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Rhetorische Frage: Definition, Wirkung & 16 typische Beispiele

Die rhetorische Frage ist ein beliebtes Stilmittel, das sowohl verbal als auch in schriftlicher Form Anwendung findet. Sie wird allgemein dazu verwendet, eine bestimmte Aussage zu verdeutlichen. Im Folgenden erfährst du alles, was du über die rhetorische Frage wissen musst.

Die richtigen Fragen zu stellen, ist eine hilfreiche Fähigkeit. Denn mit Fragen kannst du Dialoge lenken, manipulieren und deine Aussagen verdeutlichen. Besonders rhetorische Fragen sind ein beliebtes Stilmittel. Wir klären dich über die rhetorische Frage auf.

Was eine rhetorische Frage ist

Was eine rhetorische Frage ist

Fragen werden normalerweise gestellt, um Antworten zu finden. Der Duden definiert die Frage demnach wie folgt: “eine Antwort, Auskunft, Erklärung, Entscheidung […] fordernde Äußerung, mit der sich jemand an jemanden wendet.“ Bei einer Frage wird laut Definition also immer eine Antwort gefordert. Anders jedoch bei der rhetorischen Frage, denn diese macht eine Antwort grundsätzlich überflüssig.

Rhetorische Fragen stehen für sich alleine und sind nicht auf ihre Beantwortung aus. Sie werden nicht dazu genutzt, Informationen zu gewinnen, sondern untermalen eine gewisse Aussage, indem sie signalisieren, dass die Antwort offenkundig wäre. Auf diese Weise kann der Gesprächspartner unterbewusst beeinflusst werden. Da sie in Form einer Frage eine bestimmte Behauptung aufstellen, werden sie in der Semantik auch als solche gewertet.

Eine rhetorische Frage will dem Gesprächspartner keine Informationen entlocken. Stattdessen wird die Behauptung in Frageform noch einmal verstärkt. Der Fragende ist auf Zustimmung aus und kann mit einer clever gestellten rhetorischen Frage den Gesprächspartner beeinflussen.

Wirkung von rhetorischen Fragen

Wirkung von rhetorischen Fragen

Rhetorische Fragen werden immer zu einem gewissen Zweck verwendet. Sie sollen dazu dienen den Gesprächspartner zu beeinflussen, indem sie ihm eine Zustimmung nahe legen – und zwar zu der Behauptung, die in der rhetorischen Frage formuliert ist. Da sie in Frageform ausgedrückt wird, fühlt sich der Zuhörer angesprochen, denkt mitunter vermehrt über die getroffene Aussage nach. Üblicherweise wird zudem nach einer Frage eine Pause eingelegt. Auch dies sorgt für eine Hervorhebung der getroffenen Behauptung.

Rhetorische Fragen können sowohl in der Literatur als rhetorisches Mittel verwendet werden als auch in verbalen Diskussionen und Vorträgen, beispielsweise um ein Argument hervorzuheben. Politiker und Aktivisten bedienen sich aus diesem Grund gerne dieses stilistischen Mittels. Allerdings wird diese Frageform auch gerne zur Provokation eingesetzt und kann darum Auseinandersetzungen verursachen.

Gerne werden rhetorische Fragen auch eingesetzt, um Totschlagargumente zu stützen. Totschlagargumente bezeichnen Scheinargumente, die auf keine festen Grundlagen bauen, sondern sich Behauptungen und Vorurteile zunutze machen, um ihre Aussage zu untermauern. Typische rhetorische Fragen sind in diesem Zusammenhang:

  • “Wer kann das noch bestreiten?“
  • “Ist das nicht offensichtlich?“
  • “Ist es nicht längst bewiesen?“

In allen drei Beispielen baut der Sprecher die Illusion auf, dass seine eigentlich nicht belegbaren Behauptungen eindeutig wahr sind und deren Wahrheit offensichtlich erkennbar ist. Würde er einfach in einem Aussagesatz behaupten, dass es sich bewiesenermaßen um die Wahrheit handelt, wäre dies eindeutig falsch. Dadurch dass er seine Aussage jedoch in einer rhetorischen Frage verpackt, vermittelt er den Anschein, dass die Adressaten die Wahrheit bereits kennen – und zwar die Wahrheit, die der Sprecher vermitteln will. Er manipuliert somit seine Zuhörer.

