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Weihnachtsgeschichten: 26 besinnliche & lustige Erzählungen für jedes Alter

Weihnachtsgeschichten gehören in der Weihnachtszeit einfach dazu: Ob für Kinder, Erwachsene oder Senioren, besinnlich, lustig oder märchenhaft – wir haben 26 Weihnachtsgeschichten für dich, die du vorlesen, vortragen oder verschenken kannst.

Wenn du richtig in Weihnachtsstimmung kommen möchtest, dürfen schöne Weihnachtsgeschichten nicht fehlen. Es gibt sie in ganz unterschiedlichen Formen: kurz oder lang, märchenhaft oder realistisch, lustig oder besinnlich. Wir haben eine Auswahl der schönsten Weihnachtsgeschichten für dich erstellt, damit du dich schon jetzt auf das Weihnachtsfest freuen kannst.

Weihnachtsgeschichten haben viele Facetten

Weihnachtsgeschichten haben viele Facetten

Es gibt Weihnachtsgeschichten aller Art: zum Beispiel die christliche Weihnachtsgeschichte vom Jesuskind, freie Erzählungen vom Christkind, vom Weihnachtsmann oder dem Nikolaus, moderne Weihnachtsgeschichten und romantische Weihnachtsgeschichten. Darüber hinaus gibt es Weihnachtsmärchen und -geschichten aus vergangener Zeit, die Tradition vermitteln und vor allem bei Erwachsenen und Senioren das kindlich-freudige Weihnachtsgefühl von früher wieder aufleben lassen.

Ein großer Vorteil von Weihnachtsgeschichten ist nicht nur, dass sie Weihnachtsstimmung hervorrufen und die Gedanken ganz der besinnlichsten Zeit des Jahres widmen. Sie erfüllen auch unser Bedürfnis nach Tradition und Familiennähe. Eine Geschichte für die ganze Familie vorzulesen, ist ein tolles Erlebnis und eine liebevolle Geste.

Weihnachtsgeschichten schärfen außerdem unser Bewusstsein für Weihnachten und den Sinn, der dahinter steht. Selbst nicht-christliche Familien feiern das Weihnachtsfest jedes Jahr und nutzen den Anlass, um mit ihren Liebsten zusammenzukommen, sich zu beschenken und dankbar und zufrieden zu sein. Durch Weihnachtsgeschichten kann schon den Kleinsten der wahre Sinn von Weihnachten vermittelt werden.

Bekannte Weihnachtsgeschichten

Es gibt einige sehr bekannte Weihnachtsgeschichten, die die Menschen schon lange Zeit begeistern. Sie sind zeitlos und haben sich fest in unser Verständnis von Weihnachten etabliert. Meist wurden sie schon häufig verfilmt oder in Theatern aufgeführt.

Sie sind zu lang, um sie hier alle mit aufzunehmen. Deshalb haben wir sie aufgelistet, um weitere Anregungen für schöne Weihnachtsgeschichten zu schaffen. Heute sind die Filme meist bekannter als die Originaltexte. Doch warum sollte man sie nicht einfach mal an einem gemütlichen Familienabend vorlesen, anstatt einen Film zu gucken?

  • Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte (1843)
    Dieser Klassiker wurde schon oft verfilmt und ist eine der beliebtesten Weihnachtsgeschichten aller Zeiten. Der englische Originaltitel lautet “A Christmas Carol”.
  • Božena Nemcová: Aschenputtel (1842–1845)
    Das tschechische Märchen von Božena Nemcová ist angelehnt an das Grimm’sche Märchen “Aschenputtel” und die Vorlage der bekannten Verfilmung “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel”.
  • Hans Christian Andersen: Die Schneekönigin (1862)
    Auch dieses Wintermärchen wurde schon oft verfilmt. Die heute wohl bekannteste Verfilmung ist Disney’s “Die Eiskönigin – Völlig unverfroren” (im englischen Original “Frozen”), die allerdings nur grobe Züge des Märchens übernommen hat.
  • E.T.A. Hoffmann: Nussknacker und Mausekönig (1816)
    “Nussknacker und Mausekönig”-Verfilmungen sind zu Weihnachten besonders beliebt. Nicht nur Barbie wagte sich in das zauberhafte Abenteuer, auch Disney verfilmte den (Kunst-)Märchenstoff als "Der Nussknacker und die vier Reiche".
  • Loriot: Advent (1969)
    “Advent” ist ein leicht makaberes, aber für viele auch lustiges Gedicht von der Adventszeit, das durch seine Erstveröffentlichung im Deutschen Fernsehen Bekanntheit erlangte.

Die biblische Weihnachtsgeschichte

Die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel gehört zu vielen christlichen Messen dazu und ist eine der bekanntesten Weihnachtsgeschichten. Oft führen Kinder ein Krippenspiel auf oder die Geschichte wird vorgelesen. Der Darstellungsart sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Auf der ganzen Welt finden sich die verschiedensten Varianten dieser Geschichte. Viele Bibeln haben den Text verändert, traditionell wird jedoch meist die Geschichte aus dem Lukasevangelium verwendet:

Es begab sich aber zur der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden
bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Und als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in einer Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

(Lukas Evangelium, Kapitel 2, Vers 1–20)

5 Weihnachtsmärchen

Weihnachtsmärchen

Die folgenden Märchen spielen an Weihnachten oder um Weihnachten herum. Entgegen der heute oft verbreiteten Auffassung von Märchen, haben nicht alle Weihnachtsmärchen ein gutes Ende. Einige von ihnen eignen sich eher für Erwachsene und regen zum Nachdenken an. “Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern” von Hans Christian Andersen zum Beispiel beschreibt zwar die Schönheit von Weihnachten, aber nimmt ein tragisches Ende. Eltern sollten die alten Märchen also immer erst selbst lesen, bevor sie diese ihren Kindern vorlesen. "Weihnachten unter Wasser" kann Kindern hingegen bedenkenlos vorgelesen werden.

Du findest im Folgenden sowohl Volksmärchen (wie von den Brüdern Grimm) als auch Kunstmärchen (wie von Hans Christian Andersen). Der Unterschied liegt darin, dass Volksmärchen über mehrere Generationen mündlich tradiert wurden. Kunstmärchen sind hingegen ausgedachte Märchen, die lediglich in Struktur und Erzählweise den Volksmärchen ähneln. Hier findest du weitere bekannte Märchen zum Vorlesen.

Weihnachtsmärchen

Das Weihnachtsfest war nahe herangekommen und aus dem Walde gingen viele Tannen in die Hauptstadt des Landes bei dem schlechten Wege immer durch Dick und Dünn. Wenn Jemand sie fragte: wo wollt ihr Tannen denn hin? so antworteten sie: wir wollen in die Stadt und den Herrn Christ loben.

Ein ganz kleines Tannenbäumchen, das im Walde neben seiner Mutter stand, lief immer hinter seiner Mutter her, als diese sich auch nach der Hauptstadt aufmachte, und folgte ihr immer nach, wie ein Füllen der Stute, oder ein junges Rehkalb der Hindin.

Als die Tannen des Abends im Dunkeln in der Hauptstadt angekommen waren, lagerten sie sich Alle unter die Fenster des alten steinernen Schlosses, das sie von einer Seite her vor Wind und Wetter schützen sollte, und es war schön anzusehen, wie die vielen grünen Tannen da beieinander lagen. Das kleine Tannenbäumchen aber, das sich neben seine Mutter gelegt hatte, fror gar sehr. Da kam der Wind und legte den Saum seines schneeweißen Mantels erst zu den Füßen der Tannen hin und breitete ihn dann ganz über sie aus. Den andern Morgen aber kam ein Sonnenblick und deckte den schneeweißen Mantel wieder ab. Da rieb sich das kleine Tannenbäumchen vergnügt die Augen und sah verwundert die große, schöne Stadt.

Aber bald wurde seine Freude getrübt, denn es kam ein Herr, der hieß sein Mütterlein mitgehen in sein Haus, das kleine Tannenbäumchen aber mußte zurückbleiben, denn es war zum Weihnachtsbaume noch viel zu jung und zu klein.

Als nun der Weihnachtsmorgen kam, da ging das kleine Tannenbäumchen ganz einsam in den nassen Straßen der Hauptstadt umher und weinte. Da sah es aber sein Mütterlein in einem großen, schönen Saale stehen. Es hatte viele Lichter in der Hand, die glänzten gar herrlich, und das Mütterlein war anzusehen wie ein schöner Engel.

Da freute sich das kleine Tannenbäumchen sehr und ging getrost weiter.

Es stand aber in einem Hause eine kleine Puppe am Fenster, wie es eben Tag wurde. Die winkte dem kleinen Tannenbäumchen, daß es zu ihr herauf käme, und fragte:

"Wie heißt du, kleine Tanne?"

"Ich heiße Waldgrüne", antwortete das Tannenbäumchen. "Und wie heißt du?"

"Ich heiße Kindchen-küß-mich", antwortete die Puppe.

Da wurden die Puppe und das Tannenbäumchen gute Freunde und blieben lange, lange Zeit beisammen.

Die kleine Tanne aber wuchs sehr schnell heran, da sagte Kindchen-küß-mich endlich zu ihr:
"Du bist so ein langaufgeschossenes Ding geworden, daß ich mich schäme noch mit dir über die Straße zu gehen; auch ist dir dein Röckchen aus grünen Zweigen viel zu kurz, es reicht dir ja noch lange nicht einmal bis ans Knie, so sehr hast du es verwachsen! Mir wäre das zwar einerlei, aber den Menschen fällt es doch sehr auf. Deswegen wäre das Beste, du gingest wieder zurück in den Wald."

Da ging die Tanne wieder in den Wald. Dort aber war ihr Röcklein nicht zu kurz, sondern es war große Freude bei den andern Tannen, daß Waldgrüne wieder zugegen war.

(Heinrich Pröhle)

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern

Es war fürchterlich kalt; es schneite und begann dunkler Abend zu werden, es war der letzte Abend im Jahre, Neujahrsabend! In dieser Kälte und in dieser Finsterniß ging ein kleines, armes Mädchen mit bloßem Kopfe und nackten Füßen auf der Straße. Sie hatte freilich Pantoffeln gehabt, als sie vom Hause wegging, aber was half das! Es waren sehr große Pantoffeln, ihre Mutter hatte sie zuletzt getragen, so groß waren sie, diese verlor die Kleine, als sie sich beeilte, über die Straße zu gelangen, indem zwei Wagen gewaltig schnell daher jagten. Der eine Pantoffel war nicht wieder zu finden und mit dem andern lief ein Knabe davon, der sagte, er könne ihn als Wiege benutzen, wenn er selbst einmal Kinder bekomme.

