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Aborigines: Geschichte & 11 Merkmale der Kultur

Die Aborigines sind ein indigenes Volk Australiens mit einer jahrtausendealten, traditionsreichen Kultur. Wir erzählen dir ihre Geschichte, verraten dir kulturelle Merkmale und haben einen Steckbrief für dich.

Bis ins 18. Jahrhundert lebten die Aborigines ungestört im Einklang mit der Natur. Ihre Kultur ist die älteste der Welt und hat trotz vieler Widrigkeiten bis heute Bestand.

Wissenswertes über Aborigines

In diesem Kapitel verraten wir dir, wer die Aborigines sind und was ihr Name bedeutet. Im Anschluss haben wir ihre Geschichte und die politische Situation seit der Kolonialisierung Australiens durch die Briten für dich zusammengefasst.

Danach findest du die wichtigsten Merkmale der indigenen Kultur, einen kurzen Steckbrief zur Übersicht und erfährst zum Schluss, wie die Aborigines heute leben.

Wer die Aborigines sind

Wer die Aborigines sind

Als Aborigines werden die indigenen Völker Australiens bezeichnet. Ihre Vorfahren kamen bereits vor 60.000 bis 70.000 Jahren nach Australien. Es gibt viele verschiedene Stämme oder Clans mit unterschiedlichen Sitten und Bräuchen.

Bevor die Briten 1788 das Land besetzten, lebten die Aborigines ungestört als Jäger und Sammler. Danach sank ihre Anzahl von mehreren 100.000 auf 60.000 Mitglieder im Jahr 1920. Ursache dafür waren eingeschleppte Krankheiten und Gewalt bei dem Streit um Landrechte.

Von der Politik dazu gedrängt, leben heute circa drei Viertel der Aborigines ein modernes Leben in der Stadt. Erhaltene Traditionen findet man allerdings noch im Northern Territory in Australien, wo die Europäer erst spät ihre Siedlungen aufbauten. Dort wird heute zu 60 Prozent eine indigene Sprache zuhause gesprochen.

Bedeutung des Namens

Die Bezeichnung “Aborigine” stammt aus dem Lateinischen und kommt von “ab origine”, was soviel bedeutet wie “von Beginn an”. Der Name bezieht sich auf die Ursprünglichkeit des Volks und bedeutet im Englischen schlicht “Ureinwohnerin” oder “Ureinwohner”.

Früher waren damit die indigenen Völker Italiens gemeint, heute verbinden die meisten Menschen die australischen Ureinwohnerinnen und Ureinwohner mit dem Begriff. Er tauchte 1803 das erste Mal schriftlich auf. Mittlerweile gilt die Bezeichnung “Aborigines” im Englischen als abwertend und wurde durch “Aboriginal” ersetzt.

Im Deutschen ist “Aborigine” ein Sammelbegriff für australische indigene Völker – in Australien unterscheidet man zwischen “Aborigines” und “Torres-Strait-Inselbewohnerinnen und -bewohnern”, die in der Meerenge zwischen Neuguinea und Australien leben und nicht mit den Aboriginals verwandt sind. Die indigenen Völker Neuguineas werden hingegen Papua genannt.

Geschichte der indigenen Völker

Geschichte der indigenen Völker

Anhand von DNA-Vergleichen gehen Forschende davon aus, dass die Aborigines Nachfahren der ersten Emigranten sind, die sich vor 130.000 bis 100.000 Jahren von Afrika aus nach Europa und Asien ausbreiteten. Wir fassen ihre Geschichte von der Einwanderung über die britische Kolonisation und die Zeit danach für dich zusammen.

Einwanderung nach Australien

Die Vorfahren der Aborigines besiedelten etwa 62.000 bis 70.000 Jahre vor heute den Kontinent “Sahul”, aus dem später Australien, Neuguinea und Tasmanien entstanden. Der damals noch deutlich niedrigere Meeresspiegel machte es den Vorfahren möglich, über Südostasien nach Australien zu gelangen.

