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Hypothese: 4 Arten + Deutungshypothese in 3 Schritten erklärt

Im Deutschunterricht, in wissenschaftlichen Arbeiten oder in der Mathematik – es gibt viele Bereiche, in denen dir Hypothesen begegnen. Wir erklären, was es damit auf sich hat und geben Tipps zum Aufbau einer Deutungshypothese. Außerdem erfährst du, worauf du beim Formulieren von wissenschaftlichen Hypothesen achten musst.

Definition von Hypothese

Was eine Hypothese eigentlich ist

Der Begriff Hypothese stammt vom lateinischen Wort "hypothesis", was übersetzt "Unterstellung" bedeutet. An Hand dieser Übersetzung erschließt du dir vielleicht schon, worum es sich bei diesem sprachlichen Phänomen handelt. In einer Hypothese formulierst du nämlich eine Annahme, von deren Richtigkeit du ausgehst, die du allerdings nicht beweisen kannst. Nur Annahmen, die überprüfbar sind, zählen zu den Hypothesen. Hast du eine Hypothese aufgestellt, gilt es nämlich im Anschluss, mit unterschiedlichen Analysemethoden herauszufinden, ob die Aussage stimmt oder nicht.

Im Anschluss der Analyse hast du deine Hypothese also entweder bewiesen oder widerlegt. Je nachdem, welche Hypothese du aufstellst, kannst du deren Bedingungen mit bestimmten Aussagen deutlich machen. Häufige Formulierungen in diesem Zusammenhang sind Folgende: "Immer wenn…, dann…" oder "Je mehr…, desto…".

Arten von Hypothesen

Die Deutungshypothese ist ein Teil der Gedichtanalyse

Hypothesen kommen in vielen verschiedenen Bereichen vor. Es handelt sich dabei immer um Annahmen, die Vermutungen zu einem bestimmten Thema ausdrücken. Als Schüler hast du in den Fächern Deutsch und Mathematik mit Hypothesen zutun. Tipps zum Nachhilfe finden in Mathe und im Allgemeinen gibt es hier.

Strebst du eine universitäre Laufbahn an, wirst du je nach Fach ebenfalls mit Hypothesen konfrontiert. Womöglich beschäftigst du dich sogar in deiner Bachelor– oder Masterarbeit damit. Tipps für mehr Effizienz und Erfolg beim wissenschaftlichen Arbeiten gibt es hier. Im Folgenden erklären wir, welche Arten von Hypothesen du kennen solltest.

Deutungshypothese

Deutungshypothesen sind ein Teil der Gedichtanalyse und der Interpretation dieser Textgattung. In einer Deutungshypothese schreibst du in ein paar kurzen Sätzen auf, was die grundsätzliche Aussage eines Gedichts sein könnte. Du vermutest also etwas, das sich im Nachhinein auch als falsch herausstellen kann. Das ist aber gar nicht schlimm. Der Sinn und Zweck einer Deutungshypothese besteht darin, eine Vermutung aufzustellen, die sich im Nachhinein bestätigt oder die widerlegt wird. Hast du eine Gedichtanalyse und -interpretation durchgeführt, gibt es die Möglichkeit, deine Deutungshypothese entsprechend anzupassen.

Du kannst dir die Deutungshypothese als eine Art Sammlung deiner ersten Eindrücke vorstellen. Du hältst darin fest, was dir gleich nach dem Lesen eines Gedichts in den Sinn kommt und überprüfst deine Gedanken im Anschluss in einer Analyse und einer Interpretation. Derjenige, der deine Arbeit liest, bekommt an Hand der Deutungshypothese schon einmal einen Eindruck davon, in welche Richtung deine Gedichtanalyse geht. Beispiele für eine gelungene Textanalyse findest du hier.

Wissenschaftliche Hypothese

In der Wissenschaft im Allgemeinen beschreiben Hypothesen eine Beziehung zwischen zwei oder mehreren Variablen. Diese bezieht sich dabei auf vergleichbare Objekte oder Ereignisse. Du musst vor vielen wissenschaftlichen Arbeiten eine oder mehrere Hypothesen formulieren, da sie Aufschluss über dein Forschungsprojekt geben und du dich im weiteren Verlauf daran orientieren kannst.

