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Metrum: 4 grundlegende Versmaße & 3 Tipps zur Bestimmung

Die Gedichtanalyse begegnet dir während deiner Schulzeit immer wieder. Neben Reimschema, Kadenzen und Interpretation musst du dich dabei auch mit dem Versmaß befassen – dem sogenannten Metrum. Was das genau ist und wie du es bestimmen kannst, erfährst du hier.

Zur Gedichtanalyse gehört das Metrum einfach dazu. Es hilft dir, den Rhythmus und die Struktur des Gedichts besser zu erfassen. In der Regel unterscheidest du zwischen Jambus, Trochäus, Anapäst und Daktylus. Wie sich diese unterscheiden, erklären wir dir im Folgenden.

Das Metrum im Gedicht

Das Metrum im Gedicht

Gedichte zeichnen sich nicht nur durch Reime, Verse, Strophen und Kadenzen aus, sondern auch durch das Metrum. Dieses ist Teil der Verslehre, der sogenannten Metrik, und bestimmt den Rhythmus des Gedichts, indem einige Silben betont werden und andere wiederum unbetont bleiben. Je nachdem, wie die betonten und unbetonten Silben angeordnet sind, ergibt sich ein bestimmtes Metrum.

Das Bestimmen des Metrums gehört zur formalen Analyse. Insgesamt macht dieses nur einen kleinen Teil der eigentlichen Gedichtanalyse aus. Eng in Verbindung mit dem Metrum stehen Reimschema und vor allem Kadenzen. Letztere geben nämlich an, ob ein Vers auf eine betonte oder unbetonte Silbe endet. Gibst du in deiner Analyse das Metrum an, erwähnst du in der Regel auch, welche Kadenzen an einer bestimmten Stelle vorliegen. Dabei kannst du zwischen drei Varianten unterscheiden:

Männliche Kadenz: Die männliche Kadenz (auch: stumpfe Kadenz) bezeichnet einen Vers, der auf eine betonte Silbe endet.

Weibliche Kadenz: Bei einer weiblichen Kadenz endet der Vers auf einer unbetonten Silbe.

Reiche Kadenz: Die reiche Kadenz besitzt am Ende des Verses mehrere unbetonte Silben.

Betonte und unbetonte Silben

Betonte und unbetonte Silben

Um das Versmaß zu bestimmen, musst du erst einmal genau wissen, worin sich betonte und unbetonte Silben eigentlich unterscheiden. Eine Silbe bezeichnet eine Sprecheinheit. Du sprichst eine Buchstabenfolge also in einem Zug aus. Deutlich machen kannst du dir dies, indem du beim Sprechen in die Hände klatschst. Manche Wörter musst du nämlich beim Sprechen gewissermaßen auftrennen. Du sprichst erst den ersten Teil des Wortes und dann nacheinander die nachfolgenden Teile. Der Begriff “Haus“ hat nur eine Silbe. Du sprichst ihn also in einem Zug aus und musst dementsprechend nur einmal in die Hände klatschen. Das Wort “Garten“ besteht dagegen aus zwei Silben, denn es wird in der Mitte getrennt (Gar-ten). Du klatschst beim Sprechen des Wortes also automatisch zweimal in die Hände.

Um das Metrum zu bestimmen, muss du diese Silben in betonte und unbetonte unterscheiden. Zwar gibt es dafür einige bestimmte Regeln, allerdings ist hier vor allem dein Gefühl für Sprache gefragt. Oft musst du auf deine Intuition hören, wenn du die Silben in ihre Betonung einteilen möchtest.

Meist hebst du betonte Silben beim Sprechen automatisch hervor. Du sprichst sie beispielsweise lauter aus und legst den Fokus beim Sprechen gewissermaßen auf diese Silben. Unbetonte Silben bleiben dagegen beim Sprechen automatisch im Hintergrund, manchmal werden sie gar verschluckt oder nur angedeutet. Vielleicht merkst du an folgendem Beispiel, dass du den Fokus automatisch auf die betonte Silbe legst.

Sein Blick ist vom Vobergehn der Stäbe
So müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe be
Und hinter tausend Stäben keine Welt.
(erste Strophe von Rainer Maria Rilkes Dinggedicht “Der Panther“)

Bei Rilkes Dinggedicht kannst du bereits gut erkennen, auf welchen Silben die Betonungen liegen. Zweisilbige Wörter werden zumeist auf der ersten Silbe betont. Einsilbige Substantive sind ebenfalls zumeist betont. Beim Partizip II wie “geworden“ liegt die Betonung dagegen meist in der Wortmitte. In den meisten Fällen ist jedoch dein Sprachgefühl gefragt. Feste Regeln gibt es nur in seltenen Fällen. Du musst also von Fall zu Fall und nach dem Rhythmus entscheiden, wo die Betonungen liegen.

