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Akkumulation: 3 Wirkungen + 7 Beispiele für das Stilmittel

Bei einer Akkumulation reihst du mehrere Wörter hintereinander, die thematisch zu einem Oberbegriff passen. Was eine Akkumulation genau ist und welche Wirkung das Stilmittel hat, erfährst du hier.

Definition von Akkumulation

Definition von Akkumulation

Akkumulation ist ein Begriff, der aus der lateinischen Sprache stammt. Das lateinische Wort "accumulo" bedeutet "Häufung". Aus dieser Übersetzung kannst du schließen, was das Stilmittel ausmacht. Es handelt sich um ein Aufeinandertreffen oder eben eine Anhäufung mehrerer Wörter. Diese passen thematisch zu einem bestimmten Oberbegriff, der aber nicht unbedingt explizit genannt ist. Häufig wird im Deutschen auch der Begriff "Accumulatio" oder "Frequentatio" verwendet, um das Stilmittel zu beschreiben.

Die Aufzählung mehrerer Wörter soll dem Leser oder Zuhörer Rückschlüsse auf den dahinterstehenden Oberbegriff ermöglichen. Dieser wird in den meisten Fällen nicht genannt, damit eine starke Bildlichkeit entsteht. Ein oft zitiertes Beispiel zur Verdeutlichung des Stilmittels ist eine Zeile aus dem Liedtext des Abendliedes „Nun ruhen alle Wälder“ von Paul Gerhardt aus dem Jahre 1647. Dieser lautet folgendermaßen: "Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder".

Anstelle der Aufzählung hätte der Autor ebenso sagen können "alles ruht". Der Effekt des Satzes ist aber ein völlig anderer. Hörst du die Originalversion, hast du eine klare Vorstellung davon, was ruht. Hörst du lediglich "alles ruht", hast du keine genaue Vorstellung davon, was gemeint sein könnte. Der Text verliert an Attraktivität.

Arten von Akkumulationen

Es gibt zwei verschiedene Arten des Stilmittels. Beide Arten häufen Wörter an. Das tun sie entweder zu einem genannten oder einem unbekannten Oberbegriff. Ist der Oberbegriff bekannt, führt das in der Regel zu einer gesteigerten Bildhaftigkeit.

Ist der Oberbegriff nicht bekannt, kann ebenfalls eine gesteigerte Bildhaftigkeit entstehen. Es besteht aber ebenso die Gefahr, dass einzelne Wörter nichtssagend und damit überflüssig erscheinen. Einige Stilmittel beruhen auf dem Prinzip der Redundanz. Dazu gehören zum Beispiel der Pleonasmus und die Tautologie. Die Akkumulation zählt aber nicht dazu.

Die bereits zitierte Liedzeile "Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt und Felder" hat einen klaren Oberbegriff, nämlich "alles". In diesem Fall sorgt die Akkumulation für eine gesteigerte Bildhaftigkeit. "Lieben, hassen, fürchten, zittern, /hoffen, zagen bis ins Mark" aus einem Gedicht von Jakob Michael Reinhold Lenz ist dagegen eine Akkumulation ohne benannten Oberbegriff.

Akkumulationen als Stilmittel

Eine Aussage mit Akkumulationen verdeutlichen

Im Alltagsgebrauch kommen Akkumulationen eher selten vor. Gerade in der gesprochenen Sprache ist es oft leichter, einen einzelnen Oberbegriff zu nennen, anstatt viele Unterbegriffe aufzuzählen. Wenn du etwas veranschaulichen möchtest, erklärst du es wahrscheinlich mit zusätzlichen Erläuterungen, anstatt einzelne Begriffe aufzulisten. Tipps für eine erfolgreiche Kommunikation gibt es hier.

Eine Ausnahme sind Reden, die ebenfalls in gesprochener Sprache stattfinden und bestimmte Ziele verfolgen. Um ihre Ziele herauszustellen, verwenden Redenschreiber gerne unterschiedlichste Stilmittel, zum Beispiel Euphemismen, Pleonasmen oder eben auch Akkumulationen. Weitere allgemeine Informationen zu rhetorischen Mitteln findest du hier.

