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Reim: Definition + 8 mögliche Reimschemata

In Gedichten sind sie ein nahezu unentbehrliches Stilmittel: Reime. Sie geben Gedichten einen bestimmten Rhythmus oder Klang. Was ein Reim genau ist und wie du das richtige Reimschema bestimmst, erfährst du im Folgenden.

Was ein Reim eigentlich ist

Was ein Reim eigentlich ist

Schon seit tausenden Jahren ist der Reim ein beliebtes Stilmittel. So nutzten ihn die Chinesen bereits einige Jahrhunderte vor Christus. In der Spätantike setzte sich in germanischen Dichtungen der Stabreim durch, der sich in seiner Verwendungsweise stark von der heutigen Definition eines Reims abgrenzt. Der Stabreim ähnelt eher einer Alliteration, da der Reim sich hier durch die selben Anfangsbuchstaben der am stärksten betonten Wörter in einem Vers definiert.

Heute wird ein Reim nicht mehr durch die Anfangsbuchstaben eines Wortes bestimmt, sondern vor allem durch seine Endsilbe, die genau wie die Endsilbe eines anderen Wortes klingen sollte. Der Reim wird also durch einen gleichen Klang beschrieben. Dieser gleiche Klang kommt meist am Ende eines Verses zum Tragen, kann aber auch in der Mitte oder am Anfang eines Verses vorherrschen. Der Reim zieht sich meist über zwei Verse, allerdings kann der gleiche Reim auch in einer ganzen Strophe und sogar in einem kompletten Gedicht vorkommen. Im Gegensatz dazu finden sich Reime manchmal auch innerhalb eines Verses, was als Binnenreim bezeichnet wird. Stehen die sich reimenden Wörter direkt hintereinander im Vers, handelt es sich um einen Schlagreim.

Reime kommen jedoch nicht nur in Gedichten zum Einsatz. Auch in Songtexten werden sie häufig verwendet. Vor allem die Musikrichtung Rap bedient sich dem Reim als Stilmittel und nutzt dafür zahlreiche Reimschemata. Vielleicht musstest du im Deutschunterricht oder Studium sogar schon einmal einen Liedtext analysieren, statt einem Gedicht. Dabei gibt es zahlreiche Parallelen zu einer Gedichtanalyse. Tipps und Tricks für eine gute Gedichtanalyse findest du hier.

Der Reim als Gedicht

Der Reim ist nicht nur ein Stilmittel, das du vor allem in der Lyrik findest. Auch ein kleines Gedicht kann als Reim bezeichnet werden. Bei solch einem Gedicht handelt es sich zumeist nur um einen Ein- oder Zweizeiler, der sich durch einen Reim auszeichnet. Sprichwörter sind beispielsweise oft in Reimen geschrieben. Beispiele sind:

  • “Morgenstund hat Gold im Mund.“
  • “Besser stumm als dumm.“
  • “April, April, der weiß nicht, was er will.“
  • Geld regiert die Welt.“
  • “Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen

Reiner Reim versus unreiner Reim

Reiner Reim versus unreiner Reim

Allgemein lassen sich Reime in reine und unreine Reime unterteilen. Bei einem reinen Reim ist der Klang der sich reimenden Wörter genau gleich, die Laute nach dem zuletzt betonten Vokal sind also identisch wie bei “Haus“ – “Maus“ und “wohnen“ – “lohnen“. Bei einem unreinen Reim dagegen stimmen die Laute nach dem betonten Vokal nur teilweise überein. So unterscheidet sich auch der Klang der sich reimenden Wörter ein wenig, beispielsweise in der Betonung. Dennoch klingen die Wörter ähnlich. Das liegt daran, dass unreine Reime oft mit ähnlich klingenden Konsonanten, Umlauten und Vokalverbindungen gebildet werden. So wird beispielsweise ein “d“ mit einem t-Laut gereimt (“Freude“ – “heute“) oder ein “ü“ mit einem i-Laut (“hin“ – “kühn“). Auch Vokalverbindungen wie “äu“ und “ei“ werden als unreiner Reim miteinander gereimt (“Geläute“ – “Weite“). Meist fallen solche unreinen Reime kaum auf. Als störend werden sie vor allem dann empfunden, wenn die Vokale verschieden lang betont werden wie bei “Rat“ – “hat“.

Erweiterter Reim

Bei einem erweiterten Reim bezieht sich der Gleichklang nicht nur auf die Endsilbe, auch die Silben davor können bereits ähnliche Laute enthalten. Besonders häufig tritt dabei der Doppelreim auf, bei dem sich auch die vorletzte betonte Silbe bereits reimt. Ein Beispiel dafür ist:

“Die Abendwinde wehen,
Ich muß zur Linde gehen,“
(aus Clemens Brentanos Gedicht “Die Abendwinde wehen“ aus dem Jahr 1834)

Demgegenüber steht der vokalische Halbreim, der sozusagen eine abgeschwächte Variante des Doppelreims bildet. Denn auch hier reimen sich zwei Silben, allerdings ist eine davon unbetont (“licht war“ – “sichtbar“).

