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Anekdote: 6 Merkmale & 8 Beispiele zur Textsorte

Eine Anekdote ist eine kurze Erzählung, die oft auf wahren Begebenheiten basiert und mit einer unerwarteten Pointe überrascht. Wir verraten dir alles Wissenswerte über Anekdoten, haben ihre wichtigsten Merkmale zusammengestellt und acht Beispiele zur Veranschaulichung für dich.

Die Anekdote begleitet uns im Alltag, dem öffentlichen Leben und in der Literatur. Sie kann als Einstieg für eine private oder öffentliche Rede dienen, in der Werbung als Mittel für Storytelling genutzt werden und es gibt sie sogar als literarisches Genre, in der sie bewusst mit einer bestimmten Absicht verfasst wird.

Wir verraten dir alles über die Facetten der Anekdote und haben acht veranschaulichende Beispiele für dich, damit du von nun an Anekdoten richtig verwenden und einordnen kannst.

Wissenswertes zur Anekdote

Was eine Anekdote ist

Im Folgenden verraten wir dir, was eine Anekdote ist, welche Wirkung sie hat und welche rhetorische Funktion sie erfüllen kann. Außerdem erfährst du, was eine Wanderanekdote und eine Pointe ist und worin sich die Anekdote und der Witz unterscheiden.

Im Anschluss haben wir die sechs wichtigsten Merkmale für dich zusammengestellt und acht Beispiele zur Veranschaulichung für dich. Nutze sie zum Beispiel für eine Interpretation, erzähle sie deinen Freunden oder verwende sie für ein Referat.

Definition: Was eine Anekdote ist

Die Anekdote ist eine Untergattung der Kurzgeschichte. Sie ist eine kurze und meist lustige Schilderung einer Situation im Leben einer Person. Diese Person kann entweder berühmt, fiktiv oder alltäglich sein. Die beschriebenen Personen werden hierbei auf eine wesentliche Charaktereigenschaft reduziert.

Anekdoten treten häufig mündlich auf und erheben somit keinen literarischen Anspruch. Ähnlich wie Fabeln oder Märchen sind sie meist lehrreich und in einfacher Sprache erzählt.

Allerdings gibt es Anekdoten auch als literarisches Genre. Ein Beispiel für eine solche Anekdote ist die “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” von Heinrich Böll, die für den Norddeutschen Rundfunk verfasst wurde. Außerdem ähneln Anekdoten den sogenannten Kalendergeschichten, die ebenfalls einen Unterhaltungswert verfolgen und eine Pointe haben.

Das Adjektiv “anekdotisch” bedeutet “in Form einer Anekdote”, zum Beispiel: “Deine Art Kunden zu bedienen, hat schon anekdotisches Potenzial.” In der Medizin wird es allerdings auch für einen informellen Bericht verwendet, der nicht wissenschaftlich belegt ist (“anekdotische Evidenz”).

Wirkung und Funktion einer Anekdote

Wirkung und Funktion einer Anekdote

Anekdoten haben die Funktion, schwierige oder ernste Themen aufzulockern und somit auf lustige Art und Weise Kritik zu äußern. Sie zeigen Probleme oder festgefahrene Werte aus neuen Perspektiven – und zwar so einfach, dass sie jeder verstehen kann.

Außerdem kannst du Anekdoten anführen, um in einer Argumentation etwas zu veranschaulichen oder einfach ein lehrreiches Beispiel zu nennen. Sie lockern deine Sprache auf, eignen sich um eine Rede einzuleiten und lassen dich redegewandter wirken.

Anekdoten können inspirieren, motivieren und deine Mitmenschen zum Lachen bringen. Du kannst sie also auch verschicken und deinen Liebsten eine Freude mit ihnen machen.

Die Wanderanekdote

Ältere Anekdoten, die vor allem mündlich tradiert wurden, gibt es manchmal in keiner festen Form. Man nennt sie “Wanderanekdoten” und sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie in verschiedenen Varianten erzählt werden.

Dabei müssen der Sinn und die Aussage der Anekdote beibehalten werden, aber es gibt keine festgelegte Wortfolge. Auch ist in diesem Fall meist kein Autor bekannt. In unseren Beispielen findest du die Wanderanekdote “Anekdote über Napoleon”.

