrich Schiller geschrieben und wurde erst nach der Veröffentlichung in die Sinfonie von Ludwig van Beethoven eingebaut.

Seit dem 18. Jahrhundert werden Oden aber von musikalischen Werken abgegrenzt. Während in der Antike noch jedes lyrische Werk als Ode bezeichnet wurde, handelt es sich hierbei seit dem 18. Jahrhundert um eine reine Gedichtform ohne Musik. Somit ist Beethovens neunte Sinfonie im engeren Sinn keine Ode, sondern nur das Gedicht von Friedrich Schiller.

Wirkungen der Ode

Generell hat die Ode etwas sehr Ansteckendes. Der feierliche und pathetische Stil ist sehr lebhaft, was auch der Grund dafür ist, dass du dich von Oden hinreißen lässt. Auch wenn die Ode vom Lied unterschieden wird, kann die Wirkung mit einem Lied verglichen werden. Durch den Charakter ruft die Ode bei dir positive Emotionen hervor.

In vielen Odenstrophen spielt das Metrum auch eine wichtige Rolle. Oft wird der Daktylus oder Trochäus eingesetzt. Beide Metren haben einen beschwingenden Charakter. Während der Daktylus als tänzerisch beschrieben wird, singst du durch die Betonung des Trochäus oft vor dich hin und beim Vorlesen entsteht ein Singsang.

Beispiele von verschiedenen Oden

Oden sind seit der Antike ein fester Bestandteil der Lyrik. Bekannte Dichter der Oden sind beispielsweise Horaz, Pindar, Klopstock oder Schiller. Um dir ein Bild zu der Gedichtform zu machen, geben wir dir im Folgenden eine Auswahl an Oden. Diese Beispiele sind Auszüge, bei den Beispielen handelt es sich nicht um das gesamte Gedicht.

Beispiel 1: Der Zürchersee von Friedrich Gottlieb Klopstock

Friedrich Gottlieb Klopstock

Der deutsche Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock war ein bekannter Vertreter der Ode. In seinem Theologiestudium hat Klopstock seine ersten Gedichte geschrieben.

In der Ode 'Der Zürchersee' geht es in erster Linie nicht um eine Landschaftsdarstellung. Das lyrische Ich ist nicht an der Landschaft interessiert, sondern an den Empfindungen und Wahrnehmungen, die durch die Landschaft ausgelöst werden. Diese Empfindungen möchte der Dichter in seiner Ode darstellen.


Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
Das den grossen Gedanken
Deiner Schöpfung noch Einmal denkt.

Von des schwimmernden Sees Traubengestaden her,
Oder, flohest du schon wieder zum Himmel auf,
Kom in röthendem Strale
Auf dem Flügel der Abendluft,

Kom, und lehre mein Lied jugendlich heiter seyn,
Süsse Freude, wie du! Gleich dem beseelteren
Schnellen Jauchzen des Jünglings,
Sanft, der fühlenden Fanny gleich.

 

Beispiel 2: Ode 3, 21 von Horaz

Horaz

Horaz ist einer der bedeutendsten römischen Dichter. In seinem Hauptwerk Carmina I-IV hat der Dichter insgesamt 103 Oden veröffentlicht. Die folgende Ode ist das 21. Werk aus dem dritten Buch.


O nata mecum consule Manlio,
seu tu querellas siue geris iocos
seu rixam et insanos amores
seu facilem, pia testa, somnum

quocumque lectum nomine Massicum
seruas, moueri digna bono die,
descende, Coruino iubente
promere languidiora uina.

O lieber Weinkrug, wie ich entstanden als
Manlius Konsul war, sei es, dass du Klagen
Oder Scherze, Streit, rasende Liebschaften
Oder einen sanften Schlaf bringst,

zu welcher Bestimmung auch immer du den
erlesenen Massiker aufbewahrst, würdig an
einem guten Tag gelobt zu werden, komm;
Corvinus befiehlt, mildere Weine zu holen.

Klassisches Beispiel: Ode An die Freude und Beethovens 9. Sinfonie

Ludwig van Beethoven

'An die Freude' ist eines der bekanntesten internationalen Werke in Form einer Ode. Der deutsche Dichter Friedrich Schiller hat im Jahr 1785 das Werk fertiggestellt und wurde im folgenden Jahr in der Zeitschrift thalia veröffentlicht.

Als Beethovens neunte Sinfonie ist vielen die Ode auch als Komposition ein Begriff. Nach der Veröffentlichung der Ode wurde der Komponist Ludwig van Beethoven von dem Werk inspiriert, sodass dieser das Gedicht in dem vierten Satz seiner neunten Sinfonie einbaute.

Hierfür setzte er zum ersten Mal im Finalsatz einen gemischten Chor und Gesangssolisten ein. Im Jahr 1972 wurde die Komposition sogar zur Europahymne bestimmt.


Freunde, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

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