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Barock: Definition, 3 Motive, 10 Merkmale & 3 Vertreter der Epoche

Die Epoche des Barock ist eine Zeit der Widersprüche und Kontraste. Adel, Prunk und Lebensgenuss stehen Armut, Gewalt und Tod gegenüber. Diese Zweischneidigkeit spiegelte sich auch in der Literatur des Barock (etwa 1600 bis 1720) wider und brachte einige prägnante Motive hervor. Wir haben für dich die wichtigsten Merkmale, Motive, Vertreter und Werke der Epoche.

Zwischen Renaissance und Aufklärung findet sich die prunkvolle Epoche des Barock. Sie ist eine Zeit der religiösen und wissenschaftlichen Umschwünge, des exzentrischen Adels und des verarmten Volkes. Der Barock wirkte sich auf sämtliche Künste aus, von denen wir im Folgenden speziell die deutsche Literatur genauer betrachtet haben.

Barock: Die Prunkvollste aller Epochen?

Raum im Schloss Versailles: ein Paradebeispiel für die Prunk-Architektur des Barock

Der Barock betraf sowohl die Musik als auch die Literatur, vor allem aber die Architektur und die bildende Kunst. Sie gilt als prunkvollste aller Epochen und erstreckt sich über fast zwei Jahrhunderte. Besonders einprägsam sind die eindrucksvollen Bauten dieser Zeit, die mit detaillierten Malereien, satten Farben, viel Gold und Schnörkeln verziert wurden. Sie gelten als klares Erkennungsmerkmal der Epoche.

Sie hatte allerdings nicht nur schöne Seiten. Die große Mehrheit der Bevölkerung war von Armut geplagt und litt wegen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) unter Todesängsten. Die Schattenseiten des Barocks zeigen sich vor allem in der Literatur. So zeigt sie vor allem Vergänglichkeitsmotive und gesellschaftliche Probleme (siehe “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” von Grimmelshausen).

Der Krieg wurde unter anderem ausgelöst durch Martin Luthers Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche. Es fand eine religiöse Spaltung statt: Die reformierten Anhänger Luthers und die Katholiken betrachteten sich als Feinde.

Definition von “Barock” und “Barockliteratur”

Die Epoche “Barock” umfasst eine lange Zeit, beeinflusste mehrere Länder und wirkte sich auf die verschiedenen Künste aus. Deshalb haben wir sie zunächst allgemein definiert und im Anschluss einen genaueren Bezug zur Literatur des Barocks geschaffen.

Barock

Der/das Barock ist eine europäische Epoche, die einen großen Einfluss auf die Kunstgeschichte hatte. Sie ging allgemein vom Ende des 16. Jahrhunderts bis weit ins 18. Jahrhundert (1760/70) hinein, lässt sich aber in Frühbarock (bis etwa 1650), Hochbarock (etwa 1650–1700), Spätbarock (etwa 1700–1730) und Rokoko (etwa 1730–1760/70) unterteilen. Die Epoche “Rokoko” gilt dabei häufig als eigene Epoche und wird mit dem Spätbarock zusammengeführt.

Ausgehend von Italien breitete sich der Barock auf viele weitere europäische Länder aus: Frankreich, Spanien, Österreich, England und Deutschland. Sogar Lateinamerika folgte dem spanischen Vorbild und adaptierte den Barock-Stil. Prägnante Merkmale sind in allen Künsten (Musik, Literatur, Architektur, bildende Kunst) kraftvolle, oft feierliche und überschwängliche Formen.

Barockliteratur

"Barockliteratur" oder "Literatur des Barock"

Seit etwa 1800 spricht man von "Barockliteratur" oder der "Literatur des Barocks". Sie bezeichnet eine Literaturepoche von etwa 1600 bis 1720. Besondere Merkmale sind der typische “Schwulst”, mythologische und religiöse Allegorien und viele Metaphern. Sie überschneiden sich teilweise mit den Merkmalen der Klassik.

