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Testament schreiben: 6 + 4 Tipps zum letzten Willen (+ Checkliste)

Beim Testament schreiben gibt es einiges zu beachten, damit dein letzter Wille auch erfüllt wird. Wir informieren dich über die Vorteile eines Testaments, geben dir wichtige Tipps zum Verfassen und helfen dir mit einer Checkliste.

4 Gründe, warum jeder ein Testament schreiben sollte

Lediglich ein Drittel der Deutschen setzt ein Testament auf. Die meisten vermeiden die bewusste Auseinandersetzung mit ihrem Tod. Dabei sollte jeder ein Testament schreiben, denn die Nachlass-Regelung verwaltet nicht nur wertvolle Besitztümer und Geld, um Streitigkeiten zu vermeiden, sie hat auch viele weitere Vorteile.

Auch bei einem geringen Erbe erfüllt ein Testament den Zweck, die letzten Wünsche des Verfassers festzuhalten und dafür zu sorgen, dass jeder Hinterbliebene das bekommt, was für ihn vorgesehen wurde. Selbst wenn du keine Angehörigen hast, kannst du deinen Besitz beispielsweise an eine von dir ausgewählte Organisation spenden. Wir haben vier Vorteile für dich zusammengestellt, die dich davon überzeugen werden, dass du ein Testament für deine Nachwelt schreiben solltest.

Ruhe in Frieden

Ein Vorteil eines verfassten Testaments: Seelenfrieden

Wenn du nach deinem Tod für eine friedliche Basis bei deinen Hinterbliebenen sorgen willst, solltest du auf jeden Fall ein Testament verfassen. Wenn dem nämlich nicht so ist, gilt die gesetzliche Erbfolge und es könnte zu Auseinandersetzungen kommen.

Die gesetzliche Erbfolge:

An erster Stelle stehen Kinder oder Enkel und der Ehepartner. Das Ehegattenrecht sorgt zwar nicht dafür, dass der Ehepartner Alleinerbe ist, aber dass der Nachlass unter ihm und den Kindern aufgeteilt wird. An zweiter Stelle stehen Eltern, Geschwister, Nichten und Neffen. An dritter Stellen folgen Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Im Falle des Todes wird von der ersten Stelle ausgehend geschaut, ob es Erben gibt. Sobald es auf einer der drei Stufen einen Erben gibt, erhalten die Hinterbliebenen auf den unteren Stufen nichts. Wenn es mehrere Erben auf einer Stufe gibt, wird der Nachlass unter ihnen aufgeteilt.

Falls also nicht für ein Testament gesorgt wurde, kann es zum Beispiel passieren, dass lediglich deine Kinder oder dein Ehepartner deinen gesamten Nachlass erhalten und deine Eltern, Geschwister oder treue Freunde nichts erhalten.

Weiterleben nach dem Tod

Ein Testament wird oft dazu genutzt, bestimmte Wertgegenstände unter den Hinterbliebenen aufzuteilen. Somit weißt du, dass deine liebsten Dinge auch nur bei deinen liebsten Menschen bleiben, die sie auch zu schätzen wissen. Selbst wenn sie sie nicht behalten sollten, so hast du ihnen durch diese vertrauensvolle Geste sicherlich eine Freude gemacht. Es müssen nicht einmal Wertgegenstände sein, sondern einfach Dinge, die ein Teil von dir sind und die du besonders gern hast. Es sind Erinnerungsstücke, die über Generationen weitergegeben werden können oder den Hinterbliebenen bei der Trauerbewältigung helfen.

Das Testament für einen guten Zweck

Es ist egal, wie viel Besitz du hast. Vielen Menschen ist es eine Herzensangelegenheit auch nach ihrem Tod noch etwas Gutes zu tun. Du kannst deinen Besitz oder auch nur Teile davon spenden, indem du in deinem Testament festhältst, welche Organisation ihn erhalten soll.

Ein letztes persönliches Schriftstück

Das Testament muss handschriftlich verfasst werden. Für Angehörige ist das besonders schön. Zum einen, weil es etwas Besonderes ist, im heutigen Zeitalter Dinge noch handschriftlich zu verfassen. Zum anderen, weil es ein ganz persönliches Andenken ist und die individuelle Schrift im Gegensatz zu Computer-Schriftarten Charakter hat.

Wichtig: Eine leserliche Handschrift ist die Voraussetzung, um garantieren zu können, dass alles richtig verstanden wird. So wird den Hinterbliebenen das Rätseln erspart und der letzte Wille kann mit Sicherheit umgesetzt werden. Suche im Zweifelsfall einen Notar auf, der das Testament für dich aufsetzen kann. Damit sind zwar Kosten verbunden, die sich aber im Rahmen halten und in der Regel in einem sehr vernünftigen finanziellen Verhältnis zum eigentlichen Erbe stehen. Bei Bedarf an kurzfristiger Liquidität zur Bezahlung des Notars informiert etwa die Kreditseite von smava über günstige Finanzierungsmöglichkeiten.

