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Ellipse: Definition & 7+3 typische Beispiele für das Stilmittel

Die Ellipse ist ein rhetorisches Stilmittel, das vor allem in der Alltagssprache Anwendung findet, doch auch in literarischen Texten ist die Ellipse zuweilen zu finden. Was das Stilmittel genau ist und welche Funktion es hat, erfährst du im Folgenden.

Anders als die Metapher, die vor allem auf der Bedeutungsebene eine Rolle spielt, ist die Ellipse ein Stilmittel, das vor allem linguistisch von Bedeutung ist. Wir erklären dir, was die Ellipse genau ausmacht.

Was eine Ellipse ist

Was eine Ellipse ist

Der Begriff “Ellipse“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt „Auslassen“ und genau das bezeichnet die Ellipse auch in der Linguistik: die Auslassung eines Wortes oder mehrerer Wörter in einem Satz. Besonders häufig ist davon das Prädikat betroffen, da es für die Verständlichkeit des Satzes in einigen Fällen nicht benötigt wird. Ohne das Prädikat oder alternativ ein anderes ausgelassenes Wort ist der Satz jedoch grammatikalisch unvollständig. Die zu vermittelnde Information wird durch die Verkürzung des Satzes hervorgehoben.

Das ist für verschiedene Zwecke von Vorteil beispielsweise in einem Streit, bei dem das Gespräch schnell und dynamisch verläuft. Mithilfe der Ellipse kann hier der volle Informationsgehalt mit weniger Aufwand zum Ausdruck gebracht werden. Besondere Bedeutung hat das Stilmittel auch in der Epoche des Sturm und Drang, bei der vornehmlich junge Autoren (unter anderem Goethe) in den Jahren 1765 bis 1790 gegen die Epoche der Aufklärung rebellierten.

Im Gegensatz zur Aufklärung, bei der die Vernunft im Vordergrund steht, liegt der Fokus beim Sturm und Drang auf Emotionalität als Leitlinie. Die Individualität spielte in den Werken der Epoche eine essentielle Rolle. Die Charaktere verstießen oft radikal gegen gesellschaftliche Vorgaben und dies spiegelte sich auch in der Sprache der Werke wieder, die poetische Vorgaben gezielt umging und sich so durch Volksnähe auszeichnete. Halbsätze und Auslassungen, wie sie bei der Ellipse der Fall sind, zählten zu den typischen Stilmitteln, die die Aussagekraft der Epoche sprachlich unterstützten.

Beispiele für Ellipsen

Ellipsen sind sowohl in der Alltagssprache als auch in der Literatur ein beliebtes sprachliches Mittel. Wahrscheinlich nutzt du bereits jeden Tag elliptische Sätze, ohne dass dir dies auffällt. Denn in zahlreichen Alltagssituationen ist solch eine Satzbildung längst gang und gäbe. Damit du dir besser vorstellen kannst, wann es sich um eine Ellipse handelt, haben wir einige Beispiele aus der Alltagssprache und Literatur für dich zusammengetragen. Weitere rhetorische Mittel und ihre Funktionen gibt es hier.

Beispiele aus der Alltagssprache

Beispiele aus der Alltagssprache

Im Alltag kommen Ellipsen besonders häufig vor, denn in der gesprochenen Sprache ist die grammatikalische Vollständigkeit eines Satzes oft nicht so wichtig wie in einem geschriebenen Text. Darum finden sich hier ganz besonders viele Beispiele. Vielleicht ist dir bisher gar nicht aufgefallen, dass in folgenden Sätzen ein Wort fehlt, damit der Satz grammatikalisch Sinn macht. Die elliptischen Formulierungen haben sich oft schon fest in den alltäglichen Sprachgebrauch integriert, so dass das fehlende Wort nicht weiter auffällt.