Definition einer Pointe

Eine Pointe bezeichnet meist einen geistreichen, überraschenden oder lustigen Schluss einer Erzählung. In der Regel findet sie sich in Witzen, Reden oder Anekdoten. Sie ist ein rhetorisches Mittel und basiert auf einem plötzlichen Moment der Erkenntnis.

Zwei vorher scheinbar inkompatible Komponenten werden zusammengeführt und ergeben plötzlich Sinn. Manchmal bezeichnet eine Pointe auch eine überraschende Wendung in der Dramatik.

Unterschied zum Witz

Die Anekdote und der Witz ähneln sich in vielen Punkten. Sie sind beide kurz, handeln häufig von Stereotypen, werden weitererzählt, können lehrreich sein und enthalten eine Pointe. Allerdings unterscheiden sie sich in einem wesentlichen Punkt.

Die Anekdote bezieht sich in der Regel auf eine bestimmte Person, die entweder real oder charakterisiert ist, wohingegen der Witz auch ohne diese Charakterisierung zurecht kommt. Er ist häufig fiktiv oder lässt reale Personen fiktive, übertriebene Dinge tun. Somit basiert er nicht auf einer realistisch ausgeführten Situation, wie es die Anekdote tut.

Merkmale einer Anekdote

Merkmale einer Anekdote

Die Hauptmerkmale einer Anekdote liegen in ihrer Prosaform, ihrer Kürze, einer besonderen Ausgangssituation, ihrem Unterhaltungswert, ihrer eindimensionalen Charakterisierung und einer belehrenden Pointe zum Schluss.

Ihre Merkmale bewirken, dass man sich eine Anekdote leicht merken kann. Sie kam deshalb häufig bei zwischenmenschlichen Gesprächen zum Einsatz. Sie stillte sowohl das Bedürfnis nach Neuigkeiten als auch nach Unterhaltung. Eine Anekdote basiert meist auf wahren Begebenheiten. Sie kann aber auch fiktiv und lediglich realistisch erzählt sein.

  1. Sie sind meist in Prosaform (als Fließtext) geschrieben.
  2. Sie sind kurz.
  3. Der Protagonist befindet sich meist in einer außergewöhnlichen Situation.
  4. Es wird auf eine ironische, lustige oder geistreiche Art und Weise erzählt und gesprochen. Eine Anekdote hat in der Regel Unterhaltungswert.
  5. Ihre Charaktere sind meist eindimensional und vertreten einen Stereotypen.
  6. Zum Schluss gibt es meist eine überraschende Pointe.

Beispiele für Anekdoten

Im Folgenden findest du viele unterschiedliche Anekdoten. Die meisten von ihnen handeln von bekannten Persönlichkeiten, doch es sind auch ein paar dabei, die unabhängig erzählt werden können. Manche sind lehrreich und andere lustig.

Wir haben jeweils etwas Hintergrundwissen ergänzt, zum Beispiel um welche Person es geht, warum sie berühmt ist oder für welchen Anlass sich die Anekdote eignet. Nutze sie zum Üben für die Schule, verwende sie für deine wissenschaftliche Arbeit oder erzähle sie privat weiter.

Anekdote über Napoleon

Anekdote über Napoleon Bonaparte

Es gibt eine Anekdote über Napoleon Bonaparte (1769–1821). Sie hat ihren Ursprung wahrscheinlich im Jahr 1792. Napoleon war ein französischer General, Diktator der Revolution und später französischer Kaiser.

Er war nur etwa 1,60 Meter groß und wurde sehr jung General. Aus diesem Grund waren die meisten seiner Unterbefehlshaber größer und älter als er. Das bewirkte, dass sie ihn manchmal nicht allzu ernst nahmen und nicht immer seinen Befehlen folgten.

Eines Tages zeigte sich General Kleber widerspenstig, da ging Napoleon auf ihn zu und sagte: “General, Sie sind um einen Kopf größer als ich. Aber noch einmal nicht bedingungslos gehorcht und dieser Unterschied wird verschwinden!“ General Kleber gehorchte.

