Skip to main content

Neolithische Revolution: 4 Gründe & 7 Merkmale der Jungsteinzeit

In der neolithischen Revolution entwickelten sich vor vielen tausenden Jahren steinzeitliche Jäger und Sammler zu sesshaften Bauern. Dieser Vorgang veränderte nicht nur ihre Lebensweise, sondern auch die Gesellschaft an sich. Alle Merkmale des Neolithikums und Gründe für die Sesshaftwerdung findest du bei uns.

Für uns sind Ackerbau und Viehzucht heute vollkommen selbstverständlich – sie gehören zum Leben dazu. Mit Blick auf die gesamte Geschichte des modernen Menschen macht Sesshaftigkeit und Landwirtschaft aber nur einen kleinen Bruchteil dieser Geschichte aus. Die meiste Zeit lebten unsere Vorfahren als Nomaden – sie jagten ihre Beute und sammelten Nahrung. Besitztümer gab es kaum.

Im Folgenden erklären wir dir, was Neolithikum eigentlich bedeutet und was mit einer neolithischen Revolution gemeint ist. Im Anschluss erfährst du, welche Gründe zur Sesshaftigkeit geführt haben könnten und zum Schluss haben wir noch acht Merkmale des Neolithikums für dich.

Das Neolithikum im Überblick

Das Neolithikum (Jungsteinzeit) im Überblick

Als Neolithikum bezeichnen Archäologinnen und Archäologen die Zeitepoche der Jungsteinzeit. In dieser entwickelte sich der Mensch vom herumwandernden Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern. Das brachte zahlreiche soziale, technische und wirtschaftliche Veränderungen. Im Vordergrund standen nicht mehr Jagen und Sammeln, sondern Viehzucht, Ackerbau und Domestikation. Der Mensch lernte, dass er Pflanzen selbst anbauen und ernten sowie Tiere halten kann.

Das Neolithikum begann vor etwa 12.000 Jahren. Es fiel zusammen mit bedeutenden klimatischen Veränderungen, denn zu dieser Zeit neigte sich die letzte Eiszeit ihrem Ende zu. Damit begann das jüngste und noch heute aktuelle erdgeschichtliche Zeitalter: Das Holozän. Diese Zeit des Wandels veränderte uns Menschen nachhaltig – wie wir essen, leben und miteinander umgehen.

Der Begriff Neolithikum setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen. Neo steht für „jung“ beziehungsweise "neu". Lithos lässt sich mit "Stein" übersetzen. Neolithikum bedeutet also im Grunde übersetzt Jungsteinzeit. Stein galt in dieser Epoche noch als wichtigstes Material. Mehr über die Steinzeit erfährst du hier.

Die neolithische Revolution

Die neolithische Revolution: Ackerbau,  Viehzucht und Sesshaftwerdung

Spricht man vom Neolithikum, fällt oft die Bezeichnung "Neolithische Revolution". Dabei darfst du dir das Neolithikum aber nicht als einen festen Zeitabschnitt vorstellen, innerhalb dessen sich diese Veränderungen abspielten. Die genauen Zeitpunkte der Sesshaftwerdung werden unter Experten und Expertinnen noch immer diskutiert. Was bekannt ist: Die ersten sesshaften Bauern und Bäuerinnen gab es im Vorderen Orient. Erst deutlich später kam die neue Lebensweise nach Europa oder Asien.

Das Neolithikum ist also eine Umbruchperiode, die sich zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten abspielte. Es gab nicht die eine einschneidende "Revolution", die auf einen Schlag alles änderte. Teilweise existierten die beiden Lebensformen vermutlich sogar parallel: Es gab Gesellschaften mit sesshaften Bauern, die zusätzlich noch jagten und sammelten. Das war solange notwendig, bis die Menschen genügend Nahrung durch Landwirtschaft produzierten. Die neolithische Revolution war also eher ein allmählicher Übergang statt ein radikaler Umbruch.