Ob dies aus Versehen oder mit Absicht geschah, ist bis heute nicht geklärt. Klar ist jedoch: Die Vorfahren der Aborigines sind damit die frühesten Vertreter des modernen Menschen außerhalb von Afrika. Heutige Europäer und Asiaten stammen von einer 24.000 Jahre späteren Auswanderungswelle ab.

Als die steinzeitlichen Menschen den neuen Kontinent betraten, fanden sie eine Wüstenlandschaft und trockene Steppen vor. Sie begegneten den höchsten Durchschnittstemperaturen der Welt und mussten sich wahrscheinlich noch gegen die Megafauna Australiens durchsetzen.

Beispiele für Gattungen der Megafauna sind das drei Meter große Känguru namens Procoptodon, ein zwei Meter hohes und bis zu 2,7 Tonnen schweres Beuteltier namens Diprotodon und der über zwei Meter hohe Donnervogel Genyornis. Viele Tiere starben um den Zeitraum des Eintreffens der Aborigines aus. Deshalb wird ihr Aussterben teilweise auf sie zurückgeführt.

Die Zeit vor der Kolonisation

Die Zeit vor der Kolonisation

Seit der Einwanderung nach Australien konnte sich die Kultur der Aborigines ungestört entwickeln. Es bildeten sich verschiedene Stämme und Sprachen.

Vor circa 4.230 Jahren wanderten Menschen vom indischen Subkontinent nach Australien ein und vermischten sich mit den Aborigines. Begleitend gab es neue Verarbeitungstechniken von Pflanzen und Steinwerkzeugen. Auch der Dingo kam mit Seefahrern vor 4.000 Jahren von Timor oder Neuguinea nach Australien.

Im Jahr 1606 betrat der Entdecker Willem Jansz zum ersten Mal australischen Boden. Er war auch der erste Europäer, der den Aborigines begegnete. Danach folgten viele weitere. Die Stämme in Tasmanien lebten zu diesem Zeitpunkt seit 12.000 Jahren isoliert durch den gestiegenen Meeresspiegel nach der letzten Eiszeit.

Die Zeit nach 1788

Die Zeit nach 1788

Die Kolonisation Australiens durch die Briten startete 1788 durch die Ankunft der britischen Schiffsflotten, die losgeschickt wurden, um das ‘neue Land’ zu besiedeln.

Der erste Kontakt verlief zunächst friedlich und ein Älterer des Eora-Stammes namens “Bennelong” bot sich als Vermittler zwischen den Kulturen an, lernte Englisch und lehrte auch seine Sprache.

Bis 1920 sank die Anzahl von 300.000 bis 1.000.000 australischen Ureinwohnern auf 60.000. Gründe waren eingeschleppte Krankheiten wie die Grippe, Pocken und Geschlechtskrankheiten. Durch die Pockenepidemie von 1789 starb über die Hälfte der Darug – ein Aborigine-Stamm, der dort lebte, wo sich heute Sydney befindet.

Doch nicht nur Krankheiten reduzierten die Einwohnerzahlen der Aborigines. Bei gewaltsamen Konflikten und regelrechten Massakern starben ebenfalls viele Tausend Stammesmitglieder. Die tasmanischen Aborigines wurden in den 1830er Jahren ihrem Land entrissen und sollten ihr Leben als Jäger und Sammler aufgeben.

Um die Konflikte zu entschärfen, wurden Reservate gegründet und sogenannte ‘Chief Protectors’ erteilt, die für sie verantwortlich waren. Sie erhielten unter anderem durch den Abiroriginal Protection Act von 1869 die Rechte, weitgehend über die Aborigines zu bestimmen. So konnten sie über ihren Wohnort, Eheschließung, Arbeit, soziales Leben und sogar über das Leben ihrer Kinder entscheiden.