Anekdote über einen trotzigen Sohn

Diese Anekdote eignet sich, um sie privat zu erzählen. Außerdem könnte sie besonders für Lehrer oder Schüler witzig sein. Sie handelt von einem trotzigen Sohn, der nicht in die Schule gehen möchte, und überrascht mit einer Pointe, die der Anekdote ihren Witz verleiht.

An diesem Beispiel wird gut sichtbar, wie schmal der Grat zwischen einer Anekdote und einem längeren Witz sein kann. Wenn die erzählten Begebenheiten wahr wären, wären sie eindeutig eine Anekdote.

Wenn sie unrealistisch und fiktiv wären, wären sie eindeutig ein Witz. Da der Ursprung aber nicht bekannt ist und es nahe liegt, dass die Situation zwar fiktiv, aber realistisch erzählt ist, liegt hier eine Mischform vor, die aufgrund ihres realen Charakters eher als Anekdote definiert werden kann.

Eine Mutter hatte plötzlich Schwierigkeiten mit ihrem Sohn. Er wollte nicht aufstehen und zur Schule gehen. Trotzig zog er das Bettlaken über den Kopf. „Ich gehe nicht zur Schule“, sagte er, „ich gehe nie wieder!“ – „Bist du krank?“ fragte die Mutter. „Nein“, kam unter der Bettdecke die dumpfe Antwort, „ich bin nur krank, was die Schule angeht. Sie hassen mich. Sie geben mir Spitznamen. Alle machen sich über mich lustig. Warum also sollte ich da noch hingehen?“ – „Ich kann dir zwei gute Gründe nennen“, entgegnete die Mutter. „Der Erste ist: Du bist jetzt 44 Jahre alt. Und der zweite ist: Du bist der Schulleiter!“

Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral

Die “Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral” wurde 1963 von Heinrich Böll (1917–1985) für eine Sendung des Norddeutschen Rundfunks zum “Tag der Arbeit” (1. Mai) geschrieben. Sie handelt von einem Touristen und einem Fischer, die sehr unterschiedliche Einstellungen zur Arbeitsmoral haben.

Böll stellte somit die neu gewonnenen Werte des Wirtschaftsbooms in Frage, nach denen Fleiß und eine schnelle Karriere zum Ziel vieler Menschen wurden. Mit der Unterhaltung zwischen dem fleißigen Touristen und dem faulen Fischer kontrastiert er eine anstrengende und materielle Lebensweise mit einer ruhigen und ärmeren. Im Folgenden findest du eine Zusammenfassung der Anekdote:

Zusammenfassung

Ein Tourist macht Fotos an einem Hafen an der Küste Westeuropas und weckt dabei einen Fischer mit ärmlicher Kleidung, der in seinem Boot liegt. Er stellt ihm Fragen dazu, wie sein Fang war und der Fischer antwortet ihm, er hätte heute schon genug gefangen. Es seien zwar optimale Bedingungen, doch er hätte keine Lust heute nochmal herauszufahren.

Der Urlauber kann nicht verstehen, wieso der Fischer diese Gelegenheit nicht nutzt, um seinen Ertrag zu erhöhen und auf lange Sicht ein Unternehmen zu gründen. Wenn er dann genug verdient hätte, könne er sich immer noch zur Ruhe setzen und im Hafen schlafen.

Der Fischer erklärte ihm zufrieden, dass er auch jetzt schon ein Leben ohne Anstrengungen führen kann. Da wird dem Touristen klar, dass man auch mit wenig Verdienst im Leben glücklich sein kann und empfindet Neid auf den Fischer.

Anekdote über John F. Kennedy

Anekdote über John F. Kennedy

John F. Kennedy (1917–1963), kurz JFK, war der 35. Präsident der USA und bei seinen Wählern sehr beliebt. Viele hofften durch ihn auf positive Veränderungen. Während seiner Amtszeit von 1961 bis 1963 fanden zahlreiche politische Ereignisse statt, wie die Kubakrise oder der Bau der Berliner Mauer. 1963 wurde er erschossen. Die Hintergründe dafür sind bis heute ungeklärt. Die folgende Anekdote eignet sich zum Beispiel für eine Hochzeitsrede.