1. “Je früher, desto besser.“

In diesem Satz fehlt eindeutig das Prädikat. Weder im Nebensatz, noch im Hauptsatz gibt es ein Verb. Zudem fehlt hier ein genauer Bezug. Es stellt sich die Frage, was früher eintreten sollte, damit es besser ist. Doch auch wenn du dem Satz diese Information hinzufügst, beispielsweise “Je früher der Abschied, desto kürzer die Qual“, handelt es sich immer noch um einen elliptischen Satz, da das Prädikat weiterhin fehlt.

2. “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Auch in diesem Satz fehlt jeweils das Prädikat, weshalb es sich auch hier um eine Ellipse handelt. Der Inhalt des Satzes und die enthaltene Botschaft sind zwar noch klar verständlich, grammatikalisch ist der Satz jedoch unvollständig. Durch die Verkürzung des Satzes steht das Wichtigste im Vordergrund. Durch ein Prädikat hätte die Aussage nur an Präzision eingebüßt.

3. “Ende gut, alles gut.“

In diesem Fall fehlt ebenfalls das Prädikat, doch auch weitere Satzteile werden ausgelassen. Der komplette Satz würde folgendermaßen lauten: “Wenn das Ende gut ist, ist alles gut.“ Der vollständige Satz macht einen kausalen Zusammenhang deutlich. Allerdings wird dieser auch ohne die Hilfswörter ausreichend deutlich, weshalb diese auch weggelassen werden können, ohne den Sinn zu beeinträchtigen.

4. “Sonst noch was?“

Auch bei dieser Frage fehlt wieder das Prädikat. Ein vollständiger und grammatikalisch richtiger Satz würde nämlich lauten: “Ist sonst noch was?“ Durch den Wegfall des Prädikats geht jedoch der Sinn des Satzes nicht verloren, sondern ist sogar prägnanter formuliert.

5. “Ohne Wenn und Aber.“

Diese geläufige Redewendung wäre grammatikalisch richtig, wenn vor dem Wenn und Aber jeweils noch Artikel eingefügt würden. Dies würde folgendermaßen lauten: “Ohne ein Wenn und ohne ein Aber.“ Allerdings ist die gekürzte Fassung einprägsamer, die längere Fassung büßt dagegen einiges ihrer Wirkung ein.

6. “Was denn?“

Bei dieser Frage fehlt wiederum das Prädikat. Der komplette Satz lautet: “Was ist denn?“. Aber auch ohne das Prädikat geht der Sinn des Satzes nicht verloren, dennoch handelt es sich eindeutig um einen umgangssprachlichen Ausdruck.

7. “Entschuldigung!“

Dieser geläufige und häufig benutzte Ausdruck ist für sich allein schon aussagekräftig genug und in der Gesellschaft schon längst akzeptiert. Dennoch handelt es sich hier um einen elliptischen Satz. Dieser würde nämlich lauten: “Ich bitte Sie um Entschuldigung.“ Die komplette Bedeutung des vollständigen Satzes findet sich mittlerweile jedoch schon in dem einzelnen Wort “Entschuldigung“.

Aposiopese als Sonderform der Ellipse

Aposiopese als Sonderform der Ellipse

Neben dem Auslassen einzelner Wörter eines Satzes, beschreibt die Ellipse auch das Auslassen ganzer Satzteile. Obwohl hier oft der wichtigste Teil eines Satzes ungenannt bleibt und so auch die Hauptaussage des Satzes fehlt, ist der Satz dennoch verständlich. Diese Auslassung der Hauptaussage wird auch Aposiopese genannt. Der Adressat muss hier selbst interpretieren, was genau mit dem Satz gemeint ist. Es ist also Fantasie gefragt. Grund für eine solche Auslassung kann zum einen sein, dass der Sprecher nicht genau weiß, wie er den Satz beenden soll, oder zum anderen, dass er den Satz nicht beenden will, um Raum für Interpretationen zu lassen. Ein typisches Beispiel ist:

“Wenn ich dich in die Finger kriege.“

Hier fehlt der komplette Hauptsatz, einzig der Nebensatz ist bekannt. Dennoch weiß der Adressat wahrscheinlich, dass ihm etwas Unangenehmes blüht, wenn er nochmal auf den Sprecher trifft. Aufgrund der Auslassung wirkt der Satz noch bedrohlicher, da dem Adressat hier viel Spielraum zur Interpretation gelassen wird. Und genau das ist wahrscheinlich die Absicht des Sprechers, wenn er solch eine umfangreiche Ellipse nutzt.

