Skip to main content

Dadaismus: 6 Merkmale von Dada + 4 Gedichte

Der Dadaismus ist wohl die verrückteste aller Epochen. Er versucht die Bürger durch seinen provokanten Unsinn darauf hinzuweisen, wie unsinnig es ist, Kunst in eine konventionelle Form drängen zu wollen. Wir haben alles Wissenswerte über die Bewegung und ihre ungewöhnlichen Vertreter und Werke.

Der Dadaismus war eine Kunst- und Literaturbewegung in Deutschland, Frankreich und den USA. Er gehört zur Avantgarde-Bewegung (1915–1925) und läuft somit parallel zum Expressionismus (1905–1925). Nach dem Dadaismus folgten als weitere Avantgarde-Epochen der Surrealismus (1920–1933) und der Futurismus (1910–1925). Hier findest du eine Übersicht aller Literaturepochen.

Dadaismus – Der Sinn im Unsinn

Der Sinn im Unsinn

Der Begriff “Dada” wurde angeblich durch Zufall beim Stöbern in einem Wörterbuch von Richard Huelsenbeck und Hugo Ball gefunden und ausgewählt. Aufgrund seines banalen, unsinnigen Klangs und dem angeblichen Zufallsfund passt er besonders gut zu den künstlerischen Verfahren, die ebenfalls meist unsinnig, banal oder willkürlich wirkten. Da die Anhänger dieser Bewegung nichts in Definitionen zwängen wollten, haben sie auch diesen Begriff nicht definiert. Seine Herkunft ist nicht eindeutig geklärt, doch wird sie in der französischen Kindersprache für “Steckenpferd” vermutet.

Der Dadaismus ist bekannt für seinen Unsinn, in dem jegliche Logik oder Rationalität fehlt. Doch genau darum geht es bei Dada: Den Menschen zu verdeutlichen, dass nicht alles in eine normierte, sinnhafte und schöne Form gepresst werden muss, sondern, dass Kunst einfach durch ihre Existenz Kunst sein kann.

Definition

Der Dadaismus (kurz: Dada) reichte von 1916 bis 1922. Er lehnte konventionelle Kunst ab und wollte für ein neues, freies Kunstverständnis sorgen, das nicht durch Konventionen bestimmt wird. Alles sollte Kunst sein können. In der Literatur drehte es sich viel um Laute, Geräusche und die Sinnentfremdung von Worten. Durch den typisch dadaistischen Unsinn sollten die Menschen verwirrt und provoziert werden und somit aus ihren gewohnten Bahnen ausbrechen.

Historischer Hintergrund

Der Dadaismus entstand in der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914–1918), in der das Volk bereit war, freiwillig und mit Begeisterung in den Krieg zu ziehen. Für die Dadaisten war mit diesem Verhalten das Ende der Vernunft erreicht. Sie antworteten der Welt mit derselben Absurdität, die sie im Verhalten der Menschen finden konnten. Außerdem unterlagen Künstler dieser Zeit einer strengen Zensur. Die Dadaisten wollten sich mithilfe von undurchschaubarer Kunst von ihr befreien und ganz im Stil der Avantgarde für Freiheit kämpfen.

Obwohl die Bewegung nur kurz andauerte, fand sie großen Anklang. Ausgehend von Zürich durch Hugo Ball und Emmy Hennings gab es Dadaisten in Hannover, Köln, Dresden und in Berlin sogar den “Club-Dada” sowie eine internationale Dada-Messe in Berlin. Zudem fanden sich Dada-Vertreter in New York und Paris.

Der Ursprung von Dada – Das Cabaret Voltaire

Im Februar 1916 gründeten Hugo Ball und Emmy Hennings das “Cabaret Voltaire” in Zürich, in dem der Dadaismus entstand. Es war zugleich Kneipe, Club, Theater und Galerie. Zu den Mitarbeitern gehörten unter anderem Hans Arp, der sich um die Dekoration kümmerte, Sophie Taeuber-Arp und Tristan Tzara. Emmy Hennings sang und Hugo Ball spielte Klavier oder gab eines seiner Unsinnsgedichte zum Besten.

