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Moderne: Definition, 6 Merkmale & 12 Vertreter der Epoche

Mit der Epoche der Moderne brach für alle Künste ein neues Zeitalter an. Das Kunstverständnis brach mit alten Traditionen und entwickelte völlig neue Formen. Wir haben neben der Definition, wichtigen Merkmale und Vertretern viele weitere Informationen zu dieser Epoche. Hierbei haben wir den Fokus auf die moderne Literatur gelegt. Du findest aber auch kleine Exkurse zu Kunst und Architektur.

In diesem Artikel findest du alles Wissenswerte über die Epoche der Moderne. Sie zeichnet sich durch zahlreiche Unterepochen (Strömungen) aus, die jeweils unterschiedliche Merkmale haben. Aus diesem Grund gehört die Moderne nicht nur zu einer der neusten, sondern auch zu einer der facettenreichsten Epochen. Wir haben das Augenmerk auf die vielseitige Literatur der Moderne gelegt. Anschließend findest du aber auch einen kleinen Exkurs in die Moderne Kunst und die Moderne Architektur.

Die Moderne: Ein neues Zeitalter

Die Moderne: Ein neues Zeitalter beginnt

Im Folgenden findest du eine Definition der Moderne sowie Informationen zum Begriff (“Moderne”, “Klassische Moderne”). Anschließend erfährst du etwas über den geschichtlichen Hintergrund und die vielen verschiedenen Strömungen dieser Zeit. Die Merkmale der modernen Literatur können dir bei der Vorbereitung auf Prüfungen oder für Referate helfen. Der Ausblick in die Postmoderne hilft dir dabei, die Moderne klarer abzugrenzen. Wenn du dich ebenfalls für moderne Kunst und Architektur interessierst, findest du auch dazu ein paar wichtige Eigenschaften.

Definition der Epoche

Die Moderne ist eine Epoche zwischen 1890 und 1920. Sie wird häufig auch als "Klassische Moderne" bezeichnet und umfasst einige unterschiedliche Strömungen wie Impressionismus, Expressionismus, Symbolismus, Ästhetizismus und weitere Epochen, die wir in diesem Artikel näher für dich ausgeführt haben.

Hauptmerkmal moderner Epochen ist die Subjektivierung der Kunst, ihre ästhetische Betrachtung als Kunst um der Kunst willen und die Freiheit der Künstler, die sich nun individuell ausleben können, anstatt traditionellen Formen und Nachahmungen der Natur folgen zu müssen. Damit ist sowohl Kunst in Form von Malerei, Skulptur, Fotografie und dergleichen gemeint als auch die Künste generell, zu denen auch Literatur, Architektur und Musik gehören.

Zum Begriff “Moderne”

Als “modern” wird seit dem Mittelalter alles Innovative und Neue bezeichnet. Im 18. Jahrhundert wurde der Begriff dann häufiger für geforderte künstlerische Neuheiten verwendet. Die Bedeutung des Begriffs hat sich bis heute nicht großartig verändert und bezeichnet neben neuen, innovativen Phänomenen auch häufig zeitgenössische. “Die Moderne” als neues Zeitalter wurde erst um die Jahrhundertwende (ab 1890) zum Begriff. Wenn man von der abgeschlossenen Epoche spricht, wird häufig die Bezeichnung “Klassische Moderne” verwendet.

Klassische Moderne

Die Klassische Moderne bezeichnet alle Neuerungen zwischen 1890 und 1920

Als Klassische Moderne wird die abgeschlossene Epoche bezeichnet, die sich um die Jahrhundertwende herausbildete. Sie bezieht sich nicht auf eine bestimmte Kunstrichtung, sondern bezeichnet alle Neuerungen in der Technik, Humanwissenschaft, Naturwissenschaft, Sozialpolitik, der modernen Kunst und Literatur sowie der Musik und Architektur. Vor allem politisch standen zu dieser Zeit Änderungen bevor: Die konstitutionelle Monarchie der Kaiserzeit wurde abgelöst von der Weimarer Republik. Diese hielt von 1918 bis 1933 an und bildete die erste parlamentarische Demokratie in Deutschland. Sie endete mit der Machtübernahme der NSDAP.