Versmaß bestimmen

Die verschiedenen Versmaße

Je nachdem, wie die unbetonten und betonten Silben angeordnet sind, ergibt sich ein bestimmtes Versmaß. Dieses kann im ganzen Gedicht über konstant bleiben oder sich im Laufe des Gedichts verändern. Manchmal ändert sich das Versmaß auch innerhalb eines Verses. Du musst also genau überlegen, welche Silben betont sind, sonst bestimmst du das Metrum falsch. Welche Kombinationen von betonten und unbetonten Silben ein bestimmtes Versmaß ausmachen, erklären wir im Folgenden.

Jambus

Bei einem Jambus wechseln sich die betonten und unbetonten Silben ab – und zwar mit der unbetonten Silbe am Anfang. Auch das oben beschriebene Gedicht “Der Panther“ hat als Versmaß einen Jambus, genau genommenen einen fünfhebigen Jambus. Wie viele Hebungen das Versmaß genau hat, ermittelst du, indem du in jedem Vers die Betonungen (Hebungen) zählst. Befinden sich in jedem Vers gleich viele Hebungen, beispielsweise fünf, kannst du das Versmaß in diesem Fall als fünfhebig bezeichnen.

Trochäus

Ein Trochäus besteht ebenfalls aus sich abwechselnden betonten und unbetonten Silben, nur beginnt dieser mit einer betonten Silbe. Das sorgt dafür, dass der Anfang des Verses besonders betont wird. Am Anfang stehen darum häufig Substantive und Verben oder inhaltliche Schlüsselwörter. Goethes folgendes Gedicht besteht aus einem vierhebigen Trochäus:

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das ße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.
(Johann Wolfgang von Goethe, über die Bewunderung Natur)

Anapäst

Im Gegensatz zum Trochäus und Jambus setzt sich der Anapäst aus drei Silben zusammen. Dabei sind die ersten beiden Silben unbetont und die dritte betont. In der deutschen Sprache ist dieses Versmaß jedoch eher selten, da dieser Rhythmus im Deutschen eher unnatürlich ist.

Daktylus

Ebenso wie der Anapäst besteht auch der Daktylus aus drei Silben. Allerdings steht hier die betonte Silbe am Anfang, genau wie beim Trochäus. Auf diese betonte Silbe folgen dann zwei unbetonte. Dieses Versmaß ist häufiger als der Anapäst, dennoch weitaus seltener als Trochäus oder gar Jambus.

Alexandriner: Der Alexandriner ist heutzutage kein geläufiges Versmaß mehr, allerdings war er im 15. und 16. Jahrhundert vor allem in Frankreich von großer Bedeutung. Er entstammt der Renaissancedichtung, wurde aber später von Martin Opitz auch in der deutschen Dichtung zum wichtigsten Versmaß erklärt. Beim Alexandriner handelt es sich um einen sechshebigen Jambus mit einer Zäsur in der Mitte, die häufig mit einem Komma getrennt wird. Unterschieden wird zwischen dem heroischen und elegischen Alexandriner. Während Ersterer mit Paarreimen gebildet wird, besteht Letzterer aus Kreuzreimen. Mehr zum Reimschema erfährst du hier.

Jambischer Fünfheber: Wie der Name schon sagt, setzt sich der jambische Fünfheber aus einem jambischen Versmaß mit fünf Hebungen zusammen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verdrängte der jambische Fünfheber den Alexandriner, der bis dahin das meist verwendete Versmaß war.

Blankvers: Bei einem Blankvers handelt es sich allgemein um einen jambischen Fünfheber, der jedoch reimlos ist. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dieses Versmaß als dramatisches Metrum. Sowohl englische als auch deutsche Dramen bedienen sich dem Versmaß, da es besonders flexibel ist und weder Reime noch feste Zäsuren hat.

(Epischer) Hexameter: Der Hexameter ist ein aus der Antike stammendes Versmaß, das vor allem für epische Dichtungen verwendet wurde. Er besteht aus fünf vollen und einem unvollständigen Daktylus sowie einer Zäsur, die an verschiedener Stelle in der Versmitte auftreten kann. In der Weimarer Klassik fand der Hexameter im Zuge der Wiederentdeckung der griechischen Antike auch in der deutschen Literatur vermehrt Anwendung.

Pentameter: Auch beim Pentameter handelt es sich um ein Versmaß aus der Antike. Ebenso wie der Hexameter wird er mit sechs Daktylen gebildet, allerdings entfallen sowohl nach der dritten als auch nach der sechsten Betonung beide unbetonte Silben. Darum folgen in der Versmitte zwei Betonungen aufeinander. Dies wird als Hebungsprall bezeichnet. Auch dieses Versmaß wurde in der Weimarer Klassik wiederentdeckt.