Da ging nun das arme Mädchen auf den bloßen, kleinen Füßen, die ganz roth und blau vor Kälte waren. In einer alten Schürze hielt sie eine Menge Schwefelhölzer und ein Bund trug sie in der Hand. Niemand hatte ihr während des ganzen Tages etwas abgekauft, Niemand hatte ihr auch nur einen Dreier geschenkt; hungrig und halberfroren schlich sie einher und sah sehr gedrückt aus, die arme Kleine! Die Schneeflocken fielen in ihr langes, gelbes Haar, welches sich schön über den Hals lockte, aber an Pracht dachte sie freilich nicht.

In einem Winkel zwischen zwei Häusern – das eine sprang etwas weiter in die Straße vor, als das andere – da setzte sie sich und kauerte sich zusammen. Die kleinen Füße hatte sie fest angezogen, aber es fror sie noch mehr, und sie wagte nicht nach Hause zu gehen, denn sie hatte ja keine Schwefelhölzer verkauft, nicht einen einzigen Dreier erhalten. Ihr Vater würde sie schlagen, und kalt war es daheim auch, sie hatten nur das Dach gerade über sich und da pfiff der Wind herein, obgleich Stroh und Lappen zwischen die größten Spalten gestopft waren. Ihre kleinen Hände waren vor Kälte fast ganz erstarrt. Ach! Ein Schwefelhölzchen könnte gewiß recht gut thun; wenn sie nur wagen dürfte, eins aus dem Bunde herauszuziehen, es gegen die Wand zu streichen, und die Finger daran zu wärmen. Sie zog eins heraus, »Ritsch!« Wie sprühte es, wie brannte es! Es gab eine warme, helle Flamme, wie ein kleines Licht, als sie die Hand darum hielt, es war ein wunderbares Licht! Es kam dem kleinen Mädchen vor, als sitze sie vor einem großen eisernen Ofen mit Messingfüßen und einem messingenen Aufsatz; das Feuer brannte ganz herrlich darin und wärmte schön! – Die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen – – da erlosch die Flamme, der Ofen verschwand – sie saß mit einem kleinen Stumpf des ausgebrannten Schwefelholzes in der Hand.

Ein neues wurde angestrichen, es brannte, es leuchtete, und wo der Schein desselben auf die Mauer fiel, wurde diese durchsichtig wie ein Flor. Sie sah gerade in das Zimmer hinein, wo der Tisch mit einem glänzend weißen Tischtuch und mit feinem Porcellan gedeckt stand, und herrlich dampfte eine mit Pflaumen und Aepfeln gefüllte, gebratene Gans darauf! Und was noch prächtiger war, die Gans sprang von der Schüssel herab, watschelte auf dem Fußboden hin mit Gabel und Messer im Rücken, gerade auf das arme Mädchen kam sie zu. Da erlosch das Schwefelholz, und nur die dicke, kalte Mauer war zu sehen.

Sie zündete ein neues an. Da saß sie unter dem schönsten Weihnachtsbaume. Der war noch größer und aufgeputzter als der, welchen sie zu Weihnachten durch die Glasthüre bei dem reichen Kaufmanne erblickt hatte. Viel tausend Lichter brannten auf den grünen Zweigen und bunte Bilder, wie die, welche die Ladenfenster schmücken, schauten zu ihr herab. Die Kleine streckte die beiden Hände in die Höh' –da erlosch das Schwefelholz; die vielen Weihnachtslichter stiegen höher und immer höher, nun sah sie, daß es die klaren Sterne am Himmel waren, einer davon fiel herab und machte einen langen Feuerstreifen am Himmel.

»Nun stirbt Jemand!« sagte die Kleine, denn ihre alte Großmutter, welche die Einzige war, die sie lieb gehabt hatte, die jetzt aber todt war, hatte gesagt: »Wenn ein Stern fällt, so steigt eine Seele zu Gott empor.«

Sie strich wieder ein Schwefelholz gegen die Mauer, es leuchtete rings umher, und im Glanze desselben stand die alte Großmutter, glänzend, mild und lieblich da.

»Großmutter!« rief die Kleine. »O, nimm mich mit! Ich weiß, daß Du auch gehst, wenn das Schwefelholz ausgeht; gleichwie der warme Ofen, der schöne Gänsebraten und der große, herrliche Weihnachtsbaum!« Sie strich eiligst den ganzen Rest der Schwefelhölzer, welche noch im Bunde waren, sie wollte die Großmutter recht festhalten; und die Schwefelhölzer leuchteten mit solchem Glanz, daß es heller war, als am lichten Tage. Die Großmutter war nie so schön, so groß gewesen; sie hob das kleine Mädchen auf ihren Arm, und in Glanz und Freude flogen sie in die Höhe, und da fühlte sie keine Kälte, keinen Hunger, keine Furcht – sie waren bei Gott!

Aber im Winkel am Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit rothen Wangen, mit lächelndem Munde – todt, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Neujahrsmorgen ging über die kleine Leiche auf, welche mit Schwefelhölzern da saß, wovon ein Bund fast verbrannt war. Sie hat sich wärmen wollen, sagte man. Niemand mußte, was sie Schönes erblickt hatte, in welchem Glänze sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!

(Hans Christian Andersen)

Die Wichtelmänner (erstes Märchen)

Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, daß ihm endlich nichts mehr übrig blieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. Nun schnitt er am Abend die Schuhe zu, die wollte er den nächsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein.

Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte und sich zur Arbeit niedersetzen wollte, so standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch. Er verwunderte sich und wußte nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Schuhe in die Hand, um sie näher zu betrachten: sie waren so sauber gearbeitet, daß kein Stich daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterstück sein sollte. Bald darauf trat auch schon ein Käufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gewöhnlich dafür, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln. Er schnitt sie abends zu und wollte den nächsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er aufstand, waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die Käufer aus, die ihm so viel Geld gaben, daß er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand frühmorgens auch die vier Paar fertig; und so gings immer fort, was er abends zuschnitt, das war am Morgen verarbeitet, also daß er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Mann ward. Nun geschah es eines Abends nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, daß er vor Schlafengehen zu seiner Frau sprach 'wie wärs, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?' Die Frau wars zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Stubenecken, hinter den Kleidern, die da aufgehängt waren, und gaben acht. Als es Mitternacht war, da kamen zwei kleine niedliche nackte Männlein, setzten sich vor des Schusters Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit ihren Fingerlein so behend und schnell zu stechen, zu nähen, zu klopfen, daß der Schuster vor Verwunderung die Augen nicht abwenden konnte. Sie ließen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war und fertig auf dem Tische stand, dann sprangen sie schnell fort.

Am andern Morgen sprach die Frau 'die kleinen Männer haben uns reich gemacht, wir müßten uns doch dankbar dafür bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und müssen frieren. Weißt du was? Ich will Hemdlein, Rock, Wams und Höslein für sie nähen, auch jedem ein Paar Strümpfe stricken; mach du jedem ein Paar Schühlein dazu.' Der Mann sprach 'das bin ich wohl zufrieden,' und abends, wie sie alles fertig hatten, legten sie die Geschenke statt der zugeschnittenen Arbeit zusammen auf den Tisch und versteckten sich dann, um mit anzusehen, wie sich die Männlein dazu anstellen würden. Um Mitternacht kamen sie herangesprungen und wollten sich gleich an die Arbeit machen, als sie aber kein zugeschnittenes Leder, sondern die niedlichen Kleidungsstücke fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeigten sie eine gewaltige Freude. Mit der größten Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die schönen Kleider am Leib und sangen

’sind wir nicht Knaben glatt und fein?

was sollen wir länger Schuster sein!'

Dann hüpften und tanzten sie, und sprangen über Stühle und Bänke. Endlich tanzten sie zur Tür hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder, dem Schuster aber ging es wohl, solang er lebte, und es glückte ihm alles, was er unternahm.

(Wilhelm und Jacob Grimm)

Die Haselrute

Eines Nachmittags hatte sich das Christkind in sein Wiegenbett gelegt und war eingeschlafen, da trat seine Mutter heran, sah es voll Freude an und sprach 'hast du dich schlafen gelegt, mein Kind? schlaf sanft, ich will derweil in den Wald gehen und eine Handvoll Erdbeeren für dich holen; ich weiß wohl, du freust dich darüber, wenn du aufgewacht bist.'

Draußen im Wald fand sie einen Platz mit den schönsten Erdbeeren, als sie sich aber herabbückt, um eine zu brechen, so springt aus dem Gras eine Natter in die Höhe. Sie erschrickt, läßt die Beere stehen und eilt hinweg. Die Natter schießt ihr nach, aber die Mutter Gottes, das könnt ihr denken, weiß guten Rat, sie versteckt sich hinter eine Haselstaude und bleibt da stehen, bis die Natter sich wieder verkrochen hat. Sie sammelt dann die Beeren, und als sie sich auf den Heimweg macht, spricht sie 'wie die Haselstaude diesmal mein Schutz gewesen ist, so soll sie es auch in Zukunft andern Menschen sein.' Darum ist seit den ältesten Zeiten ein grüner Haselzweig gegen Nattern, Schlangen, und was sonst auf der Erde kriecht, der sicherste Schutz.

(Wilhelm und Jacob Grimm)

Weihnachten unter Wasser

Wie soll man Weihnachten unter Wasser feiern? Nun, die Wassernixen vom Mermasee können es euch verraten. Sie waren selbst einmal Menschen und wollten diese Tradition nicht aufgeben.

Schon seit einigen hundert Jahren leben die Nixen im Mermasee. Nach und nach wurden sie mehr, doch sie blieben stets im Verborgenen. Nie hat sie auch nur ein einziger Mensch zu Gesicht bekommen. Der See war tief genug und die Angelhaken wussten die schlauen Nixlein zu vermeiden.

Als sie noch Menschenfrauen waren, gingen sie um den See spazieren und erblickten eine bunt-schillernde Gestalt im Wasser. Sie gingen ans Ufer, beugten sich über das Wasser und die Gestalt sprang plötzlich heraus. Es war ein sogenannter Kieselfisch, der es besonders auf junge Frauen abgesehen hatte.

Um den Fisch, der gerade mal so groß war wie ein Kiesel, rankten sich im Dorf einige Sagen. Über die Jahrhunderte berichteten Frauen immer wieder davon, ihn in dem See gesehen zu haben. Doch sobald er es schaffte, eine von ihnen zu berühren, verwandelten sie sich in Wassernixen und waren nie wieder gesehen.