In der Barockliteratur löste die deutsche Sprache das Lateinische ab. Angelehnt an die Vorbilder der lateinischen Dichtung war das “Buch von der Deutschen Poeterey” (1624) von Martin Opitz, das als erstes Werk Richtlinien der deutschen Dichtung zusammenfasste. Die Literatur des Barocks wurde wegen ihrer mangelnden Natürlichkeit (zum Beispiel durch ihre gekünstelte Überschwänglichkeit) von einigen Kritikern nur wenig geschätzt.

Begriffsbestimmung “Barock”

Im Deutschen kann man sowohl "der Barock" als auch "das Barock" sagen. Der Genitiv kann sowohl mit s “des Barocks” (eher umgangssprachlich) als auch ohne s “des Barock” (eher fachsprachlich) gebildet werden. Das Adjektiv “barock” gab es im Deutschen noch vor dem Substantiv “Barock”. Der Begriff gelangte über das italienische “barocco” und das französische “baroque” im Sinne von “bizarr” und “merkwürdig” ins Deutsche.

Sein eigentlicher Ursprung findet sich allerdings im Portugiesischen, in dem eine ungleichmäßig geformte Perle als “barroco” bezeichnet wurde. “Barock” bedeutet in diesem Sinne “unregelmäßig” oder “schief”. Allen Bedeutungen wohnt eine gewisse Exzentrik inne, eine Normabweichung, die sich in den Merkmalen des Barocks spiegelt und ihn im Vergleich zu anderen Epochen stark hervorhebt.

Literatur des Barocks: Motive, Merkmale, Vertreter & Werke

Die Literatur des Barocks war geprägt von thematischen Widersprüchen. Diesseits und Jenseits standen sich gegenüber, Spiel und Ernst, Schein und Sein, Lust und Tugend, Erotik und Askese (disziplinierte Selbstkontrolle) sowie “Memento mori” (Bedenke den Tod) und “Carpe diem” (Nutze den Tag). Drei der wichtigsten Motive in der Barockliteratur haben wir für dich zusammengefasst. Zusätzlich findest du die zehn wichtigsten Merkmale der Literatur auf einen Blick.

Drei wichtige Motive der Barockliteratur

Der Tod war ein zentrales Leitmotiv im Barock

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) wurde ausgelöst durch die Spaltung des Christentums (Protestanten gegen Katholiken) und bestimmte das Lebensgefühl der Menschen. Gewalt und Zerstörung prägten das alltägliche Dasein und führten zu einer Dauerpräsenz des Todes in den Köpfen der Menschen. Die Angst vor dem Tod bestimmte die gesamte Wahrnehmung des Lebens und so kamen drei wichtige lateinische Leitmotive in der Literatur zustande, die auf den Tod ausgerichtet sind: Memento mori, Vanitas und Carpe diem.

Memento mori

“Memento mori” bedeutet im Lateinischen “Bedenke, dass du sterben musst“. Es zeigt deutlich, welche Auswirkungen der Krieg auf das Todesbewusstsein der Menschen hatte. Durch die stetige Erinnerung an den Tod wird der Blick immerzu auf diesen gerichtet. “Memento mori” ist von Vergänglichkeit und Nichtigkeit (“Vanitas”) behaftet und bildet das eher resignierende Gegenbild zum motivierenden “Carpe diem”, das dazu anhält, sein Leben zu nutzen.

Vanitas

“Vanitas” lässt sich aus dem Lateinischen mit “Eitelkeit”, “Nichtigkeit”, “Misserfolg” und “Vergänglichkeit der Welt” übersetzen. Es ähnelt dem Motiv “Memento mori” insofern, als dass es die Vergänglichkeit des Lebens betont und den Blick in Richtung Tod wendet. Diese Sichtweise entzieht dem menschlichen Handeln seine Bedeutung und seine Wirkungsmacht. Der Blick der Christen wendet sich hin zur Transzendenz, einem besseren Leben nach dem Tod im Jenseits.

