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Euphemismus: 3 Wirkungen & 30 Beispiele für das Stilmittel

Bei einem Euphemismus handelt es sich um ein viel verwendetes sprachliches Mittel, das einen bestimmten Gegenstand oder Sachverhalt beschönigend umschreibt. Funktion findet das Sprachmittel sowohl im Alltag als auch in der Literatur. Was ein Euphemismus genau ist und wie er sich äußert, erfährst du hier.

Ein Euphemismus ist ein wichtiges stilistisches Mittel, das du kennen solltest. Nur so kannst du euphemistische Aussagen richtig einschätzen und deren hintergründliche Bedeutungen erkennen. Wie das genau geht, erklären wir dir im Folgenden.

Definition von Euphemismus

Definition von Euphemismus

Ob in Politik und Wirtschaft, der Literatur oder im allgemeinen Sprachgebrauch – Euphemismen finden überall dort Anwendung, wo es etwas zu beschönigen gibt. Dabei können sie ironisch und humorvoll eingesetzt werden oder aber ganz ernst gemeint sein. Sachverhalte, Gegenstände und auch Menschen können so angenehmer dargestellt werden, als sie eigentlich sind.

Besonders gerne werden Euphemismen bei Tabuthemen wie dem Tod verwendet. Statt das negativ konnotierte Wort zu benutzen, wird in diesem Fall beispielsweise von “Ableben“ oder “Entschlafen“ gesprochen. Diese Begriffe klingen positiver und damit weniger schmerzlich. Gerne werden Euphemismen auch von Personen des öffentlichen Lebens genutzt, um beispielsweise eigene Fehler zu verharmlosen oder Niederlagen herunterzuspielen. Bei Redeanalysen solltest du darum vermehrt auf Euphemismen achten.

Mit einem Euphemismus drückst du also etwas indirekt aus. Der eigentliche Begriff wird umschrieben und damit die negative Bedeutung vermieden, die häufig mit den umschriebenen Wörtern einhergeht. Der Zuhörer wird auf gewisse Weise in die Irre geleitet, denn der Sachverhalt hört sich im ersten Moment besser an, als er in Wahrheit ist. Erst im Nachhinein kann er dann mitunter einordnen, was die ursprüngliche Botschaft der Aussage ist. Dieser Effekt tritt oft jedoch nur dann auf, wenn es sich um einen weniger geläufigen Euphemismus handelt. Euphemismen, die mittlerweile beliebte Redewendungen sind, können zwar noch beschönigen, doch die eigentliche Bedeutung bleibt nie im Verborgenen.

Wirkungen von Euphemismen

Wirkungen von Euphemismen

Euphemismen können verschiedene Wirkungen erzeugen und aus unterschiedlichen Gründen verwendet werden. Diese Gründe können durchaus positiv sein, jedoch in manchen Fällen auch nicht sonderlich gute Absichten verfolgen. Klar voneinander abgrenzen kannst du die Wirkungen in der Praxis jedoch oft nicht, da die Aussagen auf verschiedene Weisen gedeutet werden können.

Aufwertung

Eine positive Verwendung findet der Euphemismus als Aufwertung. In diesem Fall bekommt ein Beruf, eine Personengruppe oder ein Sachverhalt eine neue und positivere Bezeichnung, um dem Benannten mehr Wertschätzung entgegen zu bringen, da die originalen Bezeichnungen mitunter negativ behaftet sind. Das betrifft mitunter Bezeichnungen, die im Zuge von Political Correctness Anwendung finden oder Berufsbezeichnungen wie Putzfrau, die durch den Begriff “Raumpflegerin“ positiver beschrieben werden.

Milderung

Ein weiterer positiver Verwendungszweck von Euphemismen ist die Abmilderung bestimmter Umstände. Das geschieht häufig aus Höflichkeit und Respekt, beispielsweise bei einem Todesfall. Sowohl der Zuhörer als auch der Sprecher selbst werden durch eine abmildernde Ausdrucksweise in ihren Gefühlen geschont. Der Grund für den Euphemismus bildet also die Rücksichtnahme auf andere und sich selbst.

Vertuschung

Ein weniger edler Grund für die Verwendung eines Euphemismus ist die Vertuschung. Die beschönigende Umschreibung lässt nicht immer gleich den eigentlichen Sachverhalt durchblicken. Im Gegenteil: Dieser wird beschönigt und verhüllt. Aus diesem Grund ist der Euphemismus auch ein beliebtes rhetorisches Mittel in totalitären politischen Systemen und kam auch zu Zeiten des Nationalsozialismus zum Tragen.