So kam es schließlich, dass die Wassernixen begannen, sich ein menschliches Leben unter Wasser aufzubauen. Sie eiferten ihrem früheren Leben nach und versuchten stets, die Balance zwischen Fisch und Mensch zu halten. Aus diesem Grund wollten sie auch nicht auf ihr Weihnachtsfest verzichten und es so wie früher gemeinsam feiern.

Bereits im September – bevor der See zugefroren war – begannen die Nixen damit, alles zu verwerten, was über die Jahre hinweg im Wasser gelandet war. Sie flochten Kränze aus alten Seilen, Algen und Zweigen und stellten die Scherben im Wasser so auf, dass sie das Sonnenlicht reflektierten und schienen wie Kerzen. Ganz unten am tiefsten Punkt des Sees stellten sie sogar einen Weihnachtsbaum auf.

Vor ein paar Jahren warf ein Mann einen alten Christbaumständer in den See. Darin befestigten sie einen stabilen Baumstamm und banden Drähte aus den Speichen von alten Fahrrädern um ihn herum. Um die Drähte knoteten sie dann Algen und Wasserpflanzen, damit ein wunderschöner Unterwasser-Christbaum entstand. Sie schmückten ihn mit Muscheln, Schneckenhäusern und Girlanden aus glänzenden Fischschuppen. Sie fanden sogar ein paar alte Christbaumkugeln, die sie aufhängen konnten. Die Geschenke bastelten sie natürlich auch selbst. Alles was in den See fiel, wussten sie zu nutzen, um sich gegenseitig eine Freude zu bereiten.

Wenn der See dann zufror und niemand sie mehr hören konnte, sangen sie alte Weihnachtslieder und erinnerten sich an ihr Leben als Menschen. Wenn ihr ganz still seid, könnt ihr sie vielleicht hören. Doch kommt dem See nicht zu nah, sonst sorgt der Kieselfisch vielleicht dafür, dass ihr den Rest eures Lebens wie die Nixen im Dunkel des tiefen Mermasees verbringt.

(Malin Poggemann)

5 Weihnachtsgeschichten für Kinder

Weihnachtsgeschichten für Kinder

Die folgenden Weihnachtsgeschichten sind wunderbar für Kinder geeignet. Sie sind nicht zu lang, nicht zu anspruchsvoll, regen die Fantasie an und haben alle ein Happy End. Lies deinem Kind ein paar der Weihnachtsgeschichten zum Einschlafen vor oder frag es sogar, ob es Lust hat, eine Geschichte an Heiligabend vor der Familie vorzutragen.

Kinder verbreiten schon allein mit ihrer Anwesenheit eine aufgeregte Weihnachtsstimmung, der sich kaum jemand entziehen kann. Vielleicht wecken die Geschichten auch in dir kindliche Erinnerungen und du denkst zurück an dein Weihnachten als Kind, als du nur zu gut wusstest, was unbändige Vorfreude bedeutet.

Das Geschenkband

Es war einmal eine Mäusefamilie, die zu Weihnachten fleißig ihre Geschenke einpackte. Die kleine Mimi schenkte Mutter Maus eine Buchecker, Vater Graufell schenkte Flecki ein Stück Käse und so ging es weiter, denn auch Mäuse wissen an Weihnachten zu wichteln. Sie dekorierten und verzierten und banden schöne Geschenkbänder um ihre Geschenke, als plötzlich ein Windstoß kam und der kleinen Mimi ihr Geschenkband wegflog.

Sie rannte los und versuchte ihm zu folgen, denn es war ihr letztes Geschenkband und sie wollte Mutter Maus doch nicht enttäuschen. Sich windend flog das Band immer weiter im eisigen Wind und landete auf einem merkwürdig pelzigen Ast, der von Schnee bedeckt war. Das Mäuschen kletterte schnell hoch und wollte sein Geschenkband schnappen, als sich der Ast plötzlich bewegte. Langsam aber sicher stieg er in die Höhe und schüttelte sich einmal kräftig.

Mimi blickte nach unten und sah ein Rentier, das mit müden Augen versuchte, sich zu orientieren. Sie kletterte hinab, dass es sie sehen konnte und fragte: “Was tust du hier so ganz allein um die Weihnachtszeit? Seid ihr Rentiere nicht immer in einer Herde unterwegs?”

Das Rentier erklärte dem Mäuschen, dass es eigentlich einmal im Jahr den Schlitten des Weihnachtsmanns ziehe, aber es verschlafen hat, als alle zum Nordpol aufbrachen. Vor lauter Trauer, habe es sich daraufhin noch einmal schlafen gelegt, bis das Mäuschen kam. Mimi hatte Mitleid mit dem müden, einsamen Rentier und überlegte, wie sie ihm helfen könnte.

Da kam ihr plötzlich eine Idee: “Der Weihnachtsmann schenkt doch den braven Menschenkindern immer das, was sie sich wünschen oder?” – “Ja, aber natürlich.” antwortete das Rentier. “Und du weißt auch, bei welchem Kind er jedes Jahr sein letztes Geschenk verteilt?” fragte Mimi weiter. “Ja, das weiß ich.” sagte das Rentier.

Mimi band ihr Geschenkband um das Geweih des Rentiers und machte sich auf den Weg zum allerletzten Kind, um ihm im Schlaf ins Ohr zu flüstern, dass es sich ein Rentier mit einem roten Geschenkband um sein Geweih wünschen solle – und das tat es. Am Tag vor Heiligabend kam der Weihnachtsmann und holte das Rentier ab. Er spannte es ein und es durfte alle Geschenke mit ihm verteilen, bis es beim letzten Kind angekommen war.

Das Kind war überglücklich über das besondere Rentier mit dem roten Geschenkband am Geweih und das Rentier war überglücklich, dass es die Geschenke mit austeilen durfte. Es versprach von nun an immer pünktlich zum Nordpol zu kommen, denn das liebe Kind könnte es ab jetzt immer vorher wecken. Das Rentier bedankte sich bei der kleinen Mimi und auch sie kam noch pünktlich zum Wichteln mit ihrer Familie.

(Malin Poggemann)

Die Weihnachtswichtel

Petunia war eine Frau von 80 Jahren, die gern in ihrem Schaukelstuhl saß und strickte. Manchmal strickte sie kleine grüne Männchen mit gelben Mützchen und gelben Schuhen. Als die Enkelkinder sie fragten, wer diese Männchen seien, erzählte sie ihnen, dass sie sie als achtjähriges Mädchen gesehen hatte und sich noch genau daran erinnere.

Sie versuchte auch ihre Kinder zu überzeugen, dass es die Wichtel sind, die die Geschenke zu Weihnachten bringen und nicht der Weihnachtsmann. Die Wichtel seien die Helfer vom Weihnachtsmann, vom Osterhasen, vom Christkind und von der Zahnfee. Sie seien die kleinen unterschätzten Helden, die alles zusammenhalten. Die Kinder und Enkelkinder lachten nur, nahmen ihre Oma nicht ernst und schlossen eine Wette mit ihr ab. Sie würden ihr jeden Tag Kekse backen, wenn sie die Wichtel dazu bringen könnte, sich zu zeigen.

Die Wichtel gab es wirklich und sie hatten Mitleid mit Petunia, doch sie durften nicht gesehen werden, das war ihre oberste Regel. Sie wollten dennoch versuchen, ihr zu helfen und ihrer Familie außerdem einen Schrecken einzujagen. Also schnappten sie sich die vielen gestrickten Wichtelfiguren, versteckten sich hinter ihnen und rannten einer nach dem anderen in die Zimmer der Kinder und Enkelkinder.

Sie nahmen die Kekse, die im Flur lagen und krümelten alle Zimmer voll. Dann bauten sie ein Katapult aus einer Rolle Toilettenpapier und einem Lineal und schossen sich so auf die Betten. Dort verteilten sie weitere Krümel, Zuckerstangen, Zahndosen und bemalte Ostereier, lachten und sprangen auf und ab bis die Kinder und Enkelkinder aufwachten und die gestrickten Wichtelfiguren ihrer Oma sahen.

Sobald sie ihre Augen aufgeschlagen hatten, verschwanden die Wichtel schnell und rannten aus der Tür. Sie hinterließen Chaos und Verwunderung, aber stärkten auch den Glauben an die Geschichte der Oma. Von diesem Tage an bekam Petunia für den Rest ihres Lebens jeden Tag Besuch und frische Kekse. Sie teilte sie jeden Weihnachtsabend mit den Wichteln, legte sie auf einen Tisch im Flur und schrieb ihnen einen Brief, in dem sie sich bei ihnen bedankte. Am nächsten Morgen war sie glücklich, denn sie fand nur noch den Briefumschlag und ein paar Krümel vor.

(Malin Poggemann)

Der Wegweiser

Da, wo die Landstraße mit noch einer anderen Landstraße zusammentraf, gerade an der Ecke auf der Wiese, stand ein Wegweiser. Es streckte seinen beiden hölzernen Arme aus, der eine zeigte auf die eine, der andere auf die andere Landstraße, und auf jedem der beiden Arme stand geschrieben, wohin die Landstraße führte und wie weit der Weg bis dahin noch sei.

Nach Finkenbach 3 km
Nach Walddorf 5 km

Es war gut, dass der Wegweiser da stand. Denn wer hätte den Leuten, die auf der Landstraße daherkamen und nicht wussten, ob sie gerade oder nach rechts gehen mussten, den Weg zeigen sollen?
Um den Wegweiser herum, auf der Wiese, standen die allerschönsten Blumen. Im Frühling Himmelsschlüsselchen, im Sommer Vergissmeinnicht, Butterblumen und weiße Margareten. Durch die Wiese floss ein kleiner Bach, über den Blumen flatterten gelbe, braune, und blaue Schmetterlinge, und die kamen auch zu dem Wegweiser zu Besuch und setzten sich auf seine Arme.
Aber denen allen brauchte der Wegweiser den Weg nicht zu zeigen; sie wussten ihn schon von ganz alleine. Auch den Vögelchen nicht, die ihn besuchten.

"Tschip tschip – was stehen Sie eigentlich hier immerzu wie ein Storch auf einem Bein, mit ausgebreiteten Flügeln?" fragte ihn einmal ein frecher Spatz. "Haben Sie kein Nest und keine Jungen, die Sie füttern müssen?"

"Ich zeige den Menschen den richtigen Weg", sagte der Wegweiser.

"Tschip tschip tschip – richtigen Weg zeigen! Müssen die Menschen dumm sein! Ich finde ihn immer", sagte der Spatz. Der Wegweiser antwortete nichts. Er dachte sich sein Teil. Er unterhielt sich lieber mit den Sonnenstrahlen, mit dem Mond und den glitzernden Sternlein, die des Abends über ihm standen. Ja – der Mond und die Sterne, das waren seine ganz besonderen Freunde. Still standen sie wie er und zeigten auch den Leuten den richtigen Weg. Und der Mondschein, der warf ihm einen silbernen Mantel um, sagte ihm, nun sähe er aus wie ein Märchenprinz, und erzählte ihm Geschichten von seinen Reisen.

