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Neologismus: 4 Funktionen + 9 Beispiele der Wortneuschöpfungen

Brunch, Blog oder Mansplaining – mittlerweile haben viele Neologismen ihren Weg in unseren alltäglichen Sprachgebrauch gefunden. Hier erfährst du, was es mit dieser Stilfigur auf sich hat, wie du sie erkennst und welche Funktionen sie erfüllt.

Definition von Neologismus

Jugendliche erfinden häufig Neologismen

Sprache ist lebendig. Dementsprechend verändert sie sich auch tagtäglich. Indem du eine Sprache gebrauchst, trägst du mit zu ihrer Veränderung bei. Es gibt immer wieder Neuerungen in unserer Umwelt, die sprachlich ausgedrückt werden wollen. An diesem Punkt kommt die Stilfigur des Neologismus zum Tragen. Dabei handelt es sich nämlich um Wortneuschöpfungen.

An der Bezeichnung des Stilmittels kannst du dir erschließen, worum es dabei geht. Der Begriff Neologismus kommt nämlich aus dem Griechischen und ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „néos“ (neu) und „lógos“ (Wort). Übersetzt bedeutet Neologismus also Neuwort oder neues Wort.

Häufig bezeichnen solche neuen Wörter Phänomene, die gerade erst aufgetreten sind und noch keine Bezeichnung haben. Jugendliche erfinden oftmals Neologismen, aber auch in der Politik, in der Wissenschaft und in der Gesellschaft generell kommt es immer wieder zu neuen sprachlichen Kreationen.

Arten von Neologismus

Neologismus ist nicht gleich Neologismus. Es gibt nämlich unterschiedliche Arten der Stilfigur. Welcher Art ein Neologismus angehört, hängt in erster Linie davon ab, wie die Wortneuschöpfung gebildet wird. Folgende Arten von Neologismen gibt es:

Neuwörter: Als Neuwörter werden all jene Neologismen bezeichnet, die vorher noch nicht existiert haben. Sie dürfen auch nicht in einer ähnlichen Form vorhanden sein.

Neue Kombinationen: Merkst du, dass ein Wort aus Wörtern entstanden ist, die es schon vorher gab, indem diese miteinander verbunden wurden, handelt es sich um eine neue Kombination. Ein Beispiel für dieses Phänomen ist das Wort "Laptoptasche".

Neubedeutungen: Neubedeutungen sind Wörter, die bereits existiert haben, nun aber eine neue Bedeutung bekommen. Ein Beispiel dafür ist der Begriff "Maus". Während früher nur die Tiere so bezeichnet wurden, kann heute auch die Rede von einem technischen Gerät sein.

Bildung von Neologismen

Abkürzungen können zu Neologismen werden

Neologismen entstehen auf unterschiedlichste Art und Weise. So werden einerseits neue Wörter aus bereits existierenden Wörtern in einer Komposition zusammengesetzt. Darüber hinaus sind Derivationen möglich. Das bedeutet, dass bestimmte Affixe (ein unselbstständiger Bestandteil eines Wortes) neue Wortschöpfungen ermöglicht.

Abkürzungen können ebenfalls als Neologismen bezeichnet werden, sofern sie gebräuchlich sind. Kontaminationen sind in Bezug auf Wortneuschöpfungen eher selten, kommen aber durchaus vor, zum Beispiel beim Neologismus „Kurlaub“. Dieser setzt sich aus den Wörtern "Kur" und "Urlaub" zusammen. Ein Teil der beiden Wörter wird dabei getilgt, in diesem Fall eines der beiden "ur"s. Viele solcher Portmanteuwörter sind aus anderen Sprachen entlehnt.

Neologismen sind übrigens nur so lange als solche zu bezeichnen, wie sie im Sprachgebrauch angekommen, aber noch nicht wirklich etabliert sind. Spätestens wenn es ein neues Wort in ein Wörterbuch geschafft hat, sind die Qualitäten des Neologismus eigentlich nicht mehr gegeben. Das ist zum Beispiel beim Wort "Laptop" der Fall. Dabei handelt es sich um eine Zusammensetzung der beiden englischen Wörter "lap" was Schoß bedeutet und "top", was du mit Oberfläche ins Deutsche übersetzen kannst. Der Begriff steht schon seit 1991 im Duden und ist mittlerweile ein Wort, mit dem fast alle Menschen etwas anfangen können. Heute ist der Begriff "Laptop" also kein Neologismus mehr. Als er erstmals aufgetreten ist, gehörte das Wort aber durchaus zu dieser Kategorie.

