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Polemik: Definition, 5 Merkmale & 10 Beispiele

Polemik ist eine angriffslustige Ausdrucksform, die auch auch mal persönlich werden kann. Polemiker vertreten eine klare Meinung und scheuen sich nicht, andere zu kritisieren. Wir haben alles Wissenswerte über die Ausdrucksform, wichtige Merkmale und Beispiele.

Noch bis ins 19. Jahrhundert verstanden die Menschen unter Polemik die Kunst des Streitens. Wer gut argumentieren und diskutieren konnte, galt als rhetorisch talentierter und eloquenter Redner.

Heute werden Aussagen als polemisch bezeichnet, wenn sie jemanden persönlich angreifen und auf unsachliche Art und Weise argumentieren.

Wissenswertes über Polemik

Der Begriff “Polemik” lässt sich von den griechischen Wörtern für “feindselig” und “Streit” ableiten. Wir verraten dir im Folgenden die genaue Bedeutung des Begriffs und differenzieren ihn von den ähnlichen Bereichen der Satire und der Parodie.

Definition: Was Polemik ist

Definition: Was Polemik ist

Die Polemik ist ein unsachlicher Angriff, oft auf persönlicher Ebene. Es geht darum, die Argumente seines Gegenübers zu schwächen und die eigenen Argumente überzeugend durchzusetzen.

Anstelle einer Einigung am Ende oder der Abwägung von Pro und Contra Argumenten, geht es darum, als Gewinnerin oder Gewinner aus der Diskussion hervorzugehen. Heute würde es auch bedeuten, seine eigene Meinung in einem Streit durchzusetzen.

Polemiker sind auf Konfrontation aus. Sie haben kein Verständnis für die Meinung oder das Verhalten ihres Gegners und machen dabei auch keinen Halt vor Anmerkungen über sein Privatleben, um seine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen.

Oft finden sich polemische Texte oder Gespräche in den Bereichen der Politik, Religion, Philosophie, Literatur und Kunst.

“Wenn Verstand und Unverstand sich berühren, so gibt es einen elektrischen Schlag. Das nennt man Polemik.”
(Friedrich von Schlegel)

Was "polemisch" bedeutet

Das Wort “polemisch” ist schlicht das Adjektiv von “Polemik”. Argumentiert jemand polemisch, könnten synonym auch die Begriffe “scharf”, “unsachlich”, “feindselig” oder “angriffslustig” verwendet werden.

Beispiel: “Das Essay des Autors trägt polemische Züge, da er sich abfällig gegenüber Kollegen äußerte, die strenge formale Vorgaben einhalten.”

Polemisieren

Das Verb “polemisieren” bedeutet gegen jemanden polemisch zu agieren. Das heißt: jemanden anzugreifen, zu beschuldigen oder zu bekämpfen.

Beispiel: “Der Autor polemisierte gegen die strenge Einhaltung literarischer Formvorgaben.”

Überschneidungen mit Satire und Parodie

Überschneidungen mit Satire und Parodie

Satire ist eine Kunstform, mit der Aufmerksamkeit erregt und kritisiert wird. Sie findet sich in Form von Texten, Filmen, Radiobeiträgen, Fernsehshows, Social Media Postings oder Comedy.

Satire verwendet ebenfalls Ironie und Sarkasmus. Sie ist im Vergleich zur Polemik aber kein Meinungsstreit. Außerdem ist ihr prägnantestes Merkmal ihre Komik. Satire kritisiert auf humoristische Art und Weise. Polemik könnte auch Witz in die Argumentation hineinbringen, es ist aber kein Hauptmerkmal dieses Genres.

Die Parodie ahmt eine Person oder einen Sachverhalt auf überzogene Art und Weise nach, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Dabei kann sie wie die Polemik unsachlich und angriffslustig sein, aber auch wie die Satire humorvoll und lustig. Ein großer Unterschied zur Parodie ist aber, dass Polemik nicht nachahmt, sondern explizit argumentiert.