Anwendungsbereiche von Euphemismen

Anwendungsbereiche von Euphemismen

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkungen kommen Euphemismen in zahlreichen Handlungsgebieten zum Einsatz. Nicht nur im politischen Sprachgebrauch und da vor allem in totalitären Systemen werden Euphemismen angewendet, sondern auch in der Wirtschaft, Religion und Gesellschaft. Besonders Themen wie Tod, Alkohol, der menschliche Körper und der eigene Charakter werden häufig mit dem rhetorischen Mittel umschrieben. Negative Aspekte werden so schonend und abmildernd ausgedrückt, so dass der Umfang der Misere nicht gleich offensichtlich ist.

Religion: Euphemismen werden im Christentum vor allem als Ersatznamen für Gott und Christus verwendet. Die ersetzenden Wörter beziehen sich zumeist auf Eigenschaften, die dem Bezeichneten zugesprochen werden, beispielsweise “Allmächtiger“ oder “Vater im Himmel“.

Gesellschaft: Gesellschaftlich werden Euphemismen häufig im Bezug auf spezielle Themengebiete wie den Tod, Sexualität und Alkohol angewendet. Dadurch wird vermieden, den Sachverhalt direkt zu benennen, da es sich hierbei noch immer um Tabuthemen handelt. Auch die finanzielle Lage einer Person, die Treue in einer Liebesbeziehung oder das Alter eines Menschen werden häufig euphemistisch beschrieben. Beispiele dafür sind “sozial schwach“ für “arm“ und “fremdgehen“ für “Geschlechtsverkehr außerhalb der Beziehung“. Statt “alt“ hat sich mittlerweile auch die Bezeichnung “reif“ eingebürgert.

Besonders effektiv sind Euphemismen, um eine Personengruppe oder einen Beruf positiver darzustellen, als es in der Vergangenheit oft geschah. Viele ältere Bezeichnungen können Völker und Berufsgruppen herabwürdigen, da die Ausdrücke negativ behaftet sind. Um diese Bezeichnungen in Zukunft zu vermeiden, werden neue Begriffe eingeführt, beispielsweise indem Personengruppen in ihrer eigenen Sprache bezeichnet werden. So spricht man heutzutage von “Inuit“, “Sinti“ und “Roma“, statt deren ältere und negativ behafteten Bezeichnungen zu verwenden.

Politik: In der Politik sind Euphemismen ein besonders beliebtes Stilmittel. So kommen sie vielfach in totalitären politischen Systemen zum Einsatz, um die Bevölkerung zugunsten des Systems zu manipulieren und unliebsame Neuigkeiten zu vertuschen. Aber auch in demokratischen Strukturen finden Euphemismen häufig Verwendung, um politische Maßnahmen mitzuteilen, die bei der Bevölkerung nicht besonders gut ankommen. Beispiele dafür sind Militär- und Sparmaßnahmen, aber auch Umweltschäden.

Euphemismen auf dem Arbeitszeugnis

Arbeits- und Praktikumszeugnisse enthalten häufig auch euphemistische Inhalte. Auf eine beschönigte Art und Weise werden hier bestimmte Verhaltensweisen beschrieben. Denn gesetzlich darf der Arbeitgeber sich auf dem Arbeitszeugnis nicht negativ über den Arbeitnehmer äußern. Mittlerweile gibt es gängige Codes, die auf Arbeitszeugnissen verwendet werden, um das Verhalten des Arbeitnehmers beschönigend zu beschreiben. Was also erst einmal nach Lob klingt, muss nicht unbedingt eine positive Aussage bedeuten. Wie du die Codes im Arbeitszeugnis entschlüsseln kannst, erfährst du hier.

Bildung von Euphemismen

Bildung von Euphemismen

Euphemismen kommen auf ganz verschiedene Weisen zustande. Die Bildung des rhetorischen Mittels ist stark von deren Anwendungsgrund abhängig. So werden unangenehme Ausdrucksweisen, die für manche mitunter sogar peinlich sein können (wie “Büstenhalter“), beispielsweise verkürzt (“BH“) oder nur grob benannt sowie umschrieben (“Unterwäsche“). Gerne werden auch Wortspiele verwendet, die mitunter eine humorvolle oder ironische Komponente in den Euphemismus bringen können.