Neologismus als Stilmittel

In Reden kommen Neologismen als Stilmittel zum Einsatz

Neologismen gehören zu den grundlegenden Stilmitteln der Literatur. Sie kommen aber auch in der gesprochenen Sprache immer wieder vor. Gebildet werden sie sowohl schriftlich als auch mündlich. Mit Sicherheit benutzt auch du immer mal wieder Neologismen. Hin und wieder sind diese gar nicht so einfach zu identifizieren. Besonders dann nicht, wenn sie schon zu einem festen Bestandteil einer Sprache geworden sind.

In Reden und in literarischen Texten kannst du Neologismen ausmachen, wenn du darauf achtest. Autoren und Redenschreiber machen sich viele Gedanken darüber, was sie in ihren Texten oder Ansprachen vermitteln wollen. Nicht selten greifen sie zur Verdeutlichung bestimmter Standpunkte auf unterschiedlichste Stilmittel zurück. Sowohl bei Hochzeitsreden als auch bei Ansprachen von Politikern kommen an einzelnen Stellen immer wieder rhetorische Figuren zum Einsatz. Dazu gehören zum Beispiel Euphemismen, Pleonasmen oder eben auch Neologismen. Weitere allgemeine Informationen zu rhetorischen Mitteln findest du hier.

Neologismen sind übrigens nur dann als Stilmittel zu verstehen, wenn der Aspekt des Neuartigen eine Rolle spielt. Nutzt ein Dichter oder Autor ein Wort, das früher einmal ein Neologismus war, mittlerweile aber fest im alltäglichen Sprachgebrauch etabliert ist, hat er sich nicht bewusst für den Einsatz eines Stilmittels entschlossen. In diesem Fall ist der Neologismus nämlich schon zu einem gebräuchlichen Wort geworden und hat ausschließlich inhaltliche Bedeutung.

Herausforderungen von Neologismen

Neologismen sind besondere Wörter, denn sie haben in ihrer Form so vorab nicht existiert. Daher müssen sich auch die Sprecher einer Sprache erst einmal an den Gebrauch dieser Wörter gewöhnen. Das bringt einige Herausforderungen mit sich. So ist bei bestimmten Wörtern zum Beispiel nicht klar, wie diese auszusprechen sind. Die korrekte Aussprache entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Gerade wenn Neologismen aus anderen Sprachen abgeleitet sind, ist das oft ein Problem.

Weitere Herausforderungen sind die Flexion des Wortes und eine eventuelle Mehrdeutigkeit. Gerade in der deutschen Sprache gibt es immer wieder Verwirrung in Bezug auf das Genus von Neologismen. Gleiches gilt für die Rechtschreibung. Erst wenn die Wortneuschöpfung einen festen Platz im alltäglichen Sprachgebrauch gefunden hat, verschwinden diese Herausforderungen nach und nach.

Möchtest du deutlich machen, dass du ein bestimmtes Wort noch nicht als festen Bestandteil deiner Sprache verstehst, kannst du das mit Einführungsstrichen deutlich machen. Alternativ nutzt du zum Beispiel den Zusatz "sogenannt".

Funktionen von Neologismen

Neologismen haben verschiedene Funktionen

Ein Neologismus entsteht dann, wenn ein neues Wort geschaffen wird, um etwas zu benennen, für das es vorher im Wortschatz einer Sprache noch keine Bezeichnung gab. Wie bei den meisten anderen Stilmitteln auch, ist es gar nicht so einfach, die Funktionen von Neologismen als Stilfigur genau zu definieren. Das liegt unter anderem daran, dass Stilmittel unterschiedlich wirken, je nachdem, wer einen Text liest oder eine Rede hört. Es gibt jedoch immer bestimmte Funktions- und Wirkungstendenzen, die sich herauskristallisieren. Darauf gehen wir im Folgenden genauer ein.

