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Hildegard von Bingen: Biographie, 5 Werke & 10 Zitate

Hildegard von Bingen war eine der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters. Heute wird sie in der katholischen Kirche als Heilige verehrt. Wir haben einen Lebenslauf sowie spannende Fakten, Zitate und ihr wichtigstes Kräuterwissen für dich zusammengestellt.

Sie schrieb zahlreiche Werke, gab ihr Wissen in der Heil- und Kräuterkunde weiter und stand berühmten Persönlichkeiten mit ihrem Rat zur Seite. Hildegard von Bingen war eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters und das vor über 900 Jahren.

Wer Hildegard von Bingen war

Hildegard von Bingen: Wer sie war

Hildegard von Bingen war Benediktinerin, Äbtissin, Dichterin, Autorin und Komponistin. Im Christentum ist sie offiziell Kirchengelehrte und Heilige.

Berühmt wurde sie zu Lebzeiten auch als natur- und heilkundige Universalgelehrte. Ihre göttlichen Visionen, die sie im wachen und klaren Zustand ereilten, wiesen ihr nach eigenen Aussagen den Weg. Ab 1141 schrieb Hildegard auf Latein ihre wichtigsten Erkenntnisse nieder.

Sie wurde 1098 entweder in Bermersheim vor der Höhe oder in Niederhosenbach (Deutschland) geboren. Sie starb im Alter von 81 Jahren am 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein.

In der römisch-katholischen Kirche gilt Hildegard von Bingen als Heilige und Kirchenlehrerin. Aber auch in der anglikanischen, alt-katholischen und evangelischen Kirche wird sie an bestimmten Gedenktagen geehrt.

Biographie von Hildegard von Bingen

Ihr ganzes Leben lang hielt sich Hildegard an religiöse Regeln und Gesetze. Sie schrieb später selbst, dass göttliche Visionen sie zu neuen Erkenntnissen führten. Ihre Werke waren bedeutend, ihr Rat bei vielen Menschen geschätzt.

Im Folgenden erfährst du mehr über ihre Biographie – von ihrer frühen Kindheit bis zu ihren letzten Lebensjahren.

Herkunft und Kindheit

Herkunft und Kindheit

Hildegard wurde als Tochter von Hildebert und Mechthild und als eines von insgesamt zehn Geschwistern im Jahr 1098 geboren. Ihr genaues Geburtsdatum und auch ihr Geburtsort sind bis heute unbekannt. Ihre frühe Kindheit verbrachte Hildegard auf dem Herrenhof ihres Vaters.

Ihre Eltern gaben sie schließlich im Alter von acht Jahren in die Obhut von Jutta von Sponheim. Bei ihr wurde die junge Hildegard fortan religiös erzogen. Sie lernte das Singen von Psalmen und die Gesänge Davids. Außerdem genoss Hildegard eine umfassende Bildung und Ausbildung in unterschiedlichen Bereichen – von der Liturgie bis hin zur Geometrie.

Erwachsenenjahre

Im Alter von 15 Jahren legte Hildegard von Bingen ihr heiliges Gelübde ab – damit wurde sie offiziell zur Benediktinerin. Die Klause, in der sie lebte, entwickelt sich mit der Zeit zu einem Kloster.

Als Hildegard 38 Jahre alt war, starb ihre Lehrmeisterin Jutta. Daraufhin wurde Hildegard von Bingen einstimmig zur geistlichen Mutter des Klosters gewählt und war fortan Äbtissin, Vorsteherin des Klosters.

Einige Jahre später erhielt sie den göttlichen Auftrag, all ihre Erkenntnisse aus den göttlichen Visionen schriftlich festzuhalten. Etwa zu dieser Zeit verfasste sie auch ihr erstes Werk, welches sie SCIVIAS nannte (aus dem Lateinischen übersetzt: "Wisse die Wege").

