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Anapher: Definition + 12 typische Beispiele für das Stilmittel

Die Anapher ist bei Autoren ein beliebtes Stilmittel – sowohl in der Lyrik als auch in der Prosa. Sie kennzeichnet die Wiederholung eines oder mehrerer Wörter am Anfang eines Satzes oder – im Fall von Gedichten – am Anfang eines Verses oder einer Strophe. Was die Anapher genau ist, erfährst du im Folgenden.

Die Anapher dient wie viele andere andere rhetorische Mittel auch zur Strukturierung des Textes, zur Beeinflussung des Rhythmus’ oder zum Verdeutlichen eines Sachverhalts. Wir erklären dir, wie das genau funktioniert und wie du das Stilmittel erkennst.

Was eine Anapher ist

Was eine Anapher ist

Die Anapher ist ein vielfach verwendetes Stilmittel, das vor allem in der Lyrik aber auch in Prosa Anwendung findet. Es bezeichnet die einmalige oder mehrfache Wiederholung eines oder mehrerer Wörter an einem Satz-, Strophen- oder Versanfang. Auch am Anfang verschiedener Satzteile kann das Stilmittel stehen. Seine Funktion ist schon in seiner Bezeichnung erkennbar, denn der Begriff leitet sich aus dem Griechischen “anaphorá“ her, das übersetzt “Rückbeziehung“ bedeutet. Und auf immer dasselbe Wort oder dieselbe Wortgruppe bezieht sich die Anapher, die zumeist mehrere Male im Text wiederholt wird.

Befinden sich Anaphern in ganzen Textstellen, Strophen oder mehreren Versen, werden diese als anaphorisch bezeichnet. Solche Textstellen können den Rhythmus beeinflussen oder zur Strukturierung des Textes dienen. Die Textstellen werden durch das Stilmittel besonders hervorgehoben und können einen Sachverhalt so besonders gut verdeutlichen. Schon in der Bibel findet das Stilmittel Anwendung, doch auch andere religiöse Schriften bedienen sich der Wirkung der Anapher. Ebenso werden Anaphern gerne in der Werbung genutzt, da sie die Einprägsamkeit des Werbeslogans verbessern und dieser den Konsumenten so besser in Erinnerung bleibt. Damit gehört die Anapher zu den häufigsten Stilmitteln.

Beispiele für Anaphern

Beispiele für Anaphern

Anaphern finden sowohl in der Lyrik als auch der Prosa vielfach Anwendung. Auch dramatische und biblische Texte profitieren von der Wirkung des Stilmittels. Viele bekannte Werke berühmter Autoren enthalten Anaphern und machen die Werke so ganz besonders einprägsam.

Vielleicht musstest auch du schon einmal eins der folgenden Werke analysieren und eine Gedichtanalyse, Dramenanalyse oder Romananalyse schreiben. Die Anapher kann ein wichtiges Stilmittel sein und dir helfen, den Text besser zu erfassen. Auch andere rhetorische Mittel können dir Aufschluss über die Funktion eines Textes geben. Mehr rhetorische Mittel findest du hier.

1. “ich hör’ die Bächlein rauschen,
Im Walde her und hin,
Im Walde in dem Rauschen,
Ich weiß nicht, wo ich bin.“
(erste Strophe aus dem Gedicht “In der Fremde“ von Joseph Freiherr von Eichendorff aus dem Jahr 1833)

2. “Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!“
(Strophen aus dem Gedicht “Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1827)

3. “Pfui über allen Tod! Durch Schwert, durch Feuer, durch Gift, durch Strick, durch Beil. Pfui allem Tod!“
(aus dem Drama “Ein treuer Diener seines Herrn“ von Franz Grillparzer aus dem Jahr 1828)

4. Gesegnet wirst du sein in der Stadt, und
gesegnet wirst du sein auf dem Felde.
Gesegnet wird sein die Frucht deines Leibes
und die Frucht deines Landes
und die Frucht deines Viehes, das Geworfene deiner Rinder
und die Zucht deines Kleinviehes.
Gesegnet wird sein dein Korb und dein Backtrog.
Gesegnet wirst du sein bei deinem Eingang, und
gesegnet wirst du sein bei deinem Ausgang
(5. Mose 28,3-6)

5. Glückselig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Glückselig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land ererben.
Glückselig die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.
Glückselig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren.
Glückselig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.
Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und jedes böse Wort lügnerisch wider euch reden werden um meinetwillen.
(Matthäus 5,3-11)

6. Was von Anfang war,
was wir gehört,
was wir mit unseren Augen gesehen,
was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens;…
was wir gesehen und gehört haben,
verkündigen wir euch.
(1. Johannes 1,1-3)