Mittlerweile werden ebenfalls Anglizismen zur Aufwertung eines Sachverhalts verwendet. So werden Veranstaltungen als “Event“ bezeichnet und englische Schreibweisen genutzt, um einem Gegenstand ein moderneres Ansehen zu verleihen. Fach- und Fremdwörter kommen als Euphemismen ebenfalls zum Einsatz, beispielsweise für eine modernere oder respektvollere Bezeichnung eines Sachverhalts, Gegenstands oder einer Personengruppe.

Beispiele für Euphemismen

Euphemismen sind in der Alltagssprache schon so verbreitet, dass ihre Verwendung oft kaum noch auffällt. Die Begriffe haben sich bereits etabliert und so auch das beschönigte Bild, das mit der Anwendung von Euphemismen einhergeht. In vielen Fällen ist dies positiv, weil der Euphemismus gerade aus dem Grund eingeführt wurde, um einen bestimmten Gegenstand oder Sachverhalt in ein besseres Licht zu rücken, wie bei der Verwendung des Begriffs “Raumpflegerin“ für “Putzfrau“. Allerdings können durch Euphemismen auch negative Sachverhalte beschönigt werden. Folgende Beispiele aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft können dich sensibilisieren, wann Euphemismen in der Alltagssprache zum Tragen kommen.

  1. “Dritte Zähne“ für “künstliches Gebiss“
  2. “Betreuer“ für “Vormund“
  3. “bildungsfern“ für “ungebildet“
  4. “beratungsresistent“ für “unvernünftig“
  5. “Dame“ für “Frau“
  6. “Herr“ für Mann“
  7. “bürgernah“ für “populistisch“
  8. “Event“ für “Veranstaltung“
  9. “einschläfern“ für “töten“
  10. “Facility Manager“ für “Hausmeister“
  11. “Freisetzung von Arbeitskräften“ für “Entlassung“
  12. “gefallen“ für “in einer Schlacht gestorben“
  13. “Goldener Schuss“ für “tödliche Dosis Heroin“
  14. “Hautunreinheiten“ für “Pickel
  15. “Herausforderung“ für “Problem“
  16. “Individualist“ für “Sonderling“
  17. “Kundeninformation“ für “Werbung“
  18. “Konservativ“ für “altmodisch“
  19. “korrekt“ für “pedantisch“
  20. “kreative Buchführung“ für “Bilanzfälschung“
  21. “Landwirtschaftlicher Betrieb“ für “Bauernhof“
  22. “liquidieren“ für “ermorden“
  23. “Mitbewerber“ für “Konkurrent“
  24. “Nullwachstum“ für “Stillstand“
  25. “Preisanpassung“ für “Preiserhöhung“
  26. “Seniorenresidenz“ für “Altersheim“
  27. “unvorteilhaft“ für “hässlich“
  28. “verunreinigt“ für “verschmutzt“
  29. “Wachstumspause“ für “Rezession“
  30. “zurückbauen“ für “abreißen“

Gegenteil von Euphemismus: Dysphemismus

Gegenteil von Euphemismus: Dysphemismus

Während Euphemismen stets beschönigen, geben Dysphemismen (auch: Kakophemismen) einem neutralen oder positiven Gegenstand oder Sachverhalt eine negative Wertung. Genau wie der Euphemismus wird der Dysphemismus gerne im politischen Sprachgebrauch verwendet, beispielsweise um politische Gegner abzuwerten. Auch Dysphemismen sind in der Alltagssprache oft schon so etabliert, dass sie gar nicht mehr auffallen. Sie werden verwendet, ohne sich deren Wirkung bewusst zu sein. Dabei kann ein Dysphemismus bereits eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe verdeutlichen. Je nach Position kann ein und derselbe Sachverhalt sowohl mit einem Dysphemismus als auch mit einem Euphemismus dargestellt werden – abhängig davon, wie eine Person zu dem bezeichneten Sachverhalt steht.

Mit der Zeit können Dysphemismen genau wie Euphemismen jedoch ihre Wertung verlieren. So war “Skandal“ einst der Dysphemismus für “Affäre“. Heutzutage haben diese Begriffe jedoch beinahe dieselbe Bedeutung, da “Skandal“ nicht mehr über solch eine negative Wertung verfügt wie einst. In diesen Fällen müssen weitere Dysphemismen gebildet werden, um deren negative Wertung zu verdeutlichen.

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