Letzte Lebensjahre

Ihre letzten Lebensjahre

Um etwa 1150 gründete sie das Kloster Rupertsberg, in das Hildegard im selben Jahr mit einigen Schwestern einzog. Dieses Kloster soll Hildegard von Bingen so erfolgreich geführt haben, dass sie damit den Neid vieler anderer Äbtissinnen auf sich zog.

Sie trat nicht nur gegenüber dieser Missgunst, sondern auch generell sehr selbstbewusst auf und machte sich damit international einen Namen.

Viele Menschen suchten sie auf, um sich Rat und Hilfe zu holen. Dabei wandte sich nicht nur das einfache Volk an sie, sondern auch viele berühmte und wichtige Persönlichkeiten der Zeit. Sie pflegte intensiven Briefkontakt mit Königen, Bischöfen, Äbtissinnen und Päpsten.

Im Alter von 81 Jahren starb Hildegard von Bingen auf dem Rupertsberg bei Bingen, ihrer jahrelangen Wirk- und Arbeitsstätte.

Nach dem Tod von Hildegard von Bingen

Einer Überlieferung nach soll Hildegard ihren Tod vorhergesehen haben, denn Gott teilte ihr ihn in einer Vision mit. Zeitzeuginnen und Zeugen berichten, dass tagelang nach ihrer Beerdigung ein helles Licht über ihrem Grab leuchtete.

Auch soll es zu vielen Wunderheilungen in der Nähe ihres Grabes gekommen sein. Diese Geschichten veranlassten zahlreiche Menschen, an ihr Grab zu pilgern und die Verstorbene um Hilfe zu bitten.

Die Scharen an Menschen brachten das Kloster in eine ziemliche Aufruhr und Unruhe machte sich im Leben der Ansässigen breit. Das Kloster bat daraufhin den Bischof von Mainz um Hilfe.

Dieser besuchte das Grab Hildegards von Bingen und sprach der Verstorbenen ein Verbot aus: Sie dürfe von nun an keine Wunder mehr vollbringen. Und tatsächlich soll die verstorbene Hildegard von Bingen darauf gehört haben, sodass seither keine Wunderheilungen mehr an ihrem Grab vorkamen.

Berühmte Werke

Im Laufe ihres Lebens schrieb Hildegard von Bingen zahlreiche Werke mit einer beeindruckenden thematischen Spannbreite. Sie verfasste theologische Schriften, Briefe, Lieder, Gedichte, medizinische und naturkundliche Werke und Autobiographien.

Eins ihrer berühmtesten Werke ist die SCIVIAS. Außerdem berühmt sind die folgenden Schriften:

  1. CAUSAE ET CURAE (Ursachen und Behandlung der Krankheiten – Heilwissen): in diesem Werk befasst sich Hildegard von Bingen mit der Entstehung und Behandlung von bestimmten Krankheiten
  2. SCIVIAS (Wisse die Wege): Zwischen 1151 und 1152 entstanden; hierin dokumentiert sie ihre selbst erlebten religiösen Visionen
  3. PHYSICA (Heilkraft der Natur): entstanden zwischen 1150 und 1160 beschreibt dieses neunteilige Werk die Heilkräfte der Natur
  4. LIBER VITAE MERITORUM (Buch der Lebensverdienste): zwischen 1158 und 1163 entstanden; setzt sich mit Gut und Böse auseinander und ist ein Mahnbuch für ein gottgefälliges Leben
  5. LIBER DIVINORUM OPERUM (Das Buch der göttlichen Werke): Entstanden um 1163 und das letzte große Werk von Hildegard von Bingen; handelt von Hildegards Visionen des Makrokosmos Weltall und Mikrokosmos Mensch und deren Beziehung zueinander.

Kräuterkunde

Hildegard von Bingen: Kräuterkunde

Ihre Heilmethoden erfuhr Hildegard von Bingen hauptsächlich durch göttliche Visionen. Sie erschuf eine neue Art der Volksmedizin, in der sie traditionelles Wissen mit der Kräuterkunde ihrer Zeit verband.