Carpe diem

“Carpe diem” bedeutet im Lateinischen “Nutze/Genieße den Tag”. Das Motiv geht auf Horaz zurück (römischer Dichter) und soll dazu anhalten, den Tag bewusst zu genießen, beziehungsweise sein vergängliches Leben zu nutzen. Im Gegensatz zu “Memento mori” wird eine positive Sicht auf das Leben befürwortet, die zudem auf christliche Transzendenz verzichtet. Der sichere Tod solle nicht zu schwer genommen werden, damit das Leben im Hier und Jetzt genossen werden kann. Hier findest du Tipps und Sprüche zum Lebensmotto “Carpe diem”.

Merkmale & Themen der Barockliteratur

Viele Merkmale und Themen der Barockliteratur sind christlich behaftet

Wir haben die zehn wichtigsten Merkmale der Barockliteratur in drei Kategorien unterteilt, da sich die literarischen Gattungen stilistisch zum Teil voneinander unterscheiden. Im Anschluss findest du die allgemeinen Themen der Literatur, die sich in jeder Gattung finden können. Viele dieser Themen sind von Widersprüchen und durch den christlichen Glauben geprägt.

Wenn du ein Werk aus der Epoche des Barock in der Schule oder Universität behandelst, können dir die folgenden Links bei einer Analyse helfen:

Lyrik

  1. Metrum: meist ein Alexandriner, also ein 6-hebiger Jambus mit Zäsur (Sprechpause/Einschnitt im Vers) nach der sechsten Silbe beziehungsweise nach der dritten Hebung
  2. Form: äußere Ästhetik und Wohlklang spielten eine große Rolle
  3. Rhetorische Mittel: Anaphern, Metaphern, Allegorien, Antithesen, Hyperbeln, Repetitio
  4. Stil: bildliche Darstellungen sollen die Rolle des Menschen zwischen Diesseits und Jenseits veranschaulichen, hinter Namen und Dingen gibt es oft eine verborgene Bedeutung
  5. Wichtige Werke: “Es ist alles eitel” (Sonett, 1637) von Andreas Gryphius, “Carpe diem” (Ode, 1624) von Martin Opitz, “Geh aus, mein Herz, und suche Freud” (Gedicht/Lied, 1653) von Paul Gerhardt

Prosa

  1. Sprache: weniger pathetisch als die Sprache der Lyrik, eher volkstümliche Sprache mit Witz und ironisch übertriebenen Latinismen
  2. Stil: häufig christlich geprägt; vom Vertrauen eines besseren Lebens bei Gott im Himmel
  3. Wichtige Werke: “Schelmuffsky” (1696/97) von Christian Reuter und “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” (1668) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Barockpredigt

  1. Stil: Integrieren von Bibelzitaten, Sprichwörtern, Redewendungen und Lehren antiker Werke in die Reden von Predigern
  2. Bekanntester deutscher Prediger: Abraham a Sancta Clara (1644–1709)

Themen der Literatur

  1. Diesseits (irdisches Leben) und Jenseits (Leben nach dem Tod, Transzendenz)
  2. Erotik und Askese (disziplinierte Selbstkontrolle)
  3. “Memento mori” (Bedenke den Tod) und “Carpe diem” (Nutze den Tag)
  4. Spiel und Ernst
  5. Schein und Sein
  6. Lust und Tugend

Wichtige Vertreter und Werke der Barockliteratur

Vertreter und Werke der Barockliteratur

Wir haben drei wichtige Vertreter des Barocks und typische Werke für dich zusammengestellt. Die beiden lyrischen Werke “Carpe diem” und “Es ist alles eitel” findest du vollständig in moderner Fassung. Den Roman “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” haben wir für dich zusammengefasst.

Neben den folgenden Vertretern waren ebenfalls Casper von Lohenstein, Caspar Ziegler, Friedrich Freiherr von Logau, Georg Rudolf Weckherlin, Paul Fleming, Jakob Bidermann, Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau und Angelus Silesius (Johann Scheffler) wichtige Vertreter des Barocks.