Die kabarettistischen Vorstellungen verfolgten den Zweck, die Zuschauer zu verwirren und zu irritieren. Die Darsteller wollten bewusst verrückt wirken und dem Publikum so vor Augen halten, dass die bisherige Weltordnung nicht mehr so existiert wie vorher. Der Unsinn sollte die bisherigen Werte und Gewohnheiten der Menschen erschüttern. Humor und Satire gehörten hierbei zu den beliebtesten Stilmitteln der Dadaisten.

Nachwirkung von Dada

Der Dadaismus hat auch auf weitere Epochen Einfluss

Die Avantgarde und der Expressionismus haben das allgemeine Kunstverständnis geändert. Der Dadaismus kann als Höhepunkt und weiteste Ausdehnung des neuen Kunstbegriffs betrachtet werden. Die Dadaisten beeinflussten Künstler und Literaten nachhaltig, indem sie aufzeigten, was alles möglich ist, wenn man sich nicht von Konventionen und Regeln eingrenzen lässt. Sie etablierten neue Techniken, brachen Tabus und lösten sich von der Abbildung der Wirklichkeit.

So kam es zum Beispiel in den 70ern zur Gründung einer Industrial- und Techno-Band mit dem Namen “Cabaret Voltaire”, benannt nach dem Züricher Dada-Kabarett Hugo Balls und Emmy Hennings’. In den 80ern kam es zum weltweiten Erfolg des Songs “Da Da Da” von der Band Trio. Er spielt nicht nur auf den Dadaismus selbst an, sondern macht sich auch in dadaistischer Manier satirisch über die Schlagerwelt lustig. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Da Da Da – Eine Hymne auf den Dadaismus

Die Band Trio wurde im Jahr 1982 mit ihrem Song “Da Da Da” berühmt. Er gehörte zu einer der größten Hits der Neuen Deutschen Welle und wurde international etwa 13 Millionen Mal verkauft. Trio war bekannt für ihren Minimalismus, sowohl was die monotonen Liedtexte als auch die musikalische Begleitung mit nur wenigen Instrumenten anbelangt. Der Rhythmus stammt von einem der ersten Synthesizer, auch “Spielzeug-Keyboard” genannt.

Das Lied kann als Anspielung auf den Dadaismus verstanden werden, nicht nur durch den Titel, sondern auch durch seinen Text, der zum Großteil aus “Da” und “Aha” besteht. Häufig wird das Lied deshalb als “Blödelsong” abgetan. Eine weitere Auffassung ist, dass sich das “Da Da Da” über die Volksmusik lustig mache, in der häufig solche leeren Worte eingefügt werden. Hinzu kommt die Parodie auf Liebeslieder, die ebenfalls häufig in der Schlagerwelt vertreten sind. “Da Da Da” verdeutlicht hingegen in eindeutiger Wiederholung “Ich lieb dich nicht du liebst mich nicht”.

Dadaismus in der bildenden Kunst

Der bürgerliche Betrachter verstand unter Kunst das Schöne und das Gute. Nun sollte dieses Verständnis auf den Kopf gestellt werden, indem alles Kunst sein konnte. Dadaisten verstanden sich nicht selbst als Vertreter einer neuen Kunstrichtung, sondern eher als Kämpfer dafür, den Leuten zu beweisen, dass Kunst nicht in eine Definition gezwängt werden kann. Außerdem wollten sie so auf den Unsinn in der Welt aufmerksam machen, der die Menschen jeden Tag begleitet.

Es wurden unter anderem Fotomontagen und Collagen aus Zeitungsausschnitten und Alltagsgegenständen gefertigt, um die Sinnlosigkeit der Logik, des Intellekts und der bürgerlichen Kultur zu verdeutlichen. 1920 gab es eine Ausstellung in Köln, deren Eingang eine öffentliche Toilette war und in der das Publikum aufgefordert wurde, die Ausstellungsstücke zu zerstören.