Bis in die 1970er Jahre entriss man Aborigine-Kinder ihren Familien und gab sie für weiße Familien zur Adoption frei. Man erzog die Mädchen zu Haushaltshilfen und bildete die Jungen zu Farmarbeitern aus. Ziel war es, sie an die weiße Gesellschaft anzugleichen. Später bezeichnete man die 35.000 Kinder als ‘Gestohlene Generation’ und richtete 1998 den ‘National Sorry Day’ für sie ein.

Menschenrechte

Menschenrechte

Queensland, Western Australia und das Northern Territory führten Gesetze ein, die den australischen Ureinwohnerinnen und Ureinwohnern das Wahlrecht verwehrten. South Australia ließ es bestehen und erweiterte es 1895 mit der Einführung des Frauenwahlrechts auch auf die Aborigine-Frauen.

Australien erreichte seine Unabhängigkeit von Großbritannien am 26. September 1907. Am ‘Australia Day’ im Jahr 1949 bekamen alle ansässigen Einwohnerinnen und Einwohner die australische Staatsbürgerschaft. Dennoch waren die Menschenrechte der Aborigines weiterhin eingeschränkt.

Die Heirat zwischen Weißen und Aborigines war beispielsweise verboten und es wurde weiterhin darüber bestimmt, wo sie leben. Queensland war im Jahr 1965 schließlich der letzte Staat, der ihnen das Wahlrecht gewährte. Ab 1964 erhielten sie das Recht, Immobilien zu besitzen.

Der Racial Discrimination Act von 1975 ging schließlich gegen Diskriminierung aufgrund der Abstammung vor und setzte rassistische Gesetze außer Kraft.

Merkmale der Aborigine-Kultur

Merkmale der Aborigines

Im Folgenden erfährst du, wie die Aborigines lebten und noch heute leben. Wir verraten dir, wodurch sich ihre Kultur auszeichnet, woran sie glauben und wie die Familienverhältnisse aussehen. Im Anschluss haben wir das Wichtigste in einem kurzen Steckbrief für dich zusammengefasst.

Zeitraum

Der bisher älteste in Australien gefundene Mensch ist der “Mungo Man”, der nach seinem Fundort Lake Mungo in New South Wales benannt wurde. Er lebte vor etwa 40.000 Jahren. Aus dem selben Zeitraum stammt auch die “Mungo Lady” und einige Werkzeuge, die sogar 50.000 Jahre alt sein sollen.

Somit gab es die ersten Aborigines bereits seit dem Pleistozän, das auch als Altsteinzeit bezeichnet wird. Danach begann das Holozän, das von der Steinzeit bis in die Gegenwart reicht.

Wo die Aborigines leben

Das flächenmäßig größte Kulturgebiet heißt “Desert” (deutsch: Wüste). Es ist eines von 17 Kulturarealen in Australien. Hier wohnen 42 Stämme der Aborigines, die sich so ähneln, dass sie als kulturelle Einheit zusammengefasst werden.

Früher lebten die 200 bis 700 Stämme über den ganzen australischen Kontinent verteilt. Heute leben manche Mitglieder der Kultur noch in den Wüstenregionen abseits der städtischen Umgebung. Der Großteil hat sich jedoch an ein Leben in der Stadt angepasst.

Das Leben als Nomaden

Das Leben als Nomaden

Archäologinnen und Archäologen fanden heraus, dass die Naturvölker Australiens nicht nur nomadisch umherzogen, sondern dies auch in regelmäßigen Zyklen taten. Es gab Orte, die jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit besucht wurden.

Ansonsten zogen die meisten Stämme den Tieren hinterher, um mit Nahrung versorgt zu sein. Ihre Hütten und Zelte (Windschirme) waren also zum schnellen Auf- und Abbau geeignet. Meist bestanden sie aus Rinde und Zweigen.