Geschichte der Streitkunst

Bereits in der Spätantike des vierten und fünften Jahrhunderts gab es christliche Autoren von kontroversen Diskussionen. Sie richteten sich gegen Ungläubige und andere Glaubensrichtungen abseits des Christentums.

Dazu gehörten beispielsweise die Kirchenlehrer (auch Kirchenväter genannt) Irenäus von Lyon (etwa 135–200 n. Chr.) und Hieronymus (347–420 n. Chr.). Auch im Mittelalter gab es viele polemische Schriften, die die Gegner des Christentums angriffen und ihre Glaubenssätze verteidigten.

Im 18. Jahrhundert erreichte diese Ausdrucksform schließlich ihren Höhepunkt. Gelehrte verfassten Polemiken zu den unterschiedlichsten Themen, bei denen es darum ging, den Gegner mit möglichst gehobener Wortwahl zu verletzen und seine Argumente zu entkräften.

In der Antike gab es auch rhetorische Duelle, die mündlich ausgetragen wurden. Später und vor allem heute findet man ausführliche Polemiken größtenteils in schriftlicher Form. Polemische Aussagen und spitze Bemerkungen über andere werden hingegen ständig und überall getroffen – vor allem in den Medien und im politischen Bereich.

Neben der Politik gibt es Polemiken auch auf literarischer oder wissenschaftlicher Ebene. Religion ist weiterhin ein Thema; das direkte Angreifen von Atheisten oder anderen Glaubensrichtungen – wie es in der Antike und dem Mittelalter der Fall war – gibt es hingegen nicht mehr so oft.

Polemischer Nihilismus

Polemischer Nihilismus

Zur Zeit des Vormärz im 19. Jahrhundert sprach man polemisch von Nihilismus, wenn die Kirche, die Religion oder die Politik kritisiert wurden.

Der christliche Glaube ließ nach und der Drang nach einer neuen politischen Ordnung war groß. Anhängerinnen und Anhänger dieser Überzeugungen wurden als Nihilisten bezeichnet. Nihilismus meint nach Nietzsche den Glauben daran, dass es keine absoluten Wahrheiten gibt und die Menschen niemals wissen können, was wirklich wahr ist.

Daraus ergibt sich die Überzeugung, dass alles im Prinzip nichtig ist – und alles, was wir tun und sagen, wertlos und sinnlos ist.

Der Oberbegriff für diese pessimistische Perspektive wurde verächtlich in der Polemik des 19. Jahrhunderts für Zweifelnde und Kritisierende des bestehenden Systems gebraucht, um ihre Argumente zu entkräften.

Merkmale der Polemik

In diesem Kapitel haben wir die fünf wichtigsten Merkmale der Polemik für dich zusammengestellt. So erkennst du sie in literarischen Werken und es fällt dir leichter, sie zu analysieren und zu interpretieren.

Auch wenn Polemik einen eher negativen Ruf hat, da sie nicht sachlich argumentiert, ist sie zumindest ehrlich und offen. Sie kann Witz haben und Verdecktes ans Licht bringen, aber auch unfair und aggressiv sein.

“Dem Volk sollte die Satire und die Kritik erlaubt sein: Der verborgene Hass ist gefährlicher als der ersichtliche.”
(Denis Diderot)

Polemische Gegenparts

In einem polemischen Streitgespräch treffen Proponent und Opponent aufeinander. Hierbei behauptet der Proponent etwas, beziehungsweise stellt eine These auf. Der Opponent – meist die Polemikerin oder der Polemiker – argumentiert gegen diese Behauptung.

Polemische Fragen

Polemische Fragen

Anstelle einer These, die in den Raum zur Diskussion gestellt wird, gibt es auch sogenannte polemische Fragen. Bei der Beantwortung dieser Fragen geht es darum, eigene Argumente zu bekräftigen und mögliche Gegenargumente zu entkräften.