"Ja – ohne den Mondschein stünde ich doch hier recht einsam", dachte der Wegweiser. Aber er hielt tapfer aus. Manchmal taten ihm seine Arme ein bisschen weh von dem ewigen Steifhalten. Aber:

Nach Finkenbach 3 km
Nach Walddorf 5 km

Tag für Tag sagte er es den Leuten, die vor ihm stehen blieben und ihn nach dem Wege fragten. Tag für Tag stand er in der glühendsten Hitze, beim schlimmsten Regenwetter und wenn es so kalt war, dass von den Menschen aus den Tüchern und Kapuzen kaum die Nasenspitzen herausguckten.

Manchmal rüttelten und schüttelten die Herbst – und Winterstürme an ihm. Sie packten ihn mit aller Gewalt und wollten ihn durchaus auf die Erde werfen. Aber fest blieb der Wegweiser auf einem Bein in der Erde stehen. "Nein – ich darf nicht umfallen – ich muss stehen bleiben und den Menschen den richtigen Weg zeigen. Das ist meine Arbeit auf dieser Welt", sagte er.

Eines Morgens tanzten weiße Schneeflocken um ihn herum. Die woben – ganz heimlich und leise – aus tausend winzigen Glitzersternchen ein Krönlein und setzten es dem Wegweiser auf. Niemand auf der Erde merkte, dass es eine Krone war. Aber der Mond und die Sterne – die wussten es.

(Sophie Reinheimer)

Der Schneemann

Es war einmal ein Schneemann, der stand mitten im tief verschneiten Walde und war
ganz aus Schnee. Er hatte keine Beine und Augen aus Kohle und sonst nichts und das ist wenig. Aber dafür war er kalt, furchtbar kalt. Das sagte auch der alte griesgrämige Eiszapfen von ihm, der in der Nähe hing und noch viel kälter war.

"Sie sind kalt!" sagte er ganz vorwurfsvoll zum Schneemann.
Der war gekränkt. "Sie sind ja auch kalt," antwortete er.
"Ja, das ist etwas ganz anderes," sagte der Eiszapfen überlegen.

Der Schneemann war so beleidigt, dass er fort gegangen wäre, wenn er Beine gehabt hätte. Er hatte aber keine Beine und blieb also stehen, doch nahm er sich vor, mit dem unliebenswürdigen Eiszapfen nicht mehr zu sprechen. Der Eiszapfen hatte unterdessen was anderes entdeckt, was seinen Tadel reizte: ein Wiesel lief über den Weg und huschte mit eiligem Gruß an den beiden vorbei.
"Sie sind zu lang, viel zu lang!" rief der Eiszapfen hinter ihm her, "wenn ich so lang wäre, wie Sie, ginge ich nicht auf die Straße!" "Sie sind doch auch lang," knurrte das Wiesel verletzt und erstaunt. "Das ist etwas ganz anderes!" sagte der Eiszapfen mit unverschämter Sicherheit und knackte dabei ordentlich vor lauter Frost. Der Schneemann war empört über diese Art, mit Leuten umzugehen, und wandte sich, soweit ihm das möglich war, vom Eiszapfen ab. Da lachte was hoch über ihm in den Zweigen einer alten schneeverhangnen Tanne, und wie er hinaufsah, saß ein wunderschönes, weißes, weiches Schnee-Elfchen oben und schüttelte die langen hängenden Haare, dass tausend kleine Schneesternchen herab fielen und dem armen Schneemann gerade auf den Kopf. Das Schnee-Elfchen lachte noch lauter und lustiger, dem Schneemann aber wurde ganz seltsam zu Mut und er wusste gar nicht, was er sagen sollte, und da sagte er schließlich: "Ich weiß nicht, was das ist…."

"Das ist etwas ganz anderes," höhnte der Eiszapfen neben ihm.

Aber dem Schneemann war so seltsam zu Mute, dass er gar nicht mehr auf den Eiszapfen hörte, sondern immer hoch über sich auf den Tannenbaum sah, in dessen Krone sich das weiße Schnee-Elfchen wiegte und die langen hängenden Haare schüttelte, dass tausend kleine Schneesternchen herab fielen.
Der Schneemann wollte unbedingt etwas sagen über das eine, von dem er nicht wusste, was es war, und von dem der Eiszapfen sagte, dass es etwas ganz anderes wäre. Er dachte schrecklich lange darüber nach, so dass ihm die Kohlenaugen ordentlich herausstanden vor lauter Gedanken, und schließlich wusste er, was er sagen wollte, und da sagte er:

"Schnee-Elfchen im silbernen Mondenschein,
du sollst meine Herzallerliebste sein!"

Dann sagte er nichts mehr, denn er hatte das Gefühl, dass nun das Schnee-Elfchen etwas sagen müsse, und das war ja wohl auch nicht unrichtig. Das Schnee-Elfchen sagte aber nichts, sondern lachte so laut und lustig, dass die alte Tanne, die doch sonst gewiss nicht für Bewegung war, missmutig und erstaunt die Zweige schüttelte und sogar vernehmlich knarrte. Da wurde es dem armen, kalten Schneemann so brennend heiß ums Herz, dass er anfing vor lauter brennender Hitze zu schmelzen, und das war nicht schön. Zuerst schmolz der Kopf, und das ist das Unangenehmste – später geht’s ja leichter. Das Schnee-Elfchen aber saß ruhig hoch oben in der weißen Tannenkrone und wiegte sich und lachte und schüttelte die langen hängenden Haare, dass tausend kleine Schneesternchen herab fielen. Der arme Schneemann schmolz immer weiter und wurde immer kleiner und armseliger und das kam alles von dem brennenden Herzen. Und das ist so weitergegangen und der Schneemann war schon fast kein Schneemann mehr, da ist der heilige Abend gekommen und die Englein haben die goldnen und silbernen Sterne am Himmel geputzt, damit sie schön glänzen in der heiligen Nacht.

Und da ist etwas Wunderbares geschehen: wie das Schnee-Elfchen den Sternenglanz der heiligen Nacht gesehen hat, da ist ihm so seltsam zu Mute geworden und da hat’s mal auf den Schneemann heruntergesehen, der unten stand und schmolz und eigentlich schon so ziemlich zerschmolzen war. Da ist’s dem Schnee-Elfchen so brennend heiß ums Herz geworden, dass es herunter gehuscht ist vom hohen Tann und den Schneemann auf den Mund geküsst hat, so viel noch davon übrig war. Und wie die beiden brennenden Herzen zusammen waren, da sind sie alle beide so schnell geschmolzen, dass sich sogar der Eiszapfen darüber wunderte, so ekelhaft und unverständlich ihm die ganze Sache auch war.
So sind nur die beiden brennenden Herzen nachgeblieben, und die hat die Schneekönigin geholt und in ihren Kristallpalast gebracht, und da ist’s wunderschön und der ist ewig und schmilzt auch nicht. Und zu alledem läuteten die Glocken der heiligen Nacht.

Als aber die Glocken läuteten, ist das Wiesel wieder herausgekommen, weil es so gerne das Glockenläuten hört, und da hat’s gesehen, dass die beiden weg waren.
"Die beiden sind ja weg," sagte es, "das ist wohl der Weihnachtszauber gewesen."
"Ach, das war ja etwas ganz anderes!" sagte der Eiszapfen rücksichtslos und das Wiesel verzog sich empört in seine Behausung.

Auf die Stelle aber, wo die beiden geschmolzen waren, fielen tausend und abertausend kleine weiße, weiche Flocken, so dass niemand mehr was von ihnen sehn und sagen konnte. – Nur der Eiszapfen hing noch genau so da, wie er zuerst gehangen hatte, und der wird auch niemals an einem brennenden Herzen schmelzen und auch gewiss nicht in den Kristallpalast der Schneekönigin kommen – denn der ist eben etwas ganz anderes!

(Manfred Kyber)

Weihnachten in der Speisekammer

Unter der Türschwelle war ein kleines Loch. Dahinter saß die Maus Kiek und wartete.
Sie wartete bis der Hausherr die Stiefel aus- und die Uhr aufgezogen hatte; sie wartete, bis die Mutter ihr Schlüsselkörbchen auf den Nachttisch gestellt und die schlafenden Kinder noch einmal zugedeckt hatte; sie wartete auch noch, als alles dunkel war und tiefe Stille im Hause herrschte. Dann ging sie.

Bald wurde es in der Speisekammer lebendig. Kiek hatte die ganz Mäusefamilie benachrichtigt. Da kam Miek die Mäusemutter mit den fünf Kleinen, und Onkel Grisegrau und Tante Fellchen stellten sich auch ein.

"Frauchen, hier ist etwas Weiches, Süßes," sagte Kiek leise vom obersten Brett herunter zu Miek, "das ist etwas für die Kinder," und er teilte von den Mohnpielen aus. "Komm hierher Grisegrau," piepste Fellchen, und guckte hinter der Mehltonne vor, "hier gibt’s Gänsebraten, vorzüglich, sag ich dir, die reine Hafermast; wie Nuss knuspert sich’s." Grisegrau aber saß in der neuen Kiste in der Ecke, knabberte am Pfefferkuchen und ließ sich nicht stören. Die Mäusekinder balgten sich im Sandkasten und kriegten Mohnpielen. "Papa," sagte das größte, "meine Zähne sind schon scharf genug, ich möchte lieber knabbern, knabbern hört sich so hübsch an." "Ja, ja, wir wollen auch lieber knabbern," sagte alle Mäusekinder, "Mohnpielen sind uns zu matschig," und bald hörte man sie am Gänsebraten und am Pfefferkuchen. "Verderbt euch nicht den Magen," rief Fellchen, die Angst hatte, selber nicht genug zu kriegen, "an einem verdorbenen Magen kann man sterben." Die kleinen Mäuse sahen ihre Tante erschrocken an; sterben wollte sie ganz und gar nicht, das musste schrecklich sein. Vater Kiek beruhigte sie und erzählte ihnen von Gottlieb und Lenchen, die drinnen in ihren Betten lägen und ein hölzernes Pferdchen und eine Puppe im Arm hätten; und dass in der großen Stube ein mächtiger Baum stände mit Lichtern und buntem Flimmerstaat, und das es in der ganzen Wohnung herrlich nach frischem Kuchen röche, der aber im Glasschrank stände, und an den man nicht heran könnte. "Ach," sagte Fellchen, "erzähle nicht so viel, lass die Kinder lieber essen." Die aber lachten die Tante mit dem dicken Bauch aus und wollte noch viel mehr wissen, mehr als der gute Kiek selbst wusste. Zuletzt bestanden sie darauf, auch einen Weihnachtsbaum zu haben, und die zärtlichen Mäuseeltern liefen wirklich in die Küche und zerrten einen Ast herbei, der von dem großen Tannenbaum abgeschnitten war. Das gab einen Hauptspaß. die Mäusekinder quiekten vor entzücken und fingen an, an dem grünen Tannenholz zu knabbern; das schmeckte aber abscheulich nach Terpentin, und sie ließen es sein und kletterten lieber in dem Ast umher. Schließlich machten sie die ganze Speisekammer zu ihrem Spielplatz. Sie huschten hierhin und dorthin, machten Männchen, lugten neugierig über die Bretter in alle Winkel hinein, und spielten Versteck hinter den Gemüsebüchsen und Einmachtöpfen; was sollten sie auch mit dem dummen Weihnachtsbaum, an dem es nichts zu essen gab! Als aber das kleinste ins Pflaumenmus gefallen war und von Mama Miek und Onkel Grisegrau abgeleckt werden musste, wurde ihnen das Umhertollen untersagt, und sie mussten wieder artig am Pfefferkuchen knabbern.

