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Personifikation: Definition, Wirkung & 15 Beispiele für das Stilmittel

Die Personifikation ist eines der am häufigsten verwendeten Stilmittel in der Literatur. Vor allem in der Epik und Lyrik kommt die Vermenschlichung zum Einsatz. Wir verraten dir, was eine Personifikation ist und welche Wirkung sie hat. Außerdem haben wir 15 Beispiele für dich.

Eine Personifikation erkennst du an Attributen, die eigentlich nur für Menschen verwendet werden. Dazu gehört zum Beispiel das “Lachen” der Sonne oder der Regen, der die Rinne “hinunterläuft”. Durch die menschlichen Eigenschaften kann Dingen mehr Leben eingehaucht werden oder Tieren eine Stimme verliehen werden.

Im Folgenden erfährst du, wie du eine Personifikation erkennst und welche Funktionen sie noch erfüllt. So wird dir deine nächste Textanalyse mit Sicherheit gelingen.

Definition: Was eine Personifikation ist

Personifikationen kommen oft in Fabeln und Märchen vor

Die allgemeine Bezeichnung für eine Personifikation (auch Personifizierung oder fictio personae) lautet “Anthropomorphismus”. Es gibt sie in drei Bereichen: Der Rhetorik, der bildenden Kunst und der Religion.

In der Rhetorik beschreibt sie ein Stilmittel, das Tieren, Pflanzen, Dingen oder Toten menschliche Züge oder eine Stimme gibt. Dort tritt sie als Verb, Adjektiv oder Substantiv auf, das eigentlich nur im Zusammenhang mit Menschen verwendet wird.

In der bildenden Kunst bezeichnet die Personifikation die Vermenschlichung eines abstrakten Gegenstandes, zum Beispiel wurden in der Antike der Himmel, der Mond und die Erde als Person dargestellt. Ähnlich ist die Darstellung von Naturgewalten in der Religion und die personifizierte Götterverehrung.

Die Personifikation unterscheidet sich von der “Personalisierung”. Diese meint die Zuschreibung von geschichtlichen Ereignissen auf den Einfluss einer wichtigen Persönlichkeit. Hier findest du alle wichtigen rhetorischen Mittel kurz zusammengefasst.

Wirkung und Funktion einer Personifikation

Personifikationen kommen in erster Linie in der Epik und der Lyrik vor. Ihre Hauptfunktion ist die Vermenschlichung von Dingen oder Tieren. Diese Funktion wurde sehr häufig in Fabeln oder Märchen genutzt, in denen Tiere und Fabelwesen menschliche Eigenschaften erhalten haben. Sie erhalten dort eine Stimme und Sprache, tragen Kleidung oder haben einen aufrechten Gang. Sie haben sogar häufig Humor und sind intelligent.

In Gedichten ist die Personifikation besonders hilfreich, weil sie mithilfe weniger Worte eine große Wirkung erzielen kann. Sie steigert die Identifikation des Lesers mit Dingen, Pflanzen oder Tieren. So kann besser nachempfunden werden, was der Dichter sagen will. Im Folgenden findest du weitere Wirkungen des Anthropomorphismus.

Als Metapher

Hier wurden Herz-Symbole personifiziert, um das “Tanzen vor Freude” auszudrücken

Die Personifikation kann auch als Metapher auftreten. Eine Metapher hat die Eigenschaft einen Begriff im übertragenen Sinn zu verwenden. Sie benutzt wenig Worte, um viele Informationen zu vermitteln. Dabei enthebt sie diese Worte meist ihrem ursprünglichen Sinn und verbildlicht sie. Beispiele für metaphorische Personifikationen sind:

  • “Mein Herz tanzt vor Freude.”
  • “Meine Angst schnürte mir die Kehle zu.”

Im ersten Beispiel entsteht das Bild eines aufgeregt tanzenden Herzens, das vor Freude rhythmisch und schnell schlägt. Es steht symbolisch für die Liebe und wird personifiziert, um seine anatomische Beschaffenheit zu verdrängen.

Das zweite Beispiel zeigt eine zugeschnürte Kehle, die metaphorisch für Not und Bedrängnis steht. Gleichzeitig wird dem Gefühl der Angst menschliches Verhalten beigefügt. Die Angst handelt und schnürt dem Sprecher die Kehle zu. Sie ist es, die ihn bedrängt und in Atemnot bringt.