7. “Heißest du Kunz?“ “Nein.“ Heißest du Heinz?“ “Nein.“ “Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“
(aus dem Märchen “Rumpelstilzchen“ der Gebrüder Grimm)

8. „Scipio hat Numantia vernichtet, Scipio [hat] Karthago zerstört, und Scipio/er [hat] Frieden gebracht […]“
(Cicero)

9. “Wer soll nun die Kinder lehren und die Wissenschaft vermehren. Wer soll nun für Lämpel leiten seien Amtes Tätigkeiten?
(aus dem Buch “Max und Moritz“ von Wilhelm Busch aus dem Jahre 1865)

10. “Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.“
(erste Strophe des Gedichts “Der Krieg“ von Georg Heym aus dem Jahre 1911)

11. Bist du der Freund, weil du mein Herz gewinnest?
Bist du die Schlange, weil du stets entrinnest?
Bist du die Seidenraupe, weil du sachte
Mit feinen, starken Fäden mich umspinnest?
Bist du der Strom, weil unerschöpflich dunkel
Du Well' in Welle durcheinander rinnest?
Bist du der Mond, weil du mit großem Auge
Die Welt in klaren Nächten übersinnest?
Bist du die fromme Nachtigall der Liebe,
Weil du den Todeskelch der Rose minnest?
(Gedicht “Bist du der Freund“ von August von Platen aus dem Jahr 1839)

12. “Sollten Sie vor mir Geheimnisse haben? Sollten Sie nicht mehr wissen, dass es die erste Bedingnis unsrer Vertraulichkeit war, einander nichts zu verschweigen?“
(aus dem Roman “Merkwürdiges Beispiel einer weiblichen Rache“ von Friedrich von Schiller aus dem Jahr 1785)

Ähnliche Stilmittel

Ähnliche Stilmittel zu Anaphern

Es gibt einige Stilmittel, die der Anapher ähneln, sich jedoch klar von ihr unterscheiden lassen. In allen Fällen handelt es sich um Wortwiederholungsfiguren, es werden also immer bestimmte Wörter oder Satzteile wiederholt, allerdings stets auf verschiedene Art und Weise.

Epipher

Die Epipher könnte man als genaues Gegenstück zur Anapher bezeichnen. Denn statt am Satz- oder Versanfang erfolgt die Wortwiederholung oder die Wiederholung einer Wortgruppe bei der Epipher am Satz- oder Versende. Auch die Epipher findet sich besonders häufig in religiösen Schriften, jedoch auch in zahlreichen literarischen Texten. Ein typisches Beispiel ist:

“O Mutter! Was ist Seligkeit?
O Mutter! Was ist Hölle?
Bei ihm, bei ihm ist Seligkeit,
Und ohne Wilhelm Hölle!“
(aus der Ballade “Leonore“ von Gottfried August Bürger aus dem Jahre 1774)

Hier wird die Epipher sogar mit der Anapher verbunden, denn sowohl am Versanfang als auch innerhalb eines Verses und am Versende gibt es Wortwiederholungen. Die Epipher ersetzt an dieser Stelle der Ballade den Reim.

Anadiplose

Auch bei der Anadiplose wird das Ende des Satzes beziehungsweise des Verses wiederholt, allerdings nicht wie bei der Epipher am Ende eines anderen Satzes oder Verses, sondern am Anfang des nächsten Satzes beziehungsweise Verses. Das sorgt für eine Hervorhebung der entsprechenden Wörter und legt den Fokus des Lesers auf genau diese Textstelle. Das funktioniert beispielsweise so:

“Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen,
Wind und Wellen nicht mit seinem Herzen.“
(aus dem Gedicht “Seefahrt“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1777)

Kyklos

Bei einem Kyklos wird ein Satz oder Vers von einem Wort oder einer Wortgruppe umrahmt. Das Wort beziehungsweise die Wortgruppe steht also sowohl am Beginn als auch am Ende einer semantischen Einheit. Damit wird das wiederholte Wort – selten mehrere Wörter – besonders betont. Charakteristische Beispiele sind:

Entbehren sollst du! sollst entbehren!“
(aus der Tragödie “Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1808)

Unwissender, niederträchtiger Kerl! hast du es mir nicht oft genug gesagt, daß ich mich aus der Stube fortmachen soll? Kannst du dir denn aber nicht einbilden, daß die, welche im Kabinette hat sein dürfen, auch Erlaubnis haben werde, in der Stube zu sein? Unwissender, niederträchtiger Kerl!“
(aus der Komödie “Der junge Gelehrte“ von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1748)

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