Hypothesen in der Mathematik

In der Mathematik gibt es auch Hypothesen

Hypothesen begegnen dir nicht nur im Deutschunterricht und beim wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch im Mathematikunterricht. In der Regel hast du aber erst in der Oberstufe damit zu tun. In diesem Fach geht es dabei ebenfalls um nicht bewiesene Annahmen. Im Teilbereich Statistik kommen Hypothesen zum Einsatz, um die Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen zu beschreiben. Du nutzt sogenannten Hypothesentests, um herauszufinden, ob eine Hypothese angenommen oder verworfen werden soll.

Bei den Hypothesentests unterscheidest du zwischen der Nullhypothese "H0", und der Alternativhypothese "H1". Die Nullhypothese gibt dabei das erwartete Ergebnis an, die Alternativhypothese steht für eine Abweichung vom Erwarteten.

Hypothesen in der Logik

Als Logik bezeichnet man die Lehre der logischen Schlussfolgerungen, des schlüssigen Denkens oder der Beweisführung. Auch in diesem Bereich gibt es Hypothesen. Du nutzt sie, um eine These zu verteidigen.

Deutungshypothese: Anleitung in drei Schritten (+ Beispiel)

So schreibst du eine Deutungshypothese

Im Deutschunterricht der Oberstufe wirst du es mit Sicherheit irgendwann einmal mit einer Deutungshypothese zu tun bekommen. Das passiert in Zusammenhang mit einer Gedichtanalyse. In einer Deutungshypothese schreibst du nämlich deine Annahmen über die Kernaussage eines bestimmten Gedichts auf. Einen Beweis musst du nicht erbringen, schließlich handelt es sich nur um eine Vermutung. Nachdem du ein Gedicht gelesen hast, schreibst du deine Gedanken in Bezug auf die Intention des Textes auf.

Eine Deutungshypothese besteht nur aus wenigen Sätzen. Achte darauf, dass du diese möglichst klar und präzise formulierst. So hat der Leser deines Textes gleich einen Eindruck davon, wie du in der Gedichtanalyse vorgehst und auf welche Aspekte du dich fokussierst. Deine Deutungshypothese platzierst du zwischen der Einleitung und dem Hauptteil deiner Gedichtanalyse.

Nachdem du die Analyse und die Interpretation des Gedichtes abgeschlossen hast, gehst du am Ende deiner Arbeit noch einmal auf die Deutungshypothese ein. Abschließend verweist du darauf, ob sich deine Vermutung bestätigt hat oder nicht. Das ist sehr wichtig, da die Hypothese ansonsten unkommentiert stehen bleiben würde.

Im Folgenden erfährst du am Beispiel der modernisierten Fassung des Gedichts "Es ist alles Eitel" (im Jahre 1637 von Andres Gryphius verfasst), wie du dabei am besten vorgehst. Die hier formulieren Deutungshypothesen sind nicht allgemeingültig und dienen nur zur Veranschaulichung des sprachlichen Phänomens. Das Gedicht von Andreas Gryphius bietet viele verschiedene Auslegungsmöglichkeiten und lässt Raum für die unterschiedlichsten Thesen und Interpretationen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung musst du das Gedicht gründlich lesen

Bevor du eine Deutungshypothese formulierst, musst du dich natürlich zunächst intensiv mit dem Gedicht beschäftigen. Lies dir das Gedicht ein oder zweimal durch. Du solltest das Gefühl haben, die Kernaussage in Worte fassen zu können.

Handelt es sich um ein längeres Gedicht, kann es durchaus hilfreich sein, wenn du dir zwischendurch Notizen machst und deine Gedankengänge festhältst. Orientiere dich an den einzelnen Strophen des Gedichts. Schreibe dir während des ersten Lesens Stichworte auf und überprüfe diese in einem zweiten Lesedurchgang. Das Gedicht lautet folgendermaßen:

Es ist alles Eitel

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiesen sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Was jetzt noch prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch’ und Bein,
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach! Was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t.
Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten!