Eine Erweiterung des Doppelreims bildet der Mehrfachreim, bei dem sich nicht nur zwei betonte Silben reimen können, sondern auch mehr. Ein ziemlich einfacher Reim ist dagegen der identische Reim, bei dem sich für den Reim einfach dasselbe Wort noch einmal wiederholt, beispielsweise:

“Uns ward erst die Liebe Leben;
Innig wie die Elemente
Mischen wir des Daseins Fluten,
Brausend Herz mit Herz.
Lüstern scheiden sich die Fluten,
Denn der Kampf der Elemente
Ist der Liebe höchstes Leben
Und des Herzens eignes Herz.“
(Strophe aus Novalis’ “Das Lied der Toten“ von 1800)

Schwieriger lässt sich der sogenannte Schüttelreim bilden, bei dem die Anfangskonsonanten der beiden zuletzt betonten Silben miteinander ausgetauscht werden. Dies äußert sich wie folgt:

“Es klapperten die Klapperschlangen,
Bis ihre Klappern schlapper klangen.“

“Ich fuhr mit meinem Leiterwagen,
Wo Steine und so weiter lagen.“

Waise

Waise in Gedichten

Als Waise wird eine Verszeile bezeichnet, die sich mit keinem anderen Vers des Gedichts reimt. Sie steht also für sich alleine, während die umliegenden Verse jeweils einen sich reimenden Gegenpart haben, beispielsweise:

“Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!“
(Dritte Strophe des Gedichts “Der gute Kamerad“ von Ludwig Uhland aus dem Jahr 1809)

Kadenzen

Kadenzen spielen beim Reimen eine wesentliche Rolle. Eine Kadenz bezieht sich immer auf die letzten Silben eines Verses. Da sich das gereimte Wort in den meisten Fällen ebenfalls am Ende des Verses befindet, beschreibt sie also auch den Reim an sich. Und zwar bezeichnet die Kadenz die Anzahl der Silben, die nach der letzten betonten Silbe im Vers vorhanden sind. Unterscheiden kannst du dabei zwischen der männlichen, weiblichen und mitunter reichen Kadenz.

Männliche Kadenz: Bei der männlichen oder auch stumpfen Kadenz endet der Vers auf eine betonte Silbe.

Weibliche Kadenz: Bei der weiblichen Kadenz folgt auf die betonte Silbe eine weitere unbetonte.

Reiche Kadenz: Bei der reichen Kadenz schließt der Vers mit mehreren unbetonten Silben ab.

Das Reimschema bestimmen

Das Reimschema bestimmen

Reime können sich in ganz unterschiedlichen Formen und Schemata äußern, die den Klang und die äußere Form eines Textes maßgeblich beeinflussen. Wir stellen die Wichtigsten vor, damit du das Reimschema eines Gedichts schnell und einfach bestimmen kannst.

Paarreim

Der Paarreim ist wohl das geläufigste und einfachste Reimschema. Dabei befindet sich der Reim immer in zwei aufeinander folgenden Reimen, wodurch ein Reimpaar entsteht. Gekennzeichnet wird das Schema wie folgt: aabb ccdd.

“Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viele tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.“
(ersten Strophen aus dem Gedicht “Die Wanderratten“ von Heinrich Heine aus dem Jahr 1869)

Kreuzreim

Auch der Kreuzreim beziehungsweise Wechselreim ist ein beliebtes und vielfach verwendetes Reimschema, das vor allem bei Gedichten mit einer geraden Verszahl Anwendung findet. Das Reimschema äußert sich folgendermaßen: abab.

“Könnt mich auch sonst mit schwingen
Übers grüne Revier,
Hatt ein Herze zum Singen
Und Flügel wie ihr.

Flog über die Felder,
Da blüht’ es wie Schnee,
Und herauf durch die Wälder
Spiegelt’ die See.“
(ersten Strophen aus dem Gedicht “An die Waldvögel“ von Joseph Freiherr von Eichendorff aus dem Jahr 1839)

Umarmender Reim

Umarmender Reim

Auch der umarmende Reim ist ein bekanntes Reimschema, das in zahlreichen Gedichten Verwendung findet. Bekannt ist er außerdem unter den Namen umfassender oder umschließender Reim. Dabei wird ein Paarreim von einem anderen Reim eingeschlossen. Der eingeschlossene Paarreim wird auch als eingebetteter Reim bezeichnet. Das Reimschema sieht wie folgt aus: abba cddc.

“Ein reiner Reim wird wohl begehrt,
Doch den Gedanken rein zu haben,
Die edelste von allen Gaben,
Das ist alle Reime wert. “
(Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, entstanden zwischen 1765 und 1832)

Verschränkter Reim

Ein verschränkter Reim ähnelt von seinem Aufbau einem Kreuzreim, allerdings wechseln sich hier nicht nur immer zwei Reime ab, sondern drei. Das Reimschema äußert sich dabei wie folgt: abc abc.

“Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen,
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
Und mich verzehren seiner Sonne Gluthen.
Drum birg dich Aug’ dem Glanze ird’scher Sonnen!
Hüll dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten.“
(aus dem Gedicht “Der Kuß im Traume“ von Karoline von Günderrode aus dem Jahr 1805)

Haufenreim

Ein Haufenreim zeichnet sich dadurch aus, dass sich der Reim nicht nur zweimal wiederholt, sondern gleich mehrere Male, mitunter sogar die ganze Strophe oder das ganze Gedicht lang.

“Ich bin ein Bote und nichts mehr,
Was man mir gibt, das bring’ ich her,
Gelehrte und polit’sche Mär;
Von Ali Bei und seinem Heer,
Vom Tartar-Khan, der wie ein Bär
Die Menschen frisst am schwarzen Meer
(Der ist kein angenehmer Herr),
Von Persien, wo mit seinem Speer
Der Prinz Heraklius wütet sehr.
Vom roten Gold, vom Sternenheer,
Von Unschuld, Tugend, die noch mehr
(aus “Der Wandsbecker Bothe“ von Matthias Claudius)

Schweifreim

Schweifreim in Gedichten

Der Schweifreim kommt in Gedichten seltener zum Einsatz, ist dennoch das Reimschema einiger bekannter Gedichte. Dabei ist das Schema an sich nicht schwierig, da der Schweifreim sich grundsätzlich aus einem Paarreim und einem umarmenden Reim zusammensetzt. Das Reimschema lautet folgendermaßen: aa b cc b.

“Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.“
(erste Strophe aus dem Gedicht “Abendlied“ von Matthias Claudius aus dem Jahr 1779)

Terzinenreim

Bei einem Terzinenreim werden einzelne Reimgruppen aus drei Versen miteinander verbunden, indem die scheinbare Waise aus einer Reimgruppe in einer weiteren Reimgruppe wiederaufgenommen wird. Das äußert sich wie folgt: aba bcb cdc ded.

“Die Stunden! Wo wir auf das helle Blauen
Des Meeres starren und den Tod verstehn
So leicht und feierlich und ohne Grauen,

Wie kleine Mädchen, die sehr blass aussehn,
Mit grossen Augen, und die immer frieren,
An einem Abend stumm vor sich hinsehn

Un wissen, dass das Leben jetzt aus ihren
Schlaftrunk’nen Gliedern still hinüberfliesst
In Bäum’ und Gras, und sich matt lächeln zieren,

Wie eine Heilige, die ihr Blut vergiesst.“
(ein Gedicht aus den “Gedichten in Terzinen“ von Hugo von Hofmannsthal aus dem Jahr 1894)

Zäsurreim

Arbeitet ein Dichter mit Zäsuren beziehungsweise einer Sprechpause, die sich meist durch ein Komma in der Mitte des Verses äußert, können mitunter Zäsurreime ins Spiel kommen. Diese bilden sich auf drei verschiedene Weisen:

  1. Zwei Wörter vor der Zäsur eines Verses reimen sich.
  2. Die Wörter vor den Zäsuren zweier aufeinander folgender Verse reimen sich.
  3. Das Wort vor der Zäsur und das am Versende reimen sich.

Andersartige Reime

Andersartige Reime

Reime können verschiedene Formen annehmen, die sich vor allem durch ihre äußerlichen Merkmale als Reim zu erkennen geben, nicht aber durch ihren Klang. So spielen zum Beispiel die Laute als auch der Wortstamm und der Satzbau bei diesen Reimen eine Rolle.

Augenreim

Beim Augenreim scheinen die Reime auf den ersten Blick vollkommen stimmig zu sein, denn die Schreibweise der Wörter stimmt für einen Reim passend überein. In der Aussprache unterscheiden sich die Wörter jedoch erheblich, da sie beispielsweise einen fremdsprachigen Ursprung haben, zum Beispiel “Schlange“ – “Orange“.

Grammatischer Reim

Bei einem grammatischen Reim gelten zwei Wörter des gleichen Wortstamms als Reim. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen identischen Reim, bei dem dasselbe Wort einfach nochmal verwendet wird, sondern um ein Wort aus derselben Wortfamilie, das in abgeänderter Form als Reim Anwendung findet. Beispiele sind “Glaube“ – “glaubt“ und “rings“ – “Ring“.

Zwillingsreim

Bei einem Zwillingsreim wird in einem Satz nur eine Kleinigkeit verändert, die letztlich jedoch den Sinn des Satzes erheblich beeinflusst. Es werden also dieselben Buchstaben und Wörter verwendet, die nur an einer anderen Stelle getrennt werden und dem Satz so eine ganz neue Bedeutung geben.

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