Eine wichtige Rolle spielten dabei Heilpflanzen, Kräuter und Gewürze. In ihrem Werk CAUSAE ET CURAE fasste sie Ursachen und Behandlungen bestimmter Krankheiten zusammen. Sie nutzte unter anderem Ingwer, Bertram und Galgant. Diese zählten auch zu ihren Lieblingsgewürzen.

Hildegard von Bingen pulverisierte die Gewürze und verknetete sie in einem Teig aus Dinkel, den sie anschließend formen und in der Sonne trocknen ließ.

Diese Kräuter kamen zum Einsatz
  • Bertram: In pulverisierter Form empfahl Hildegard von Bingen die Wurzel gegen "viel Schleim im Kopf"
  • Galgant: wurde von Hildegard bei Fieber, schwachem Herzen, Atemwegserkrankungen und bei "üblen Säften" verordnet
  • Ingwer: regte laut Hildegard von Bingen die Verdauung und den Stoffwechsel an
  • Muskatnuss: Ordnete Hildegard von Bingen an, um das körperliche und seelische Wohlbefinden zu steigern, das Herz zu öffnen, die Sinne zu reinigen und den Geist fröhlich zu machen
  • Nelke: Von ihr angeordnet, um Wasseransammlungen und Kopfschmerzen zu lindern
  • Quendel: Laut Hildegard half Quendel gegen Krätze und krankes Fleisch; außerdem nützlich bei Frauenleiden und für Magen und Darm
  • Salbei: ebenfalls angeordnet, um "kranke Säfte" zu heilen
  • Ysop: Soll "kranke Säfte" reinigen und außerdem Lunge und Leber pflegen
  • Zimt: Laut Hildegard von Bingen ein gutes Mittel bei dumpfem und schwerem Kopf

Rezepte mit Naturheilmitteln

Gesund war für Hildegard von Bingen, wer mit der Welt und sich selbst im Einklang lebte. Deshalb waren nicht nur Naturheilmittel wichtig, um Krankheiten zu bekämpfen, sondern auch genügend Schlaf, Aktivität und eine Vollwertkost.

Habermus als gesundes Frühstück

Zum Frühstück warmen Getreidebrei zu essen, ist laut Hildegard von Bingen ein idealer Start in den Tag. Er hält lange satt und senkt den Cholesterinspiegel. Für den Habermus kochst du lediglich Dinkelflocken in Wasser auf, nach zwei Minuten nimmst du den Topf vom Herd.

Den Dinkel anschließend noch etwa 15 Minuten quellen lassen, mit einer Gabel auflockern und zum Schluss mit Galgant, Bertram, Zimt und nach Belieben mit Honig würzen.

Auch lecker und gesund dazu sind kleine Obststücke und Nüsse.

Brunnenkresse bei grippalen Infekten

Rezept mit Brunnenkresse

In Brunnenkresse sind viele gesunde Stoffe enthalten, die Keime abtöten und besonders bei grippalen Infekten von Hildegard von Bingen empfohlen wurden. Das Heilmittel regt außerdem die Verdauung und Nierentätigkeit an.

Für das Rezept rührst du einen Teelöffel frischen Brunnenkressensaft in etwa 200 Milliliter Wasser. Trinke dreimal täglich ein Glas in langsamen Schlucken.

Galgant gegen Rückenschmerzen

Gegen Rückenleiden soll Galgantwein Wunder wirken. Die gesunden Inhaltsstoffe sollen Entzündungen lindern und wärmend wirken.

Für das Rezept erhitzt du zunächst 250 Milliliter Rotwein und kochst darin anschließend zwei Stücke Galgantwurzel auf.

Hagebutten gegen Bronchitis

Das Naturmittel Hagebutte hilft bei Asthma sowie Entzündungen der Lunge und Atemwege wie beispielsweise Bronchitis. Außerdem liefert die Hagebutte viel Vitamin C und trägt somit zu einer stabilen Immunabwehr bei.