Beispiele aus der Literatur

Beispiele aus der Literatur

Nicht nur in der Alltagssprache, sondern auch in literarischen Werken findet die Ellipse Anwendung. Dabei war sie besonders in der Epoche des Sturm und Drang ein charakteristisches Stilmittel, doch auch in der heutigen Zeit bedienen sich Autoren noch immer der rhetorischen Figur. Vielleicht stößt du bei einer Gedicht-, Dramen- oder Romanalyse auf das rhetorische Mittel und kannst den Text dahingehend interpretieren.

Gerade in Gedichten sind Ellipsen ein gängiges Stilmittel, um das Metrum durchgängig einzuhalten. Auch zur Hervorhebung der wesentlichen Informationen sind Ellipsen geeignet. Neben Gedichten bedienen sich auch Dramen sehr gerne des Stilmittels, um Dialoge dynamischer zu gestalten. Beispiele sind unter anderem:

1. “Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde“
(aus dem Gedicht “Willkommen und Abschied“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1771)

2. “Frisch also! muthig ans Werk!“
(aus dem Drama “Die Räuber“ von Friedrich Schiller aus dem Jahr 1781)

3. “Zwei Augen, ein kurzer Blick,
Die Braue, Pupillen, die Lider.
Was war das?
Von der Menschheit ein Stück! Vorbei, verweht, nie wieder.“
(aus dem Gedicht “Augen in der Großstadt“ von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1930)

Ellipsen in Alltagssituationen

Im Alltag treten Ellipsen überall da auf, wo die Bildung ganzer Sätze überflüssig ist. Und solche Situationen gibt es ganz schön oft, nämlich immer dann, wenn der Informationsgehalt in den Vordergrund tritt. Das ist unter anderem bei Bestellungen im Restaurant der Fall. Statt deine Bestellung in einem ganzen Satz zu formulieren, kürzt du den Satz sehr wahrscheinlich ab. Aus “Ich hätte gerne die Pizza Margherita“ wird beispielsweise “Die Pizza Margherita, bitte“. Hier werden ganz bewusst Subjekt und Prädikat weggelassen, da es in diesem Fall vor allem auf die Information ankommt und nicht auf die grammatikalische Richtigkeit des Satzes.

Auch bei der inhaltlichen Korrektur eines Satzes wird oft elliptisch geantwortet, also wenn es nur um die Richtigstellung einer Information geht. Ein Beispiel dafür wäre: “Dieser Zug fährt nach Hamburg.“ – “Nein, nach Berlin.“ Hier wäre es überflüssig, die Antwort in einem ganzen Satz zu formulieren, das Prädikat kann also weggelassen werden, ohne die Verständlichkeit des Satzes zu beeinträchtigen.

Fehlerhafte Anwendung einer Ellipse

Fehlerhafte Anwendung einer Ellipse

Obwohl die Ellipse ein viel genutztes Stilmittel ist und vor allem im Alltag Anwendung findet, kann sie doch auch fehlerhaft verwendet werden – nämlich wenn sich der Satz grammatikalisch und sinnhaltig nicht rekonstruieren lässt. Dann wurden zu viele Informationen aus dem Satz gekürzt und seine Aussage ist nicht mehr klar nachvollziehbar. Wenn beispielsweise der Satz “Ich spiele gerne Fußball und du schaust dir gerne Fußballspiele an“ zu “Ich Fußball, du Fußballspiele“ gekürzt wird, geht sein gesamter Sinngehalt verloren. Da zwei verschiedene Verben vorliegen, ist es nahezu unmöglich den Satz zu rekonstruieren. Der Satz darf also nur soweit verkürzt werden, dass seine Aussagekraft erhalten bleibt.

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