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Hypotaxe: Wirkung & 6+1 Beispiele für Schachtelsätze

Bei der Hypotaxe handelt es sich um ein Satzgefüge aus Haupt- und Nebensatz. Welche Wirkung sie als Stilmittel hat, worin der Unterschied zur Parataxe besteht und wodurch sich ein hypotaktischer Satzbau auszeichnet, erfährst du in diesem Artikel mit hilfreichen Beispielen.

Sowohl die Hypotaxe als auch die Parataxe kommen eher weniger in der gesprochenen Sprache vor. Als Stilmittel sind sie in verschiedenen Arten von Texten zu finden.

Wissenswertes über die Hypotaxe

Wissenswertes über die Hypotaxe

Das Wort Hypotaxe (englisch: "hypotaxis") setzt sich aus den griechischen Wörtern "hypo" und "táxis" ab und bedeutet so viel wie "Unterordnung".

Als Hypotaxe bezeichnen wir in der Grammatik also die Unterordnung von Nebensätzen zu Hauptsätzen – sie beschreibt demnach das Verhältnis von beiden Satzarten zueinander.

Hauptsätze sind eigenständige Sätze und können auch für sich selbst stehen. Im Gegensatz dazu können Nebensätze nicht für sich alleine stehen, daher musst du sie einem Hauptsatz unterordnen.

Diese Strukturen eines Satzes sind auch als Satzgefüge bekannt. Die Verbindung von zwei oder mehreren Hauptsätzen wird hingegen Satzreihe genannt. Folgende Beispiele verdeutlichen den Unterschied:

  1. Satzreihe: Alfred isst einen Pfannkuchen, seine Freunde essen Schnitzel.
  2. Satzgefüge: Alfred isst einen Pfannkuchen, weil er großen Hunger hat.

Übrigens: Eine Hypotaxe liegt nur vor, wenn der Nebensatz eine grammatische Funktion in Bezug auf den übergeordneten Satz hat.

Unterschied zur Parataxe

Das Wort Parataxe stammt von dem griechischen Wort "parátaxis" und bedeutet so viel wie "Nebenordnung". Im Gegensatz zur Hypotaxe beschreibt die Parataxe eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen.

Die Verbindung der eigenständigen Sätze erfolgt beispielsweise durch Kommata, Gedankenstriche aber auch durch Semikola. Meist sind die Hauptsätze mit Konjunktionen (Bindewörtern) verbunden.

Den parataktischen Satzbau findest du vor allem in volkstümlichen Dichtungen, da die Autoren oftmals auf Konjunktionen verzichtet haben.

Er beschleunigt den Fluss der Erzählung und ist deswegen auch als Staccato-Stil bekannt. Das Staccato beschreibt eine musikalische Art der Artikulation, bei der die Musizierenden die Noten nur sehr kurz spielen. Dadurch klingen die Töne "abgehackt".

Mehr zu den Unterschieden von Parataxe und Hypotaxe findest du hier.

Haupt- und Nebensatz erkennen

Haupt- und Nebensatz erkennen

In der deutschen Schriftsprache existieren zwei Arten von Sätzen: einfache und komplexe. Ein einfacher Satz verfügt über ein finites Verb (Die Kinder bauen eine Sandburg.).

Komplexe Sätze haben hingegen mehr als ein finites Verb (Die Kinder bauen eine Sandburg und genießen die Sonne.).

Bei den komplexen Satzarten unterscheiden wir dann zwischen zwei unterschiedlichen Arten.

Einerseits kannst du die gleichberechtigten Hauptsätze aneinanderreihen (Parataxe) oder andererseits kannst du auch einen Hauptsatz auswählen, von dem ein oder mehrere Nebensätze abhängig sind (Hypotaxe).

Generell unterscheiden sich Haupt- und Nebensätze durch die Stellung des konjugierten Verbs
(gebeugtes Tuwort). Die unterschiedlichen Satzarten erkennst du also an ihrer Position:

Im Hauptsatz steht das konjugierte Verb an zweiter Stelle.
Im Nebensatz hingegen steht es an der letzten Position.

Beispiel: Sie geht in die Bäckerei, weil sie dort ein Brötchen kaufen möchte.