Als Allegorie

Eine Allegorie ist eine ausgeführte Metapher, die auch in Form einer Personifikation auftreten kann. Allegorien sind vergleichend und ersetzen etwas Abstraktes durch etwas Greifbares. Die metaphorische Bedeutung soll so noch zugänglicher für den Leser oder Hörer werden. Beispiele für allegorische Personifikationen sind:

  • “Ich fühlte mich wie der Mond: Friedlich lächelnd und die Menschen beobachtend.”
  • “Das Spiel des Lebens zieht die Fäden, durch die wir uns bewegen.”
  • Justitia

Im ersten Beispiel positioniert sich der Sprecher über den Menschen, indem er sich mit dem Mond vergleicht. Außerdem vermenschlicht er ihn, dadurch dass er lächelt und beobachtet. Er identifiziert sich mit ihm und rückt sich selbst dadurch in eine passive, gegenständliche Rolle. Mehr über die Verdinglichung als Gegenteil der Personifikation findest du am Ende dieses Artikels.

Das zweite Beispiel personifiziert das Leben, indem es mit einem Spiel verglichen wird. Allegorisch wird ein Bild gezeichnet, das der Leser sich vorstellen kann. Das Leben als handelndes Wesen zieht die Fäden und bewegt so die Menschen. Auch die Justitia im dritten Beispiel wird als personifizierte Gerechtigkeit in Form einer Frau mit verbundenen Augen und Waage in der Hand allegorisch dargestellt.

Als Übertreibung

Hier wäre “Der Sturm draußen tobt gewaltig.” eine ironische Übertreibung

Eine Personifikation kann auch als Hyperbel funktionieren. Die Hyperbel bezeichnet die rhetorische Übertreibung in der Literatur. Ein Anthropomorphismus kann diese Übertreibung in manchen Fällen besonders gut darstellen und die Intention des Autors verdeutlichen. Im Folgenden findest du zwei Beispiele, die wir im Anschluss für dich erklären.

  • “Du kannst leider nicht vorbeikommen. Der Sturm draußen tobt gewaltig.”
  • “Ein Meer von Feuer jagt / Durch eine Straße.”
    (aus dem Gedicht “Gott der Stadt” von Georg Heyms)

Das erste Beispiel verdeutlicht durch die Personifikation “toben”, wie sehr der Sturm außer Kontrolle ist. Es entsteht ein vergleichendes Bild mit einem tobenden Kind, das nicht merkt, wenn es beim Toben etwas kaputt macht. Gleichermaßen kann das Toben eine ironische Übertreibung sein, je nachdem, wie stark der Sturm tatsächlich weht.

Das zweite Beispiel versinnbildlicht metaphorisch die Masse des Feuers und kontrastiert es mit einem Wasser-Begriff, das dem Feuer auf paradoxe Art gegenübersteht. Außerdem “jagt” das Feuer, was es zusätzlich personifiziert und mit einem Tier auf der Jagd in Verbindung bringt. Es jagt die Menschen wie ein Raubtier.

Als komisches Mittel

Eine Personifikation kann auch die Wirkung eines komischen Mittels haben. Zum Beispiel ist allein die Vorstellung eines Tieres oder Dings, das menschlich agiert, lustig. In einem Märchen der Brüder Grimm “Von dem Mäuschen, Vögelchen und der Bratwurst” (KHM 23) führten zum Beispiel eine Maus, ein Vogel und eine Bratwurst einen Haushalt zusammen. Weitere Beispiele sind:

  • “Der Fuchs tanzte Tango als gäbe es keinen Morgen mehr.”
  • Uncle Sam”

Im ersten Beispiel wird der Fuchs personifiziert, indem er einen typischen Tanz der menschlichen Kultur tanzt. Die Vorstellung dieser Szene soll lustig auf den Leser wirken.

Das zweite Beispiel ist eine Karikatur der USA. Uncle Sam versinnbildlicht in einer Person alle klischeehaften Eigenschaften der Vereinigten Staaten. Er war eine bekannte Werbefigur, wurde 1917 mit dem Spruch “I Want You for U. S. Army” vom Militär genutzt und wurde in den USA 1961 offiziell als Symbol anerkannt. Uncle Sam wird weltweit verwendet, in anderen Ländern allerdings oft kritisch.