Einem Journalisten, der John F. Kennedy fragte, welches der beste Rat gewesen sei, den er je erhalten hätte, antwortete der Präsident spontan: “Der, meine Frau zu heiraten.“ – “Und wer hat Ihnen diesen Rat gegeben?“ fragte der Reporter. “Na, sie selbst natürlich.”

Anekdote über Gilbert Keith Chesterton

Gilbert Keith Chesterton (1874–1936) war ein englischer Schriftsteller und Journalist. Er schrieb eine Kriminalroman-Reihe mit dem Protagonisten Pater Brown, durch die er Bekanntheit erlangte.

Er ist in Deutschland allgemein nicht sehr bekannt. Allerdings eignet sich seine Anekdote als Antwort auf die Frage, was man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Schließlich wird diese Frage immer noch gestellt. Außerdem kann sie als Aussage dafür stehen, dass man niemals auf einer einsamen Insel leben wollen würde.

Der Kriminalautor Gilbert Keith Chesterton wurde einmal von einem Reporter gefragt, welches Buch er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, wenn er sich nur für eines entscheiden dürfte.

Nach kurzem Nachdenken antwortete er: “Selbstverständlich ein Handbuch ‘Wie baue ich ein Schiff’”.

Anekdote über Hugo von Hofmannsthal

Der Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) ist einer der wichtigsten Repräsentanten der Wiener Moderne und des Fin de Siècle. Unter Akademikern und vor allem unter Sprachwissenschaftlern ist er sehr bekannt.

Eine Anekdote über ihn eignet sich also besonders für ein Publikum, dem er bekannt ist. Sein Verhalten, das in der Anekdote beschrieben wird, steht in Kontrast zu dem Bild, das man von ihm als ernstzunehmender Schriftsteller hat.

Der österreichische Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal verfügte über einen Schatz bibliophiler Raritäten, die er ungern verlieh. Einmal bekam er das Buch mit zahlreichen Fettflecken zurück. Hofmannsthal war darüber so verärgert, dass er eine Speckschwarte mit folgendem Kommentar zurückschickte: “Ich erlaube mir, Ihnen das Lesezeichen, das Sie in meinem Buch vergessen haben, zurückzuschicken.”

Anekdote über Bertolt Brecht

Beispiele für Anekdoten

Bertolt Brecht (1898–1956) war ein bekannter deutscher Dramatiker und Lyriker des 20. Jahrhunderts. Er war einer der Begründer des epischen Theaters und feierte weltweit Erfolge, zum Beispiel mit “Die Dreigroschenoper” oder “Das Leben des Galilei”. Er war ein mutiger und experimentierfreudiger Literat, weshalb die folgende Anekdote besonders gut zu ihm passt.

Über den einflussreichen deutschen Dramatiker und Lyriker Bertolt Brecht erzählt man, dass er in seinen Schulaufsätzen gerne Goethe Zitate nutzte. So konnte er mit den Zitaten seine Ansichten unterstützen. Sein Lehrer erkannte jedoch nicht, dass Brecht diese Zitate frei erfand. Er wusste, dass kein Lehrer sicher sein konnte, alle Zitate von Goethe zu kennen. Wer wollte sich schon blamieren und ein Goethe Zitat nicht kennen?

Eine persönliche Anekdote

Eine Anekdote kann auch persönlich sein und sowohl im Alltag als auch zu Geburtstagsfeiern, Hochzeitstagen oder als Trauerrede erzählt werden. Sie kann schöne oder besonders lehrreiche Momente des Lebens zusammenfassen. Wir haben ein Beispiel für eine persönliche Anekdote für dich erstellt.

Ich weiß noch als ich mit Bernd im Theater saß. Bei jeder lustigen Szene musste er so laut lachen, dass alle Leute uns angeschaut haben.

Das war mir teilweise ganz schön peinlich und ich habe mich gefragt, ob es denn wirklich sein muss, jedes Mal so laut zu lachen. Doch eines habe ich heute begriffen: Es ist egal, was die Leute denken. Bernd hat mir gezeigt, dass ich keine Angst haben muss, meine Emotionen auszuleben und dass es Unsinn ist, sich immerzu danach zu richten, was andere wollen.

Von nun an genieße ich jeden Moment, unabhängig davon, ob anderen mein Lachen passt oder nicht.

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