Am andern Morgen fand die alte Köchin kopfschüttelnd den Tannen Ast in der Speisekammer und viele Krümel und noch etwas, was nicht gerade in die Speisekammer gehört, ihr werdet euch schon denken können was! Als Gottlieb und Lenchen in die Küche kamen, um der alten Marie guten Morgen zu wünschen, zeigte sie ihnen die Bescherung und meinte: "Die haben auch tüchtig Weihnachten gefeiert." die Kinder aber tuschelten und lachten und holten einen Blumentopf. Sie pflanzten den Ast hinein und bekränzten ihn mit Zuckerwerk, aufgeknackten Nüssen, Honigkuchen und Speckstückchen. die alte Marie brummte; da aber die Mutter lachend zuguckte, musste sie schon klein beigeben. Sie stellte alles andere sicher und ließ den kleinen Naschtieren nur ihren Weihnachtsbaum.
die Kinder aber jubelten, als sie am zweiten Feiertage den Mäusebaum geplündert vorfanden und hätten gar zu gern auch ein Dankeschön von dem kleinen Volke gehört. "Den guten Speck vergesse ich mein Lebtag nicht," sagte Fellchen, und Grisegrau biss eine mitgebrachte Haselnuss entzwei; Kiek und Miek aber waren besorgt um ihre Kleinen, die hatten zuviel Pfefferkuchen gegessen, und ihr wisst, liebe Kinder, das tut nicht gut!

(Paula Dehmel)

5 Weihnachtsgeschichten für Erwachsene

Weihnachtsgeschichten für Erwachsene

Die Weihnachtszeit ist nicht nur für Kinder, sondern auch für viele Erwachsenen der Höhepunkt des Jahres. Auch wenn Weihnachten mit viel Vorbereitung und Stress verbunden sein kann, sollte die Weihnachtsstimmung und Zeit der Besinnlichkeit nicht zu kurz kommen. Spätestens Anfang Dezember dürft ihr so richtig Weihnachtsstimmung verbreiten und euch mit schönen Weihnachtsgeschichten, fröhlicher Weihnachtsmusik und Plätzchenbacken auf die wohl glanzvollste Zeit des Jahres einstimmen. Hier findest du wertvolle Tipps, wie du dir die Weihnachtszeit erleichtern kannst:

Weihnachten am Kamin

Annabell und ihre kleine Schwester Johanna feierten jedes Jahr gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Hund Niko Weihnachten. Die Familie besaß nicht viel und doch war es für die beiden Schwestern jedes Jahr das schönste Fest des Jahres. Sie versammelten sich um den Kamin, in dem das Feuer leise knisterte. Draußen um diese Zeit war es meist bitterkalt, deshalb zog jeder so viel Kleidung an, wie er konnte. Sie setzten eine Kanne Tee auf und lauschten gemeinsam den Weihnachtsgeschichten, die die Mutter leidenschaftlich zum Besten gab.

Sie erzählte Geschichten, die sie aus ihrer Kindheit kannte: Vom Nussknacker und dem Mausekönig, der Schneekönigin und von der Weihnachtsgeschichte. Sie erzählte sie so, wie sie sie in Erinnerung hatte. Denn Geld für Bücher besaß die Familie nicht. Sie investierten alles, was sie hatten, in ihre beiden Töchter, die natürlich zur Schule gehen mussten und es einmal besser haben sollten als sie.

Vor allem die Weihnachtsgeschichte begeisterte die Kinder jedes Jahr aufs Neue. Sie liebten es, dass der verbitterte alte Ebenezer Scrooge am Ende den wahren Geist der Weihnacht verstand und die Güte aufbringen konnte, den kleinen Tim zu retten. Insgeheim hofften sie, dass alle Menschen diesen Sinn eines Tages verstehen würden. “Dann müsste niemand mehr Hunger leiden, Mama!” rief die kleine Johanna.

Damit meinte sie allerdings nicht sich und ihre Familie. Sie dachte an die vielen armen Kinder und Familien, die noch weniger hatten als sie. Denn Johanna war zufrieden mit einem Dach über dem Kopf, einem Kaminfeuer, einer Tasse Tee, Weihnachtsgeschichten und ein paar selbstgebastelten Geschenken von ihrer Familie. Sie hatte es sich niemals anders gewünscht. Und so verbreitete sie selbst jedes Jahr auf neue den Geist der Weihnacht, den sie in der Weihnachtsgeschichte so liebte.

Als die beiden Mädchen herangewachsen waren, ihre Schule beendet hatten und erfolgreich einen Beruf ausübten, besuchten sie jedes Jahr an Weihnachten ihr altes Dorf. Sie erzählten den armen Kindern dort die Weihnachtsgeschichte, so wie ihre Mutter sie ihnen immer erzählt hatte. Sie brachten Decken und Tee mit und leckere Weihnachtsplätzchen, die sie selbst gebacken hatten. Auch gespendetes Spielzeug hatten sie dabei.

Sie selbst haben nie an das Christkind geglaubt. Je älter sie wurden, umso zynischer blickten sie auf die Masse an Geschenken, die den ‘braven’ Kindern gegeben wurde. Sie verspürten eine tiefe Abneigung den Menschen gegenüber, die zum Weihnachtsfest in Stress und Panik verfielen und jeglichen Schund kauften, der ihnen unter die Augen kam, nur weil an ihm ein rotes Rabatt-Schild hing. Sie hassten es, dass jeder in der Stadt die Bedeutung von Weihnachten zu vergessen schien.

Doch in diesem Jahr, als sie den Kindern im Dorf ihre Geschenke gaben, sie ihr Lachen hörten und sahen, was sie mit ein paar Spielzeugen, die das ‘Christkind’ gebracht hat, bewirkten, wurde ihnen eines bewusst: Dass es das Christkind wirklich gibt und dass man nicht auf gekaufte Geschenke verzichten muss, um den wahren Geist der Weihnacht zu verstehen. Sie beide symbolisierten das Christkind, genau in diesem Moment, so wie viele Eltern es am Heiligen Abend für ihre Kinder tun. Denn egal wen oder was man als Christkind oder Weihnachtsmann bezeichnet, die Bedeutung für die Kinder ist immer gleich.

Und so überlegten sie sich: Wenn der Glaube der Kinder so fest und real ist, es das Christkind auch sein musste. Es muss ebenso real sein wie der Geist der Weihnacht, an den Annabell und Johanna immer geglaubt hatten. Auch wenn die Menschen ihn manchmal vergessen würden, so erinnern die Kinder sich durch ihren Glauben an das Christkind wieder daran. Nun war ihnen klar: Das Christkind, der Weihnachtsmann, Geist der Weihnacht oder was auch immer die Kinder hoffen lässt, sind eins.

Annabell und Johanna sahen nun ein, dass auch sie eigentlich an das Christkind geglaubt hatten, das ihnen ihre Wünsche erfüllt – es war zwar keine engelsgleiche Figur für sie, die Geschenke brachte, auch kein Weihnachtsmann in rotem Mantel, doch es war die Geschichte ihrer Mutter vom Geist der Weihnacht, die sie hoffen und wünschen ließ.

(Malin Poggemann)

Das verpasste Geschenk

Leila bestellte wie jedes Jahr ein paar ihrer Weihnachtsgeschenke online. Das hatte bisher immer wunderbar geklappt, doch in diesem Jahr verpasste sie eines der Pakete. Ihr Paketbote, den sie mittlerweile sogar ziemlich gut kannte, hatte überhaupt nicht geklingelt und warf stattdessen einen Zettel ein: “Paket beim Nachbarn Tim Neiler abgegeben”. Als Leila von der Arbeit kam, lief sie direkt zwei Häuser weiter und klingelte bei Tim. Doch niemand öffnete. Leila beschloss Tim einen Zettel zu schreiben, in dem sie darum bat, dass er bei der nächsten Gelegenheit bei ihr klingelt.

Am nächsten Tag fand sie wieder einen Zettel in ihrem Briefkasten. Tim hatte geklingelt, doch dieses Mal war sie es wieder, die unterwegs war. Sie musste trotzdem schmunzeln, weil Tim ihr sehr charmant geantwortet hatte. Er fragte, ob sie das hübsche braunhaarige Mädchen mit den blauen Augen sei, das in dem Mehrfamilienhaus immer ein und aus gehe.

Leila fühlte sich geschmeichelt und bestätigte, dass sie tatsächlich die einzige im Haus mit braunen Haaren und blauen Augen sei. Nun fiel ihr auch direkt wieder ein, wer dieser Tim sein könnte. Sie fragte, wann er das nächste Mal zuhause sei und ob sie ihr Paket dann abholen könnte. Tim antwortete wieder am nächsten Tag und stellte eine Bedingung: Sie würde ihr Paket wiederbekommen, wenn er sie zu einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt einladen darf.

Leila war einverstanden und freute sich insgeheim sogar. Die beiden verabredeten sich zum dritten Advent und verbrachten den Abend zusammen auf dem Weihnachtsmarkt. Bei abendlichem Kerzenschein und dem köstlichen Duft von Glühwein, Zimt und Lebkuchen sprachen sie über den Sinn von Weihnachten, die guten und die schlechten Seiten und ihre Neujahrsvorsätze. Der Zauber von Weihnachten machte es ihnen unmöglich, sich nicht zu verlieben. Sie waren überzeugt, dass es Schicksal war, dass sie sich so kennengelernt hatten.