Manche Aborigines ließen sich in weniger trockenen Gegenden auch länger nieder, wenn sie gute Lebensbedingungen boten. So konnten sie zum Beispiel in Flussnähe Fischerei betreiben. In solchen Fällen wurden auch festere Hütten aus Zweigen, Baumrinde, Schilf und Gras errichtet.

Ernährung und Jagd

Als Jäger und Sammler, teilweise auch als Fischer, lebten die alten Aborigine-Clans für lange Zeit auf sich gestellt. Sie betrieben keinen Ackerbau, hatten aber vielseitige Nahrungsquellen und Vorratstechniken.

Zum sogenannten “Bush Food” gehörten nur einheimische Pflanzen und Tiere. Unter den Tieren befanden sich Emus und ihre Eier, Kängurus, Wombats, Schlangen, Insekten (Ameisen, Maden), Muscheln, Aal und Krebstiere. Doch es gab auch Nüsse, Obst und Beeren. Gejagt wurde vor allem mit Speeren oder Wurfstöcken, manchmal auch mit Bumerangs.

Angebliche Berichte über Kannibalismus wurden wahrscheinlich bewusst von Weißen in Umlauf gebracht, um die indigenen Völker zu degradieren. Es gibt keine offiziell bestätigten Beweise für ein solches Verhalten.

Verwandtschaft und Familie

Verwandtschaft und Familie

Das in Europa verbreitete Familiensystem mit einer Kernfamilie, die aus Vater, Mutter und Kinder besteht, unterscheidet sich von den Verwandtschaftsverhältnissen der Aborigines. Nach ihrem Glauben werden alle Schwestern der Mutter auch als Mutter bezeichnet. Ebenso ist es mit den Brüdern des Vaters.

Bei einem Geschlechtswechsel ist es hingegen anders: Die Brüder der Mutter sind Onkel und die Schwestern des Vaters Tanten. Hat die Schwester der Mutter Kinder werden diese als Brüder und Schwestern bezeichnet. Die Kinder des Bruders der Mutter sind hingegen Cousins und Cousinen.

Umgekehrt ist es genauso: Wenn der Bruder des Vaters Kinder hat, sind diese Brüder und Schwestern, bei einem Wechsel des Geschlechts, also der Schwester des Vaters, gelten ihre Kinder als Cousins und Cousinen.

Diese Differenzierung ist kulturell sehr wichtig für die Stammesmitglieder, da unter Cousins und Cousinen die Heirat erlaubt ist, unter Geschwistern nicht. Die sogenannte Kreuzcousinenheirat ist auch von anderen alten Kulturen bekannt.

Anthropologen fanden heraus, dass die Aborigines und andere indigene Völker in Südostasien mit den Denisova-Menschen verwandt sind. Sie lebten vor 76.000 bis 52.000 Jahren während der Altsteinzeit und sind wiederum verwandt mit den Neandertalern.

Religion: Der Glaube an die Traumzeit

Der Glaube an die Traumzeit

Die indigenen Völker Australiens glauben an die sogenannte “Traumzeit” (englisch: “dreaming” oder “dreamtime”). Sie existiert vermutlich bereits seit 40.000 oder mehr Jahren und besteht aus vielen Geschichten über die Schöpfung und die Geister der Ahnen. Diese berichten von einer allumfassenden Welt ohne Raum und Zeit, aus der die Gegenwart allezeit hervorgeht.

Die Traumzeit kann als universell betrachtet werden und wird im Laufe der fortschreitenden Gegenwart mit immer mehr geschichtlichen Inhalten gefüllt. Sie erklärt die Lebensweise der Aborigines, die ungeschriebenen Gesetze und die moralischen Werte, lernt aber auch und entwickelt sich mit den Erfahrungen der Menschen weiter.

Unter den mythischen Wesen gibt es zum Beispiel das Große Känguru und die Regenbogenschlange, die Land, Pflanzen und Lebewesen schufen. Eine andere Legende handelt von drei schönen Schwestern, die von ihrem Vater in Fels verwandelt wurden, um sie vor einem Monster zu schützen. Sie bezieht sich auf die Felsgruppe “Three Sisters” in den Blue Mountains von Australien.