Für das Rezept 75 Gramm getrocknete Hagebutten mit 150 Milliliter Honig (am besten eignet sich Manuka-Honig) in einem Liter Wasser aufkochen. Nach drei Minuten abseihen und in saubere und gut verschließbare Flaschen füllen.

Trinke bis zu dreimal täglich eine halbe Tasse. Dies kannst du mehrere Wochen fortführen, bis die Beschwerden abklingen.

Schlüsselblume gegen Melancholie

Rezept mit Schlüsselblume

Bei anhaltender Melancholie empfahl Hildegard von Bingen Schlüsselblumen. Wissenschaftlich belegt ist diese Wirkung nicht. Dafür hilft das Naturheilmittel aber gegen Husten.

Für das Rezept übergießt du circa 0,5 Gramm pulverisierte Schlüsselblumenwurzel mit 250 Milliliter kaltem Wasser. Koche die Mischung auf und lasse das Ganze fünf Minuten lang ziehen, ehe du die Reste abseihst. Trinke alle zwei Stunden eine Tasse.

Zitate von Hildegard von Bingen

Ihre Weisheiten hielt Hildegard von Bingen in ihren zahlreichen Schriften und Werken fest. Bis heute sind deshalb viele Zitate erhalten geblieben. Eine Auswahl ihrer Erkenntnisse haben wir im Folgenden für dich zusammengestellt:

    1. "Der Mensch weiß wohl um das Gute, auch wenn er es nicht tut."
    2. "Der Seele Freude ist es, im Leibe wirksam zu sein."
    3. "Je mehr der Mensch durch wahre Selbstzucht die Herrschaft über sich erlangt, desto breiter neigt er sich in barmherziger Liebe dem hilfsbedürftigen Nächsten zu."
    4. "Pflege das Leben, wo du es triffst."
    5. "Die Liebe ist ein nie verlöschendes Feuer."
    6. "Der Mensch muss sich aber hüten, durch zu viel Arbeit seinen Leib zu töten."
    7. "Der Mensch, der Gutes wirkt, gleicht einem Obstgarten, der von den Früchten guter Werke voll ist."
    8. "Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün. Aus lichtem Grün sind Himmel und Erde geschaffen und alle Schönheit der Welt."
    9. "Dein Geist gleicht einer Mauer, an der wechselnde Wolken vorüberziehen."
    10. "Alles, was durch die Weisheit hervorgegangen ist, lebt in ihr wie ein reiner und einzig schöner Schmuck und strahlt im lautersten Glanz seines Wesens."

Spannende Fakten über Hildegard von Bingen

Obwohl sie vor beinahe 1.000 Jahren gelebt hat, ist bis heute vieles über Hildegard von Bingen überliefert. Im Folgenden haben wir spannende Fakten über die mittelalterliche Gelehrte und Heilige für dich zusammengestellt.

  • 2012 erhob Papst Benedikt XVI. Hildegard von Bingen in den Status einer Kirchenlehrerin. Als solche werden Menschen geehrt, die eine besondere Bindung zu Gott haben. Bisher wurden nur drei andere Frauen von der katholischen Kirche in diesen Status erhoben.
  • Bereits seit 1584 gilt Hildegard von Bingen in der katholischen Kirche als Heilige.
  • Zu Lebzeiten hatte die Kirche großes Interesse an ihren göttlichen Visionen. Eine vom Papst eingesetzte Kommission sollte die Sehergabe von Hildegard von Bingen untersuchen. Diese wurde schließlich offiziell bestätigt.
  • Im historischen Museum am Strom (Deutschland) gibt es eine Ausstellung zu Hildegard von Bingen. Hier findest du viele Informationen über ihr Leben, ihr Wirken und ihre Werke.
  • Schon im Alter von drei Jahren soll sie eine Vision gehabt haben. Im Laufe ihres Lebens begegneten diese ihr immer wieder.
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