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Johann Wolfgang von Goethe: Biografie, Werke & 20 Zitate

Johann Wolfgang von Goethe ist der bekannteste deutsche Dichter und Denker. Er gilt als Universalgenie und prägte mehrere Literaturepochen. Wir haben alles Wissenswerte über Goethe, Lebenslauf und Biografie, die wichtigsten Werke und bedeutende Zitate.

Johann Wolfgang von Goethe war nicht nur ein bedeutender Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts, er war auch Naturforscher, engagierte sich politisch und widmete sich der Farbenlehre. Bereits zu Lebzeiten war er eine bekannte Persönlichkeit mit nationalem und europäischem Erfolg.

Im Folgenden verraten wir dir zuerst alles Wissenswerte über Goethes Leben in einem kurzen Lebenslauf und einer etwas ausführlicheren Biografie. Danach erfährst du etwas über seinen Einfluss auf die Epochen des Sturm und Drang, der Weimarer Klassik und der Romantik. Sein literarisches Schaffen wird auch als “Goethezeit” bezeichnet.

Johann Wolfgang von Goethe: Sein Leben

Das Leben von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe war einer der vielseitigsten Dichter und Denker der gesamten Literaturgeschichte. Er wurde am 28. August 1749 geboren und ist am 22. März 1832 gestorben. Sein Leben umfasst viele wichtige Stationen und seine Schaffenszeit beträgt mehr als 60 Jahre. Kaum ein anderer Schriftsteller hat so viel und so vielseitig geschrieben wie Goethe.

Du findest im Folgenden zunächst einen Lebenslauf in Stichpunkten, der auf die wichtigsten Stationen in Goethes Leben reduziert wurde und danach eine etwas ausführlichere Biografie, die auch seine privaten Beziehungen in den Vordergrund stellt.

Ein Lebenslauf

Der Lebenslauf von Goethe gibt dir einen reduzierten Überblick auf sein Leben. Dazu gehören die wichtigsten schulischen und beruflichen Stationen, seine Aufenthaltsorte sowie die Veröffentlichungen wichtiger Werke. Im Gegensatz zur Biografie findet sich im Lebenslauf nicht viel Privates, keine Gefühle oder Charakterzüge.

1749

  • Johann Wolfgang Goethe wird am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren
  • Er ist evangelisch getauft
  • Seine bürgerliche Familie ist wohlhabend und angesehen

Ab 1758

  • Der neunjährige Goethe war zuvor ein knappes Jahr an einer öffentlichen Schule
  • Wird nun von Hauslehrern und seinem Vater unterrichtet

1765–1769

  • Beginnt auf Wunsch des Vaters ein Jurastudium in Leipzig, interessiert sich aber eher für Kunst und Literatur
  • 1768 hat er einen Blutsturz aufgrund von Tuberkulose und zieht zurück ins Elternhaus nach Frankfurt
  • Erste Gedichtsammlung “Neue Lieder” wird 1769 veröffentlicht

1770–1774

  • 1770 setzt Goethe sein Jurastudium fort und begegnet Johann Gottfried Herder (1744–1803)
  • 1771 schließt er sein Studium ab und eröffnet mit 22 Jahren eine Anwaltskanzlei in Frankfurt
  • 1772 Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar
  • 1773 Veröffentlichung “Götz von Berlichingen” (Das Drama leitet die Epoche des Sturm und Drang ein)
  • 1774 Veröffentlichung des Briefromans “Die Leiden des jungen Werthers” (später ohne Genitiv-s) macht den 25-jährigen Goethe europaweit berühmt

1775–1782

Herzog Carl August erhob Goethe in den Adelsstand

  • Der erst 18-jährige Herzog Carl August (1757–1828) hört von Goethe und lädt ihn nach Weimar ein
  • Er macht ihn zu seinem Vertrauten und Goethe steigt zum wichtigsten Mann im Fürstentum auf (nach Carl August selbst)
  • 1782 wird Goethe in den Adelsstand erhoben und von nun an “von Goethe” genannt

1786–1789

  • Zweijährige Italienreise von 1786 bis 1788 (Rom, Verona, Vicenza, Venedig, Siena, Florenz, Mailand, Neapel und Sizilien)
  • 1788 Beziehung mit Christiane Vulpius, nähere Bekanntschaft mit Schiller
  • 1789 Geburt seines Sohns Julius August Walther von Goethe (der Einzige der insgesamt fünf Kinder, der das Erwachsenenalter erreichte)
  • Beginn der Französischen Revolution
  • Goethe lehnte die Revolution ab und kämpfte zusammen mit dem Herzog Carl August um Preußen