Martin Opitz: “Carpe diem” (1624)

Martin Opitz (1597–1639) war ein deutscher Dichter, Theoretiker und Begründer der Schlesischen Dichterschule. Er schuf mit seinem “Buch von der Deutschen Poeterey” (1624) die erste deutsche Regelpoetik und legte somit den Grundstein für die deutsche Dichtung des Barocks.

Seine Ode “Carpe diem” (1624) ist ein häufig angeführtes Beispiel für das Barock-Motiv “Carpe diem” und lässt sich sehr gut interpretieren. Sie erhielt ihren Titel erst in einem Nachdruck des 19. Jahrhunderts. Davor lautete sie “Ich empfinde fast ein Grauen”. Es geht um ein lyrisches Ich, das zu der Einsicht gelangt, dass es seine begrenzte Zeit auf Erden nutzen sollte. Der Fokus liegt demzufolge auf den positiven Aspekten des Lebens. Die Stimmung ist heiter, da das lyrische Ich in die Genüsse des Lebens kommt und nun weniger Wert auf alltägliche Pflichten legt.

Ich empfinde fast ein Grauen,
dass ich, Plato, für und für
bin gesessen über dir.
Es ist Zeit hinauszuschauen
und sich bei den frischen Quellen
in dem Grünen zu ergehn.
wo die schönen Blumen stehn
und die Fischer Netze stellen!

Wozu dienet das Studieren
als zu lauter Ungemach!
Unterdessen läuft die Bach
unsers Lebens, das wir führen,
ehe wir es inne werden,
auf ihr letztes Ende hin:
dann kömmt ohne Geist und Sinn
dieses alles in die Erden.

Holla, Junger, geh und frage,
wo der beste Trunk mag sein,
nimm den Krug und fülle Wein!
Alles Trauren, Leid und Klage,
wie wir Menschen täglich haben,
eh uns Clotho fortgerafft,
will ich in den süssen Saft,
den die Traube gibt, vergraben.

Kaufe gleichfalls auch Melonen
und vergiss des Zuckers nicht,
schaue nur, dass nichts gebricht!
Jener mag der Heller schonen,
der bei seinem Gold und Schätzen
tolle sich zu kränken pflegt
und nicht satt zu Bette legt;
ich will, weil ich kann, mich letzen!

Bitte meine guten Brüder
auf die Musik und ein Glas!
Kein Ding schickt sich, dünkt mich, bass
als gut Trank und gute Lieder.
Lass ich gleich nicht viel zu erben,
ei, so hab ich edlen Wein!
Will mit andern lustig sein,
muss ich gleich alleine sterben.

(Martin Opitz: “Carpe diem”)

Andreas Gryphius: “Es ist alles eitel” (1637)

Andreas Gryphius (1616–1664) war ein deutscher Dichter und Dramatiker. In seinen Sonetten verarbeitete er das Leiden und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens. Sein populäres Sonett “Es ist alles eitel” folgt dem “Vanitas”-Motiv und betont die Vergänglichkeit allen irdischen Lebens.

Diese wird durch die menschliche Eitelkeit hervorgerufen, die immer alles neu schaffen müsse. Die Vergänglichkeit gebe den Dingen aber auch einen höheren Wert, denn je vergänglicher und seltener sie sind, umso lieber würden sie betrachtet werden. Zum besseren Verständnis findest du im Folgenden eine modernisierte Fassung von “Es ist alles eitel”.

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Was jetzt noch prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch’ und Bein,
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach! Was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t.
Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten!

(Andreas Gryphius: “Es ist alles eitel”)

Grimmelshausen: “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” (1668)

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622–1676) war ein deutscher Schriftsteller, der seinen Namen häufig in Form von Anagrammen in seine Werke integrierte. “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” war nicht nur das Hauptwerk des Autors, sondern auch der wichtigste Roman des Barockzeitalters.