Parenthese

Die Parenthese ist eine Sonderform des komplexen Satzes. Genauer gesagt, ist sie ein grammatisch selbstständiger Einschub in einem Satz.

Der Einschub unterbricht den Zusammenhang des Satzes, jedoch ohne die syntaktische Ordnung zu verändern. Der Einschub hebt sich beispielsweise durch Gedankenstriche oder Klammern ab.

Beispiel: Heute gehe ich – wie ich gestern bereits gesagt habe – um 18 Uhr ins Kino.

Hypotaktischen Satzbau erkennen

Schachtelsatz: Hypotaktischen Satzbau erkennen

Ein hypotaktischer Satzbau zeichnet sich durch die Beziehung zwischen zwei oder mehreren Sätzen aus. So kannst du oftmals an unterordnenden Konjunktionen erkennen, ob es sich um eine Hypotaxe handelt.

Beispiele für solche Konjunktionen sind:

  • nachdem
  • obwohl
  • dass
  • weil
  • sofern
  • dadurch
  • während

Auch sind Relativpronomen wie der, die oder das typisch für eine Hypotaxe. Wichtig ist zudem auch, dass der Nebensatz vom Hauptsatz abhängig ist und nicht alleine stehen kann. Außerdem erkennst du die Hypotaxe an den sehr langen, verschachtelten Sätzen (Schachtelsätze). Die sogenannten Bandwurmsätze scheinen also nie zu enden.

Hypotaxe als Stilmittel

Treten in einem Text mehrere Hypotaxen auf, liegt die Hypotaxe als Stilmittel vor. Dann ist die Rede von dem sogenannten hypotaktischen Stil.

Hier ein Beispiel aus dem Werk "Bunte Stifte" von dem österreichischen Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter aus dem Jahr 1853:

"Nun, sage mir doch auch einmal, wie es denn geschehen ist, daß du mit so vieler Wagenschmiere zusammengeraten bist, daß nicht nur deine ganzen Höschen voll Pech sind, daß deine Füße voll waren, daß ein Pechfleck in dem Vorhause ist, mit Pech besudelte Ruten herumliegen, sondern daß auch im ganzen Hause, wo man nur immer hinkömmt, Flecken von Wagenschmiere anzutreffen sind."

Stilmittel

Nachfolgend findest du Ratgeberartikel zu Definition, Wirkung und Beispielen für weitere häufig genutzte rhetorische Mittel in der Literatur:

Schachtelsätze: Beispiele für Hypotaxen

Schachtelsätze: Beispiele für Hypotaxen

Der folgende Auszug aus "Der kleine Nick" von dem französischen Comicautor René Goscinny besteht aus sehr vielen Schachtelsätzen und stellt damit ein gutes Beispiel für den hypotaktischen Satzbau dar.

Die Bandwurmsätze veranschaulichen das Gedankenkarussell des Protagonisten Nick sehr gut.

" … Oder die Lehrerin schickt mich nach Hause, das ist ganz schlimm, nämlich dann geht’s los: Mama sagt, ich mach ihr nichts als Kummer, und Papa sagt, als er so alt war wie ich, da war er ein Vorbild für seine kleinen Mitschüler und dafür schuftet er sich die Seele aus dem Leib, um mir eine gute Erziehung zu geben, und es nimmt noch ein schlimmes Ende mit mir, und jede Woche einmal ins Kino – damit ist erst mal Schluss."

Der deutsche Lyriker und Publizist Heinrich von Kleist ist für den Einsatz von Schachtelsätzen bekannt. Seine Novelle "Der Findling" aus dem Jahr 1811 ist ein Labyrinth aus Hypotaxen:

"Er unterhandelte noch, in der ersten Station, mit den Wirtsleuten, über die Art und Weise, wie er seiner wieder los werden könne: als er schon auf Befehl der Polizei, welche davon Wind bekommen hatte, arretiert und unter einer Bedeckung, er, sein Sohn und Nicolo, so hieß der kranke Knabe, wieder nach Ragusa zurück transportiert ward."