Tim fragte, ob die beiden zur Erinnerung nicht ein Foto mit einem der umherlaufenden Weihnachtsmänner machen wollten. Leila freute sich und suchte sich den mit der prächtigsten Verkleidung aus. Als sie seine Augen sah, wurde sie stutzig. Irgendwie kamen sie ihr bekannt vor. Sie fragte Tim, ob er nicht dasselbe denke und auch Tim war sich sicher, diese Augen schon einmal gesehen zu haben. Plötzlich fiel es beiden ein: “Der Paketbote!”

Er war es tatsächlich und zwinkerte den beiden lächelnd zu. Sie machten ein Foto mit ihm und Leila flüsterte ihm “Danke.” ins Ohr. Er wusste, dass sie heimlich für ihren Nachbarn geschwärmt hatte und umgekehrt auch dass Tim für sie geschwärmt hatte. Beide hatten sich nie getraut, sich persönlich anzusprechen. Das verpasste Geschenk war von nun an ihr ganz persönliches Weihnachtswunder.

(Malin Poggemann)

Der Tannenzweig

»Du, Peter – –«
»Hm. – Was willst denn?«

»Es ist wirklich Weihnachten geworden. In drei Stunden ist der Heilige Abend. Aber noch immer keine Post. Verdammte Bummelei – das!«

»Na, es wird schon noch werden. Mittags sind doch vier Mann vom ersten Zug zurück in die Unterkunft. ›Zum Postempfang!‹ hat der Zugführer noch extra gesagt. – Du, daß wir zwei da nicht mit sein können. Wäre doch ein ganz feiner Druckpunkt. Paß auf, heute nacht erwischt’s uns auf Sappenwache. Ja, wer halt das Glück hat!«

»Sicher sind die Brüder beim Marketender eingekehrt und finden die Tür wieder nicht eher, als bis es finster ist.«

»Hätten wir das anders gemacht? Man muß mitnehmen, was einem in den Weg kommt. Ihren Weg finden sie, und daß sie heut noch kommen, dafür sorgt schon der Feldwebel. Du kennst den Alten doch?«

Der Landwehrmann Peter Mutz pufft seinen Kameraden, den Landwehrmann Michael Waldner, aufmunternd in die Rippen, zieht vorsichtig den rechten Stiefel aus dem Grabendreck und schlenkert den Fuß wie eine Katze, die ins Wasser getreten hat.

»Saustall, verfluchter! Sag' mir bloß, Michl, wo das Wasser alles herläuft? Wenn ich jetzt denk', wie’s bei mir daheim ausschaut – überall fester Schnee, der Boden so fest und glatt wie im Tanzsaale … Michl, schön wär’s doch, wenn Frieden wär'!«

»Rindvieh!? – –«

Ganz langsam und bedächtig wendet Peter Mutz den Kopf seinem Nachbarn zu, der auf einem Grabeneinschnitt sitzt und heftig an einer Pfeife zieht.

»Meinst du mich? – Hast ja recht. Dumme Gedanken sind das mit dem Frieden, aber sag' selber, schön wär’s doch!«

»Mir wär’s lieber, wenn erst die Post käm': – Die können mich doch nicht vergessen. – Oh, na, na – ausgeschlossen!«

Michel Waldner nickt bekräftigend und fährt sich mit der linken Hand sinnend durch den wuchernden Vollbart. Kamerad Peter lächelt ihm gutmütig zu, spitzt dann gedankenvoll die Lippen und pfeift leise und gefühlsselig vor sich hin:

»Nach der Heimat möcht' ich wieder,
in der Heimat möcht' ich sein.«

Der späte Nachmittag hängt trübe Schleier über das weit hinaus ebene Gelände. Unendliche Schwermut brütet auf dem pikardischen Land, das in seiner baum- und höhenlosen Flachheit vor dem Auge zu fliehen scheint. Der Regen hat die Luft mit Dünsten geschwängert und steht zwischen den Stellungen in Pfützen, die wie erblindende Augen zum Himmel starren.

Peter Mutz unterbricht sein Pfeifen.

»Merkwürdig still ist es doch da drüben. Nicht einmal der August schießt. – Du, Michl, ob die Franzosen auch an Weihnachten denken.«

»Warum denn nicht! Sie haben doch auch Weiber daheim und Kinder.«

»Aber wie ist’s bei ihnen mit dem Weihnachtsbaum? In dem Land gibt’s doch keine Tannen oder Fichten.«

»Ich weiß nicht. Sie werden halt auf den Tisch stellen, was sie haben.«

»Richtige Weihnachten ist das aber doch nicht. Weihnachten ohne Tannenbaum!«

»Wir haben doch auch keinen. – Aber, das ist ja gleich. Die Post soll kommen.«

Im Graben entsteht Bewegung. Aus den Unterständen schlüpfen die Leute und spähen nach der Richtung aus, wo der Laufgraben in die Stellung mündet. Dort taucht manchmal ein grauer Höcker über den Rand, verschwindet wieder, erscheint an einer anderen Stelle und jetzt –

»Hurra, die Post! – Für mich was dabei? – Für mich?«

Vielstimmig schallen die Fragen durcheinander, und nur mit Mühe erwehren sich die Postempfänger des jubelnden Ansturms. Wer selbst im Felde war, weiß, daß Postempfang für den Soldaten das größte Erlebnis ist.

Michael Waldner hat die Pfeife aus dem Mund genommen; ein glückliches Lächeln spielt um seine Lippen.

»Endlich, Peter, endlich! – Es wird doch was für mich dabei sein?«

»Natürlich, Michl! Warum soll denn gerade für dich nichts dabei sein?«

Peter Mutz ist ein beneidenswert gleichmütiger Mensch; doch die zitternde Erwartungsfreude des Kameraden steckt auch ihn an.

Unterdessen geht die Verteilung der Pakete im Graben vor sich. Jeder zieht sich mit seinem Schatz in einen Winkel zurück und macht sich an das Auspacken.

»Waldner! – Michael Waldner! – Wo ist denn der Waldner?«

»Hier! – Hier im Graben, Kamerad!«

Die Stimme Michael Waldners hat einen rauhen Beiklang, deutlich hörbar trotz des halblauten Tons, in dem er ruft:

»Obacht! Hopp! – Hopp!«

Über die Schulter fliegen zwei graue Päckchen. Um ein Haar wäre das zweite im Dreck gelandet, wenn es Peter nicht im letzten Augenblick aufgefangen hätte.

»Peterl, Kamerad, Freund – zwei Pakete, zwei, denk' bloß, Mensch.«

»Na also. Hab' ich’s nicht gesagt?«

Mit zitternden Fingern nestelt Michael Waldner an den Verschnürungen. Sind die Finger klamm oder hat sie die Freude steif gemacht?

Es ist schon ziemlich dunkel geworden, so daß Michel Waldner den Brief ganz nahe an die Augen halten muß.

Für einige Minuten herrscht völlige Stille. Man hört nur das Atmen der beiden Männer.

»Von meiner Frau … Sie schreibt, daß es ihr und den Kindern soweit ganz gut geht … Bloß, daß alles so teuer ist … Daran können wir doch auch nichts ändern, nicht wahr, Peter?«

Peter schüttelt nur den Kopf; sagen konnte er auch gar nichts, weil ihm Michael Waldner eine halbe Tafel Schokolade in den Mund geschoben hat, während er selbst an einem Stück Apfel kaut.

»Schmeckt doch schön, so ein bißchen Schleckerei!«

Fast verlegen gucken sich die zwei rauhen, wetterharten Männer an, und Peter verschluckt sich, was ein unterdrücktes Husten und Räuspern im Gefolge hat.

»Man ist das Zeug halt doch nimmer gewöhnt,« meint er entschuldigend.

Michael Waldner kramt inzwischen seine Herrlichkeiten weiter aus. Plötzlich hält er inne, hebt den grauen Pappumschlag zur Nase und schnuppert hinein. Dann stülpt er beinahe feierlich den Karton um und hält einen kleinen grünen Tannenzweig in der Hand und einen Zettel, auf dem mit großer, ungelenker Kinderschrift zu lesen steht: »Vater, als Weihnachtsbaum.«

»Aus unserm Wald … von meinem Hans geholt … Er ist gerade vier Jahre gewesen, wie ich fort bin … Wie doch die Zeit vergeht! …«

Der Landwehrmann Michael Waldner knüpft den Mantel auf. Die harten, rissigen Soldatenhände streicheln liebkosend über den Tannenzweig, ehe sie ihn zwischen dem dritten und vierten Waffenrockknopf befestigen. –

»Die Wachen fertig machen zur Ablösung! – Waldner und Mutz in den Sappenkopf!«

Die beiden Landwehrleute greifen nach den Gewehren, ziehen den Leibgurt etwas nach und verschwinden geräuschlos in der Nacht.

Doch ehe sie hinausgingen, hatte Michael Waldner die Hand auf die Stelle seines Waffenrocks gedrückt, wo der Tannenzweig ruhte.

Und Peter Mutz hatte zufrieden gelächelt.

(Karl Bröger)

Knecht Ruprecht

Ruprecht: Habt guten Abend, alt und jung
bin allen wohl bekannt genung.
Von drauß vom Walde komm ich her;
ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
Knecht Ruprecht, rief es alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder weihnachten werden!
So geh denn rasch von Haus zu Haus.
such mir die guten Kinder aus,
damit ich ihrer mag gedenken
mit schönen Sachen sie mag beschenken.

Ich sprach: O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo’s eitel gute Kinder hat.
Hast denn das Säcklein auch bei dir?

Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
freßen fromme Kinder gern.
Hast denn die Rute auch bei dir?

Ich sprach: die Rute die ist hier.
Doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.
Christkindlein sprach: So ist es recht.
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!
Von drauß, vom Walde komm ich her,
Ich muß euch sagen es weihnachtet sehr!
Nun sprecht wie ich’s hierinnen find:
sind’s gute Kind., sind’s böse Kind?

Vater: Die Kindlein sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.

Ruprecht: Ei, ei, für trotzgen Kindermut
ist meine lang Rute gut!
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?

Vater: Wie einer sündigt so wird er gestraft;
die Kindlein sind schon alle brav.

Ruprecht: Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
lesen und scheiben und rechnen genug?

Vater: Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.

Ruprecht: Beten sie denn nach altem Brauch
im Bett Ihr Abendsprüchlein auch?

Vater: Neulich hört ich im Kämmerlein
eine kleine Stimme sprechen allein;
und als ich an die Tür getreten,
für alle Lieben hört ich sie beten.