Historischer Hintergrund

Kaiser Wilhelm der II versuchte seit seinem Amtsantritt 1888 die Stellung Deutschlands als Weltmacht auszubauen. Es wird aufgerüstet; Nationalismus, das Streben nach Expansion sowie wirtschaftliche und technische Neuerungen bestimmen das Leben der Menschen. Es entstehen Anonymität, Reizüberflutung und schlechte Arbeitsbedingungen durch die fortschreitende Industrialisierung und Verstädterung (Urbanisierung). Hinzu kommen neue wissenschaftliche Erkenntnisse von Albert Einstein, Max Planck und Sigmund Freud. Der Erste Weltkrieg wütete von 1914 bis 1918. In dieser Zeit des Umschwungs entwickelten sich unterschiedliche Arten der Bewältigung.

Um den künstlerischen Zeitgeist der Moderne zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die vorausgegangene Epoche. Der Naturalismus (1880–1900) wollte sich klar von seinem Vorgänger, dem verklärenden Realismus (1848–1890) abgrenzen. Der Realismus wollte ein idealisiertes, aber realistisches Bild der Dinge schaffen. Der Naturalismus hingegen legte den Fokus auf exakte wissenschaftliche Naturtreue. Neben zahlreichen Naturabbildungen findet auch das ungeschönte Hässliche seinen Platz in Literatur und Kunst. Alles soll exakt so abgebildet werden wie in der Realität.

In der Moderne kehren sich diese objektiven Tendenzen um: Kunst solle nun einfach Kunst sein, ästhetisch, subjektiv und individuell. Es gab keinen Anspruch mehr auf Naturtreue oder exakte Abbildung der Realität. Es entwickelten sich unterschiedliche Strömungen mit verschiedenen Motiven und Themen, die wir in den folgenden Kapiteln für dich ausgeführt haben.

Strömungen der Moderne

Beispiel für den Kunst-Stil des Impressionismus

Zu den Strömungen der Moderne gehören der Impressionismus, Symbolismus, Expressionismus und Ästhetizismus, die Dekadenz und die Wiener Moderne. Ihre Gemeinsamkeit liegt darin, dass sie ein entgegengesetztes Verständnis davon haben, was der Naturalismus repräsentierte.

Er wollte den künstlerisch verklärenden Realismus überwinden und widmete sich detaillierter Abbildungen der Realität. Dies bedeutete auch, soziale Randgruppen mit einzuschließen und ihr Leben so wiederzugeben, wie es ist. Der Naturalismus war geprägt von Rationalität, Verwissenschaftlichung und Kausalität. Die Epochen der Moderne gehen gegen dieses Prinzip vor. Sie wollen eine neue Denkweise schaffen und das Ich in den Fokus rücken.

Impressionismus

Der Impressionismus (1890–1920) war geprägt von der subjektiven Darstellung von Eindrücken. Das Bewusstsein wurde nachgeahmt und es wurden Einblicke in die Seele gegeben. Dazu wurde die eigene Wahrnehmung offengelegt und Sinneseindrücke präzise dargestellt. Momentaufnahmen waren ein beliebtes Darstellungsmittel, um diese Eindrücke zu geben. Das Ich stand im Fokus dieser Bewegung und hatte einen hohen Stellenwert für die Künstler dieser Zeit. Farben und Lichteffekte spielten in der Literatur zunehmend eine Rolle, auch die Bildlichkeit der Darstellungen verschärfte sich. Beliebt waren kurze Textformen wie Novellen, Einakter oder Gedichte.