Der wichtigste Vertreter der Kunst ist Marcel Duchamp (1887–1968). Er verfolgte den Ansatz, dass ein Künstler Kunst nicht schaffen, sondern nur finden müsse. Er nannte es das “Objet trouvé” oder die “Readymades”. Da der Kunst an sich im Dadaismus keine Grenzen gesetzt werden, ist es schwierig eindeutige Vertreter der bildenden Kunst zuzuordnen. Sie überschneiden sich häufig mit den Schriftstellern, Schauspielern und Grafikern dieser Zeit.

Dadaismus in der Literatur

Dadaismus in der Literatur

Feste Merkmale in der grenzenlosen Dada-Literatur zu finden, ist nicht leicht. Dort wo man sonst Form und Inhalt der Literatur bestimmen kann, findet man nun Formlosigkeit und Unsinn. Doch genau dieser undefinierbare Unsinn ist in der Literaturgeschichte einzigartig und sorgte für völlig neue Möglichkeiten. Wir haben die wichtigsten Eigenschaften und Ziele des Dadaismus sowie die bekanntesten Vertreter für dich in einer Übersicht zusammengestellt.

Wenn du Hilfe bei der Interpretation oder Präsentation eines Werks brauchst, können dir diese Links weiterhelfen:

Merkmale der Literatur

Die Künstler und Autoren des Dadaismus versuchten stets, etwas Neues zu schaffen, um das Publikum und die Leser zu schockieren. Dazu mischten sie auch häufig Medien wie Schrift und Bild, sie verbildlichten die Schrift oder verschriftlichten das Bild. Hinzu kamen Geräusche und Laute; die Werke wurden vorgelesen. Eine der bekanntesten Vorstellungen ist Hugo Balls Lesung seines Lautgedichts “Karawane” (1916). Es war das erste Lautgedicht des Dadaismus und wurde von ihm im gebastelten, kubistisch-geometrischen und steifen Papstkostüm brüllend vorgetragen.

Die Merkmale der Dada-Literatur zu kennen, kann dir helfen, sie in der Schule oder der Universität besser zu verstehen. Mit ihrer Hilfe erkennst du ein Dada-Werk nicht nur sofort, sondern kannst es in Bezug auf die Ziele dieser Bewegung auch besser interpretieren.

1. Zeitraum:

  • 1916 bis 1922

2. Sprache und Stil:

  • Satirischer, teilweise zusammenhangloser und polarisierender Sprachgebrauch
  • Buchstaben und Silben treten außerhalb ihres gewohnten Kontextes auf
  • Absichtlich verwirrender und provokanter Stil
  • Übertreibung, Komik, Ironie, und Satire sind wichtige Stilmittel
  • Schrift und Bild werden vermengt
  • Geräusche und Laute spielen eine große Rolle

3. Themen und Motive:

  • Unsinn
  • Traum und Realität
  • Politik und Gesellschaftskritik (in satirischer Form)
  • Religion (in späteren Werken von Hugo Ball und Emmy Hennings)

4. Ziele:

  • Befreiung der Kunst von bestehenden Konventionen
  • Änderung des Kunstverständnisses der Leser und Zuschauer
  • Kunst kann alles sein und alles kann Kunst sein (Kunst kann aus jeglicher Materie bestehen und jedes Objekt kann als Kunst angesehen werden)

5. Gattungen:

  • Unsinnspoesie (Lyrik ohne logischen Zusammenhang)
  • Witzgedichte (Erheiternde Unsinnsgedichte, in denen Komik zu erkennen ist)
  • Lautgedichte (Aneinanderreihung von Silben, Klängen und Geräuschen)
  • Simultangedichte (Von mehreren gleichzeitig gesprochen)
  • Buchstabengedichte ( Form steht im Vordergrund, Lyrik aus einzelnen Buchstaben und grafischen Elementen)
  • Merzdichtung (abstrakte Collage-Dichtung aus Teilen von Zeitschriften, Katalogen oder Plakaten)

