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Drehbuch schreiben: Schritt für Schritt von der Idee zum Film

Ein Drehbuch ist die Grundlage für jeden Film. Allerdings unterscheidet sich der Schreibprozess und die Form deutlich von dem eines Buchtextes. Drehbücher müssen nämlich gleich mehrere Aufgaben auf einmal erfüllen. Welche das sind und wie du Schritt für Schritt zum eigenen Drehbuch gelangst, erklären wir dir im Folgenden.

Drehbücher sind eine etwas komplexerer Textart und müssen viele Dinge gleichzeitig sein. Sie müssen Dialoge enthalten, Szenenbeschreibungen haben, unter Umständen Anmerkungen für die Regie bereithalten, Bemerkungen für die Stimmung und Atmosphäre aufzeigen und noch vieles mehr. Drehbücher werden nämlich neben den Schauspielern noch vom Regisseur, den Produzenten oder zum Beispiel von der Requisite gelesen. Alle Leser müssen sich durch das Gelesene den Film gut vorstellen können. Außerdem mache dir bewusst: Du schreibst das Drehbuch nicht für den gewöhnlichen Lesekonsum, sondern für ein visuelles Medium. Es dient sozusagen als Vorlage für alles, was im Film umgesetzt werden soll.

Die Idee zum Drehbuch

Drehbuch schreiben: Auch eine große Geschichte muss in zwei Sätze passen

Die Idee eines Filmes muss in zwei Sätze passen. Geht das nicht, ist die Geschichte zu langweilig oder zu kompliziert. Um zu üben, wie genau du eine Filmidee in ein bis zwei Sätze packst, kannst du mit bereits abgedrehten Blockbustern oder deinen Lieblingsfilmen üben. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie eine gute Filmidee funktioniert. Hier ein paar Beispiele von Filmen, die dir bestimmt bekannt sind.

Der Herr der Ringe: Ein Fabelwesen versucht die Welt von einem bösen Herrscher zu befreien. Die Macht des Herrschers ist in einem Ring gebündelt, der vom Fabelwesen zerstört werden muss.

Star Wars: Ein Junge kämpft mit seinem Raumschiff gegen eine große Macht, die das ganze Universum bedroht.

Das Exposé für ein Drehbuch

Das Exposé ist sowas wie der erste konkrete Schritt in Richtung Drehbuch. Es ist eine kurze Zusammenfassung der Idee. Die Länge eines Exposés ist in der Regeln ein bis zwei Seiten und kommt erstmal ohne Dialoge oder genaue Szenebeschreibungen aus. Im Prinzip kannst du es als Inhaltsangabe deines Filmes verstehen. Das Exposé ist vor allem auch darum wichtig, weil Produktionsfirmen oder Filmförderungen auf Grund des Exposés entscheiden, ob sie den Film finanzieren oder produzieren.

Schreibstil eines Drehbuches

Für den Schreibstil kannst du dich, wie bei vielen anderen Texten auch, an einer obersten Prämisse orientieren. Kurze und klare Sätze. Außerdem sollte das Drehbuch immer im Präsens geschrieben sein. Vermeide zu viele Regieanweisungen und vor allem unnötige Informationen, die mit der Geschichte und der Szene nichts zu tun haben.

Layout eines Drehbuches

Eine feste Norm für ein Drehbuch gibt es natürlich nicht. Dennoch haben sich mit den Jahren in der Szene einige Standards festgesetzt, denn die Drehbücher sollen ja auch übersichtlich gestaltet sein und damit leicht zu lesen. Folgender Formatierungsvorschlag könnte für dein Drehbuch also sehr geeignet sein.

  • Format, Orientierung: A4, Hochformat
  • Schriftart: Courier oder Courier New beziehungsweise ähnliche nicht-proportionale Schriftarten
  • Schriftgröße: 12pt
  • Zeilenabstand: einfach
  • Ränder: jeweils 3,0 cm
  • Tabstop 1 bei 3,0 cm: Szenenüberschriften (in Großbuchstaben), Beschreibung der Handlung; z. B. INNEN/BÜRO/NACHT oder TOM schreckt auf  als es an der Türe klopft.
  • Tabstop 2 bei 4,5 cm: Beschreibung des Dialogs (in Klammern); z. B. (ängstlich)
  • Tabstop 3 bei 5,5 cm: Name der sprechenden Rolle bzw. Quelle der Stimme in Großbuchstaben; z. B. TOM
  • Tabstop 4 bei 16,0 cm: Szenenübergänge in Großbuchstaben; z. B. AUFBLENDE auf Szene oder ABBLENDE

Die Seitenzahl steht in der Regel in der rechten oberen Ecke jeder Seite. Dabei hast du aber auch Spielraum.

Auf dem Deckblatt des Drehbuches sollte stehen:

  • Titel
  • Version
  • Autor(en)
  • Anschrift

Wenn du lieber anders arbeiten möchtest, kannst du auch auf unterschiedliche Software zurückgreifen. Hier gibt es natürlich kostenpflichtige Angebote, wie Final Draft oder Movie Magic Screenwriter mit vielen guten Funktionen. Für den schmalen Taler eignen sich aber auch kostenlose Programme wie Fountain, Trelby und celtx.