Symbolismus

Der Symbolismus (1860–1925) war idealistisch geprägt. Es wurden Teile aus der Wirklichkeit entnommen und in neue Sinnbilder eingefügt. So entstanden eigene Symbole und ästhetische Kunstwelten, die offen für Interpretationen waren und Empfindungen auslösen sollten. Diese Symbolik ging weit über einfache Metaphern hinaus. Künstler und Autoren wollten den tieferen Zusammenhang der Dinge ergründen. Zu den Themen gehörten Sünde, Leidenschaft, Tod und Mythen.

Motive waren Sinneserfahrungen und Eindrücke aus dem Gedächtnis, wie bestimmte Gerüche, Klänge und Farben. Die Literatur war wenig rational und driftete häufig in Traumwelten oder ins Surreale ab. Ein repräsentatives Werk aus dem späten Symbolismus ist Arthur Schnitzlers “Traumnovelle” (1926), in dem nahezu alle eben genannten Themen und Motive aufgegriffen werden.

Expressionismus

Beispiel für den Kunst-Stil des Expressionismus

Der Expressionismus dauerte in der Literatur etwa von 1905 bis 1925 an. Er ist die Epoche des Ausdrucks und der Individualität und repräsentiert in überspitzter Form, wozu alle anderen Epochen der Moderne ebenfalls tendieren: eine neue Denkweise. Die Expressionisten wollten Veränderung und ein ganz neues Kunstverständnis schaffen, indem sie bekannte Formen dekonstruierten und schöpferisch-freigeistig arbeiteten.

Die Literatur hielt sich nicht mehr an traditionelle Formvorgaben, es gab keinen Bezug mehr zur Realität, keine logischen Zusammenhänge, viele Neologismen, Metaphern und Farbsymbolik. Motive waren die Großstadt, Anonymität, Reizüberflutung, Rausch, Traum, Tod, das Hässliche und das Groteske. Durch diese Art von Kunst versuchten die Expressionisten, die starre, traditionelle Denkweise der älteren Generation zu lockern, sie wachzurütteln und zu schockieren, damit sie neuen, zeitgemäßen Ansichten weichen konnte.

Ästhetizismus

Der Ästhetizismus ist eine literarische Epoche von etwa 1890 bis 1920. Sie betrachtete das Schöne als höchstes Gut und ordnete Ethik, Erkenntnis, Religion und Soziales dem Schönen unter. Diese Einstellung nennt sich auch ästhetischer Amoralismus, also die Ablehnung moralischer Normen zugunsten des Schönen.

Seine Wurzeln fand der Ästhetizismus in der Romantik (1795–1835), unter anderem bei Théophile Gautier, der Schönheit einzig und allein im Zweckfreien sah und alles Nützliche als hässlich einstufte. Ein repräsentatives Werk ist “Das Bildnis des Dorian Gray” (1890) von Oscar Wilde, der in seinem Vorwort manifestierte, worum es im Ästhetizismus geht.

Dekadenz (Fin de Siècle)

Der Begriff Dekadenz wurde aus dem Französischen von “décadence” für “Verfall” übernommen. Die Strömung findet sich innerhalb der europäischen Literatur der Jahrhundertwende (Fin de siècle) etwa von 1890 bis 1914. Ihre Literatur klagte über den Verlust des Ichs, kreierte eine Welt, in der die Kunst über der Natur steht und vermittelte eine Stimmung des Niedergangs und des Verfalls. Ein Beispiel für Phänomene der Dekadenz ist der Roman “Buddenbrooks: Verfall einer Familie” (1901) von Thomas Mann. Andere deutsche Vertreter sind Rainer Maria Rilke, Arthur Schnitzler und die frühen Werke von Hugo von Hofmannsthal.

Wiener Moderne

Beispiel für den Kunst-Stil der Wiener Moderne (Gustav Klimt: Der Kuss, 1907/08)

Als Wiener Moderne wird eine künstlerische Hochphase Österreichs von etwa 1890 bis 1910 bezeichnet, in der die Stadt Wien kulturell aufblüht. Musik, Malerei, Architektur, Philosophie und Literatur produzierten viele neuartige Werke, die als Gegenbewegung zum Naturalismus verstanden werden können. Die Kunst sollte nicht die Realität abbilden, sondern Kunst um der Kunst willen sein.