Mein Testament: Wichtiges im Überblick

Du kannst dein Testament selbst schreiben oder es von einem Notar aufsetzen lassen. Er nimmt es anschließend in amtliche Verwahrung oder du hast die Möglichkeit es mit nach Hause zu nehmen und es selbst zu verwahren. In diesem Kapitel findest du weitere wichtige Informationen zu Voraussetzungen, Möglichkeiten, Inhalt und Form.

Voraussetzungen für ein Testament

Wenn du ein Testament schreiben möchtest, musst du mindestens 16 Jahre alt sein und dich im Besitz all deiner geistigen Fähigkeiten befinden. Wenn du unter 18 bist, musst du dein Testament zusätzlich von einem Notar aufsetzen lassen.

Möglichkeiten eines Testaments

Ein Testament hebt die gesetzliche Erbfolge prinzipiell auf. Wenn es allerdings Erben an erster Stelle gibt (Ehepartner, Kinder, Enkel) steht ihnen rechtlich gesehen die Hälfte des gesetzlichen Erbteils zu. Es gibt die Möglichkeit diese Pflichtansprüche zu umgehen, indem man einen Alleinerben bestimmt. Nur für den Fall, dass dieser vor dir stirbt, solltest du auch einen Ersatzerben bestimmen.

Eine andere Möglichkeit ist es, einen Vor- und Nacherben zu bestimmen. So kannst du beispielsweise deinen Ehepartner zum Alleinerben (Vorerben) ernennen, aber deinem Testament hinzufügen, dass nach seinem Tod euer gemeinsames Kind (Nacherbe) seine Erbanteile bekommen soll. Diese Art und Weise der selbstbestimmten Erbfolge bietet sich insbesondere bei Großbesitzen, wie etwa einem Haus, an. Sie verhindert, dass der Ehepartner das Haus einfach verkaufen kann, da es noch das Kind bekommen soll.

Formalitäten beim Testament schreiben

Bezüglich der Testament-Form gibt es keine strengen Vorgaben. Das Wichtigste ist das handschriftliche Verfassen sowie das Hinzufügen des Datums und des Ortes. Wenn dein Testament aus mehreren Seiten besteht, solltest du jede Seite mit einem Datum und einem Ort versehen und auf jeder einzelnen Seite unterschreiben. Damit ist die volle Unterschrift gemeint, Kürzel oder Signaturen in der Kopfzeile reichen nicht aus.

Inhalt des Testaments

Der genaue Inhalt des Testaments bleibt jedem Schreiber selbst überlassen. Du solltest allerdings deinen gesamten Nachlass berücksichtigen und nichts auslassen. So kannst du diesen in gleiche Teile an deine Liebsten vererben oder du vermachst bestimmte Einzelstücke und „den Rest“. Diesen Rest kannst du ebenfalls in Teilen vererben. Es gibt keine bestimmte Personenanzahl, die du in deinem Testament einhalten musst. Das einzig Wichtige ist, dass alles klar formuliert ist und zugeordnet werden kann. Für den Fall, dass du Freunden etwas vererben möchtest, solltest du Namen und Anschrift beifügen.

6 wichtige Tipps für dein Testament

Im Folgenden findest du wichtige Tipps, die dir beim Verfassen deines Testaments helfen können. Mit ihnen vermeidest du wichtige Fehler und kannst garantieren, dass dein Testament rechtsgültig ist.

Ein Muss: Das Testament handschriftlich verfassen

Testament schreiben: Handschrift ist Voraussetzung

Wenn du dein Testament schreiben möchtest, musst du dies handschriftlich tun. Ansonsten ist es nicht gültig. Oft besteht der Irrglaube, dass ein Testament auf eine bestimmte Art und Weise formatiert sein müsse oder es genüge den abgetippten Text anschließend zu unterschreiben. Doch nur wenn das gesamte Testament handschriftlich verfasst wurde, ist es auch rechtskräftig.

Das Datum nicht vergessen

Dein Testament ist zwar auch ohne Datum gültig, allerdings könnte es zu Verwirrungen oder Streits führen, sobald weitere Versionen auftauchen. Es ist nicht unüblich, sein Testament im Laufe der Zeit noch zu verändern. Doch genau aus diesem Grund ist das Datum unerlässlich. Es legt genau fest, welcher nun wirklich der letzte „letzte Wille“ ist. Bei der Verwaltung des Nachlasses zählt immer das jüngste Dokument.

Klare Formulierungen verwenden

Der Inhalt des Testaments ist nicht festgelegt. Dennoch solltest du immer auf deutliche Formulierungen achten und auf lustige oder sarkastische Formulierungen verzichten. Mache dir immer bewusst, dass deine Aussagen rechtskräftig umgesetzt werden sollen. Es ist also von Vorteil, wenn du deine Wünsche sehr detailliert und überdeutlich ausformulierst. Wenn du unsicher bist, suche lieber einen Notar auf, der deine Formulierungen prüft.