Distichon: Der Distichon bezeichnet ein Verspaar aus einem Pentameter und einem Hexameter. Verwendet wurde es in der Weimarer Klassik vor allem von Schiller und Goethe. Gebildet werden mit diesem Versmaß vor allem Gedichtformen wie Elegien und Epigramme.

Betonung im Vers kennzeichnen

Wie du die Betonung im Vers kennzeichnest

Damit du beim Bestimmen des Metrums den Überblick behältst, musst du betonte und unbetonte Silben kennzeichnen. In diesem Text haben wir dies mit Fettschrift gemacht. In der Schule oder Universität ist dies jedoch meistens nicht möglich, da du den Text hier handschriftlich bearbeitest. Darum gibt es besondere Zeichen, die die Silben kennzeichnen. Betonte Zeichen werden auch Hebungen genannt und dementsprechend mit einem sich hebenden Strich über der Silbe gekennzeichnet, ähnlich einem Akzent. Unbetonte Silben heißen auch Senkungen. Diese kennzeichnest du jedoch nicht mit einem sich senkenden Strich, sondern verzichtest gänzlich auf die Kennzeichnung (die Kennzeichnung der Hebung ist völlig ausreichend) oder machst einen gebogenen Strich, ähnlich einem Halbkreis, der nach unten hin offen ist. So kannst du das Gedicht einfach mit einem Stift markieren und behältst bei der Bestimmung des Metrums den Überblick.

Als Versfuß wird in der Verslehre der kleinste Teil eines Verses bezeichnet, also das entsprechende Metrum ohne seine Wiederholungen. Handelt es sich beispielsweise um einen Jambus, bezeichnet der Versfuß ausschließlich eine unbetonte und betonte Silbe. Bei einem Daktylus bezeichnet dieser dagegen eine betonte und die zwei darauffolgenden unbetonten Silben.

Tipps zur Bestimmung des Metrums

Tipps und Tricks zur Bestimmung des Metrums

Da es bei der Bestimmung des Metrums vor allem auf dein Bauchgefühl ankommt, fühlst du dich bestimmt ab und zu unsicher, ob du die Betonungen auch richtig setzt. Um mehr Sicherheit zu bekommen, haben wir ein paar Tipps für dich. Diese helfen dir außerdem dabei, wie du das Metrum in der weiteren Gedichtanalyse anwenden kannst. Was alles in eine Gedichtanalyse gehört, erfährst du hier.

Satz um ein Wort bilden

Manchmal kann es sich als ganz schön schwer erweisen, die richtige Betonung eines Wortes zu finden. Ob die Betonung nun am Anfang, am Ende oder gar in der Mitte liegt, kannst du bei Unsicherheit eher herausfinden, wenn du das Wort aus dem Zusammenhang ziehst und es in einen neuen einbaust. Dann kannst du nämlich feststellen, wie das Wort natürlich betont wird. Allerdings funktioniert dieser Trick nur bei mehrsilbigen Wörtern. Obwohl einsilbige Substantive zumeist betont werden, hängt es doch auch stark vom Rhythmus ab, ob das ein oder andere einsilbige Wort betont oder unbetont ist.

Tipp: Auch wenn du ein eigenes Gedicht schreibst, solltest du überlegen, wo die natürlichen Betonungen im Wort liegen. Nur so kann dein Gedicht einen stimmigen Rhythmus erzeugen.

Gesamtes Gedicht überprüfen

Um das Metrum mit Sicherheit zu bestimmen, solltest du das ganze Gedicht überprüfen. Nur auf diese Weise kannst du herausfinden, ob das gängige Metrum nicht an der ein oder anderen Stelle abweicht. Manchmal ändert sich das Versmaß an einer Stelle, um diese zu betonen. In einem anderen Fall gibt es auch regelmäßige Abweichungen, beispielsweise an immer derselben Stelle einer Strophe. Das fällt dir jedoch nur auf, wenn du das gesamte Gedicht hinsichtlich seines Metrums untersuchst.

Metrum bei der Interpretation hinzuziehen

Das Metrum ist nicht nur eine Formalität, die du in deiner Analyse abarbeiten musst. Sie kann auch hilfreich bei der Interpretation des Gedichts sein. Ein Wechsel des Metrums kann beispielsweise eine wechselnde Stimmung im Gedicht symbolisieren. Andererseits kann eine einmalige Abweichung auch als Betonung dienen, die eben diese Stelle im Gedicht hervorheben möchte. Darüber hinaus kann ein bestimmtes Metrum auch auf eine bestimmte Epoche hindeuten. So wurden Hexameter und Pentameter vor allem in der Antike und der Weimarer Klassik verwendet. Solche Beobachtungen solltest du in deiner Interpretation nicht auslassen. Weitere Tipps zur Interpretation gibt es hier.

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