Mit der Traumzeit werden also auch Naturphänomene erklärt und Familiendramen geschildert. Ähnlich wie in der ägyptischen, nordischen, römischen oder griechischen Mythologie versucht sie die Welt zu erklären. Es gibt jedoch einen großen Unterschied: Die Traumzeit hat keine übermächtigen Götter.

Es gibt Ahnen, Helden und Wesen mit gottähnlichen Kräften, die aber nicht über der Natur selbst stehen. Sie greifen nicht negativ in das Schicksal der Menschen ein und werden nicht explizit verehrt. Beispiele sind:

  • Walanganda ist als Herrscher der Geistwesen zum Himmel aufgestiegen und wird durch die Milchstraße verkörpert (im Nordwesten Australiens vertreten)
  • Galalang schenkte den Menschen Land, Sprache, ein langes Leben und hütet ihre moralischen Gesetze (Nordwesten Australiens, vor allem Kimberley)
  • Djaramulun führt ein Doppelleben als Adler und Mann und ist ein auf Wolken reitender Gewittergott, der Blitze in Form von Steinäxten schleudert (Südosten Australiens, New South Wales)

Traditionelle Initiation

Der Walkabout als Initiation

Die Initiation junger Aborigines belief sich meist auf mehrere Jahre, in denen man ihnen altersgerechte Geschichten anvertraute und sie ihr Totem kennenlernten. Man lehrte sie, Konflikte zu lösen und sie wurden auf das wichtigste Initiationsritual vorbereitet, den “Walkabout”.

Dazu isolierte man sie zwischen 10 und 12 Jahren von ihren Müttern und sie durften weder sprechen noch angesprochen werden. Der Walkabout selbst fand meist mit 13 Jahren statt und bezeichnet das Ablaufen eines eigenen Traumpfades (“Songline”).

Hierbei läuft die oder der Jugendliche seinen eigenen Wanderpfad entlang und erfährt die Übereinstimmung von Natur und Wirklichkeit mit den Geschichten, die in den traditionellen Traumzeit-Liedern besungen werden.

Die erfahrene, wirkliche Natur ist dieselbe, die in den Geschichten und Liedern der Traumzeit vorkommt. Die Erzählungen werden stetig erweitert und passen sich den Erfahrungen der Gegenwart an. Manche Stämme nutzen auch Ziernarben, Beschneidung oder andere Prüfungen zur ‘Mannwerdung’ ihres Nachwuchses.

Verändert sich die Natur, verlieren die traditionell lebenden Aborigines ein Stück ihrer Heimat. Selbst sesshafte Mitglieder üben den Walkabout noch aus, um ihre kulturelle Identität zu bewahren und das Ritual ihrer Ahnen aufrecht zu erhalten.

Die Kunst der Aborigines

Die Kunst der Aborigines

Das indigene Volk hinterließ, schon lange bevor die Europäer Australien besiedelten, künstlerische Spuren in ihrer Umgebung. Darunter finden sich Felsen- und Höhlenmalerei, Schnitzereien, Sandmalerei, bemalte Rindenplatten und Bildhauerei. Hinzu kommen zahlreiche Verzierungen an Gebrauchsgegenständen und das Gestalten zeremonieller Kleidung.

Ein besonderes Merkmal der alten Kunst ist der sogenannte “Röntgenstil”. Hierbei werden Menschen und Tiere transparent mit Organen und Skelett gemalt. Unter den Werken finden sich viele Tiermotive, Jagdszenen und individuelle Muster, die an die Geographie des Landes angelehnt sind.

Die Farben, die eingesetzt wurden, waren meist Schwanz, Weiß, Gelb und Rot. Sie wurden aus Asche, Tonerde, Ocker und Blut hergestellt. Zur Dekoration nutzte man Stoffe, Federn, Holz, Stein und Muscheln.