Zeitpunkte der neolithischen Revolution

Alles begann im sogenannten "Fruchtbaren Halbmond". Das sichelförmige Gebiet erstreckt sich von Israel über Jordanien, Syrien, den Südrand der Türkei bis zum Südwesten des Irans. Hier finden sich erste Beweise von Viehzucht und Ackerbau. Das alles fand etwa um 10.000 bis 7.000 v. Chr. statt. Domestiziert wurden Schafe, Ziegen und Rinder. Außerdem haben die Menschen Emmer, Einkorn, Dinkel und Gerste angebaut.

Von dort aus breitete sich die neolithische Revolution auf zwei Routen nach Europa aus. Die eine führte über Kleinasien und Griechenland nach Mitteleuropa, der Donau entlang. Die zweite Route führte über Ägypten und Nordafrika zur Iberischen Halbinsel und nach Südfrankreich.

Um 5.000 v. Chr. breitete sich die neolithische Revolution dann im Osten aus, vom Indus-Tal bis nach China. Hier wurden vor allem Hirse und Reis angebaut. Im Süden Deutschlands fand dieser Übergang nach 6.000 v. Chr. statt.

Die Jungsteinzeit endete um 2.400 bis 1.800 v. Chr., mit dem Beginn der Kupferzeit. Diese Epochen wurden von Archäologinnen und Archäologen eingeführt, um zeitliche Abschnitte besser zu gliedern. Sie repräsentieren allerdings nicht die wahrgenommene Realität der früheren Bevölkerung. Epochen wie Kupferzeit, Eisenzeit und Steinzeit verdanken ihren Namen den Materialien, die zu diesen Zeiten am meisten verbreitet waren.

Gründe für Ackerbau und Sesshaftwerdung in der Jungsteinzeit

Vom Jäger und Sammler zum Bauern: Gründe für die neolithische Revolution

Ein wesentliches Merkmal des Neolithikums ist die Sesshaftwerdung. In der Steinzeit lebten die Jäger und Sammler noch mobil. Sie folgten ihrem Wild und sammelten, was sie auf dem Weg fanden. Die Sesshaftwerdung ist vermutlich unweigerlich verbunden mit Ackerbau und Viehzucht. Es gibt viele Theorien darüber, warum sich die Lebensweise der Menschen so radikal veränderte. Wir stellen gängige Theorien über Sesshaftwerdung und Ackerbau vor.

Wachsende Populationen

Eine Annahme ist, dass das Wachstum der Bevölkerung zu einem verschärften Konkurrenzkampf untereinander führte. Die Ressourcen wurden knapper und zwangen die Menschen, auf Innovationen wie die Landwirtschaft umzusteigen. So gab es genügend Nahrung für alle.

Klimaveränderungen

Die neolithische Revolution fällt zeitlich mit dem Ende der letzten Eiszeit zusammen. Diese klimatischen Veränderungen erleichterten den Anbau von Pflanzen. Außerdem bildeten sich durch schmelzende Gletscher neue Seen, vor allem um den Alpenraum. Diese waren wahrscheinlich beliebte Siedlungsplätze, denn Häuserpfosten aus Holz konnten besser in den Boden gestapft werden. Gleichzeitig sicherten sich die neolithischen Menschen mit Fischfang eine Nahrungsquelle.

Die Klimaveränderungen führten allerdings auch zu Veränderungen der Flora und Fauna. Manche Tiere verschwanden von der Bildfläche, die der Mensch zuvor jagte. Er musste also neue Nahrungsquellen erschließen, so die Theorie.

Nahrungsüberschuss

Durch die ersten Experimente mit Ackerbau sicherten sich die Menschen eine neue Nahrungsquelle. Geschickte Bauern und Bäuerinnen hatten aber nicht nur temporär genug zu essen. Sie produzierten womöglich auch einen Nahrungsüberschuss. Dieser wiederum zwang die Bevölkerung, Vorräte anzulegen, um auch in Krisenzeiten genug zu essen zu haben. So waren die Menschen gezwungen, an einem Ort zu bleiben.