Insbesondere in der Literatur ist die Wiener Moderne ein wichtiger Begriff. Die österreichische Literatur schwappte nicht nur nach Deutschland über, sondern repräsentiert auch einen wichtigen Teil deutschsprachiger Literaturgeschichte. Wichtige Autoren sind Hugo von Hofmannsthal (“Ein Brief” Brief des Lord Chandos an Francis Bacon, 1902), Arthur Schnitzler (“Traumnovelle”, Novelle, 1925), Georg Trakl (“Sebastian im Traum”, Lyrische Sammlung, 1915) und Robert Musil (“Verwirrungen des Zöglins Törleß”, Roman, 1906).

Ausblick: Neue Sachlichkeit

Die Neue Sachlichkeit bezeichnet eine Epoche, die in der späten Moderne ihren Anfang nahm. In der Literatur reichte sie von etwa 1918 bis 1933, befand sich also in der Zeitspanne der Weimarer Republik nach dem ersten Weltkrieg. Die Neue Sachlichkeit forcierte die Rückbesinnung auf das Sichtbare und bildete somit eine Gegenbewegung zu den Strömungen der Moderne.

Sie ähnelt wieder dem Naturalismus, übt Sozialkritik, hat eine nüchterne Darstellungsweise und thematisiert Technik. Hinzu kommen erotische Darstellungen, die Thematisierung der Weltwirtschaftskrise und eine positive Einstellung zur Demokratie. Diese führte dazu, dass 1933 viele Schriften verbrannt und Autoren verhaftet wurden, die es nicht geschafft haben, vor der Machtergreifung der NSDAP rechtzeitig ins Exil zu flüchten.

Die Literatur der Moderne

Literatur der Moderne

Ein besonderes Merkmal der Modernen Literatur ist das experimentieren mit neuen Techniken. Sie wird deshalb manchmal auch Experimentelle Literatur genannt. Einen großen Einfluss nahmen hier neue wissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse um 1900, wie Sigmund Freuds Traumdeutung, Albert Einsteins Relativitätstheorie und Max Plancks Quantentheorie. Es entsteht eine fragmentierte Weltsicht, die nicht nur Bewusstseins-, sondern auch Sprachkrisen auslöst.

Die bisherigen künstlerischen Mittel erscheinen unzulänglich und es bedarf neuer Ausdrucksformen und Denkweisen, die den modernen Entwicklungen entsprechen. Es entsteht ein neues Kunst-Künstler-Verhältnis. In den unterschiedlichen Strömungen kommt es zu verschiedenen Ausprägungen, zu denen wir im Folgenden eine Übersicht für dich erstellt haben. So kannst du dir für Schule oder Universität schnell einen Überblick verschaffen.

6 Merkmale moderner Literatur

Merkmale moderner Literatur

Wenn du ein bestimmtes Werk der Moderne analysieren sollst, ist es hilfreich zuerst eine greifbare Strömung zu bestimmen. Diese Strömung kannst du dann in den Zusammenhang der Epoche der Moderne stellen. Die folgenden Merkmale können dir dabei helfen. Sie sind ebenfalls geeignet, wenn du ein Werk hast, das sich keiner bestimmten Strömung zuordnen lässt (wie zum Beispiel Franz Kafkas Werke).