1789–1810

  • 1789–1805 enge Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, Hauptzeit der Weimarer Klassik
  • Weitere Gefährten sind Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland
  • 1791 Eröffnung des Hoftheaters in Weimar, Goethe wird Direktor des Theaters
  • 1806 Heirat mit Christiane Vulpius
  • 1808 Veröffentlichung von “Faust. Der Tragödie Erster Teil.”
  • 1810 Veröffentlichung der Studien “Zur Farbenlehre” (Goethe arbeitete fast 20 Jahre lang daran)

1812–1831

  • Goethe befasst sich ab 1812 intensiver mit der arabischen und persischen Kultur, 1819 erscheint seine Gedichtsammlung “West-östlicher Divan”
  • 1816 Tod von Goethes Frau Christiane
  • Entstehung der belletristischen Werke “Italienische Reise” und “Wilhelm Meisters Wanderjahre” sowie der naturwissenschaftlichen Abhandlung “Geschichte meines botanischen Studiums”
  • 1830 Tod von Goethes Sohn mit 40 Jahren an der Pockenkrankheit in Italien
  • 1831 Veröffentlichung von “Faust. Der Tragödie Zweiter Teil”

1832

  • Goethe stirbt am 22. März 1832 in Weimar mit 82 Jahren
  • Bestattung in der Weimarer Fürstengruft

Biografie

Die Biografie von Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe hatte ein bewegtes Leben und wurde für die damaligen Verhältnisse mit 82 Jahren recht alt. Vier seiner Kinder erreichten nie das Erwachsenenalter, er überlebte seinen Sohn, der 1830 mit 40 Jahren verstarb und seine Frau, die ihn 1806 im Alter von 51 Jahren verließ.

Er war Jurist, Dichter und Dramatiker, Maler und Zeichner, Direktor eines Theaters, Staatsmann und Politiker, Lebenskünstler, Kritiker und Philosoph, Naturforscher, Sohn, Freund, Vater, Liebhaber und Ehemann. Wir haben die wichtigsten Stationen seines Lebens für dich zusammengefasst. Dazu gehören seine Kindheit und Jugend, seine Studienjahre und berufliche Tätigkeiten sowie seine Italienreise, die Freundschaft zu Schiller und seine letzten Jahre.

Kindheit und Jugend

Goethes Mutter hieß Catharina Elisabeth Goethe (1731–1808). Ihr Familienname ist “Textor” und sie stammt aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie aus Frankfurt. Sie war eine kontaktfreudige und lebenslustige Frau und heiratete mit gerade einmal 17 Jahren Goethes 38-jährigen Vater Johann Caspar Goethe (1710–1782).

Dieser war ein wohlhabender Jurist und Kaiserlicher Rat. Goethes Schwester Cornelia Friederica Christiana Goethe, spätere Schlosser (1750 – 1777), wurde ein Jahr nach ihm geboren. Cornelia und er haben eine aufwendige Ausbildung durch den Vater und Hauslehrer erhalten. Goethe ging zuvor nur knapp ein Jahr lang auf eine öffentliche Schule.

Neben Latein, Griechisch, Hebräisch, Englisch, Italienisch und Französisch lernte Goethe auch naturwissenschaftliche Fächer, erhielt künstlerische Erziehung in Zeichnen und Musik (Klavier und Cello) und wurde in Fechten, Reiten und Tanzen unterrichtet.

Schon in jungen Jahren kam Goethe in Kontakt mit der Literatur, seien es die Gute-Nacht-Geschichten der Mutter, die Bibellektüre der frommen evangelischen Familie oder das Puppentheater, das ihm seine Großmutter schenkte und für das er ein Bühnenstück auswendiglernte. Zudem wurde in der Familie Goethe viel gelesen.

In seiner Jugend erfand er bereits Märchen und liebte es, spannende Geschichten zum Besten zu geben. Mit zwölf Jahren schrieb er bereits einen mehrsprachigen Roman. Seinen Biografen zufolge war er ein lebhaftes und temperamentvolles Kind, das durchaus eigensinnig sein konnte.