Eine weitere Novelle von Heinrich von Kleist ist "Michael Kohlhaas" aus dem Jahr 1808 – in ihr lassen sich ebenfalls Bandwurmsätze finden:

"Ich, der mit meinem Haufen eben in einem Wirtshause abgestiegen und auf dem Platz, wo diese Vorstellung sich zutrug, gegenwärtig war, konnte hinter allem Volk am Eingang einer Kirche, wo ich stand, nicht vernehmen, was diese wunderliche Frau den Herren sagte; dergestalt, dass, da die Leute einander lachend zuflüsterten, sie teile nicht jedermann ihre Wissenschaft mit, und sich des Schauspiels wegen, das sich bereitete, sich sehr bedrängten, ich, weniger neugierig, in der Tat, als um den Neugierigen Platz zu machen, auf eine Bank stieg, die hinter mir im Kircheneingang eingehauen war."

Ebenso bekannt für den Einsatz von Schachtelsätzen ist der deutsche Schriftsteller und Erzähler Thomas Mann. Das früheste von seinen großen Werken "Buddenbrooks" (Roman, 1901) umschreibt den Niedergang einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Der nachfolgende Auszug fällt durch seinen sehr komplexen Sprachstil auf:

"Der Konsul, zu Hause, wenn er solche Äußerungen las, konnte sich eines Lächelns nicht erwehren, denn trotz alles Schmerzes, der in den Zeilen steckte, verspürte er einen Unterton von beinahe drolligem Stolz, und er wußte, dass Tony Buddenbrook als Madame Grünlich sowohl wie als Madame Permaneder immer ein Kind blieb, daß sie alle ihre sehr erwachsenen Erlebnisse fast ungläubig, dann aber mit kindlichem Ernst, kindlicher Wichtigkeit und – vor Allem – kindlicher Widerstandsfähigkeit erlebte."

Ein weiteres Paradebeispiel für Bandwurmsätze ist folgender Auszug aus der Novelle "Der Auftrag oder vom Beobachten des Beobachters der Beobachter" aus dem Jahr 1986 von Friedrich Dürrenmatt:

"Von Lambert empfing sie in seinem Studierzimmer, verlangte unverzüglich gefilmt zu werden, ließ willig alle Vorbereitungen über sich ergehen, erklärte dann vor der laufenden Kamera, hinter seinem Schreibtisch sitzend, er sei am Tode seiner Frau schuldig, weil er die oft unter schweren Depressionen Leidende immer mehr als Fall statt als Frau behandelt hätte,

bis sie, nachdem ihr seine Notizen über ihre Krankheit durch Zufall zu Gesicht gekommen, kurzerhand das Haus verlassen habe, nach der Meldung der Hausdame nur in ihrem roten Pelzmantel über einen Jeansanzug geworfen und mit einer Handtasche, seitdem habe er nichts mehr von ihr gehört, doch habe er auch nichts unternommen, von ihr etwas zu erfahren, um ihr einerseits jede Freiheit zu lassen, andererseits ihr, käme sie auf seine Nachforschungen, das Gefühl zu ersparen, sie würde von ihm weiterhin beobachtet, doch jetzt, da sie ein so entsetzliches Ende genommen und er nicht nur in seiner Methode ihr gegenüber, jener der kühlen Beobachtung, die der Psychatrie vorgeschrieben sei, sondern auch in seinem Unterlassen jeder Nachforschungen seine Schuld erkenne, erachte er es für seine Pflicht, die Wahrheit zu erfahren, mehr noch, sie der Wissenschaft zugänglich zu machen, herauszufinden, was sich ereignet habe, sei er doch an die Grenze seiner Wissenschaft gestoßen, die sich im Schicksal seiner Frau abzeichne."

Nun kommen wir zu einem Sinnbild der Hypotaxe. Der folgende Satz umfasst mehr als 350 Wörter und stammt aus dem Roman "Joseph und seine Brüder" von Thomas Mann.