1. Zeitraum:

  • Etwa von 1890 bis 1920

2. Strömungen in der Moderne:

  • Impressionismus (subjektive Eindrücke)
  • Symbolismus (Neues aus Altem schaffen)
  • Expressionismus (individueller, freier Ausdruck)
  • Ästhetizismus (Schönheit der Kunst steht über allem)
  • Dekadenz / Fin de Siècle (Verlust des Ichs, Verfall)
  • Wiener Moderne (Kunst um der Kunst willen)

3. Themen der Literatur:

  • Selbstreflexion / Reflexion der persönlichen ästhetischen Wahrnehmung
  • Nachahmung des Bewusstseins
  • Je nach Strömung: Verfall, Tod, Traum, Großstadt, Anonymität, Reizüberflutung, Verlust des Ichs, das Groteske, das Hässliche, Bewusstseinskrise, Sprachkrise, Sprachkritik, Kommunikationslosigkeit, Auseinandersetzung mit Sexualität
  • Unterschiedliche Ansichten und deren Relativierung, Perspektivwechsel (wie in den Werken von Franz Kafka und James Joyce)

4. Sprache und Stil der Literatur:

  • Erlebte Rede spiegelt fragmentierte Weltsicht wider (Erlebte Rede: Figurenrede zwischen Bericht und Monolog, zwischen direkter und indirekter Rede, meist personaler Erzähler)
  • Erzählinstanz tritt zurück
  • Subjektivierung und Psychologisierung der Wirklichkeitserfahrung, der Wahrnehmung und der Bewusstseinsvorgänge
  • Ereignisse nicht mehr streng chronologisch, sondern subjektivem Zeitempfinden angepasst
  • Darstellung von Raum und Figuren häufig von anderen Perspektiven durchbrochen
  • Detaillierte Beschreibungen zeichnen deutlichere Bilder der Wahrnehmung als zuvor
  • Häufige Nutzung von Metaphern, Symbolen, Bildern, Alliterationen, Assonanzen, Synästhesien und Neologismen

5. Ziele der Literatur:

  • den Naturalismus überwinden
  • etwas Neues, Innovatives schaffen
  • die Unzulänglichkeit der Sprache überwinden
  • die Literaturtraditionen lockern
  • Kunst schaffen
  • den Geist sich individuell ausleben lassen

6. Gattungen:

  • Romane (viele Perspektivwechsel)
  • Gedichte (Großstadtlyrik)
  • Novellen
  • Erzählungen
  • Essays
  • Theaterstücke
  • Reden und Vorträge

Ausblick: Postmoderne Literatur

Die Postmoderne Literatur wendet sich gegen die Moderne

Die Postmoderne Literatur greift auf die vorangegangene Epoche der Moderne zurück. Es ist nicht geklärt, von wann bis wann sich diese Strömung in etwa einordnen lässt. Der Begriff entstand zum Ende der 1950er Jahre. Die Postmoderne versucht, sich von der Moderne zu lösen und führt wieder literarische Traditionen ein. Vertreter kritisieren das permanente Streben nach Neuem und Innovativem.

Postmodernes Denken kann also nicht wirklich zeitlich eingegrenzt werden, da es sich prinzipiell gegen die Überzeugungen der Klassischen Moderne wendet, sie überwinden will und Alternativen aufzeigt. Dazu bedient sich die Literatur bekannter Mittel, wählt diese allerdings sorgfältig aus. Beliebte Gestaltungsmittel sind Collage, Zitat, Metafiktionalität (die eigene Fiktion des Werks wird bewusst thematisiert) und Intertextualität (Bezug auf andere Texte und Autoren).

Moderne Literatur: 12 Vertreter und 25 Werke

Wie in anderen Kunstformen der Moderne finden sich auch in der Literatur zahlreiche Vertreter, die unterschiedlichen Strömungen angehören. Ihnen allen ist ein gewisser Stil gemein, der aus dem Versuch besteht, die Welt zu reflektieren und die dabei erfahrene Zersplitterung in neuen Ausdrucksformen zu vermitteln.