Die Personifikation: 15 Beispiele

Hier werden Tiere anthropomorph dargestellt

In diesem Kapitel findest du verschiedene Beispiele für Personifikationen. Sie helfen dir dabei, ein Gespür für das Stilmittel zu bekommen und erleichtern dir so die Interpretation von literarischen Werken.

Das kann dir vor allem in der Schule und der Universität zugute kommen. Für Prosa- oder Gedichtanalysen werden Personifikationen häufig als Argument genommen, um Aussagen zu belegen. Doch auch in der Werbesprache kommen sie häufig vor und selbst im Alltag haben sich manche als feste Redewendung etabliert.

1. “Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.”

Dieser Vers aus dem Sonett “Es ist alles eitel” des Barockdichters Andreas Gryphius verwendet die Personifikation metaphorisch. Das Glück strahlt dem Menschen lachend entgegen, es ist selbst glücklich, das Glück.

Die Beschwerden hingegen donnern laut, erregen Aufmerksamkeit und sind nur schwer zu ignorieren. Es entsteht ein Bild, dass die Beschwerden wie das Donnern von oben aus den Wolken kommen und auf den Menschen einwirken, ihm sogar Angst machen.

2. “Der Himmel weint.”

“Der Himmel weint” hat sich als eine Redewendung etabliert, die Regen beschreibt. Sie verdeutlicht durch die Personifikation des Weinens die traurige Stimmung, die an Regentagen herrschen kann.

3. “Die Sonnenstrahlen kitzelten ihn wach.”

Hier wird der unbelebte Sonnenstrahl mit einer menschlichen Handlung und Empfindung verbunden. Es wirkt, als würde der Sonnenstrahl die Person kitzeln, dabei wird das Gefühl des Gekitzelten eigentlich beschrieben, damit der Leser eine bessere Vorstellung von der Situation bekommt. Er soll sich auf diese Art und Weise besser mit dem Text identifizieren können.

4. “Germania”

Eine Statue der Germania im Niederwald (Rüdesheim am Rhein)

Die Germania ist eine deutsche Nationalallegorie, die im 19. Jahrhundert in der Epoche der Romantik als Nationalsymbol bekannt wurde. Sie steht als Sinnbild für die demokratische Bewegung dieser Zeit und verkörpert den deutschen Nationalgeist in Form einer Frau. Meist wird sie als Kämpferin und mit einer Eiche, Eicheln oder Eichenblättern dargestellt.

5. “Er wagte einen schüchternen Versuch.”

Der Versuch ist in diesem Fall anthropomorph. An sich kann ein Versuch nicht schüchtern sein. Erst durch den Ausführenden erhält er seinen menschlichen Charakter.

6. “Die Blätter tanzen im Wind.”

Dieser Anthropomorphismus beschreibt die Bewegung der Blätter im Wind, die auf ästhetische Art und Weise tanzen.

7. “Die Zeit rennt mir davon.”

Hier wird wieder ein abstrakter Begriff personifiziert. Die Zeit als Bezeichnung für eine allumfassende Kraft wird auf eine menschliche Aktion reduziert: Das Rennen. Diese Aktion verdeutlicht das menschliche Gefühl, dass die Zeit so schnell vergeht, dass sie dem Menschen förmlich davonrennt. Durch die Präposition “davon” begibt sich der Mensch in eine hinterherlaufende oder jagende Position. Er ist zu langsam, um die Zeit einzuholen.

8. “Das Gute besiegt das Böse”

Hier werden zwei abstrakte Begriffe gegenübergestellt, die die Gesamtheit des Guten und des Bösen zusammenfassen. Der Begriff “siegen” ist ein typisch menschlicher Begriff, der im Wettkampf verwendet wird. Das Gute und das Böse wurden personifiziert, um das Bild eines Kampfes beim Leser oder Hörer hervorzurufen.

9. “Vor blinder Wut hat er den schönen alten Spiegel zerschlagen.”

Die “blinde Wut” ist auch eine Personifikation

Hier greift ein ähnliches Phänomen wie bei dem “schüchternen Versuch” aus dem fünften Beispiel. Die Wut an sich ist nicht blind. Sie ist ein handlungsunfähiger abstrakter Begriff zur Beschreibung eines menschliches Gefühls.