Das gilt sowohl für Hochzeitsreden als auch für Ansprachen von Politikern. Mit einer Aufzählung wie "Parteien, Unternehmen, Regierungen und Kirchen" anstelle des Oberbegriffs "gesellschaftliche Gruppierungen", kann der Zuhörer mehr anfangen und fühlt sich persönlich angesprochen.

Möchtest du den Einsatz bestimmter Stilmittel in einer Rede feststellen, musst du gezielt darauf achten. Ansonsten fällt dir das wahrscheinlich gar nicht auf. Eine gute Rede ist nämlich so geschrieben, dass sie dich gleich in ihren Bann zieht und mitreißt. Dabei achtest du in der Regel nur darauf, was inhaltlich vermittelt wird. Ist das der Fall, fällt dir der Einsatz von rhetorischen Figuren nicht unbedingt auf.

Auch in der Literatur kommt das Stilmittel gerne zum Einsatz. Es dient als rhetorische Figur und verstärkt bestimmte Aussagen. Das funktioniert, indem ein spezifischer Punkt durch den Einsatz des Stilmittels detailliert und bildhaft dargestellt wird.

Die Akkumulation ist eine Sammlungstechnik, mit der du einem Oberbegriff Leben einhauchst und Bilder in den Köpfen deines Publikums entstehen lässt. Du kannst beobachten, dass Akkumulationen besonders häufig in Verbindung mit einer Klimax auftreten. Es handelt sich dabei um eine Reihung von Wörtern oder Sätzen, die eine bestimmte Aussage nach und nach immer weiter steigern. Auch in Zusammenhang mit der Antiklimax und Alliterationen kommt die rhetorische Figur häufig vor.

Wirkungen von Akkumulationen

Wirkungen von Akkumulationen

Akkumulationen findest du in Texten aller Art, sowohl in lyrischen als auch in epischen und dramatischen. Es handelt sich dabei um ein Stilmittel der Rhetorik, das gezielt zum Einsatz kommt. Besonders häufig findest du die Akkumulation in der Lyrik des Barocks.

Jedes Stilmittel wirkt unterschiedlich, je nach subjektiver Wahrnehmung und Textart. Daher ist es gar nicht so einfach, einer einzelnen rhetorischen Figur bestimmte Wirkungen zuzuschreiben. Dennoch haben sie immer eine Tendenz. Darauf beziehen wir uns im Folgenden. Demnach können Akkumulationen folgende Wirkungen haben.

Detailliertheit

Eine Wirkung der Akkumulation ist die Detailliertheit, die du mit diesem Stilmittel ausdrücken kannst. Als Autor eines Textes hast du mit Sicherheit eine genaue Vorstellung davon, was du beschreibst. Ziel ist es, diese Bilder an deine Leser zu vermitteln. Das gelingt am besten, indem du sehr detailliert schreibst und so Einblicke in deine Gedankenwelt ermöglichst.

Hast du also eine genau Vorstellung eines bestimmten Oberbegriffes, gilt es, diesen mit Unterbegriffen zu erläutern und greifbar zu machen. Wählst du die richtigen Worte, haben deine Leser das gleiche Bild im Kopf wie du. Akkumulationen ermöglichen es dir, sehr detailliert zu schreiben. Natürlich ist es nur sinnvoll dieses Stilmittel zu verwenden, wenn du deinen Lesern ein klares Bild vermitteln möchtest. Willst du, dass sich jeder ein eigenes Bild macht, ist es ratsam, nicht so detailreich zu beschreiben.

Bildhaftigkeit

Akkumulationen regen die Fantasie an

Bei einer Akkumulation geht es im Grunde genommen darum, einen Oberbegriff zu beschreiben. Damit dieser besonders bildhaft und deutlich zur Geltung kommt, zählt der Autor eines Textes Unterbegriffe auf. Der Leser muss sich in einigen Fällen selbst erschließen, mit welchem Oberbegriff er es zu tun hat.

Beim Lesen entstehen Bilder im Kopf, die durch die einzelnen Begriffe ausgelöst werden. So ergibt sich ein großes Ganzes, ohne dass der eigentliche Oberbegriff erwähnt wird. Das Stilmittel regt also deine Fantasie an und sorgt dafür, dass du dich besser in eine Geschichte hineinfühlen kannst.