In Arnhem Land, einem Aborigine-Siedlungsgebiet im Northern Territory Australiens,
gibt es die meisten Höhlen- und Felsmalereien, die teilweise bis zu 50.000 Jahre alt sind.

Es gibt unter den Aborigines ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Muster eines Künstlers nur von ihm verwendet werden dürfen – es sei denn, er gibt die Erlaubnis zur Verwendung.

Musik und Tanz

Aborigine-Musik und -Tanz

Das wohl bekannteste Aborigine-Instrument ist das Didgeridoo. Die nordaustralischen Aborigines spielen traditionell auf ihm und nennen es “Yidaki”. Ein weiteres Instrument sind die “Clapsticks”. Sie sind kurze Stöcke aus Hartholz, die man gegeneinander schlägt, um Töne zu erzeugen. Hierzu dient manchmal auch ein Bumerang.

Noch wichtiger als Instrumente sind aber Gesang und Tanz, um Geschichtliches, Mythen und Gesetze zu kommunizieren. Es gibt neben diesen Themen aber auch Lieder, die Aborigines nur zum Vergnügen singen.

Tänze und Lieder werden meist von mehreren Mitgliedern des Clans vorgeführt. Hierbei übernimmt eine Person die Leitung – ein “Songman” oder eine “Songwoman”. Sie sind für die korrekte Durchführung des Rituals verantwortlich.

Zum Tanz und Gesang klatschen die anderen Stammesmitglieder auch mal im Takt, sodass eine musikalische Einheit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Weitere traditionelle Instrumente sind:

  • Gumleaf (Gummiblatt): Ein Eukalyptusblatt, das man quer zwischen die Lippen hält, um mit Luftstößen Töne zu erzeugen
  • Bora-Bora (Schwirrholz): Ein flaches, ovales, 15 bis 50 Zentimeter langes Holzstück (früher auch aus Knochen, Stein oder Eisen), das man an einer langen Schnur um sich selbst dreht und so tiefe schwingende Töne erzeugt
Musik heute

Heutige Aborigines tragen ihre traditionellen Klänge auch in andere Musikgenres hinein und bleiben so präsent. Ein Beispiel ist eine Rockband namens “Yothu Yindi”, dessen Bandmitglieder zum Teil vom Stamm der Yolngu kommen. Sie sind auch in Deutschland durch die Zusammenarbeit mit Peter Maffay bekannt.

Schrift und Literatur

Schrift und Literatur

Bevor die Engländer nach Australien kamen, kannten die Aborigines keine Schrift. Sie trugen ihr Wissen, ihren Glauben und ihre Gesetze als Geschichten, Tänze, Lieder oder Zeichnungen weiter. Noch heute gibt es viele Mitglieder, die nach dieser traditionellen Lebensweise leben.

Allerdings gibt es auch bekannte Aborigine-Autoren wie David Unaipon, Colin Johnson (“Mudrooroo”) Sally Morgan oder Doris Pilkington – um hier nur einige Beispiele zu nennen.

Sie befassten sich mit wichtigen Themen und Problemen der indigenen Volksgruppe und machten so auf sich aufmerksam. Durch ihre Werke transportieren sie außerdem wichtiges Kulturgut und verarbeiten ihre Erfahrungen.

Film, Fernsehen und Theater

Über die Kultur der Aborigines gibt es einige Spiel- und Dokumentarfilme. Neben informativen Produktionen gibt es aber auch Theater und Musicals, die sich mit ihrem Leben beschäftigen.

Ein Beispiel ist “Bran Nue Dae” (1991), ein autobiografisches Musical, das von der Identitätssuche eines Aborigine-Jungen handelt. Es wurde mehrfach ausgezeichnet und auch verfilmt.

Um Vorurteilen entgegenzuwirken und einen besseren Eindruck der Kultur zu geben, richteten die Aborigines einen eigenen Fernsehsender namens “NITV” ein. Auf diesem berichten die australischen Ureinwohnerinnen und Ureinwohner über sich selbst und ihre Kultur.

