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Metapher: Definition, 14 typische Beispiele & Tipps zur Analyse

Die Metapher ist wohl das bekannteste stilistische Mittel und wird besonders häufig verwendet. Viele Metaphern haben es mittlerweile in die Alltagssprache geschafft und bilden feststehende Aussagen. Alles was du über Metaphern wissen musst, erfährst du im Folgenden.

Die Metapher ist eines der wichtigsten Stilmittel in der Literatur und wird dementsprechend in der Schule auch oft als erstes rhetorisches Mittel gelehrt. Es findet in zahlreichen Texten, Gedichten und auch in der Alltagssprache Anwendung. Wir klären dich über das rhetorische Mittel auf.

Definition: Was eine Metapher ist

Definition: Was eine Metapher ist

Allgemein ist die Metapher ein sprachlicher Ausdruck mit sehr bildhaftem Inhalt. Ein bestimmtes Wort wird dabei aus seinem eigentlichen Bedeutungszusammenhang gerissen und in einen anderen eingefügt, ohne dass ein direkter Zusammenhang besteht. Mithilfe der Metapher wird ein Bild erzeugt, das auf einen bestimmten Aspekt hin interpretiert werden kann und somit eine Bedeutung erhält.

Die Metapher arbeitet also mit einer Übertragung. Daher rührt auch die Bezeichnung an sich, die ursprünglich aus dem Griechischen stammt und übersetzt Übertragung bedeutet. Die eigentlich zusammenhangslosen Wörter müssen auf eine Gemeinsamkeit hin gedeutet werden. Bei dem Beispiel “Schneckentempo“ wird dies ganz besonders deutlich. Denn der Begriff setzt sich aus den Wörtern “Schnecke“ und “Tempo“ zusammen, obwohl diese neutral betrachtet nichts miteinander zu tun haben. Interpretieren kannst du aus dieser Zusammensetzung jedoch, dass eine Schnecke sich allgemein sehr langsam fortbewegt. Der Begriff “Schneckentempo“ bedeutet also einfach “langsames Tempo“.

Wenn du eine Metapher in einem Text erkennst, solltest du sie klar von einem Vergleich abgrenzen. Während die Metapher den Zusammenhang völlig ohne Hilfsmittel herstellt, entsteht ein Vergleich mithilfe eines “wie“, das die sonst zusammenhanglosen Wörter in Verbindung stellt. Im Fall des oben genannten Beispiels wäre ein typischer Vergleich “langsam wie eine Schnecke“. Der Interpretationsspielraum fällt weg und wird auf diese Weise deutlich gemacht.

Metaphern müssen jedoch nicht nur aus einem Wort bestehen, sondern können sich auch aus mehreren Wörtern zusammensetzen. Ein bekanntes Beispiel ist “jemandem das Herz brechen“. Diese Metapher hat es schon längst in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft und wird verwendet, ohne dass sie als Metapher wahrgenommen wird. Einige Metaphern gelten mittlerweile als tote Metaphern, da ihr metaphorischer Charakter über Jahrhunderte hinweg verloren gegangen ist und sie als eigenständige und voll etablierte Worte auftreten, beispielsweise “Tischbein“ oder “Baumkrone“.

Beispiele für Metaphern

Beispiele für Metaphern

Die Metapher verfolgt kein eindeutiges Prinzip und sie kann auf verschiedene Weise auftreten. Es kann mitunter einige Zeit dauern, bis du die sprachlichen Bilder im Text erkennst. Mit ein wenig Übung kannst du das Stilmittel jedoch schnell erkennen und beispielsweise für deine Sachtextanalyse, Gedichtanalyse oder Romananalyse verwenden. Damit du ein besseres Bild davon bekommst, was Metaphern überhaupt sind, haben wir einige typische Beispiele aus der Alltagssprache und ihre Bedeutungen für dich zusammengestellt.

“Mauer des Schweigens“

Diese Metapher verdeutlicht ein allumfassendes Schweigen, das eine Person wie eine Mauer umgibt. Das Schweigen an sich wird hier als Ablehnung wahrgenommen und ist somit negativ konnotiert.

“Rosarote Brille“

Diese Metapher besagt, dass jemand im Bezug auf eine bestimmte Sache eine selektive und ausschließlich positive Wahrnehmung hat.

“Jemandem das Wasser reichen“

Diese Metapher wird verwendet, wenn jemand nahezu dieselben Fähigkeiten und Leistungen wie jemand anderes aufweist.

“Die Nadel im Heuhaufen suchen“

Diese Metapher benennt eine Suche, die aussichtslos erscheint.

“Jemandem auf den Zahn fühlen“

Diese Metapher wird verwendet, wenn jemand genaue und teilweise unangenehme Fragen stellt.

“Warteschlange“

Diese Metapher ist in der Alltagssprache schon längst etabliert. Sie bezeichnet eine Menschenaufreihung, die sich in Form einer Schlange zum Warten aufstellt.

“Wink mit dem Zaunpfahl“

Diese Metapher bezeichnet einen eindeutigen Hinweis.

“Schnee von gestern“

Diese Metapher benennt einen Sachverhalt aus der Vergangenheit, der in der Gegenwart keine Bedeutung mehr hat.

“Nägel mit Köpfen machen“

Diese Metapher bezeichnet einen Sachverhalt, der endlich durchgeführt und zu Ende gebracht wird.

“Rabeneltern“

Dieser Metapher benennt Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen.

“Tropfen auf dem heißen Stein“

Mit dieser Metapher bezeichnet man eine kleine Menge beziehungsweise eine kurze Dauer.