Ruprecht: So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
probiert einmal von seinen Gaben
morgen sollt ihr was beßeres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.
Heut hält es noch am Himmel Wacht;
nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

(Theodor Storm)

Eine Weihnachtsfahrt

Wir waren wieder einmal auf unseren Weihnachtsfahrten zu den Armen. Unser Weg führte uns auch dieses Mal in einen der entferntesten Vororte Rigas. Wir hielten vor einem hohen Steinhaus, wo wir mit unserem Weihnachtsbäumchen eine arme Frau aufsuchen wollten. Eine Nachbarin wies uns eine Steintreppe hinauf, die wir mühsam emporkletterten, und wir standen bald in einem großen, dunklen Zimmer, das von einer Petroleumlampe kaum erhellt wurde.

Als wir die Tür öffneten, konnte man zuerst fast nichts in dem dunklen Raum unterscheiden. Ein entsetzlicher Geruch schlug uns entgegen. Als unsere Augen sich an die Dämmerung gewöhnt hatten, erkannten wir die Ursache des furchtbaren Geruchs, der von faulen Tierhäuten herkam, die zum Trocknen von der Decke herabhingen. An der Wand entdeckten wir ein schmales Bett, in dem eine kleine dunkle Gestalt zusammengekrümmt lag. Wir traten ans Bett, stellten das mitgebrachte Weihnachtsbäumchen auf ein Tischchen – der Pastor las das Weihnachtsevangelium, wir sangen Weihnachtslieder. Mit bösem, hartem Ausdruck blickte die Kranke zu uns herüber; ihr Gesicht hatte etwas von einem Raubvogel, keine Freude, nicht einmal Staunen sprach aus den runden, bösen Augen. Der Pastor redete einige Worte zu ihr, von der Freude, die heute in die Welt gekommen wäre – sie sah ihm starr ins Gesicht, ohne eine Miene zu verziehen; sie konnte die frohe Botschaft nicht hören, ihr Herz war verschlossen und tot.

Der Pastor fragte sie, ob sie jemand habe, der sich um sie kümmerte. – Ja, ihre Söhne – am Morgen gingen sie auf Arbeit aus, stellten ihr das Nötige hin und kämen am Abend wieder – den ganzen Tag läge sie allein. – Ob ihr die Einsamkeit schwer zu tragen wäre? – Sie antwortete nicht darauf. Ein Jammer um diese lichtlose Leben fasste unsere Herzen. Eine freundliche Blumenhändlerin hatte mir einen großen Strauß Frühlingsblumen für meine Armenfahrt mitgegeben. Ich griff in mein Körbchen, wo ich sie sorgsam gegen die Winterkälte verwahrt hatte, und legte sie alle der Kranken auf die Brust. Mit ihren dunklen, verkrümmten Fingern fasste sie vorsichtig nach ihnen wie nach etwas Unwirklichem. Und dann ging eine merkwürdige Veränderung in dem harten, scharfen Gesicht vor sich: es brach wie ein Leuchten aus ihren Augen. "Blumen, lebendige Blumen", sagte die harte Stimme, in der plötzlich eine Freude klang. "Blumen für mich", sagte sie noch einmal, "und ich darf sie behalten." Sie nahm die lichten Frühlingskinder und hob sie an ihre Wangen und atmete den Duft ein. Auf ihrem Gesicht lag ein Glänzen. Sie sah nicht den Weihnachtsbaum mit seinen schimmernden Lichtlein, sie sah uns nicht, die wir erschüttert an ihrem Bett standen – sie sah nur die Blumen, und ihre Seele lauschte diesem Ruf aus einer lichten Welt. Wir gingen still hinaus. In der Türe wandte ich mich um und nahm die ganze trostlose Umgebung, in der sie lag, noch einmal in mich auf. Sie aber lag friedlich da, im Lichte der Weihnachtskerzen, die Hände dicht um die Frühlingsblumen geschlossen, die hellen Blüten an ihre dunkle Wange gedrückt. Ihre Augen waren geschlossen – auf ihrem Gesicht war Frieden.

(Monika Hunnius)

10 lustige Weihnachtsgeschichten

Lustige Weihnachtsgeschichten

Humor darf auch an einem besinnlichen Fest wie Weihnachten nicht fehlen. Vor allem Kindern machen lustige Weihnachtsgeschichten eine Menge Spaß. Sie eignen sich ebenfalls, um sie aufzuschreiben und zu verschenken. Durch Bewegung, Betonung und Onomatopoesie (Lautmalerei) können die Geschichten noch lustiger vorgetragen werden. Wichtig ist, sie mit einem Augenzwinkern zu betrachten und nicht zu ernst zu nehmen. Da jeder einen anderen Humor hat, kann nicht garantiert werden, dass immer über die Geschichten gelacht wird. Doch da es an Weihnachten auch darum geht, anderen eine Freude zu machen, sollte man es wenigstens versuchen.

Offensichtlich ausgedachte Weihnachtsgeschichten sind manchmal einfach lustig, weil sie banal oder falsch sind und man die richtige Geschichte schon kennt. Zum Beispiel weiß vermutlich jedes Kind, das die Nikolaus-Geschichte in der Schule durchgenommen hat, dass wir nicht Nikolaus feiern, weil ein kleiner Junge Namens Nikolaus plötzlich Lust hatte, Socken mit Nüssen zu verteilen. Durch ihr Vorwissen werden sie die Geschichte “Warum wir Nikolaus feiern” vermutlich lustig finden und Einspruch erheben. Zusätzlich haben wir ein paar Fritzchen-Witze verändert und hinzugefügt, damit sie lang genug sind, um sie als kurze Weihnachtsgeschichte erzählen zu können.

Die kleine Pia schreibt ans Christkind

Diese kurze Geschichte handelt von der kleinen Pia aus der ersten Klasse, die gerade dabei ist, richtig Lesen und besser Schreiben zu lernen. In einem Brief versucht sie mit kindlichem Charme, das Christkind davon zu überzeugen, dass dieses Jahr mehr als einer ihrer Wünsche in Erfüllung geht. Der Brief eignet sich zum Vorlesen, als kurze lustige Geschichte oder als Lernübung, wenn das Kind schon lesen kann. Es kann versuchen, die Rechtschreibfehler in Pias Brief zu finden und zu berichtigen.

Liebes Christkindchen,

hir ist Pia. Ich habe ein par große und ein par kleine Fünsche dieses Jar. Mama sagt man sol immer bescheiden sein aber es ist fichtig, deswegen müssen es dieses Jar mehrere Fünsche sein. Ich war auch ganz brav und atig, hab immer aufgegessen und auch das Gemüse! Sogar den Spinaat den ich eigentlich ga nicht mag.

Ich hab meiner Schfester meine Schpielsachen geben und ich hab nur zwei Gläser zerbrochen. Wi du sihst, war ich also ekstra forsichtig, sonst zerbreche ich mindestensfünf. Ja und ich hab auch nichts haimlich im Fernsehn angekuckt und habe nur zwei mal geweint beim Eikaufen weil Mama mir nichts kaufen wollte. Sonst waine ich mindestens zen mal im Jahr deswegn.

Also bitte bitte bitte erfül mir meine Fünsche. Ich verspreche ich lerne dann auch besser lesen und schraiben. Ich weis ich muss noch fiel lernen aber das werde ich auch im neuen Jar. das ist mein guter Forsatz fürs neue Jar wie es die Erwachsenen immer sagen.

Meine großen Fünsche sind:
Das Oma und Opa im nächsten Jar gesund bleiben
Das Mama und Papa sich ga nicht und nie wieder streiten
Ein Teblet oder Kompjuter

Meine kleinen Fünsche sind:
Das meine Prinzessin Elsa Babie nie Kaput get
Das mein Hamster sein Futter leker findet obwohl es eklig ausieht
Das ich kein Spinaat mer essen muss

Ich hab dich lieb
deine Pia

(Malin Poggemann)

Warum wir Nikolaus feiern

In einem kleinen Dörfchen lebte ein kleiner Junge namens Nikolaus, der zog immer am sechsten Dezember von Haus zu Haus und brachte jedem eine gestrickte Socke voll mit Nüssen, denn seine Familie hatte einen Haselnussbaum im Garten stehen und seine Mutter strickte gern.

Freundlich und gütig wie er war, hielt er es für seine Pflicht, die Menschen einmal im Jahr an der reichen Ernte teilhaben zu lassen. Er wählte den sechsten Dezember aus, weil an diesem Tag sein Esel Geburtstag hatte und er auch ihm einen vollen Strumpf schenken wollte.

Ein Junge aus dem Nachbardorf hörte von der Geschichte des kleinen Nikolaus. Er fand, dass Nikolaus mit seiner Idee recht hatte und begann ebenfalls am sechsten Dezember einige Strümpfe zu verteilen. Wenn jemand ihn fragte, warum er das tat, sagte er: Heute ist Nikolaustag, da verteilt man Strümpfe mit Leckereien drin. Als dem Jungen aber die Strümpfe ausgingen und einige Leute deshalb nichts bekommen hatten, fingen sie an ihre eigenen Strümpfe an die Tür zu hängen und hofften, dass sie später etwas darin finden würden.

Und so entstand die Tradition, dass am Nikolaustag, dem sechsten Dezember, die Socken aufgehangen und mit Leckereien befüllt werden. Bis heute freuen sich alle Kinder über diesen Brauch und der kleine Nikolaus hat mit seiner Freundlichkeit und Güte vielen Familien eine Freude bereitet.

(Malin Poggemann)

Engelchen und Bengelchen

Immer zu Weihnachten erschienen dem kleinen Peter zwei niedliche Gestalten auf den Schultern. Sie sahen aus wie kleine Zwerge, hatten beide eine Latzhose an und einen langen braunen Bart. Der eine trug eine weiße Mütze und hieß Engelchen. Er sagte, er sei hier, um Gutes zu vollbringen und dem kleinen Peter zu helfen, das Richtige zu tun. Der andere hieß Bengelchen, trug eine rote Mütze und sagte, er würde Peters Wünsche nur erfüllen wollen, um ihn glücklich zu machen.

Engelchen und Bengelchen kamen Jahr für Jahr in derselben Situation: Peter hatte überlegt die Geschenke zu suchen, die der Weihnachtsmann versteckt hatte. Irgendwo in der Wohnung mussten sie doch sein. Er könne sie doch unmöglich alle an einem Abend ausliefern. Peter war fest davon überzeugt, dass der Weihnachtsmann schon das ganze Jahr über die Geschenke in den Häusern versteckte und die Eltern sie an Heiligabend dann nur noch unter den Tannenbaum legten.