"Der junge Joseph zum Beispiel, Jaakobs Sohn und der lieblichen, zu früh gen Westen gegangenen Rahel, Joseph zu seiner Zeit, als Kurigalzu, der Kossäer, zu Babel saß, Herr der vier Gegenden, König von Schumir und Akkad, höchst wohltuend dem Herzen Bel-Marudugs, ein zugleich strenger und üppiger Gebieter, dessen Bartlöckchen so künstlich gereiht erschienen, daß sie einer Abteilung gut ausgerichteter Schildträger glichen;

– zu Theben aber, in dem Unterlande, das Joseph »Mizraim« oder auch »Keme, das Schwarze«, zu nennen gewohnt war, seine Heiligkeit der gute Gott, genannt »Amun ist zufrieden« und dieses Namens der dritte, der Sonne leiblicher Sohn, zum geblendeten Entzücken der Staubgeborenen im Horizont seines Palastes strahlte; als Assur zunahm durch die Kraft seiner Götter und auf der großen Straße am Meere, von Gaza hinauf zu den Pässen des Zederngebirges, königliche Karawanen Höflichkeitskontributionen in Lapislazuli und gestempeltem Golde zwischen den Höfen des Landes der Ströme und dem Pharaos hin und her führten; als man in den Städten der Amoriter zu Beth-San, Ajalon, Ta’anek, Urusalim der Aschtarti diente, zu Sichem und Beth-Lahama das siebentägige Klagen um den Wahrhaften Sohn, den Zerrissenen, erscholl und zu Gebal, der Buchstadt, El angebetet ward, der keines Tempels und Kultus bedurfte: Joseph also, wohnhaft im Distrikte Kenana des Landes, das ägyptisch das Obere Retenu hieß, in seines Vaters von Terebinthen und immergrünen Steineichen beschattetem Familienlager bei Hebron, ein berühmt angenehmer Jüngling, angenehm namentlich in erblicher Nachfolge seiner Mutter, die hübsch und schön gewesen war, wie der Mond, wenn er voll ist, und wieIschtars Stern, wenn er milde im Reinen schwimmt, außerdem aber, vom Vater her, ausgestattet mit Geistesgaben, durch welche er diesen wohl gar in gewissem Sinne noch über XI traf, Joseph denn schließlich (zum fünften- und sechstenmal nennen wir seinen Namen und mit Befriedigung; denn um den Namen steht es geheimnisvoll, und uns ist, als gäbe sein Besitz uns Beschwörerkraft über des Knaben zeitversunkene, doch einst so gesprächig-lebensvolle Person) – Joseph für sein Teil erblickte in einer südbabylonischen Stadt namens Uru, die er in seiner Mundart »Ur Kaschdim«, »Ur der Chaldäer« zu nennen pflegte, den Anfang aller, das heißt: seiner persönlichen Dinge."

Zum Vergleich haben wir nun ein Beispiel für eine Parataxe:

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht."

Hierbei handelt es sich um einen Textauszug aus der Bibel. Wie du siehst, wird das Stilmittel der Parataxe benutzt, um die absolute Macht Gottes zu verdeutlichen.

Wirkung der Hypotaxe

Wirkung der Hypotaxe

Die Hypotaxe wirkt in den meisten Fällen erklärend und informativ, da der jeweilige Nebensatz die Aussage des Hauptsatzes noch einmal ausführlicher darstellt.

Aus diesem Grund findest du Hypotaxen oft in Zeitungsartikeln oder in wissenschaftlichen Texten – also beispielsweise in Fachliteratur.

Autorinnen und Autoren nutzen die Hypotaxe auch in anderen literarischen Texten, da sie beispielsweise die Umgebung und die Gefühlswelt von Protagonisten besser beschreiben können.

Durch die verschachtelten Sätze kann es aber unter Umständen schwieriger sein, den Textzusammenhang oder die Intention zu verstehen. Das Lesen von Hypotaxen scheint generell schwieriger als von Parataxen – Grund dafür ist auch das hohe Maß an Informationen.

Sowohl ein parataktischer als auch ein hypotaktischer Satzbau hat seine Vor- und Nachteile. Möchtest du einen ausgeglichenen Text verfassen, dann empfiehlt sich der Einsatz von beiden Stilmitteln.

Bei ausführlichen Informationen oder wissenschaftlichen Arbeiten solltest du auf die Hypotaxe zurückgreifen. Willst du hingegen einfache Aspekte beleuchten, dann reicht der Einsatz von Parataxen.

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