Die Schwierigkeit der Wortfindung und das Thema Sprachkrise wird zum Beispiel in “Ein Brief” von Hugo von Hofmannsthal veranschaulicht. Er wird in erster Linie dem deutschsprachigen Fin de Siècle und der Wiener Moderne zugeordnet. Franz Kafka neigt in seinen Werken zu immer wiederkehrenden Themen wie das Verhältnis zum Vater, die Mängel eines riesigen bürokratischen Systems und das Zurückweichen von Arbeit und Leistung. Sein Stil lässt sich nicht explizit einer Strömung unterordnen, er gilt aber als einer der wichtigsten Autoren der Moderne.

Zu wiederkehrenden Motiven Rainer Maria Rilkes gehörten unter anderem der Tod und die gedeutete Welt. Er wird ebenfalls nur grob der Moderne zugeordnet. Alfred Döblin zählt zu den Expressionisten und Wegbereitern der modernen Literatur. Sein bekanntestes Werk ist "Berlin Alexanderplatz". Im Folgenden findest du weitere Vertreter und Werke der Moderne. Sie sind teils nach 1920 entstanden, doch die Autoren wurden maßgeblich von der Moderne beeinflusst und haben als Kinder ihrer Zeit Werke hervorgebracht, die den Merkmalen der Epoche entsprechen. Somit wirkte sie noch lange nach.

Ein wichtiger Vertreter der europäischen Moderne: James Joyce

  1. Rainer Maria Rilke
    Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (Roman, 1910)
    Duineser Elegien (Gedichtzyklen, 1923)
    Sonette an Orpheus (Sonette, 1922)
  2. Franz Kafka
    Das Urteil (Novelle, 1913)
    Der Verschollene / Amerika (Romanfragment, entstanden 1911–1914, veröff. posthum 1927)
    Die Verwandlung (Erzählung, entstanden 1912, veröff. 1915)
    Der Proceß (Romanfragment, entstanden 1914/15, veröff. 1925)
  3. Alfred Döblin
    Wallenstein (Roman, 1920)
    Berlin Alexanderplatz (Roman, 1929)
  4. Robert Musil
    Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (Roman, 1906)
    Der Mann ohne Eigenschaften (Roman, 1930–1952)
  5. Hugo von Hofmannsthal
    Ein Brief (auch: “Brief des Lord Chandos an Francis Bacon” oder “Chandos-Brief” genannt, fiktiver Brief, 1902)
    Der Dichter und diese Zeit (Vortrag, 1907)
    Die Frau ohne Schatten (Erzählung, 1919)
  6. Hermann Broch
    Die Schlafwandler (Roman, 1931/32)
  7. Wolfgang Koeppen
    Tauben im Gras (Roman, 1951)
  8. Marcel Proust
    A la recherche du temps perdu (Roman, 1913–1927, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit)
  9. T. S. Eliot
    The Waste Land (Gedicht, 1922, Das wüste Land)
    Four Quartets (Gedichte, 1944, Vier Quartette)
  10. Ezra Pound
    The Cantos (Gedichtsammlung, 1917–1970)
  11. Virginia Woolf
    The Voyage Out (Roman, 1915, Die Fahrt hinaus)
    Mrs. Dalloway (Roman, 1925)
    A Room of One’s Own (Essay, 1929, Ein eigenes Zimmer)
  12. James Joyce
    Ulysses (Roman, 1922, Odysseus)
    Finnegans Wake (Roman, 1923–1939)

Moderne Kunst

Beispiel Moderner Kunst von Paul Gauguin

Die Moderne Kunst (auch Kunst der Moderne) bezeichnet eine Kunstepoche von etwa 1900 bis 1970. Sie ist bekannt für ihre fortschrittliche Ansicht über Ästhetik und das Kunst-Künstler-Verhältnis. Aus ihr sind einige Stilrichtungen entstanden, die die Kunst auf eine neue Ebene gehoben haben. Da die Individualität des Künstlers und des Kunstwerks nun im Fokus stand, eröffneten sich zahlreiche neue Möglichkeiten.