Goethes Großvater väterlicherseits, der Schneidermeister “Friedrich Georg Göthe” (1657–1730), zog 1687 nach Frankfurt am Main und änderte die Schreibweise des Familiennamens von “Göthe” in “Goethe”. Er heiratete in eine Gasthaus- und Herbergsfamilie ein, wurde Gastwirt und Weinhändler und legte somit den finanziellen Grundstein für die Familie Goethe.

Studienjahre

Goethes Studienjahre in Leipzig und Straßburg

Im Jahr 1765 schrieb Goethe sich für ein Jurastudium in Leipzig ein. Dort traf er viele weltoffene Menschen und lernte einige wichtige Kontakte aus der Künstlerszene kennen. Nebenbei nahm er Zeichenunterricht, lernte Holzschnitzen und Radieren, ging ins Theater und schrieb Gedichte.

1768 erlitt er einen Blutsturz aufgrund von Tuberkulose und zog zurück ins Elternhaus nach Frankfurt. Während einer langen Zeit der Genesung veröffentlichte er seine erste Gedichtsammlung und setzt 1770 sein Studium in Straßburg fort. Dort begegnete er Johann Gottfried Herder (1744–1803), der zu seinem Mentor wurde und ihn stets förderte.

Arbeiten als Jurist, Dichter, Naturforscher und Staatsmann

Goethe eröffnete nach seinem Studium 1771 eine Anwaltskanzlei in Frankfurt und machte 1772 gleichzeitig ein Praktikum beim Reichskammergericht Wetzlar. Bis zu seiner Abreise nach Weimar 1775 schrieb er unter anderem das Schauspiel “Götz von Berlichingen” und seinen Briefroman “Die Leiden des jungen Werthers”, der ihn europaweit berühmt machte. Zu dieser Zeit schrieb er auch bereits an dem Stoff für “Faust”.

Nach einer Einladung des jungen Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach reiste Goethe dann nach Weimar, wurde zu seinem Vertrauten und in die staatlichen Angelegenheiten mit eingebunden. Erst wurde er zum Geheimen Legationsrat, dann zum Finanzminister und schließlich in den Adelsstand erhoben (wird von nun an “von Goethe” genannt). Ab 1780 wandte sich Goethe immer mehr den Naturwissenschaften zu. So forschte er vor allem in den Bereichen der Botanik, Mineralogie und Physik.

Italienreise

Goethe wünschte sich eine Auszeit von den Staatsgeschäften und dem Leben am Hof in Weimar, also reiste er nach einer Kur in Karlsbach 1786 heimlich nach Italien und blieb dort fast zwei Jahre unter falschem Namen. Er bestaunte die Architektur und Kunst der Antike, die mythologischen Abbildungen, lernte zeitgenössische Künstler kennen und wurde selbst künstlerisch wieder produktiver (Zeichnen, Malen und Dichten).

Zurück in Weimar (1788) wollte er von nun an das Lernen, Forschen und die Dichtkunst in den Fokus seines Lebens stellen. Staatsaufgaben übernahm er nur noch, wenn sich keine Vertretung für ihn fand. Er lernte seine spätere Ehefrau und Mutter seiner Kinder Christiane Vulpius kennen und freundete sich mit Friedrich Schiller an.

Goethe und Schiller

Die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller

Goethe und Schiller prägten gemeinsam die Zeit der Weimarer Klassik. Sie tauschten sich über ihre Werke aus, schickten sie sich zum Lesen per Post und verfassten sogar gemeinsame Dichtungen wie die “Xenien” (Spottverse auf die zeitgenössische Literatur). Im sogenannten Balladenjahr 1897 schrieben sie jeweils viele Balladen, Goethes “Der Zauberlehrling” ist aus dieser Zeit bis heute sehr bekannt.

Als sein guter Freund 1805 im Alter von 45 Jahren an einer Lungenentzündung (ausgelöst durch eine Tuberkulose-Erkrankung) starb, traf es Goethe schwer. 1826 entlieh er sich Schillers Schädel heimlich aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar und schrieb das Gedicht “Bei Betrachtung von Schillers Schädel”. Zudem sprach er den Wunsch aus, neben ihm begraben werden zu wollen, was 1832 auch geschah.