Werkzeuge und Besitztümer

Die frühen Bauern und Bäuerinnen besaßen zudem immer mehr Werkzeuge, die sie zum Ackerbau benötigten. So etwa Keramikgefäße, Sicheln und Vorratsbehälter. Das Gepäck erschwerte es ihnen, weiterzuziehen.

Die ausschlaggebenden Gründe für die Sesshaftwerdung sind jedoch nach wie vor ein Rätsel. Denn der Ackerbau war anfangs deutlich schwieriger, als er heute ist. Die Urformen des Getreides lieferten nur wenige Kalorien und ließen sich sehr schwer ernten. Außerdem ist viel Wissen über Landwirtschaft (wie etwa über Bodenverhältnisse) notwendig, damit ein Anbau gelingt.

Merkmale der Jungsteinzeit

Neue Werkzeuge sind ein Merkmal der Jungsteinzeit

Die neolithische Revolution veränderte das Leben der Menschen nachhaltig. Die wichtigsten Merkmale sind das Domestizieren von Pflanzen und Tieren sowie die Sesshaftwerdung. Das allerdings führte zu zahlreichen Konsequenzen – die Folgen waren nicht immer nur positiv. Wir stellen acht Merkmale der Jungsteinzeit vor.

Ackerbau

Das wohl prominenteste Merkmal der neolithischen Revolution ist der Ackerbau. Der Mensch lernte, wie er Pflanzen selbst anbauen und ernten konnte. Dadurch erschloss er neue Nahrungsquellen. Bekannte Getreidearten, die in der Jungsteinzeit kultiviert wurden, sind beispielsweise Emmer und Einkorn. Dabei handelt es sich um wenig ertragreiche Urformen des heutigen Weizens.

Außerdem kannten die Menschen des Neolithikums bereits Erbse, Lein und Mohn. Der Ackerbau zwang den neolithischen Menschen, sesshaft zu werden. Er musste die Felder bestellen und pflegen. Außerdem konnte er Überschuss produzieren, den er sicher lagern musste. Der Ackerbau begann im Vorderen Orient, dem sogenannten Fruchtbaren Halbmond. Von hier aus breitete sich das Wissen über das Mittelmeer, Nordafrika und bis nach Asien aus.

Sesshaftwerdung und Hausbau

In der neolithischen Revolution bildeten sich erste sesshafte Gemeinschaften. Die herumwandernden Jäger und Sammler lebten zuvor wahrscheinlich in einfachen Behausungen. Mit der Sesshaftigkeit entwickelten sich dann solide Häuser, die Wind und Wetter sowie Ungeziefer trotzen mussten. Die aus massivem Holz errichteten Behausungen hatten teilweise eine beeindruckende Länge von über 30 Metern.

Populationswachstum

Während des Neolithikums nahm die Bevölkerungsdichte stark zu. Es wird diskutiert, ob diese Zunahme dazu geführt haben könnte, dass sich Ackerbau und Viehzucht so stark verbreiteten. Die These: In großen Siedlungen sonderten sich Menschen ab und wanderten weiter. Das Wissen über Ackerbau nahmen sie dabei mit und brachten es so in die verschiedensten Teile der Welt.

Domestikation von Tieren und Viehzucht

Domestikation und Viehzucht in der neolithischen Revolution

Die ersten domestizierten Tiere waren Hunde. Sie stammen von Wölfen ab, die sich dem Menschen näherten und zähmen ließen. Das geschah vor mehr als 28.000 Jahren, also lange vor der neolithischen Revolution. Das bedeutet auch, dass schon Jäger und Sammler mit Hunden zusammenlebten.