Er fällt in die Unterkategorie “Schelmenroman” und gilt zudem als erster “Abenteuerroman”. Er ist 1668 unter dem Pseudonym “German Schleifheim von Sulsfort” (Anagramm für “Christoffel von Grimmelshausen”) erschienen, wurde aber auf 1669 datiert. Der Roman skizziert den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) sowie die zeitgenössische Gesellschaft auf eine überspitzte und satirische Art und Weise. Das Leitmotiv ist Desillusionierung. Wir haben den Roman im Folgenden kurz für dich zusammengefasst.

Zusammenfassung “Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch” (1668)

Während des Dreißigjährigen Krieges wächst der Viehhirte Simplicius auf einem Bauernhof in Spessart auf. Er besitzt keinerlei Bildung, hält den Bauernhof für die ganze Welt und weiß nicht einmal seinen eigenen Namen. Mit zehn Jahren lotst er versehentlich durch das Spiel auf seiner Sackpfeiffe (Dudelsack) eine Truppe verirrter Soldaten zum Bauernhof, die plündern, schänden, foltern und morden. Eine Magd rät ihm zu fliehen und so irrt er tagelang durch den Wald, bis er einen Einsiedler trifft, der ihn aufnimmt und “Simplicius” (den Einfältigen) nennt. Er bringt ihm Lesen und Schreiben bei und lehrt ihn das Christentum.

Nach zwei Jahren stirbt der Einsiedler, was Simplicius’ Leben abenteuerlich und beschwerlich werden lässt. Er wird von Soldaten entführt und wird Page eines schwedischen Kommandanten in Hanau. Aufgrund seines einfachen Charakters wird er zum Narr erklärt und muss ein Kostüm tragen. Kroatische Reiter entführen ihn dann nach Magdeburg, wo er weiterhin als Narr eingesetzt wird. Der Sohn des Hofmeisters, Ulrich Herzbruder, wird sein Freund und Begleiter.

Als Magdeburg kurz vor der Zerstörung durch den Krieg steht, kann Simplicius mit Ulrichs Hilfe fliehen. Daraufhin wird er Diener in einem Kloster, liest viel, lernt fechten und wird der bekannte “Jäger von Soest”. Sein Glück endete jedoch schnell, da er von Schweden in Lippstadt eingesperrt wird. Er verliert all sein Geld und muss heiraten, um Freiheit zu erlangen. Daraufhin macht er sich über Köln auf nach Paris, wo er als Opernsänger einige erotische Abenteuer erlebt und viel Geld verdient. Als er an Pocken erkrankt, wird er jedoch ausgeraubt. Als Wunderheiler ohne Qualifikation (Quacksalber) kommt er wieder zu Geld, wird aber von Musketieren zum Kriegsdienst gezwungen.

Sein Freund Ulrich hilft ihm erneut und die beiden machen sich auf eine Wallfahrt nach Einsiedeln in der Schweiz. Ulrich erkrankt jedoch schwer und stirbt. Auch seine erste Ehefrau stirbt und Simplicius heiratet eine Bäuerin aus dem Schwarzwald, die letztendlich Alkoholikerin wird und ebenfalls stirbt. Er trifft auf seinen Ziehvater, von dem er glaubte er wäre sein leiblicher Vater gewesen, und erfährt, dass der verstorbene Einsiedler in Wirklichkeit sein Vater war.

In seinem Bauernhof quartieren sich Truppen ein, nehmen ihn gefangen und verschleppen ihn nach Moskau. Von dort aus gelangt er nach Korea, Japan, Macau, Ägypten, Konstantinopel und Rom, bis er schließlich wieder heimkehrt. Bei einem Spaziergang im Wald findet er einen Gestaltwandler, den er als göttliches Zeichen deutet und deshalb nach Santiago de Compostela (Spanien) reisen will. Als sein Schiff jedoch kentert und er sich auf eine Insel retten muss, wird er dort zum Einsiedler und verabschiedet sich von der schrecklichen Welt. Er schreibt sein Leben nieder und gibt den Bericht Jahre später einem holländischen Kapitän, der zufällig an der Insel vorbeifährt.

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