Anweisungen im Drehbuch

Jedes Drehbuch muss zwangsläufig für den Regisseur, die Schauspieler und die unterschiedlichen Gewerke einer Filmproduktion Anweisungen enthalten, was am Set wie zu tun ist. So weiß dann beim Dreh jeder, wie die Idee umgesetzt werden soll und was für Bilder und Situationen der Autor im Kopf hat. Diese Anweisungen sind zwar keine Garantie dafür, dass die Idee auch genauso gedreht wird, dennoch sind sie unverzichtbar.

Szenenüberschrift

Die Szenenüberschrift ist eine der wichtigsten Angaben in einem Drehbuch. Hier wird nicht nur der Name der Szene benannt, sondern auch die Szene an sich beschrieben. Bevor es also zur konkreten Handlung kommt, musst du beschreiben wo (Innen oder Außen und der konkrete Ort) und wann (Tag, Nacht, Mittag und so weiter) die Handlung stattfindet. Die Szenenüberschrift ist immer in drei Teile aufgeteilt und wird in der Regel komplett groß geschrieben. Hier ein Beispiel für eine mögliche üÜberschrift.

Beispiel: INNEN BÜR0 NACHT

Handlungsanweisung

Die Handlungsanweisung kommt im Drehbuch direkt nach der Szenenüberschrift. Fasse dich dabei so kurz wie möglich. Schreibe prägnant und im Präsens und vermeide überflüssige Floskeln. Jede der Anweisungen sollte für die gespielte Handlung relevant sein. Wenn eine Person zum ersten mal in Erscheinung tritt, sollte der Name der Person komplett groß geschrieben werden. Hier ein Beispiel für eine typische Handlungsanweisung.

Beispiel: TOM sitzt in seinem Bürostuhl vor seinem Rechner und schaut immer wieder nervös auf seine Uhr. An der Bürotür klopft es. Tom schreckt auf und bleibt regungslos sitzen.

Dialog

Der Dialog ist natürlich eines der wichtigsten Teile eines Drehbuchs, denn schließlich willst du ja keinen Stummfilm drehen. Auch hier haben sich mehr oder weniger Normen eingeschliffen, wie ein Dialog in einem Drehbuch geschrieben wird. Ein Dialog ist in der Regel in drei Teile aufgeteilt. Als erstes steht der Name des Sprechers, wie oben bereits erwähnt. Beim ersten Auftritt natürlich in Großbuchstaben. Im zweiten Teil beschreibst du, wie die Szene gesprochen wird. Im dritten Teil schreibst du dann den eigentlichen Dialog der Personen in ganz normaler Schreibweise.

Beispiel:

PAUL

(aufgeregt)

Tom? Bist Du da drin?

TOM

(ängstlich)

Ja, ich bin hier. Was willst Du von mir?

Kameraanweisung

Kameraanweisungen solltest du in der Regel nicht in ein Drehbuch schreiben. Technische Anweisungen auch für andere am Film beteiligte Gewerke , wie Beleuchter oder Setrunner sind in einem separaten technischen Treatment zu finden. Dennoch kannst du bestimmte Kameraeinstellungen in die Szenenbeschreibung mit einbauen. So kannst du noch deutlicher machen, wie  die einzelnen Szenen dramaturgisch aufgebaut sein sollen. Hier ein paar Beispiel wie Kameraanweisunge aussehen.

Beispiel: T = Totale, N = Nahe, POV = Point of View, CU = Close Up

Charaktere

Wichtig: Klare Anweisungen für alle Parteien

Jedes Drehbuch hat natürlich mindestens eine, meistens jedoch eine Vielzahl an Charakteren. Damit der Leser ein Verständnis für den Charakter und die Optik der Protagonisten hat, werden diese in der Regel zu Beginn einer Szene in der sie das erste Mal auftreten mit ein oder zwei Sätzen beschrieben. Hier auch nur die für die Rolle und die Szene wesentlichen Dinge erwähnen und alles überflüssige weglassen.

Beispiel:

TOM sitzt mit gekrümmter Haltung vor seinem PC. Er tippt nervös auf seiner Tastatur. Tom ist ein kleiner Mann mit schütterem, blonden Haar und einem leichten Bauchansatz. Er trägt immer einen hellblauen Pullunder.

Viele Arbeitsschritte fürs Schreiben eines Drehbuch

Grundsätzlich ist der formale Aufbau eines Drehbuchs natürlich die Grundlage, damit es vernünftig gelesen werden kann. Dennoch sollte jedem klar sein, dass zu  einem guten Drehbuch noch viele Arbeitsschritte mehr nötig sind, die hier nicht beschrieben wurden. Dazu gehören zum Beispiel eine spannende, bewegende, traurige oder mit anderen Worten interessante Geschichte. Eine lange Vorarbeit, mit viel Recherche zu Drehorten, Charakteren und Story ist deswegen immer nötig. Aus diesem Grund ist es logisch, dass die klare, äußere Form nur einer von vielen Schritten zum eigenen Drehbuch ist.

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