Stilmittel der Polemik

Ein rhetorisches Mittel der Polemik ist die Wiederholung (Repetitio). Hierbei werden Phrasen oder Sätze immer wieder erwähnt, um ihre Aussagen zu verstärken und sie den Adressierten ins Bewusstsein zu rufen. Weitere Stilmittel sind:

Die Hauptstilmittel polemischer Werke und Gespräche sind allerdings Ironie und Sarkasmus. Sie heben das “argumentum ad hominem” (Argumentation gegen den Menschen) auf die persönliche Ebene, demaskieren die Gegnerin oder den Gegner und stellen diese Person bloß. Außerdem sind sie es, die einen polemischen Text unterhaltsam machen.

Funktionen und Ziele der Polemik

Auch wenn Polemik durchaus unterhaltsam sein kann und im 18. und 19. Jahrhundert schon fast als Freizeitbeschäftigung durchging, ist ihr Ziel nicht die Unterhaltung.

Es geht darum, so viele Argumente gegen die Gegnerin oder den Gegner aufzufahren, damit am Ende die Überzeugungskraft der eigenen Position überwiegt. In der Rhetorik bezeichnet man ein solches Streitgespräch als “Disputation”.

Grenzen der Polemik

Grenzen der Polemik

Im Prinzip kennt die Polemik keine Grenzen. Da sie persönlich wird und nicht sachlich bleibt, kann sie theoretisch sogar den Ruf des Proponenten zerstören. Sie könnte zum Beispiel private Geheimnisse lüften oder Behauptungen anstellen. Hierin unterscheidet sich die Polemik stark von der Satire, die sich stets an Fakten orientiert.

Letztendlich muss jede Polemikerin und jeder Polemiker für sich selbst entscheiden, wo die Grenze gezogen wird und wie persönlich es werden darf.

Das Wichtigste ist, die eigenen moralischen Grundsätze im Hinterkopf zu behalten. Es sollte nie aus Böswilligkeit gegen eine Person argumentiert werden, sondern nur, um die eigene Meinung zu vertreten.

Beispiele für Polemik

In diesem Kapitel findest du Beispiele für polemische Aussagen und Sprüche. Sie richten sich gegen eine bestimmte Meinung oder greifen Personen auf persönlicher Ebene an. Ein Beispiel ist dieses Zitat von Benjamin Franklin:

“Wer im Leben selbst kein Ziel hat, kann wenigstens das Vorankommen der anderen stören.“

Mit dieser sarkastischen Bemerkung könntest du in einer Diskussion gleichzeitig den Beruf oder das Privatleben deiner Gegnerin oder deines Gegners abwerten und ihn beschuldigen, anderen Menschen dabei auch noch im Weg zu stehen.

“Ehe: die einzige wirkliche Leibeigenschaft, die das Gesetz kennt.“
(John Stuart Mill)

“Wenn jeder seine Talente entfalten würde, wäre es allzu laut auf der Welt.“
(Richard Wagner)

“Wer im Leben selbst kein Ziel hat, kann wenigstens das Vorankommen der anderen stören.“
(Benjamin Franklin)

“Dummheit ist auch eine natürliche Begabung.“
(Wilhelm Busch)

“Was jedermanns Angelegenheit ist, geht keinen etwas an – ausgenommen die Journalisten.“
(Joseph Pulitzer)

Gotthold Ephraim Lessing: Ästhetische Schriften

Der Polemiker Gotthold Ephraim Lessing

Der Dichter und Polemiker Gotthold Ephraim Lessing lebte zur Zeit der Aufklärung von 1729 bis 1781. Ein wichtiges Merkmal des Autors ist sein ironischer und polemischer Schreibstil, der sich vor allem in seinen “Ästhetischen Schriften” (bis 1777) findet.

In diesen argumentiert er gegen die strengen formalen Regeln der französischen Tragödie und ihren Vertreter Johann Christoph Gottsched. Bekannt war Lessing vor allem durch seine journalistischen Theaterkritiken, aber auch durch polemische Fragen in den Bereichen Kunst, Archäologie und Theologie.

Hier ein paar Beispiele für polemische Aussagen von Lessing:

An den Salomon

Hochweiser Salomon! dein Spruch,
»Daß unter Tausenden kein gutes Weib zu finden«,
Gehört – gerad' heraus – zu deinen Zungensünden;
Und jeder Fluch ist minder Fluch,
Als dieser schöne Sittenspruch.
Wer sie bei Tausenden will auf die Probe nehmen,
Wie du getan, hochweiser Mann,
Muß sich bei Tausenden der Probe freilich schämen,
Wird drüber wild, und lästert dann.