Zu einigen Strömungen gehörten zum Beispiel der Fauvismus, Kubismus, Surrealismus oder Dadaismus, die alle einen eigenen, unverkennbaren Stil entwickelt haben. Zu den Möglichkeiten und Formen Moderner Kunst gehören nicht nur Malerei, sondern auch Fotografie, Installationen, Plastiken, Skulpturen, Collagen, Audiokunst- und Videokunst. Im Folgenden findest du die wichtigsten Merkmale dieser Kunstepoche.

6 Merkmale der Modernen Kunst

  1. Subjektivität (es werden neue Weltbilder entworfen)
  2. Originalität (eigene Ideen werden in eigenem Stil zum Ausdruck gebracht)
  3. Authentizität (alte Lehren und Techniken über Formen und Proportionen werden über Bord geworfen und durch eigene Darstellungen ersetzt)
  4. Individualität (die dargestellte Welt ist so individuell wie der Mensch, der sie betrachtet)
  5. Experimentalität (es werden immer wieder neue Stile ausprobiert und Techniken entdeckt)
  6. Offenheit (die Betrachter können die Kunst für sich deuten, wie sie wollen)

Einige Vertreter und Werke

Wie in der Literatur lassen sich die Vertreter und Werke meist unterschiedlichen Strömungen der Moderne zuordnen. So fällt Vincent van Gogh, einer der Begründer moderner Malerei, hauptsächlich in die Sparte des Impressionismus, inspirierte allerdings auch viele Expressionisten und Fauves (Anhänger des Fauvismus). Eines seiner bekanntesten Werke ist “Sternennacht” von 1889.

Paul Gauguin fertigte Keramiken, Schnitzereien und Holzschnitte an, malte aber auch und zählt sowohl zu den Postimpressionisten als auch zu den Symbolisten und Wegbereitern der Expressionisten. Er wurde insbesondere für seine Südsee-Gemälde bekannt, die unbekleidete Menschen in einer ursprünglichen, paradiesischen Landschaft zeigen – ein Paradies, das sich der Maler so vorgestellt hatte, das aber nicht die Wirklichkeit zeigte. Ein Beispiel ist “Herrliches Land (Te nave nave fenua)” von 1892.

Auch Paul Cézanne ist ein Vertreter, der gleich mehrere Epochen vertritt. Seine frühen Arbeiten werden noch der Romantik zugeordnet. Spätere Werke weisen Merkmale des Realismus und des Impressionismus auf und außerdem gehört er zu den Wegbereitern der Klassischen Moderne. Seine Werke zeigten oft Badende, Landschaften um Gebirge herum, Stillleben und Portraits. Ein Beispiel ist “Die Bucht von Marseille” um 1885. Neben den genannten Vertretern gibt es in dieser facettenreichen Epoche noch zahlreiche andere Künstler.

Moderne Architektur

Beispiel Moderner Architektur: Kirche Le Corbusier (1950–1955) in Ronchamp

In der Architektur dauerte die Moderne von etwa 1910 bis 1960 an. Sie wird ebenfalls häufig als Klassische Moderne bezeichnet und verfügt über einen “International Style”, eine allgemeingültige Auffassung von Architektur dieser Zeit. Vorläufer dieser Epoche war der Jugendstil. Er war geprägt von geschwungenen Linien, zahlreichen dekorativen Elementen und floralen Ornamenten.

Die Moderne Architektur hingegen arbeitet gegen den Historismus, der häufig auf alte Stilrichtungen der Architektur zurückgriff. Sie will neu und modern sein, verzichtet auf herausstechende Details, verwendet industriell hergestellte Baustoffe, ist häufig asymmetrisch und weiß verputzt. Es treten oft geometrische Formen im kubistischen Stil auf (Kubismus ist eine französische Stilrichtung der Avantgarde-Bewegung). Strömungen innerhalb der Modernen Architektur sind der Funktionalismus, Expressionismus, Neoklassizismus, Rationalismus, International Style, Organische Architektur und Bauhaus.

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