Allgemein beinhaltet eine rhetorische Frage immer eine gewisse Aussage, die der Sprecher macht, vor allem um seine Verwunderung, sein Mitleid oder seinen Ärger auszudrücken. Eine rhetorische Frage ist nicht neutral, sondern will in den meisten Fällen beeinflussen.

Auch wenn du in der Schule oder Uni eine Sachtextanalyse wie eine Analyse einer Rede oder eine Gedichtanalyse schreibst, kann die rhetorische Frage ein stilistisches Mittel sein, das es zu analysieren gilt. Die oben beschriebenen Wirkungsweisen der rhetorischen Frage und die unten aufgeführten Beispiele können dir helfen, das stilistische Mittel besser zu verstehen.

Beispiele von rhetorischen Fragen + Bedeutung

Beispiele von rhetorischen Fragen + Bedeutung

Neben den oben erwähnten Beispielen gibt es bei der Anzahl an rhetorischen Fragen keine Grenzen. Dennoch gibt es einige typische Beispiele, die häufig im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet werden, ohne dass sie als rhetorische Fragen wahrgenommen werden. Diese zeigen zudem, dass rhetorische Fragen häufig in Kombination mit Ironie verwendet werden, beispielsweise um Kritik zu üben.

1.“Ist das Wetter nicht schön?“

Diese Aussage suggeriert bereits, dass der Sprecher das Wetter als schön empfindet. Eigentlich fragt er hier gar nicht nach der Meinung seines Gegenübers, sondern möchte einfach äußern, wie er selbst über das Wetter denkt.

2. “Wie oft soll ich es dir noch erklären?“

Auch diese Frage zielt nicht auf ihre Beantwortung, sondern äußert einfach nur den Ärger des Sprechers über das Unverständnis seines Gegenübers. Er will nicht wissen, wie oft er die Erklärung wiederholen soll, sondern seinen Missmut ausdrücken. In dieser Aussage schwingt außerdem Ironie mit. Die Situation wird also ins Lächerliche gezogen.

3. “Ist das Leben nicht schön?“

Je nach Zusammenhang kann es sich auch hier um eine ironische Aussage handeln, nämlich wenn genau das Gegenteil gemeint ist und das Leben des Sprechers gerade nicht besonders gut verläuft. Auf solch eine Frage möchte er natürlich keine Antwort, sondern wiederum nur seinen Missmut ausdrücken.

4. “Habe ich das nicht schon zehnmal gesagt?“

Auch dieses Beispiel veranschaulicht, dass der Sprecher mit der Frage nur seinen Ärger ausdrücken möchte. Es könnte sich in diesem Fall beispielsweise um einen Vater handeln, der mit seinem Sohn spricht und seinen Ärger über dessen Ungehorsam äußert. Der Vater will eigentlich keine Antwort haben, sondern dem Sohn nur ins Gedächtnis rufen, dass es bereits zahlreiche Ermahnungen gab. In dieser Frage schwingt ebenfalls Ironie mit.

5. “Wann wirst du endlich erwachsen?“

Diese rhetorische Frage lässt sich eindeutig ironisch interpretieren, wenn sie zu einem Erwachsenen gesagt wird, der sich von Zeit zu Zeit kindisch verhält. Die Antwort auf diese Frage ist überflüssig. Die Frage dient Einzug dem Zweck des Tadels.

6. “Ernsthaft?“

Diese im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwendete Phrase kann in nahezu jeder Situation Einsatz finden, in der der Sprecher sein Erstaunen ausdrücken möchte. Eine Antwort auf diese Frage ist überflüssig.

7. “Machen wir nicht alle Fehler?“

Auch diese Frage ist eindeutig rhetorisch. Der Sprecher könnte beispielsweise einen Fehler gemacht haben und nun versuchen, seine Schuld klein zu reden. Sein Gegenüber will er dabei bewusst manipulieren, indem er einen solchen Fehler als völlig normal darstellt. Der Adressat wird unweigerlich dazu verleitet zuzustimmen.

8. “Denkst du, ich gehe hier ohne dich fort?“

Bei diesem Beispiel handelt es sich ebenfalls um eine rhetorische Frage. Die Frage macht bereits deutlich, dass der Sprecher keinen Widerspruch hören, sondern einfach seinen Standpunkt verdeutlichen möchte.