– Andreas Gryphius (1616 – 1664)

Formulierung

So formulierst du die Deutungshypothese

Hast du dir einen ersten Eindruck vom Gedicht verschafft und Stichworte notiert, musst du versuchen, deine Gedanken in ganzen Sätzen wiederzugeben. Behalte dabei immer im Hinterkopf, dass es sich um eine Hypothese handelt. Es geht also lediglich darum, deine persönlichen Gedanken und Annahmen festzuhalten. Den Text formulierst du in deinen Worten und lässt dich dabei nicht von anderen Quellen inspirieren.

Gedichte sind darauf ausgelegt, mit deiner Fantasie zu spielen. Jeder Mensch nimmt sie anders wahr und verknüpft unterschiedliche Dinge mit einem Text. Diese Tatsache macht Gedichtanalysen so interessant. Womöglich fällt dir etwas auf, dass deine Mitschüler übersehen haben.

Folgende Hypothese könntest du zum Gedicht "Es ist alles Eitel" formulieren. Sie bezieht sich auf das Thema "Vergänglichkeit":

Das Gedicht "Es ist alles Eitel" thematisiert in seiner Grundstruktur die Vergänglichkeit auf der Erde. Es macht den Menschen dafür verantwortlich. Das Gedicht kann als Klage gelesen werden, die aber nicht direkt anklagt. Ein Zeichen dafür ist die zurückhaltende Sprache, die sich in weich klingenden Versen ausdrückt.

Vielleicht hattest du beim Lesen aber auch einen ganz anderen Eindruck. Du könntest zum Beispiel eine abstraktere Interpretationsidee haben, die im übertragenen Sinne funktioniert. Eine alternative Deutungshypothese mit Bezug zum Thema "Suche nach der Ewigkeit" ist ebenfalls möglich:

Das Gedicht "Es ist alles Eitel" thematisiert die Suche nach der Ewigkeit und schließt ein Vorkommen dieses Phänomens auf der Erde aus. Der Autor bedient sich dabei einem Thema, das im Barock sehr häufig verwendet wurde, nämlich der Vergänglichkeit. Da seiner Meinung nach nichts auf der Erde Bestand hat, hofft er nach dem Tod die Ewigkeit zu finden.

Beide Deutungshypothesen haben ihre Berechtigung, sofern du in der folgenden Gedichtanalyse darauf Bezug nimmst. Du darfst keine Hypothese aufstellen, wenn du nicht vorhast, das Gedicht in Hinblick darauf zu analysieren. Was du in der Hypothese vermutest, musst du zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen. Nur so kannst du eine Aussage in Bezug auf deine Hypothese formulieren.

Überprüfung

Im letzten Schritt prüfst du deinen Hypothese

Hast du deine Deutungshypothese formuliert, ist der Grundstein für die nachfolgende Gedichtanalyse gelegt. In der Analyse kommt es nun darauf an, dass du deine Vermutungen aus der Deutungshypothese entweder bestätigst oder widerlegst. Dazu musst du deine Hypothesen in der Analyse ausreichend begründen. Ob eine Interpretation richtig oder falsch ist, lässt sich also nicht so einfach sagen. Das spielt im Grunde auch keine Rolle. Solange du deine Annahmen mit Auszügen aus dem Gedicht unterfütterst, haben sie Gültigkeit und eine Berechtigung.

Die eigentliche Analyse folgt in einem fließenden Übergang nach der Deutungshypothese. Ob sich die Hypothese als wahr oder falsch herausstellt, kannst du erst nach der Analyse und Interpretation des Gedichtes abschließend feststellen. Nachdem du die Hypothese formuliert hast, untersuchst du das Gedicht in der folgenden Analyse ganz genau. Dabei solltest du selbst den kleinsten Details Beachtung schenken. Wichtig ist, dass du auf das Versmaß, die unterschiedlichen Stilmittel und das Reimschema eingehst und diese Charakteristika mit Bezug auf deine Hypothese untersuchst. Allgemeine Informationen zu Stilmitteln gibt es hier.