Jedes Jahr, unmittelbar bevor er seine Suche starten wollte, erschienen ihm die beiden Zwerge und zankten miteinander. Doch in diesem Jahr schien Bengelchen überzeugender zu sein. Warum sollte Peter die Geschenke auch nicht vorher sehen dürfen, seine Eltern dürften sie schließlich auch sehen. Also lief er los, während Bengelchen ihm ins Ohr flüsterte, wo sie versteckt sein könnten.

Engelchen appellierte an seine Vernunft und schrie: “Peter, deine Eltern werden wahnsinnig enttäuscht von dir sein! Und wenn sie traurig sind, bist du auch traurig. Du wirst keine Überraschung mehr haben und es wird dir schwer fallen zu verstecken, dass du schon weißt, was du bekommst. Hör auf meine Worte, du bist doch ein lieber Junge, Peter.”

Peter ahnte, dass das Engelchen recht haben könnte. Er würde sein schlechtes Gewissen ja doch nicht verstecken können. Es würde wie bei seinem Hund Pompom sein, der immer seinen ‘unschuldigen’ Blick aufsetzte, nachdem er verbotenerweise auf der Couch gelegen hatte. Seine vielen Haare auf den Kissen ließen ihn ohnehin auffliegen, doch trotzdem hatte er ein schlechtes Gewissen, das nicht zu übersehen war.

Bengelchen wagte einen letzten Versuch: “Peter, wenn du die Geschenke nicht findest, wirst du bis Weihnachten nicht herausfinden, ob du die Rennbahn bekommst, die du dir so sehr gewünscht hast.” Doch Peter dachte sich: “Selbst wenn ich die Rennbahn nicht bekomme, könnte ich mich nicht darüber beschweren. Dann wüssten meine Eltern, dass ich nach den Geschenken gesucht habe. Nein, das geht einfach nicht.”

Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und schnipste Bengelchen einfach von seiner Schulter, so dass er endlich still war. Engelchen lobte ihn für seine Entscheidung und Peter war erleichtert, denn im selben Moment riefen seine Eltern ihn zu seinem Lieblingsessen nach unten. Er hätte sein schlechtes Gewissen niemals verbergen können, dazu hatte er seine Eltern einfach zu lieb.

Als er runter kam hörte er sie flüstern: “Sag mal Schatz, hast du schon Geschenke für Peter?” – “Ne, der wünscht sich doch eh jeden Tag was anderes.”

(Malin Poggemann)

15.

Und wieder nun lässt aus dem Dunkeln
Die Weihnacht ihre Sterne funkeln!
Die Engel im Himmel hört man sich küssen
Und die ganze Welt riecht nach Pfeffernüssen …

So heimlich war es die letzten Wochen,
Die Häuser nach Mehl und Honig rochen,
Die Dächer lagen dick verschneit
Und fern, noch fern schien die schöne Zeit.
Man dachte an sie kaum dann und wann.
Mutter teigte die Kuchen an
Und Vater, dem mehr der Lehnstuhl taugte,
Sass daneben und las und rauchte.
Da plötzlich, eh man sich’s versah,
Mit einem Mal war sie wieder da.

Mitten im Zimmer steht nun der Baum!

Man reibt sich die Augen und glaubt es kaum …
Die Ketten schaukeln, die Lichter wehn,
Herrgott, was giebt’s da nicht alles zu sehn!
Die kleinen Kügelchen und hier
Die niedlichen Krönchen aus Goldpapier!
Und an all den grünen, glitzernden Schnürchen
All die unzähligen, kleinen Figürchen:
Mohren, Schlittschuhläufer und Schwälbchen,
Elephanten und kleine Kälbchen,
Schornsteinfeger und trommelnde Hasen,
Dicke Kerle mit rothen Nasen,
Reiche Hunde und arme Schlucker
Und Alles, Alles aus purem Zucker!

Ein alter Herr mit weissen Bäffchen
Hängt grade unter einem Aeffchen.
Und hier gar schält sich aus seinem Ei
Ein kleiner, geflügelter Nackedei.
Und oben, oben erst in der Krone!!
Da hängt eine wirkliche, gelbe Kanone
Und ein Husarenleutnant mit silbernen Tressen –
Ich glaube wahrhaftig, man kann ihn essen!

In den offenen Mäulerchen ihre Finger,
Stehn um den Tisch die kleinen Dinger,
Und um die Wette mit den Kerzen
Puppern vor Freuden ihre Herzen.
Ihre grossen, blauen Augen leuchten,
Indess die unsern sich leise feuchten.
Wir sind ja leider schon längst »erwachsen«,
Uns dreht sich die Welt um andre Achsen

Und zwar zumeist um unser Büreau.
Ach, nicht wie früher mehr macht uns froh
Aus Zinkblech eine Eisenbahn,
Ein kleines Schweinchen aus Marzipan.
Eine Blechtrompete gefiel uns einst sehr,
Der Reichstag interessirt uns heut mehr;
Auch sind wir verliebt in die Regeldetri
Und spielen natürlich auch Lotterie.
Uns quälen tausend Siebensachen.
Mit einem Wort, um es kurz zu machen,
Wir sind grosse, verständige, vernünftige Leute!

Nur eben heute nicht, heute, heute!

Ueber uns kommt es wie ein Traum,

Ist nicht die Welt heut ein einziger Baum,
An dem Millionen Kerzen schaukeln?
Alte Erinnerungen gaukeln
Aus fernen Zeiten an uns vorüber
Und jede klagt: Hinüber, hinüber!
Und ein altes Lied fällt uns wieder ein:
O selig, o selig, ein Kind noch zu sei.

(Arno Holz)

Fritzchen hat es eilig

Fritzchen kommt einen Tag vor Weihnachten von der Schule und rennt ziellos durch die Wohnung, hin und her, hin und her. Am nächsten Tag verschlang er das Weihnachtsessen, sodass er sich fast verschluckte. Er riss seine Geschenke auf und las die Karten vor – so schnell wie noch nie. Die Mutter fragte entsetzt: “Mein Gott Fritzchen, was machst du denn da?” – Fritzchen antwortete empört: “Mama, es ist doch der eilige Abend! Warum bist du so langsam?”

Fritzchen bekommt eine Spielzeugeisenbahn

An Weihnachten bekommt Fritzchen eine Spielzeugeisenbahn. Er baut sie sofort auf, zieht sich eine Mütze an und ruft: „Hamburger Hauptbahnhof, Hamburger Hauptbahnhof – kleine Schweine links einsteigen, große Schweine rechts einsteigen.“ Schnell kommt seine Mutter aus der Küche gelaufen: „Das sagt man nicht, Fritzchen. Zur Strafe gehst du jetzt eine Stunde in dein Zimmer!“ Nach einer Stunde kommt Fritzchen aus seinem Zimmer zurück, geht an die Eisenbahn und ruft: „Hamburger Hauptbahnhof, Hamburger Hauptbahnhof – kleine Schweine links einsteigen, große Schweine rechts einsteigen und wegen dem Meckerschwein aus der Küche haben wir eine Stunde Verspätung.“

Fritzchen wünscht sich ein Pony

Fritzchen hat sich schon immer ein Pony gewünscht, doch sich niemals getraut zu fragen. Einen Monat vor Weihnachten nahm er dann seinen ganzen Mut zusammen und sagte bestimmt zu seiner Mutter: “Mama, ich will ein Pony!”

Die Mutter, die manchmal ein paar Probleme mit der deutschen Sprache hatte, stimmte sofort zu. Das kam selbst Fritzchen verdächtig vor. Dennoch ging er mit als seine Mutter sagte: “Komm Fritzchen, du bekommst jetzt ein Pony!”

Beim Friseur angelangt, sagte die Mutter: “Der Junge möchte ein Pony.” Fritzchen hatte schon oft merkwürdige Menschen getroffen. Vielleicht hatte die Friseurin ja einen Ponyhof und verkaufte Ponys. Dann machte die Friseurin den ersten Schnitt…

Fritzchens Strafe

Fritzchen und sein Vater diskutierten darüber, wer bei Monopoly gewonnen hätte, wenn sie die Nerven hätten, das endlose Spiel weiterzuspielen. Fritzchen sagte plötzlich: “Hä, bist du blöd, ich hätte gewonnen.” Der Vater blickte auf einmal ernster als vorher und sagte in strengem Ton: “Du gehst jetzt eine Minute raus in die Kälte, damit du siehst, was du davon hast, wenn du so mit mir umgehst.”

Fritzchen gehorchte. Nach 10 Sekunden wurde ihm zu kalt und er meckerte und zeterte und rief: “Mama wird böse auf dich sein, wenn ich Weihnachten plötzlich krank bin. Dann sag ich, es ist alles deine Schuld, weil du mich ausgesperrt hast.” Dem Vater dämmerte plötzlich, dass seine Frau ihm tatsächlich Ärger machen könnte und öffnete die Haustür. “Okay Fritzchen, das genügt, komm wieder rein.”

Fritzchen rannte so schnell er konnte ins Haus und gab seinem Vater von hinten einen Schubs, sodass er nun draußen stand. Er schlug die Tür zu und rief: “Jetzt siehst du, was du davon hast, wenn du so mit mir umgehst.”

Fritzchen sucht Geschenke aus

Fritzchen geht mit seinem Papa in einen Laden, Geschenke für Weihnachten besorgen. Er ging mutig zur Verkäuferin und sagte: “Ich suche ein Geschenk, das zu meiner Oma passt.” Die Verkäuferin sagte: “Was fällt dir denn als erstes ein, wenn du an deine Oma denkst? Vielleicht findest du so ein passendes Geschenk.” Fritzchen sagte: “Ja, ich weiß, einen Faltenrock! Danke liebe Verkäuferin, Papa besorge ich eine Bauchtänzerin und ihnen kaufe ich Nasenspray.”

Fritzchen und seine Oma

Fritzchen und seine Oma haben sich immer gut verstanden. Sie sprachen oft über Weihnachten und die liebe Oma schenkte ihm immer, was er sich wünschte. Oft war es Spielzeug und die Oma wollte, dass er dieses Jahr mal etwas zum Lesen bekommt.

Oma: “Fritzchen, mein Liebling, ich schenke dir dieses Jahr ein Buch. Du darfst dir irgendeins aussuchen, egal welches.”

Fritzchen: “Wow, cool, Oma. Darf ich mir auch eins aussuchen, was dir gehört?”

Oma: “Aber selbstverständlich. Wenn es dich nicht stört, dass es gebraucht ist.”

Fritzchen: “Ach nein, das stört mich nicht, Omilein.”

Oma: “Okay Fritzchen, welches darf es sein?”

Fritzchen: “Dein Sparbuch.”

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