Neues Benennen

Die Hauptfunktion von Neologismen ist die Benennung neuer Phänomene. Wird etwas erfunden, dass vorher noch nicht existiert hat, gibt es nachvollziehbarer Weise auch noch keine exakte Bezeichnung dafür. An Hand bestimmter Kriterien entsteht ein Wort, um das bisher unbekannte Phänomen zu bezeichnen.

Neologismen kommen in jeder lebendigen Sprache vor. Das hängt damit zusammen, dass sich die Sprache im Einklang mit ihrer Umwelt ständig weiterentwickelt und verändert. Je nachdem, mit welchen Herausforderungen die Gesellschaft konfrontiert ist, spiegelt sich das in der Sprache wider.

Positive Wertung schaffen

Positive Wertung schaffen mit Neologismen

Neologismen entstehen nicht nur, um neue Phänomene zu beschreiben, sondern auch um die Wahrnehmung bestehender Dinge zu verändern. So kann ein Neologismus dazu beitragen, dass eine bestimmte Begebenheit oder ein Umstand auf Grund einer sprachlichen Veränderung im Anschluss positiver konnotiert ist. In dieser Funktion werden Neologismen also gezielt entwickelt, um bekannte Bezeichnungen zu ersetzen.

Das funktioniert allerdings nicht immer. Häufig bleiben die Neologismen nämlich für immer Neologismen und setzen sich im allgemeinen Sprachgebrauch nicht durch. Ein passendes Beispiel ist das Wort "Zugbegleiter". Es wurde erschaffen um den Begriff "Schaffner" in ein positiveres Licht zu rücken. Hin und wieder hörst du vielleicht einmal das Wort "Zugbegleiter", "Schaffner" ist jedoch der präsentere Ausdruck.

Negative Wertung schaffen

Mit Neologismen kannst du auch negative Wertung erzeugen

Genauso wie Neologismen entstehen, um positive Wertung zu vermitteln, können sie auch das Gegenteil bewirken. So gibt es Wortneuschöpfungen für Phänomene, die eine Wertung vermitteln, die im ursprünglichen Begriff nicht vorhanden war. Ein bestehendes Wort wird also umgedeutet und im Nachhinein negativ konnotiert.

Die Erschaffung von Neologismen zur Erzeugung einer negativen Wertung ist gerade zu propagandistischen Zwecken eine beliebte Möglichkeit. Schriften oder Reden, die ihrem Empfänger eine bestimmte Denkart aufzwingen möchten, arbeiten oftmals mit dieser Methode. In diesem Fall werden Neologismen also zur Manipulation genutzt.

Originalität vermitteln

Setzt du einen Neologismus gezielt ein, gehört er zu den grundlegenden Stilmitteln in der Literatur. Die Hauptaufgabe eines Neologismus, den du als Stilmittel verwendest, ist Neuartigkeit darzustellen und so die Originalität eines Textes oder einer Rede zu unterstreichen.

Nicht nur in Reden und literarischen Erzeugnissen kommt das Stilmittel zum Einsatz, auch in der Werbung wird es gerne genutzt. Mit Wortneuschöpfungen möchten die Hersteller ihre Kunden von der Einzigartigkeit ihres Produkts überzeugen. Außerdem wollen sie beweisen, dass es sich um etwas nie Dagewesenes handelt. Neologismen tragen zudem zur Unverwechselbarkeit bei.

Beispiele von Wortneuschöpfungen

"Podcast" ist ein Neologismus

Anders als andere Stilmittel, haben Neologismen ihren Status nicht dauerhaft inne. Ist ein Wort in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und in Wörterbüchern zu finden, ist streitbar, ob es sich weiterhin um einen Neologismus handelt. Generell kannst du all jene neuen Wörter als Neologismen bezeichnen, die nicht einmalig verwendet werden, sondern einer Bandbreite an Menschen ein Begriff sind. Im Folgenden stellen wir eine Auswahl an aktuellen Neologismen vor:

  1. Blog: Schreibst du einen Blog, ist das im Prinzip so als würdest du online ein Tagebuch zu einem bestimmten Thema führen. Ganz seiner Funktion entsprechend, ist der Begriff "Blog" eine Kontamination. Das heißt es handelt sich dabei um eine Kombination mit Verknappung zweier englischer Wörter, nämlich aus "web", also Internet und "log", also Protokoll oder Tagebuch.
  2. Vlog: Für diesen Neologismus gilt im Prinzip das Gleiche wie für den Begriff Blog, außer dass es sich um ein Video-Tagebuch handelt. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern "video" und "log" zusammen.
  3. Brunch: Ob "Brunch" immer noch ein Neologismus ist, kann diskutiert werden. Schließlich ist dieser Begriff mittlerweile zu einem festen Bestandteil unserer Alltagssprache geworden. Es handelt sich hier ebenfalls um eine Kontamination, also eine Verknappung aus zwei englischen Wörtern. ( "breakfast", also Frühstück und "lunch", also Mittagessen)
  4. Podcast: Eine weitere Entlehnung aus der englischen Sprache geht mit dem Neologismus "Podcast" einher. Es handelt sich hier um eine Kontamination aus den Wörtern "iPod", eines tragbaren Medienabspielgeräts der US-amerikanischen Firma Apple und dem englischen Begriff "broadcast", was übersetzt "Sendung" bedeutet. Mit diesem Neologismus werden regelmäßige Redebeiträge und andere Sendungen im auditiven Format bezeichnet, die du nachträglich im Internet anhören kannst.
  5. Ostalgie: Dieses Beispiel zeigt, dass Kontaminationen nicht nur mit Wörtern aus anderen Sprachen möglich sind. Es handelt sich hierbei um eine Kombination mit Verknappung zweier deutscher Wörter, nämlich einer Zusammensetzung aus "Ostdeutschland" und "Nostalgie". Der Neologismus beschreibt eine Sehnsucht nach dem Leben in der DDR.
  6. Gendersternchen: Seit verstärkt auf geschlechtergerechte Sprache in schriftlicher Form geachtet wird, braucht es einen Begriff zur Bezeichnung des "*" in Texten. Bei diesem Neologismus handelt es sich um eine Komposition zweier bereits existierender Wörter ohne Verknappung.
  7. Islamophobie: Mit diesem Begriff wird Feindseligkeit gegen und kategorische Abwertung und Benachteiligung von Muslimen beschrieben.
  8. sitt: Der Begriff ist ein Neuwort, das im Rahmen eines Wettbewerbs erfunden wurde. In diesem Wettbewerb ging es darum einen Begriff zu finden, der das Gefühl beschreibt nicht mehr durstig zu sein.
  9. Troll: Dieser Neologismus ist den Neubedeutungen zuzuordnen. Während der Begriff in der Mythologie schon seit Langem genutzt wird, um unberechenbare Fabelwesen zu beschreiben, findet er seit Neustem auch im Bereich der Netzkultur Verwendung. Es handelt sich dabei um jemanden, der Beiträge veröffentlicht, um andere damit zu provozieren. Alternativ wollen Trolle auch emotionale Reaktionen anderer Menschen hervorrufen und Auseinandersetzungen provozieren. Dazu postet ein Troll in Gruppen oder Foren Aussagen über ein Thema, mit denen die anderen Nutzer der Gruppe nicht einverstanden sind.

Neologismus versus Okkasionalismus

Okkasionalismen entstehen im Moment

Ein Phänomen, das dem Neologismus sehr ähnlich ist, nennt sich Okkasionalismus. Auch in diesem Fall geht es um Wortneuschöpfungen, allerdings etablieren sich die Begriffe nicht im allgemeinen Sprachgebrauch. Vielleicht hast du selbst schon einmal festgestellt, dass du im Gespräch mit Freunden oder Bekannten immer mal wieder Wörter selbst erschaffst. Das passiert häufig, indem Wörter zusammengesetzt werden, um Lücken im Gespräch zu schließen.

Den Begriff Okkasionalismus kannst du auch mit "Gelegenheitswörter" übersetzen. Du benutzt sie in bestimmten Situationen, um etwas zu erklären. Womöglich kommen sie nur ein einziges Mal zum Einsatz und danach nie wieder. Den benutzten Begriff denkst du dir nämlich in einem bestimmten Moment aus. Er gehört nicht zu deinem eigentlichen Wortschatz.

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