Ist die Analyse abgeschlossen, folgt die Interpretation des Textes. Dabei deutest du einzelne Bestandteile des Gedichts und bringst deine Erkenntnisse in einen Gesamtzusammenhang. An diesem Punkt stellt sich heraus, inwiefern deine Vermutungen aus der Deutungshypothese Bestand haben oder nicht. Was du bei einer Gedichtanalyse sonst noch beachten musst, erfährst du hier.

So stellst du wissenschaftliche Hypothesen auf

Wissenschaftliche Hypothesen aufstellen

In einer wissenschaftlichen Arbeit stellst du zu Beginn in der Regel eine Hypothese auf, an der sich deine Arbeit orientiert. Wie genau die Hypothese aufgebaut ist, hängt natürlich von deinem Fach und dem jeweiligen Thema ab. Es handelt sich aber immer um eine zielführende wissenschaftliche Behauptung, deren Wahrheitsgehalt du mit deiner Arbeit überprüfst.

Du formulierst also zunächst eine oder mehrere allgemeine Annahmen zu deinem Forschungsgegenstand, die du im Verlauf der Arbeit untersuchen möchtest. Hast du vor, eine Doktorarbeit zu schreiben, stellst du deine Arbeitshypothesen meistens schon im Exposé vor. Diese dienen nämlich auch dazu, dein generelles Interesse am Thema herauszustellen und dem betreuenden Professor einen Einblick in dein Forschungsvorhaben zu geben.

Dazu formulierst du eine oder mehrere konkrete, aber allgemeine Annahmen, aus denen klar hervorgeht, wie du dein Forschungsprojekt in die Tat umsetzen möchtest. Das Ziel deiner Arbeit besteht dann darin, diese Annahmen mit Hilfe einer Analyse oder anderen Forschungsmethoden zu bestätigen oder außer Kraft zu setzen. Tipps zum Schreiben einer Szenenanalyse gibt es hier.

Vorteile von wissenschaftlichen Hypothesen

Der Vorteil von Arbeitshypothesen in der Wissenschaft ist, dass du dein Interesse an einem Thema auf das Wesentliche reduzierst. Somit bekommt dein Projekt schon vor Beginn des Schreibprozesses eine Struktur, an der du dich orientierst. Hypothesen helfen dir außerdem dabei, dich für ein spezielles Forschungsinstrument zu entscheiden.

Im Unterschied zu einer These setzen Hypothesen zwei unterschiedliche Aspekte miteinander in Verbindung und etablieren eine Beziehung. Eine These ist lediglich eine Behauptung, die eines Beweises bedarf. Wie genau eine These auszusehen hat, ist nicht klar festgelegt.

Damit du beim Forschen und Schreiben nicht den Überblick verlierst, müssen deine Arbeitshypothesen klar und deutlich formuliert sein. Bist du selbst nicht überzeugt von deinen Hypothesen, solltest du sie unbedingt überarbeiten, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Bist du unsicher, wie du sie am besten optimierst, bittest du deinen betreuenden Professor um Hilfe.

Darüber hinaus brauchst du natürlich auch eine Forschungsfrage, die so etwas wie den roten Faden deiner Arbeit repräsentiert und den Kontext bildet. Innerhalb des Kontextes gibt es dann bestimmte Phänomene, die du mit deinen Hypothesen in Beziehung zueinander setzt.

Darauf musst du achten

Darauf musst du achten

Es gibt einige Dinge, auf die du bei der Formulierung deiner wissenschaftlichen Hypothesen achten solltest. Zunächst einmal muss der Leser genau nachvollziehen können, wie du die Annahmen hergeleitet hast. Achte unbedingt darauf, dass es keine Widersprüche gibt, auch nicht in der Formulierung.

Außerdem müssen deine Hypothesen allgemeingültig sein. Obwohl viele Formulierungen in der wissenschaftlichen Arbeit ausschweifend und kompliziert daherkommen, solltest du deine Hypothesen so kurz und prägnant wie möglich in Worte fassen. So versteht dein Leser sofort, worauf du hinauswillst und erkennt, womit du dich in deiner Arbeit beschäftigen möchtest.

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