Dieses Gefühl kann Blindheit verursachen, indem der Mensch aus Wut alles um sich herum vergisst und nur noch seine Wut sieht. Aus diesem Grund hat der Mensch in dem Beispielsatz den schönen alten Spiegel zerschlagen. Seine Wut hat ihn nicht sehen lassen, dass er diese Handlung hinterher bereuen könnte. Seine Weitsicht ist wie erblindet.

10. “Sensenmann

Die Bezeichnung “Sensenmann” steht allegorisch für den Tod. Die Figur personifiziert den Tod und wird seit dem späten Mittelalter als menschliches Skelett mit einem Leichentuch bekleidet dargestellt. Er trägt eine Sense bei sich, mit der er wie ein Landarbeiter sein Gras, den Lebensfaden der Menschen durchtrennt.

11. “Mutter Natur”

Mutter Natur ist eine sehr bekannte Bezeichnung für die personifizierte Natur. Die Darstellung oder Beschreibung der Natur als Frau und Mutter wird hier gewählt, um die Fruchtbarkeit, Ursprünglichkeit und Ganzheit der Natur zu symbolisieren.

12. “Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen

Dieser Vers aus Goethes Sonett “Natur und Kunst” aus der Epoche der Weimarer Klassik weist ebenfalls eine Personifikation auf. Es wird eine menschliche, bildliche Bewegung hervorgerufen, in der Natur und Kunst sich gegenüberstehend voreinander fliehen.

Hier wird besonders deutlich, dass Personifikationen häufig etwas mit Bewegung und Richtungsanzeigen zu tun haben, da sie diese mithilfe entsprechender Verben besonders gut darstellen können.

13. “Siehst du das gelbe Kleid da vorne stehen? Mit der hab ich Abitur gemacht.”

“Das gelbe Kleid” steht hierbei für eine bestimmte Frau

In diesem Fall steht das gelbe Kleid für eine Person, die in der Nähe steht. Es wird personifiziert. Allerdings ist es auch ein Pars pro Toto; ein rhetorisches Mittel, bei dem das eine (das Kleid) für etwas anderes (eine Frau) steht.

Stilmittel greifen in der Literatur oft ineinander und verschwimmen. Deswegen ist es wichtig, die am häufigsten Verwendeten zu kennen, um in einer Interpretation gut argumentieren zu können.

14. “Sie rannte durch den Wald, ihr Kleid zerriss. Zuhause legte sie es neben den Kamin. Dort lag es jammernd im Dreck.”

In diesem Beispiel soll die Personifikation durch das Verb “jammern” Mitleid mit einem Gegenstand erregen. So wird die Rücksichtslosigkeit des Menschen gegenüber seiner Kleidung kritisiert.

15. “Die Lokomotive schrie so Laut beim Einfahren, dass ich mir die Ohren zuhalte musste.”

Dieses Beispiel verleiht einem Gegenstand eine Stimme, um den Laut zu beschreiben, den es tatsächlich macht. Das Geräusch der Lokomotive wird von dem Sprecher als so unangenehm empfunden, dass er es als menschliches Schreien wahrnimmt und sich die Ohren zuhält.

Das Gegenteil der Personifikation: Die Verdinglichung

Die Verdinglichung ist das Gegenteil der Personifikation. Anstatt menschliche Eigenschaften auf Dinge zu projizieren, überträgt die Verdinglichung nichtmenschliche Eigenschaften auf Menschen. Dieses Stilmittel erzielt einen besonders bildlichen und dramatischen Effekt, der die Gegenständlichkeit des Menschen in dieser Welt betont.

Zum Beispiel kann der Mensch so als Schachfigur dargestellt werden oder unbelebt und kühl wie ein Gegenstand. Manchmal können die Emotionen des Autors auch so besser greifbar gemacht werden, damit eine deutliche Botschaft erzielt wird.

  • “Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
    (aus dem Gedicht “Weltende” von Jakob van Hoddis)
  • “Sein Wille war eisern.”
  • “Mit seiner Aura verdunkelte er den ganzen Raum.”
  • “Die Menschen schweben aneinander vorbei.”
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