Steckbrief: Die Kultur der Aborigines

Aborigine-Flagge

In diesem Steckbrief findest du noch einmal die wichtigsten Informationen über die Aborigines zusammengefasst. Dazu gehören vor allem besondere kulturelle Ausprägungen. Im Anschluss erfährst du, wie die Aborigines und ihre Nachfahren heute leben.

  • Zeitraum:
    Vor 50.000 Jahren bis heute
  • Lebensraum:
    Australien (heute hauptsächlich in “Desert” im Nordwesten)
  • Lebensstil:
    Früher nomadische Jäger und Sammler, heute ein größtenteils angepasstes, sesshaftes und modernes Leben
  • Glaube:
    Traumzeit – ein allumfassendes und naturverbundenes Geflecht aus Weisheiten, das durch Mythen von Urzeitwesen und Ahnen mündlich und künstlerisch weitergetragen wird
  • Initiation:
    Traditionell aufwachsende Aborigine-Jungen gehen allein auf den Walkabout, um ihren eigenen Traumpfad zu finden (manche Stämme nutzen auch Ziernarben oder Beschneidungen)
  • Familiensystem:
    Die Schwester der Mutter wird auch Mutter genannt, ebenso wird der Bruder des Vaters "Vater" genannt, deren Kinder gelten als Geschwister (Tanten und Onkel sowie Cousinen und Cousins gibt es nur bei anderem Geschlecht, z.B. der Bruder der Mutter)
  • Kunst:
    Röntgenstil, Naturmotive auf Naturmaterialien (Stein, Holz, Sand), Gebrauchsgegenständen und Kleidung
  • Musik:
    Gesang und Tanz sind wichtige Elemente, traditionelle Instrumente sind das Didgeridoo, die Clapsticks, das Gumleaf und das Bora-Bora
  • Literatur:
    Früher keine Schrift, Weitergabe von Geschichten durch Sprache, Musik und Tanz, ab dem 20. Jahrhundert diverse erfolgreiche Aborigine-Schriftsteller

Die Flagge der Aborigines symbolisiert die Sonne (gelber Kreis), die Aborigines selbst (schwarzer Teil) und die Erde des Landes (roter Teil). Sie wurde von Harold Thomas, einem Stammesmitglied der Luritja, entworfen.

Aborigines heute

Aborigines heute

Als die Europäer sich in Australien immer weiter ausbreiteten, wurden die indigenen Völker immer weiter in die trockenen Teile des Landes verdrängt. Im Jahr 1920 schätzte man die Zahl der Aborigines noch auf 60.000 Mitglieder.

Heute leben etwa 500.000 Aborigines in Australien und es gibt etwa 500 verschiedene Völker mit eigenen Sprachen. Die Völker gliedern sich wiederum in Clans oder Stämme, die in bestimmten Gebieten leben. Die meisten Aborigines gibt es in New South Wales. Die Dichte der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner ist mit 31,5 Prozent allerdings im Northern Territory am höchsten.

Viele der Aborigines führen ein angepasstes, aber benachteiligtes Leben in den Randgebieten Australiens. Die Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent und ist damit fast dreimal so hoch wie bei der Durchschnitt der australischen Bevölkerung.

Die Kindersterblichkeit ist doppelt so hoch und die Lebenserwartung durchschnittlich um zehn Prozent geringer als die der weißen Australierinnen und Australier. Diese Zustände basieren wahrscheinlich auf fehlenden soziale Strukturen, mangelnder Bildung und der schlechten medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen.

Aborigines, die im Outback leben, finanzieren ihren Lebensunterhalt meist als Hilfsarbeiter, Fremdenführer oder Verkäufer von Handarbeit. Manche Clans versuchen auch unabhängig zu leben und wieder zum Jagen und Sammeln zurückzufinden.

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