“Aus allen Wolken fallen“

Diese Metapher äußert Erstaunen beziehungsweise Überraschung.

“Scheuklappen nicht zu eng schnüren“

Diese Metapher wird verwendet, wenn jemand sich mehrere Alternativen offen lassen und einen Weitblick behalten sollte.

“Mit allen Wassern gewaschen sein“

Diese Metapher benennt jemanden, dem alle Mittel recht sind, um sein Ziel zu erreichen.

Metaphern analysieren

Metaphern analysieren

Bei der Analyse eines Textes können sich Metaphern als sehr hilfreich erweisen – und zwar um den Text besser zu verstehen und vielleicht sogar die Kernaussage des Textes zu erfassen. Du solltest dabei unter anderem auf die Aussage der Metapher achten, also ihre genaue Bedeutung herausfinden. Darüber hinaus solltest du berücksichtigen, wie sie im Zusammenhang mit dem Text gedeutet werden kann und sich zusammen mit anderen rhetorischen Mitteln zu einem großen Ganzen formt. Vielleicht werden andere rhetorische Mittel wie Vergleiche, Anaphern und Allegorien verwendet, um das Gleiche auszusagen oder vielleicht zieht sich eine bestimmte Symbolik durch den Text.

Beispiel: “Während sie im hohen Bogen aus der Schule flog, fielen ihre Eltern aus allen Wolken.“

In beiden Satzteilen sind in diesem Beispiel Metaphern zu finden, nämlich zum einen “im hohen Bogen aus der Schule fliegen“ und zum anderen "aus allen Wolken fallen". Interpretieren könntest du die Metaphern im Bezug auf die Symbolik “Himmel“ oder “Luft“, da sowohl eine Metapher mit dem Verb “fliegen“ zu finden ist, als auch eine Metapher mit dem Nomen “Wolken“, die beide zu der genannten Symbolik passen würden. Um sicher zu gehen, ob dies auch die Intention des Autors war, solltest du den Text noch auf weitere rhetorische Mittel hin untersuchen, die dieselbe Symbolik aufweisen.

Weiterhin empfiehlt es sich, den Zweck einer bestimmten Metapher genau zu untersuchen. Warum wird die Metapher genau an dieser Textstelle eingesetzt? Und warum nutzt der Autor überhaupt eine Metapher, um den Sachverhalt auszudrücken? Gründe für den Einsatz einer Metapher können vielfältig sein:

  • Es existiert kein eigenes Wort für die beschriebene Sache, beispielsweise “Flaschenhals“.
  • Die normale Ausdrucksweise gilt als anstößig oder ist negativ behaftet.
  • Ein abstrakter Sachverhalt kann mithilfe einer Metapher genauer ausgedrückt werden.
  • Eine Eigenschaft soll besonders hervorgehoben werden, wie beispielsweise die Langsamkeit bei “Schneckentempo“.

In einigen Fällen nutzen Autoren jedoch extra besonders rätselhafte Metaphern, die sehr viel Interpretationsspielraum lassen. Auf diese Weise kann jeder Mensch den Text ganz individuell interpretieren. Bei der Interpretation können dir Lebenserfahrung, Hintergründe zum Autoren und zur Epoche und ein gutes Vorstellungsvermögen behilflich sein.

Metaphern am Beispiel “Der Erlkönig“

Metaphern am Beispiel “Der Erlkönig“

Die Ballade “Der Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1782 zählt zu Goethes bekanntesten Werken. Hier kann der gesamte Text metaphorisch gedeutet werden, da nicht nur einzelne Ausdrücke als Metaphern interpretiert werden können, sondern die gesamte Rahmenbedingung mit dem Erlkönig als den personifizierten Tod.

Über die ganze Ballade hinweg sieht das fiebrige Kind in allerlei Formen und Begebenheiten den herannahenden Tod in Form des Erlkönigs. Während der Erlkönig anfangs versucht das Kind mit Verlockungen zu überreden, zu ihm zu kommen, droht er gegen Ende mit Gewalt. Mit der Wandlung des Erlkönigs verändert sich auch die Gefühlswelt des Kindes. Ist es anfangs noch fasziniert vom Erlkönig, reagiert es schließlich mit Angst auf die düstere Atmosphäre, die den Erlkönig umgibt. Einzig der Vater kann sich dem Erlkönig entziehen und verbleibt in der Realität.

Neben der fortlaufenden Metapher des Erlkönigs als Tod gibt es in dem Gedicht noch zahlreiche weitere Metaphern, die du weiterhin separat interpretieren und deuten kannst. Sie sind in der folgenden Ballade fett markiert. Obwohl einige Beispiele auch wortwörtlich schon Sinn ergeben, lassen sie doch Spielraum für weitere Interpretationsmöglichkeiten.

Der Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

(Johann Wolfgang von Goethe)

Metaphern in Storms Gedicht “Die Stadt“

Vor allem Gedichte weisen oft eine besonders bildhafte Sprache auf. In der ersten Strophe von Theodor Storms Gedicht “Die Stadt“ aus dem Jahr 1852 finden sich bereits zahlreiche Metaphern, die zusammen eine düstere und trostlose Stimmung erzeugen und viel Interpretationsspielraum bieten. Die bildhaften und metaphorischen Stellen sind auch in diesem Beispiel wieder fett markiert. Weitere Gedichte findest du hier. 

Die Stadt

Am grauen Strand, am grauen Meer
Und seitab liegt die Stadt;
Der Nebel drückt die Dächer schwer,
Und durch die Stille braust das Meer
Eintönig um die Stadt.

(Theodor Storm)

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