6. Vertreter:

  • Hugo Ball
  • Emmy Hennings
  • Hans Arp
  • Tristan Tzara
  • Marcel Janco
  • Kurt Schwitters
  • Richard Huelsenbeck
  • John Heartfield
  • Max Ernst
  • Johannes Baargeld
  • Raoul Hausmann

4 Dadaismus-Gedichte

Gedichte des Dadaismus

In diesem Kapitel haben wir vier verschiedene Gedichte des Dadaismus für dich. Das erste ist “Karawane” von Hugo Ball. Es ist ein klassisches Lautgedicht, das auch in die Kategorie der Unsinnspoesie fällt. Danach findest du das Gedicht “Traum” von seiner Ehefrau Emmy Hennings. An dritter Stelle haben wir Kurt Schwitters Witzgedicht “Anna Blume”, an das das bekannte Lied “A-N-N-A” (1997) von der Band Freundeskreis mit Max Herre angelehnt ist. Das letzte dadaistische Gedicht ist “Verse” von Johannes Theodor Baargeld.

Hugo Ball: “Karawane” (1917)

Hugo Ball (1886–1927) war ein deutscher Autor, Biograf und einer der Begründer des Dadaismus. Er wuchs in einer katholischen Familie auf, machte sein Abitur im zweiten Anlauf und studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie. Das Studium brach er ab, zog nach Berlin und machte dort eine Ausbildung zur Hilfskraft für Regie, Dramaturgie und Verwaltungsfragen. In München lernte er Emmy Hennings kennen und emigrierte mit ihr in die Schweiz, wo sie 1916 das “Cabaret Voltaire” gründeten. Einige Jahre später entzog er sich bereits dem aktiven Dadaismus und wandte sich der katholischen Theologie zu.

Hugo Ball ist ein wichtiger Vertreter und dadaistischer Vorreiter, was das Lautgedicht anbelangt. Zu ihnen gehört auch das folgende Gedicht “Karawane”, das schriftlich abbildet wie eine Karawane klingen könnte. Doch Ball schrieb nicht nur Gedichte. Zu seinen Werken gehören unter anderem die Tragikomödie “Die Nase des Michelangelo” (1911) oder die Monographie “Zur Kritik der deutschen Intelligenz” (1919).

Karawane

jolifanto bambla ô falli bambla
grossiga m’pfa habla horem
égiga goramen
higo bloiko russula huju
hollaka hollala
anlogo bung
blago bung
blago bung
bosso fataka
ü üü ü
schampa wulla wussa ólobo
hej tatta gôrem
eschige zunbada
wulubu ssubudu uluw ssubudu
tumba ba- umf
kusagauma
ba – umf

Emmy Hennings: “Traum” (1922)

Emmy Hennings' selbstverlorenes Gedicht "Traum"

Emmy Hennings (1885–1948) war eine deutsche Kabarettistin, Schauspielerin und Schriftstellerin. Sie wuchs in Flensburg auf, arbeitete als Dienstmädchen und schloss sich mit ihrem ersten Ehemann einer Wanderbühne an. Danach ließ sie sich scheiden und tourte allein als Vortragskünstlerin durch Deutschland. Nach einer unglücklichen Beziehung mit Ferdinand Hardekopf, der sie zeitweise zur Prostitution zwang, flüchtete sie nach Berlin und München, wo sie ihren späteren Ehemann Hugo Ball kennenlernte.

Sie gründete zusammen mit ihm das “Cabaret Voltaire” und heiratete ihn 1920. Nach Hugo Balls Tod verwaltete sie seinen Nachlass und verfasste autobiografische Schriften, Erzählungen, Gedichte sowie Märchen und Legenden. Ihr Gedicht “Traum” stammt aus dem Gedichtband “Helle Nacht” (1922) mit insgesamt 47 Gedichten. Sie alle wirken innig und selbstverloren, teilweise mit religiöser Tendenz.