Letzte Jahre und Tod

In seinen letzten Lebensjahren vollendete Goethe “Faust. Der Tragödie Zweiter Teil” und überließ laut Testament seinem Nachlassverwalter Johann Peter Eckermann die Veröffentlichung. Seine Schwiegertochter Ottilie kümmerte sich bis zu seinem Tod um ihn in seinem Haus in Weimar. Sein Sohn (Ottilies Ehemann) war etwa eineinhalb Jahre zuvor gestorben.

Goethe verstarb mit 82 Jahren am 22. März 1832. Zuvor litt er unter einer Infektion der Atemwege, die sich zu einer Lungenentzündung ausdehnte und ihn stark schwächte. Vermutlich starb er letzten Endes an einem Herzinfarkt. Er wurde vier Tage nach seinem Tod in der Weimarer Fürstengruft neben seinem alten Freund Friedrich von Schiller bestattet. In seinen Werken finden sich viele biografische Parallelen und Spiegelungen seines Facettenreichtums und seiner Individualität.

Johann Wolfgang von Goethe: Seine Werke

Die Werke von Goethe

Die Goethe-Werke, die in die sogenannte “Goethezeit” fallen, schließen die Literaturepochen Sturm und Drang, Weimarer Klassik und Romantik ein. Hierbei stellt die Weimarer Klassik Goethes Hauptepoche dar (1786–1832). Wir haben zu jeder Epoche Wissenswertes zusammengestellt und nennen ein paar Goethe-Werke aus dieser Zeit als Beispiele. Im Anschluss findest du seine Gedichte und weitere bekannte Werke.

Literaturepochen und historischer Hintergrund

Zu Goethes Lebzeiten gab es einige historische Ereignisse. Es war die Zeit der Französischen Revolution (1789–1799), in der die Machtverteilung der Monarchie vom Volk nicht mehr akzeptiert wurde und es zu zahlreichen politischen Umwälzungen kam. Zudem schritt die industrielle Revolution immer weiter fort.

Außerdem wurde der “Code civil” (Zivilrecht) durch Napoleon Bonaparte eingeführt, wodurch Religion und Staat getrennt wurden und Männern eine freie Berufswahl ermöglicht wurde. Zu dieser Zeit entsteht auch eine juristische Grundlage für die Marktwirtschaft.

Ein weiteres Ereignis war die Loslösung des Rheinbundes von dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation (Herrschaftsbereich römisch-deutscher Herrscher). In den folgenden Kapiteln findest du die drei Epochen, die Goethe während seiner Schaffenszeit stark beeinflusst hat, kurz zusammengefasst. Hier findest du eine Übersicht aller wichtigen Literaturepochen.

Sturm und Drang

Die Epoche des Sturm und Drang reicht von 1765 bis 1790. Sie gehört zu den Strömungen der Aufklärung, richtet sich allerdings gegen das aufklärerische Denken. Das Originalgenie wird in dieser Epoche zum Leitbild seiner Anhänger. Diese sahen durch die aufklärerische Rationalisierung und die Besinnung auf die menschliche Vernunft die Individualität, Gefühle und vor allem das künstlerische Schaffen des Menschen bedroht.

Zu den wichtigsten Autoren dieser rebellischen Bewegung gehören vor allem Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller, aber auch Friedrich Maximilian Klinger (1752–1831), Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792), Johann Gottfried von Herder (1744–1803) und Gottfried August Bürger (1747–1794).

Zu den Themen des Sturm und Drang gehören Liebe, Natürlichkeit und Ursprünglichkeit sowie Selbstbestimmung und die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen. Der Rhythmus in der Lyrik wurde freier und das Volkslied wurde als dichterisches Werk akzeptiert. Wichtige Werke von Goethe aus dieser Zeit sind:

  • Drama “Götz von Berlichingen” (1773)
  • Briefroman “Die Leiden des jungen Werthers” (1774)
  • Ballade “Erlkönig” (1782)
  • Ode “Prometheus” (1774)
  • Hymne “Ganymed” (1774)

Weimarer Klassik

Statue von Goethe und Schiller in Weimar

Weit gefasst reicht die Weimarer Klassik von Goethes erster Italienreise (1786) bis zu seinem Tod (1832), enger gefasst dauerte die Literaturepoche nur von 1794 bis 1805 an, wobei hier lediglich die Freundschaft von Goethe und Schiller und ihre Werke berücksichtigt werden, die sie in dieser Zeit geschrieben haben. Sie beginnt mit einem Briefwechsel der beiden Autoren und endet mit Schillers Tod.