9. “Willst du diese Chance etwa verstreichen lassen?“

Die Frage ist rein rhetorisch, da er bereits eindeutig die Meinung des Fragenden wiedergibt, nämlich dass der Adressat die Chance unbedingt wahrnehmen sollte. Durch die Art und Weise wird der Adressat unterbewusst beeinflusst, dieselbe Meinung wie der Fragende anzunehmen.

10. “Warum begreifst du das nicht?“

Beispiel: “Warum begreifst du das nicht?“

Auch auf diese Frage wünscht sich der Sprecher keine Antwort, denn dem Adressaten wird es wahrscheinlich sowieso unmöglich sein, die Frage zu beantworten. Der Sprecher äußert mit dieser Frage einzig seinen Ärger über das Unverständnis seines Gegenübers.

11. “Kannst du noch weniger beitragen?“

Diese Frage ist zugleich rhetorisch und ironisch, denn offensichtlich meint dieser Satz das Gegenteil von dem Besagten. Die Frage fordert dazu auf, einen größeren Beitrag zu leisten und kann nicht ernsthaft beantwortet werden.

12. “Bist du verrückt geworden?“

Dieser Ausruf in Form einer rhetorischen Frage äußert Erschrecken. Der Fragende ist erschrocken über den Ausdruck oder das Verhalten seines Gegenübers und möchte sein Unbehagen mithilfe dieser Frage mitteilen.

13. “Verstehst du es immer noch nicht?“

Auch diese Frage könnte als rhetorische Frage aufgefasst werden. Denn sie drückt die Ungläubigkeit über das Unverständnis des Adressaten aus. Dieses Unverständnis ist dem Fragenden bewusst und er bedarf offensichtlich keiner Antwort.

14. “Wann konnte man schon einmal solch ein Ereignis live miterleben?“

Obwohl diese Frage durchaus beantwortet werden könnte, zielt sie oftmals auf keine spezielle Antwort, sondern möchte einfach nur die Besonderheit dieses Ereignisses hervorheben. Eine Antwort ist zu diesem Zweck überflüssig.

15. “Wer ist schon perfekt?“

Auch diese rhetorische Frage soll offensichtlich nicht beantwortet werden, sondern einfach nur zeigen, dass niemand perfekt ist und kleine Fehler ganz normal sind.

16. “Ist nicht jeder ein bisschen schadenfroh?“

Auch dieser Satz soll von der eigenen Gehässigkeit ablenken und nutzt dazu eine Verallgemeinerung. Die Zuhörer werden dazu angehalten zuzustimmen, aber eine Antwort ist im Prinzip überflüssig.

Rhetorische Frage versus Suggestivfrage

Rhetorische Frage versus Suggestivfrage

Suggestivfragen ähneln rhetorischen Fragen in einigen Aspekten. Sie werden in verschiedenen Bereichen angewendet und bilden beispielsweise eine effektive Methode in der Vernehmungstechnik und Verkaufsgesprächen. Die Suggestivfrage beeinflusst den Befragten unterbewusst. Im Gegensatz zur rhetorischen Frage wird auf die Suggestivfrage jedoch eine Antwort erwartet.

Es gibt sowohl gering suggestive Fragen als auch stark suggestive Fragen. Gering suggestive Fragen nehmen beispielsweise eine bestimmte Sache an, lassen aber noch ein wenig Beantwortungsspielraum. Ein Beispiel dazu wäre: “Was hast du gesehen?“ Hier wird bereits angenommen, dass der Befragte etwas gesehen hat, es wird jedoch offen gelassen, was genau. Bei einer stark suggestiven Frage werden die Antwortmöglichkeiten bereits eingeschränkt. Der Befragte wird also in eine gewisse Richtung gelenkt. Ein Beispiel dazu wäre: “War die Jacke rot oder schwarz?“ Hier wird bereits suggeriert, dass der Befragte Auskunft über die Jacke geben kann. Zudem werden bereits genaue Einschränkungen getroffen. Der Befragte hat nur zwei Auswahlmöglichkeiten, da mit der Frage andere Möglichkeiten ausgeschlossen werden.

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