Veranschaulichung

Eine Akkumulation zählt verschiedene Teilaspekte eines Oberbegriffs auf. So hast du die Möglichkeit, dir selbst ein Bild zu machen und dir genau vorzustellen, was der Autor meint. Das Stilmittel dient also insbesondere der Veranschaulichung bestimmter Situationen und macht sie greifbarer für Außenstehende. Der Autor eines Textes gewährt dir einen Einblick in seine Gedanken und veranschaulicht diese mit Hilfe bestimmter Nomen, Adjektive oder anderer Wortarten.

Beispiele für Akkumulationen

Schriftsteller nutzen gerne Akkumulationen

Akkumulationen benutzt du, um eine Kernbotschaft besser zu vermitteln. Dazu zählst du bestimmte Begriffe auf, die sich einem Oberbegriff unterordnen lassen. Obwohl das rhetorische Mittel in der gesprochenen Sprache nicht so häufig vorkommt wie andere Stilmittel, ist es durchaus präsent. Achtest du in deinem Alltag verstärkt darauf, begegnet dir mit Sicherheit schon bald die erste Akkumulation.

Gerade in literarischen Texten und in Liedtexten sind immer wieder Akkumulationen zu finden. Aber auch in der Werbung wird das Stilmittel eingesetzt, um bestimmte Produkte im Gedächtnis der Kunden zu verankern. Im Folgenden geben wir eine Übersicht und stellen dar, in welchen unterschiedlichen Bereichen du Akkumulationen findest.

  1. Das bekannte Kinderlied "Laterne, Laterne" singen Kinder und ihre Eltern sehr gerne bei Sankt-Martins-Umzügen, wenn sie mit ihren Laternen durch die Gegend ziehen. Die im Liedtext enthaltene Akkumulation ist schnell auszumachen und zwar in der wohl bekanntesten Zeile des Liedes "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne". Nach der Dopplung des Wortes "Laterne" steht eine Akkumulation. Die Aufzählung "Sonne, Mond und Sterne" symbolisiert in diesem Fall das Universum. Auf Grund der Nennung verschiedener Bestandteile des Universums, wird ein genaueres, detailreicheres Bild davon vermittelt.
  2. Hält dein Chef eine Rede und möchte, dass sich jeder einzelne Mitarbeiter angesprochen fühlt, verwendet er womöglich eine Akkumulation. So könnte er seine Ansprache mit folgenden Worten beginnen: "Führungskräfte, Sachbearbeiter, Auszubildende, Werkstudenten und Praktikanten – alle sind wichtig für das Unternehmen". Mit einer solchen Aufzählung sorgt dein Chef dafür, dass sich jeder Einzelne angesprochen und niemand benachteiligt fühlt. Die allgemeine Ansprache "ihr alle" erzeugt nicht die gleiche Wirkung.
  3. Gleiches gilt für die Nennung bestimmter Qualitäten, die du in einem Vorstellungsgespräch aufzählst. (Typische Fragen beim Vorstellungsgespräch haben wir hier für dich gesammelt.) Du wirkst viel überzeugender, wenn du sagst: "Ich bringe Motivation, Zuverlässigkeit, und Begeisterungsfähigkeit mit" als wenn du sagst: "Ich erfülle alle geforderten Qualitäten".
  4. In der Werbung kommen Akkumulationen immer wieder zum Einsatz. So zum Beispiel auch im Slogan der Schokoladenmarke Rittersport. Dieser lautet: "Quadratisch, praktisch, gut." Die Intention des Slogans liegt darin, die drei Adjektive im Kopf der Kunden zu verankern. Diese bringen sie dann beim nächsten Besuch im Supermarkt mit der Schokolade in Verbindung und kaufen diese im besten Fall.
  5. In der Dichtung finden Akkumulationen ebenfalls Verwendung. So zum Beispiel in Goethes Faust I. Darin heißt es "Nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott!"
  6. Häufig wird auch eine Verszeile des Barockdichter Andreas Gryphius zur Verdeutlichung des Stilmittels herangezogen. Diese lautet "Ist was, das nicht durch Krieg, Schwert, Flamm und Spieß zerstört?" Das Besondere an dieser Zeile ist, dass der Dichter den Oberbegriff der Akkumulation nennt, nämlich den Krieg. Gryphius stellt diesen Begriff der Aufzählung voran und beschreibt ihn durch die Wörter Schwert, Flamm und Spieß genauer.
  7. Ein weiterer Barockliterat in dessen Schriften Akkumulationen zu finden sind, ist der Arzt und Schriftsteller Paul Fleming. In seiner Grabschrift heißt es "Ich war an Kunst / und Gut / und Stande groß und reich". Das ist eine eindeutige Akkumulation.