Thematisch orientierte sich die Weimarer Klassik an der römischen und griechischen Mythologie. Anstatt die Vernunft abzulehnen und nur das Gefühl in den Vordergrund zu stellen, versuchen die Klassiker Vernunft und Gefühl in der Poetik zu vereinen. Sie forderten Toleranz, Harmonie und Menschlichkeit. Zum Ideal wurde das antike Vorbild des Humanismus, der das Handeln im Sinne der Würde des Menschen und der Menschlichkeit selbst bezeichnet.

Die Epoche wird häufig Weimarer Klassik und nicht nur “Klassik” genannt, da ihre wichtigsten Vertreter in Weimar lebten. Dazu gehören insbesondere Goethe und Schiller, aber auch Herder und Christoph Martin Wieland (1733–1813). Goethes wichtige Werke aus dieser Epoche sind:

  • Trauerspiel “Egmont” (1775–1788)
  • Bildungsroman “Wilhelm Meisters Lehrjahre” (1795/96)
  • Epos “Reineke Fuchs” (1794)
  • Bühnenstück “Iphigenie auf Tauris” (1779)
  • Tragödie “Faust I” (1808)

Romantik

Die Epoche der Romantik ist von der fortschreitenden Industrialisierung geprägt. Arbeiter werden ausgebeutet, es herrscht Armut und die Verstädterung nimmt seinen Lauf. Die Dichter dieser Zeit wollen vor den Umständen fliehen und widmen sich deshalb der Fantasie und der Natur.

Die Romantik reichte insgesamt von 1795/98 bis 1835 und hatte ihre Hochphase zwischen 1804 und 1815. Der Blick richtete sich in die Vergangenheit; die deutsche Geschichte, Volkslieder und Märchen, das Mittelalter und unter anderem sogar die nordische Mythologie wurden betrachtet.

Zu den wichtigsten Themen und Motiven gehören Sehnsucht, Fernweh, Wanderlust, die Psyche des Menschen, das Unbewusste, Fabelwesen, Wahnsinn, Melancholie, Traum und Wirklichkeit. Zu den wichtigsten Vertretern gehören Novalis, Ludwig Tieck, die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel sowie die Brüder Grimm, Hans Christian Andersen und E. T. A. Hoffmann.

Johann Wolfgang von Goethe fühlte sich nicht direkt als Romantiker, seine späten Werke weisen aber durchaus romantische Züge auf. Zudem war er ein Schriftsteller, der zu den zeitgenössischen Literaten gehörte und die Werke seiner Kollegen maßgeblich beeinflusste. Goethe-Werke, die in dieser Zeit entstanden, sind:

  • Roman “Die Wahlverwandtschaften” (1809)
  • Bildungsroman “Wilhelm Meisters Lehrjahre” (1795/96)
  • Gedichtband “West-östlicher Divan” (1819)

Goethe-Gedichte

Die bekanntesten Goethe-Gedichte

Die Goethe-Werke umfassen viele lyrische Werke wie Oden, Hymnen, Balladen, Gedichte, Sonette und Lieder. Selbst Tragödien wie “Iphigenie auf Tauris” und “Faust” wurden von ihm in Versform verfasst. Wir haben eine Liste der bekanntesten Goethe-Gedichte und ein paar Textbeispiele für dich zusammengestellt.

Dazu gehören “Osterspaziergang” (aus Faust I), “Prometheus” und “Erlkönig”. Sie verdeutlichen Goethes Stil und machen den Dichter für dich besser nachvollziehbar. Im Anschluss haben wir noch weitere bekannte Werke aus seiner Feder für dich.

  • Ballade “Der Zauberlehrling” (1797)
  • Gedicht, Volkslied “Heidenröslein” (1799)
  • Gedichtzyklus “Römische Elegien” (1795)
  • Spottgedichte “Xenien” (1797) mit Schiller zusammen
  • Gedichtsammlung “West-östlicher Divan” (1819)
  • Hymne “Ganymed” (1774)
  • Gedichte Wandrers Nachtlied, bestehend aus “Der du von dem Himmel bist” (1776) und “Über allen Gipfeln” (1780)
  • Epos “Hermann und Dorothea” (1797)

Osterspaziergang (1808)

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weisses,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dring ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit’ und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein.