(Gotthold Ephraim Lessing an Salomon Gessner)

Es ist einem jeden vergönnt, seinen eigenen Geschmack zu haben; und es ist rühmlich, sich von seinem eigenen Geschmacke Rechenschaft zu geben.
(Gotthold Ephraim Lessing)

Die Gabe, sich widersprechen zu lassen, ist wohl überhaupt eine Gabe, die unter den Gelehrten nur die Toten haben.
(Gotthold Ephraim Lessing)

Ich will doch sehn, wer mich hält, – wer mich zwingt, – wer der Mensch ist, der einen Menschen zwingen kann.
(Gotthold Ephraim Lessing)

Ein Mann, der Unwahrheit unter entgegengesetzter Überzeugung in guter Absicht ebenso scharfsinnig als bescheiden durchzusetzen sucht, ist unendlich mehr wert als ein Mann, der die beste, edelste Wahrheit aus Vorurteil, mit Verschreiung seiner Gegner, auf alltägliche Weise verteidigt.
(Gotthold Ephraim Lessing)

Heinrich Heine: Die romantische Schule

Der Polemiker Heinrich Heine

Ein bekannter Polemiker des Vormärz war Heinrich Heine (1797–1856). Seine kritischen Essays und Satiren spiegelten die revolutionäre Stimmung dieser Literaturepoche wider.

“Die romantische Schule” von Heine wurde in drei Büchern ab 1836 veröffentlicht. Diese Polemiken waren eine Reaktion auf das in Frankreich erschaffene Bild der schönen neuen Literatur in Deutschland zur Zeit der Romantik.

Heine betonte die negativen Aspekte der romantischen Bewegung und ihrer Anhänger. Er kritisierte Goethe auf menschlicher, nicht aber auf fachlicher oder literarischer Ebene.

Anderen zeitgenössische Schriftsteller wie Novalis, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck oder Achim von Arnim warf er vor, sich zum christlichen Mittelalter zurück zu entwickeln und die Literatur wieder in den “alten Geisteskerker” zu stecken.

Hier noch ein paar Beispiele für polemische Aussagen Heinrich Heines:

“Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie.“
(Heinrich Heine)

“Als ob die Freiheit nicht ebensogut eine Religion wäre als jede andere.”
(Heinrich Heine)

“Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.“
(Heinrich Heine)

“Charakteristisch ist es, daß unseren deutschen Schelmen immer eine gewisse Sentimentalität anklebt. Sie sind keine kalten Verstandesspitzbuben, sondern Schufte von Gefühl.”
(Heinrich Heine)

“Brotloseste der Künste, Poesie!”
(Heinrich Heine)

Sprüche über Polemik

Sprüche über Polemik

Für ein noch besseres Verständnis darüber, was Polemik ist, haben wir noch einige Zitate und Sprüche über die Kunst des Streitens für dich.

Sie definieren polemische Auseinandersetzungen und urteilen unter anderem kritisch über dieses Genre. Goethe war beispielsweise nicht gern polemisch, auch wenn er ab und an von Polemikern angegriffen wurde.

Polemik

Der Erste hat das Haar gespalten,
Und einen Vortrag darüber gehalten;
Der Zweite fügt es neu zusammen
Und muß die Ansicht des Ersten verdammen;
Im Buche des Dritten kann man lesen,
Es sei nicht das richtige Haar gewesen.

(Ludwig Fulda)

Allein im Grunde ist alles polemische Wirken gegen meine eigentliche Natur, und ich habe daran wenig Freude.
(Johann Wolfgang von Goethe) 

Willst du dich in der Kunst der Polemik ausbilden?
Heirate!
(Otto Weiß)

Polemik soll den Gegner um seine Seelenruhe bringen,
nicht ihn belästigen.
(Karl Kraus)

Alle Polemik ist unkünstlerisch.
(Jakob Bosshart)

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