Akkumulation versus Eunumeratio

Akkumulation versus Eunumeratio

Ein mit der Akkumulation verwandtes Stilmittel aus der Rhetorik ist die Eunumeratio. Dabei handelt es sich ebenfalls um die Aufzählung verschiedener Wörter. Während eine Akkumulation immer Begriffe aus einem ähnlichen Umfeld – also mit einem bestimmten Oberbegriff im Hintergrund – aneinanderreiht, steht der Begriff Eunumeratio für eine generelle Aufzählung verschiedener Wörter.

Das Stilmittel kommt sowohl syndetisch als auch asyndetisch und polysyndetisch vor. Syndetisch bedeutet, dass sprachliche Ausdrücke einer bestimmten grammatikalischen Kategorie hintereinander aufgezählt und mit einer Konjunktion verbunden werden, wie zum Beispiel: "Äpfel, Birnen und Käse". Asyndetisch bedeutet, dass bei der Aufzählung ganz auf Konjunktionen verzichtet wird, wie zum Beispiel bei: "Ich liebe Äpfel, Joggen, Spanisch sprechen". Polysyndetisch heißt, dass die einzelnen Bestandteile der Aufzählung mit der immer gleichen Konjunktion verbunden sind, wie zum Beispiel: "Ich mag Äpfel und Gummibärchen und Kuchen."

Der Begriff Eunumeratio stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt Aufzählung. Die aufgezählten Begriffe folgen keinem Oberbegriff. Ist das der Fall, hast du es mit einer Akkumulation und nicht mit einem Eunumeratio zu tun.

Akkumulation versus Congeries

Ist von Congeries die Rede, meint dein Gegenüber eine Aneinanderreihung von Synonymen. Es handelt sich also um eine ganz besondere Form der Aufzählung. Congeries sind Akkumulationen sehr ähnlich, da sie ebenfalls einem Oberbegriff untergeordnet sind. Die einzelnen Begriffe sind aber Synonyme. Die Zugehörigkeit ist demnach noch einfacher zu ermitteln.

Akkumulation versus Distributio

Akkumulation versus Distributio

Das Stilmittel Distributio ist eine Unterart der Eunumeratio. Dabei teilst du einen Hauptbegriff in verschiedene Teilaspekte auf, um mehr Informationen zu vermitteln. Hin und wieder ist der Oberbegriff der Aufzählung nachgestellt. Das muss aber nicht unbedingt der Fall sein. Folgender Satz ist ein Beispiel für eine Distributio: "Äpfel wachsen an Bäumen, Johannisbeeren an Sträuchern und Ananas am Boden." Der Oberbegriff dieses Satzes lautet "Obst".

Akkumulation versus Hendiadyoin

Im Gegensatz zu einer Akkumulation besteht ein Hendiadyoin immer aus zwei einzelnen Wörtern. Diese ergeben einen komplexen Begriff und sind durch eine Konjunktion miteinander verbunden. Auch bei diesem Stilmittel gibt die Übersetzung der Bezeichnung Aufschluss über die Funktion. Hendiadyoin stammt nämlich aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "eins durch zwei". Mit diesem rhetorischen Mittel hast du also die Möglichkeit, einen Begriff durch das Zusammenführen zweier Einzelwörter zu bilden.

Die einzelnen Worte des Hendiadyoin ergeben getrennt voneinander keinen oder einen völlig anderen Sinn. Sie müssen also zwangsläufig in einer Aufzählung stehen, um den Sinn zu bewahren. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Stilmittel von einer Akkumulation. Die einzelnen Bestandteile der Akkumulation können nämlich auch alleine stehen. Im Folgenden findest du eine Auswahl an Hendiadyoin:

  • ab und zu
  • Rat und Tat
  • Lug und Trug
  • klipp und klar
  • auf Schritt und Tritt
  • Tuten und Blasen
  • Hab und Gut
  • Feuer und Flamme
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