Um 8.000 v. Chr. hielten Menschen im Vorderen Orient Haustiere wie Schafe und Ziegen. Später dann auch Rinder und Schweine. Viehhaltung und Ackerbau fingen vermutlich ungefähr zur gleichen Zeit an. Dabei gibt es viele gute Gründe für die Domestikation von Tieren. Fleisch spielt dabei nicht unbedingt eine wesentliche Rolle. Viel wichtiger könnten die Tiere zum Tragen von Lasten und für andere Arbeiten gewesen sein. Ochsen zogen Pflüge hinter sich her und nahmen dem Menschen damit schwere Arbeit ab. Schafe gaben Wolle und Kühe Milch. Daraus wiederum konnten die Menschen Produkte wie Joghurt oder Käse gewinnen.

Technologische Entwicklungen und Werkzeuge

Die neolithischen Bauern und Bäuerinnen behielten viele Werkzeuge aus der Alt- und Mittelsteinzeit bei. Vor allem Feuerstein, Holz, Knochen und Stein waren wichtige Materialien. Die Umstellung auf den Ackerbau machten allerdings technologische Entwicklungen notwendig. Mit der Jungsteinzeit kamen deshalb die ersten Sichel, Pflüge und Mahlsteine auf. Außerdem wurde der vierrädrige Wagen im Neolithikum entwickelt.

Für die Vorratslagerungen brauchten die Menschen zunehmend Gefäße. Typisch für die Jungsteinzeit sind vor allem gebrannte Tongefäße. Diese verzierten die Menschen zum Teil sehr aufwendig. Um Wolle zu verarbeiten, entwickelten die neolithischen Bauern Spinnwirtel und Webgewichte.

Bestattungskult

Im Neolithikum veränderte sich außerdem der Bestattungsbrauch. Es gab vermehrt Einzelgräber, statt die vorangegangenen Gemeinschaftsgräber. Grabbeigaben deuten darauf hin, dass die Menschen an ein Leben nach dem Tod glaubten.

Soziale Ungleichheiten und Krankheiten

Das Neolithikum veränderte das Zusammenleben

Die neolithische Revolution hatte nicht nur Vorteile. Ganz im Gegenteil: Missernten und Diebstähle konnten die gesamte Nahrungsquelle zu Grunde richten und damit eine ganze Siedlung vor Nahrungsmangel stellen.

Die Veränderung in der Lebensweise hatte aber noch andere Konsequenzen. Vermutlich entstanden neue Hierarchien und Aufgabenbereiche, was eine soziale Ungleichheit ausgelöst haben könnte. Gründe dafür sind auch möglicher Nahrungsmangel und die Abhängigkeit von Landfläche. Wem steht schließlich in Zeiten der Knappheit das Essen zu? Und wer hat ein Vorrecht auf besonders fruchtbares Land?

Durch das Zusammenleben mit verschiedenen Tieren wurden außerdem vermehrt Krankheiten übertragen. Verschlimmert wurde das durch mangelnde Hygiene innerhalb der Siedlungen. Die Entsorgung von Abfall und Fäkalien erfolgte vermutlich innerhalb der Gemeinschaften. Das verschmutzte zunehmend Gewässer und Umwelt.

Unausgewogene Ernährung

Das Anbauen bestimmter Pflanzen brachte noch einen weiteren Nachteil: Die Menschen ernährten sich deutlich unausgewogener als zuvor. Das belegen unter anderem Skelettfunde. Die neolithischen Menschen waren deutlich kleiner als ihre jagenden und sammelnden Vorfahren. Die geringe Körpergröße und Anomalien am Skelett können auf Mangelerscheinungen hinweisen. Vermutlich haben sich Jäger und Sammler deutlich ausgewogener ernährt mit einer größeren Variation an Lebensmitteln.

10 votes, average: 4,70 out of 510 votes, average: 4,70 out of 510 votes, average: 4,70 out of 510 votes, average: 4,70 out of 510 votes, average: 4,70 out of 5 (10 votes, average: 4,70 out of 5)
You need to be a registered member to rate this.
Loading...

Auch interessant für dich

Ähnliche Beiträge