Traum

Ich bin so vielfach in den Nächten.
Ich steige aus den dunklen Schächten.
Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein.

So selbstverloren in dem Grunde,
Nachtwache ich, bin Traumesrunde
Und Wunder aus dem Heiligenschrein.

Und öffnen sich mir alle Pforten,
Bin ich nicht da, bin ich nicht dorten?
Bin ich entstiegen einem Märchenbuch?

Vielleicht geht ein Gedicht in ferne Weiten.
Vielleicht verwehen meine Vielfachheiten,
Ein einsam flatternd, blasses Fahnentuch …

Kurt Schwitters: “An Anna Blume” (1919)

Kurt Schwitters lustiges Liebesgedicht "An Anna Blume"

Kurt Schwitters (1887–1948) war ein deutscher Maler, Dichter und Grafiker aus Hannover. Nach dem Abitur, einem Studium und der Heirat mit seiner Frau kommt er 1919 zu seiner ersten Ausstellung. Er entwickelte seine eigene Kunstrichtung, namens “Merz” (abgeleitet vom Wort "Kommerz"), die das dadaistische Weltbild in seiner Gesamtheit darstellt.

Die Merz-Werke sind meist Collagen aus Zeitungsausschnitten, Reklame und Abfällen. Weitere Stilrichtungen, die ihn beeinflussten sind der Konstruktivismus und der Surrealismus. Er ist einer der wichtigsten Wegbereiter der Konkreten Poesie, die versucht, sprachliche Elemente von ihrem eigentlichen Sinn zu lösen.

An Anna Blume

Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, – – – wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!

Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.

Du trägst den Hut auf Deinen Füßen und wanderst auf die Hände,
Auf den Händen wanderst Du.

Halloh, Deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt,
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, – – – – – wir?
Das gehört beiläufig in die kalte Glut!
Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?

Preisfrage:
1.) Anna Blume hat ein Vogel,
2.) Anna Blume ist rot.
3.) Welche Farbe hat der Vogel.

Blau ist die Farbe Deines gelben Haares,
Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, – – – – wir!
Das gehört beiläufig in die – – – Glutenkiste.

Anna Blume, Anna, A—-N—-N—-A!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg,
Weißt Du es Anna, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
A——N——N——A.
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich ——- liebe ——- Dir!

Johannes Theodor Baargeld: “Verse” (1917)

Johannes Theodor Baargelds "Verse"

Johannes Theodor Baargeld (1892–1927), wurde auch “Zentrodada” genannt und hieß eigentlich Alfred Ferdinand Gruenwald. Er war ein deutscher Maler, Grafiker und Schriftsteller der Dada-Bewegung. Er wuchs in Köln auf, studierte Rechtswissenschaften in Oxford und Bonn und diente im ersten Weltkrieg als Reserveleutnant. Zusammen mit Max Ernst war er einer der bekanntesten Kölner Dadaisten. Sein Gedicht “Verse" wurde 1917 veröffentlicht.

Verse

Und auch die Nächte dieser Stadt
Sind unterhöhlt von den stürzenden Glocken.
Uns Nackten wehen in ihr Bad
Des Rausches von ruhlosen Lippen Flocken.

Wo du an überlaubtem Tor
Weichere Hände nicht wolltest küssen,
Habt Beide ihr Schatten sehen müssen,
Und Schreie, da ein Gerechter verlor.

Ein dunkler Seim von krankem Baum
Ward über das Pflaster zu spaltiger Glättung,
Und ein Zuschlag sprang wie aus eiserner Kettung
Einer toten Weiche in deinen Traum.

10 votes, average: 4,60 out of 510 votes, average: 4,60 out of 510 votes, average: 4,60 out of 510 votes, average: 4,60 out of 510 votes, average: 4,60 out of 5 (10 votes, average: 4,60 out of 5)
You need to be a registered member to rate this.
Loading...

Ähnliche Beiträge