Prometheus (1827)

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Müßt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Gluth
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Aermeres
Unter der Sonn’, als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Thoren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrt’ ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär’
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz, wie mein’s,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir
Wider der Titanen Uebermuth?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverey?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?

Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Thränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blüthenträume reiften?

Hier sitz’ ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sey,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

Erlkönig (1782)

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

Bekannteste Werke

Die bekanntesten Werke von Johann Wolfgang von Goethe

In diesem Kapitel stellen wir dir kurz Goethes bekannteste Werke vor. Zu ihnen gehören zum Beispiel die Tragödie “Faust” (1808), das Schauspiel “Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand” (1773), das Schauspiel “Torquato Tasso” (1790) und das Bühnenstück “Iphigenie auf Tauris” (1779). So erhältst du einen Überblick über die Fülle an Werken, die Goethe zustande gebracht hat.

  • Briefroman “Die Leiden des jungen Werthers” (1773)
  • Drama “Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand” (erschienen 1773, uraufgeführt 1774)
  • Trauerspiel “Egmont” (1775–1788)
  • Bühnenstück “Iphigenie auf Tauris” (1779)
  • Epos “Reineke Fuchs” (1794)
  • Bildungsroman “Wilhelm Meisters Lehrjahre” (1795/96)
  • Schauspiel “Torquato Tasso” (erschienen 1790, uraufgeführt 1807)
  • Tragödie “Faust I” (1808)
  • Roman “Die Wahlverwandtschaften” (1809)
  • Wissenschaftliche Abhandlung “Zur Farbenlehre” (1810)
  • Reisebericht “Italienische Reise” (1817)
  • Bildungsroman “Wilhelm Meisters Wanderjahre” (1821)
  • Tragödie “Faust. Der Tragödie Zweiter Teil.” (1832 posthum)

20 Goethe-Zitate

20 Goethe-Zitate

In diesem Kapitel haben wir einige der besten Gothe-Zitate für dich zusammengestellt. Sie behandeln Themen wie Liebe, Hoffnung, Glück und den Sinn des Lebens. Lies sie dir durch, wenn du Inspiration suchst oder einen Spruch für eine Geburtstagskarte, eine Danksagung zur Geburt oder Hochzeit brauchst. Außerdem zeigen dir diese Zitate, wie Goethe über die Welt dachte und wie sein Charakter war. Seine Lebensweisheiten werden bis heute gern zitiert und passen zu verschiedenen Anlässen.

  1. “Glücklich allein ist die Seele, die liebt.”
  2. “Die Natur allein ist unendlich reich, und sie allein bildet den großen Künstler.”
  3. “Ein Blick von dir, ein Wort mehr unterhält
    Als alle Weisheit dieser Welt.”
  4. “Was gibt uns wohl den schönsten Frieden,
    Als frei am eig’nen Glück zu schmieden. “
  5. “Es hört doch nur jeder, was er versteht.”
  6. “Wir hoffen immer, und in allen Dingen
    Ist besser hoffen als verzweifeln.”
  7. “Die Schwierigkeiten wachsen, je näher man dem Ziele kommt.”
  8. “Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel. “
  9. “Wir erschrecken über unsere eigenen Sünden, wenn wir sie an anderen erblicken.”
  10. “Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht.”
  11. “Die Angelegenheiten unseres Lebens haben einen geheimnisvollen Gang, der sich nicht berechnen lässt.”
  12. “Der Mensch ist ein beschränktes Wesen; unsere Beschränkung zu überdenken, ist der Sonntag gewidmet.”
  13. “Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.”
  14. “Lerne alt zu werden mit einem jungen Herzen.”
  15. “Der Wein erfreut des Menschen Herz, und die Freudigkeit ist die Mutter aller Tugenden.”
  16. “Mit dem Wissen wächst der Zweifel”
  17. “Man denkt an das, was man verließ;
    Was man gewohnt war, bleibt ein Paradies.”
  18. “Seele des Menschen,
    Wie gleichst du dem Wasser!
    Schicksal des Menschen,
    Wie gleichst du dem Wind!”
  19. “Es ist was Schönes, sein eigenes Bild im liebenden Auge zu erblicken.”
  20. “Gestaltung – Umgestaltung,
    Des ew’gen Sinnes ew’ge Unterhaltung.”
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