Das Testament dient in erster Linie dem Zweck, die Rechtslage des Erbes zu klären. Natürlich darfst du Formulierungen wie „meine geliebte Ehefrau“ verwenden, aber blumige oder gar poetische Textpassagen gehören nicht in ein Testament. Wenn du gern ein Erinnerungsstück für deine Familie schaffen willst, das ihnen zeigt, wie sehr du sie liebst, kannst du dies in einem zusätzlichen persönlichen Brief tun.

Nicht nur Einzelstücke vererben

Es kommt nicht selten vor, dass bestimmte Einzelstücke an die Liebsten vererbt werden. Das ist prinzipiell auch kein Problem, doch vielen passiert dabei ein essentieller Fehler: Was ist mit dem Rest? Wenn im Testament nicht klar definiert ist, wer den Rest der Besitztümer erhält, kann dies schnell zum Rechtsstreit oder zu Komplikationen bei der Aufteilung führen. Erspare deinen Angehörigen die Umstände und definiere deutlich, wer den Rest deines Nachlasses erhalten soll.

Einen Ersatzerben bestimmen

Ein Testament schreiben bedeutet auch auf Eventualitäten vorbereitet zu sein. Auch wenn es kein Leichtes ist, sich mit dem Tod seiner geliebten Mitmenschen zu befassen, so gehört es doch dazu, mindestens einen Ersatzerben zu bestimmen. Es kann immer passieren, dass der Haupterbe verstirbt und dann wieder die gesetzliche Erbfolge in Kraft tritt. Wenn du genau diese aber umgehen wolltest, solltest du einen oder mehrere Ersatzerben festlegen. So bist du auf alles vorbereitet und weißt genau, was nach deinem Tod mit deinem Nachlass passieren wird.

Die richtige Aufbewahrung

Das Testament verliert seinen Nutzen, wenn es nicht gefunden werden kann oder niemand weiß, dass es existiert. So kann es passieren, dass die geliebte Briefmarkensammlung nicht vom Enkel fortgeführt wird, sondern unter Wert mit vielen anderen Dingen aus dem Nachlass verkauft wird. Die Gewissheit, dass der letzte Wille erfüllt wird, hilft vielen Menschen dabei, mit ihrem Tod umzugehen und Frieden zu finden. Sicherzustellen, dass das Testament die Lieben auch erreicht, hilft also beiden Seiten.

Aufbewahrung zu Hause

Testament aufbewahren – aber wo?

Wenn du einen bestimmten Aufbewahrungsort für wichtige Unterlagen (Box, Kiste, Safe) hast und deine Angehörigen davon wissen, ist dies ein geeigneter Ort für dein Testament. Sie werden vermutlich dort als erstes nachschauen, ob du deinen letzten Willen verfasst hast. Eine andere Möglichkeit ist, ein oder mehrere Familienmitglieder einzuweihen, wo du dein Testament aufbewahrst.

Eine etwas extravagantere Möglichkeit, um sicherzustellen, dass dein Testament gefunden wird, ist diese: Schreibe mehrere Notizzettel, die darauf hinweisen, wo sich dein Testament befindet und verwahre sie im Haus. Achte darauf, sie nicht zu gut zu verstecken, damit sie auch gefunden werden. So weißt du, dass niemand vorher den Aufbewahrungsort kennt und dein Testament schon vor deinem Tod lesen könnte und dass es ganz bestimmt gefunden wird.

Die amtliche Verwahrung

Damit die Angehörigen dein Testament mit Sicherheit erhalten, kannst du die amtliche Verwahrung nutzen. Gegen eine Gebühr (75 Euro) hinterlässt du deinen letzten Willen dann beim Amtsgericht in deinem Wohnort. Sobald das Amtsgericht von deinem Tod erfährt, werden die Begünstigten benachrichtigt und das Testament eröffnet. Du kannst jederzeit ein neues, aktualisiertes Testament einreichen. Auch wenn sich das neue Testament noch bei dir zu Hause befindet, ist es gültig, wenn es als das jüngere Dokument identifiziert werden kann. Du solltest also unbedingt ein Datum darauf schreiben.

Checkliste: Was gehört alles in mein Testament?

Hier haben wir eine kleine Checkliste für dich erstellt. Sie zeigt dir übersichtlich, was du nicht vergessen darfst, wenn du ein Testament schreiben möchtest. Nimm sie beim Schreiben zur Hilfe und nutze sie zum Schluss zur Überprüfung auf Vollständigkeit.

  1. Datum
  2. Verfassungsort
  3. Überschrift „Mein Testament“ oder „Mein letzter Wille“
  4. Dein Name, Geburtstag und Geburtsort (z.B. „Ich, Wilhelm, geboren am 23.07.1936 in Münster, setze hiermit mein Testament auf.“)
  5. Klare Zuordnung von Besitztümern und Personen
  6. Zuordnung des „Rests“, falls es einen gibt
  7. Ein oder mehrere Ersatzerben (je nach Wahrscheinlichkeit eines Todesfalls)
  8. Unterschrift mit Vor- und Nachname
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