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Expertise: 3 Bedeutungen, 7 Merkmale & 4 Beispiele

Kennt sich jemand in einem Bereich besonders gut aus, spricht man von Expertise. Sie kann sowohl das Fachwissen selbst als auch die mündliche oder schriftliche Einschätzung eines Experten bezeichnen. Wir verraten dir, wodurch sich die Expertise noch auszeichnet und haben hilfreiche Beispiele.

Die Expertise wird für die unterschiedlichsten Bereiche benötigt. Es gibt Experten in der Kunst oder im Bereich Finanzen, aber auch in den Rechtswissenschaften oder der Kriminologie. Sie helfen durch ihr Fachwissen meist bei der Lösung von Problemen.

Die Bedeutung von Expertise

Die Bedeutung von Expertise

Um Expertise zu erlangen, also Experte auf einem Gebiet zu werden, braucht es nach dem deutschen Professor und Psychologen Josef F. Krems drei Dinge:

  • Effizienz (Erledigung vieler Aufgaben mit vergleichsweise wenig Aufwand)
  • Fachwissen (inklusive Arbeitsmethodik und Prozessmanagement)
  • Fähigkeit zur Anwendung der eigenen Erfahrung (Deduktion)

Im Folgenden erklären wir dir, was der Begriff “Expertise” bedeutet und welche Formen die Fachkenntnisse auf Expertenniveau annehmen können.

Fachliche Expertise

Die sogenannte fachliche Expertise erreichst du durch langjährige Berufserfahrung oder dem intensiven Studium in einem bestimmten wissenschaftlichen Fachbereich. Manchmal macht auch beides eine Person zu einer Expertin oder einem Experten im jeweiligen Gebiet.

Diese erfahrene Person besitzt dadurch besonders gute Fähigkeiten zur Problemlösung. Sie weiß, wie das Fachwissen auch in der Praxis umgesetzt werden kann. Außerdem weiß sie, wie systematische Analysen durchgeführt werden, um einen Sachverhalt richtig einzuschätzen.

In der psychologischen Forschung versteht man unter Expertise die Art von Wissen, die nicht formell festgehalten, aber doch vorhanden ist. Es handelt sich also nicht um einen Abschluss oder ein Zertifikat. Dennoch ist das Wissen eines Experten immer glaubhaft und nachvollziehbar.

Schriftliche Expertise

Schriftliche Expertise

Expertisen gibt es auch in schriftlicher Form. Das Wort beschreibt nicht nur die Fähigkeit, eine Expertise zu erstellen, sondern auch den Text selbst. Hierbei spielen die Erfahrung und die Leistung auf einem bestimmten Gebiet eine wichtige Rolle. Beispiele für Expertentexte sind:

  • Analyse
  • Studie
  • Untersuchung
  • Diagnose
  • Gutachten
  • Beratung
  • Auskunft

Außerdem verleihen dir Facharbeiten, Hausarbeiten, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten und Dissertationen Expertise in deinem Forschungsbereich.

Die Verfasserin oder der Verfasser ist nach einer solchen wissenschaftlichen Arbeit Experte auf dem Gebiet.

Mündliche Expertise

Auch wenn ein Experte mündlich seine Einschätzung zu einem bestimmten Thema abgibt, spricht man von Expertise.

Möchte eine Person beispielsweise eine Antiquität verkaufen, kann sie sich von einem Experten beraten lassen. Dieser bestimmt folglich in etwa den Wert des Stücks und ist somit bei der Festlegung des Verkaufspreises behilflich.

Der Verkäufer kann sich beim Verhandeln mit einem Käufer auf die die Expertise, also die professionelle Meinung des Experten stützen.

Ursprung des Begriffs

Das Wort “Expertise” wurde im 19. Jahrhundert dem Französischen entnommen. Die Bedeutung für das französische Wort “expertise” ist “Untersuchung” oder “Gutachten durch Sachverständige”.

Es wurde abgeleitet von “expert”, das als Adjektiv “erfahren” und als Substantiv “Sachkundiger” bedeutet. Ursprünglich stammt es aus dem Lateinischen. Dort lässt sich “expertus” übersetzen mit “erfahren”, “kundig”, “erprobt” oder “bewährt”.

Sätze mit dem Wort Expertise lassen sich wie folgt bilden:

  • Wir warten auf die gerichtsmedizinische Expertise.
  • Er besitzt Expertise, wenn es um die Französische Revolution geht.
  • Die Verteidigung zweifelt die Richtigkeit der Expertise an.

Synonyme für Expertise

Synonyme für Expertise

Um die Expertise noch ein wenig besser zu verstehen, haben wir in diesem Kapitel gängige Synonyme für dich.

Sie beziehen sich sowohl auf die Expertise als Fachwissen selbst als auch auf das kundgetane Fachwissen in schriftlicher oder mündlicher Form.

Expertise als FachwissenExpertise als Einschätzung

  • Expertenwissen

  • Fachkompetenz

  • Sachkenntnis

  • Wissensstand


  • Beurteilung

  • Begutachtung

  • Einschätzung

  • Stellungnahme

  • Urteil

  • Expertenmeinung

Synonyme für die Begriffe “Expertin” oder “Experte” sind: Fachkraft, Profi, Sachkundige oder Sachkundiger, Kennerin oder Kenner, Fachperson, Meisterin oder Meister.

Eine kurze Definition

Zusammenfassend bezeichnet die Expertise also sowohl das Fachwissen einer Expertin oder eines Experten als auch die schriftliche oder mündliche Formulierung einer Expertenmeinung.

Expertise erlangen kann man durch viel praktische Erfahrung und die Fähigkeit, die eigenen Kenntnisse zu übertragen. So wird meist für Problemlösungen gesorgt – und das unter möglichst geringem Aufwand (wenig Fehler, wenig Kosten, wenig Zeit).

Vorteile von Fachexpertise

Wenn du dich beruflich auf ein bestimmtes Gebiet spezialisierst, hast du gute Chancen, in diesem Gebiet unverzichtbar zu werden. Je spezifischer der Bereich, umso weniger Konkurrenz gibt es.

Hierbei ist es allerdings auch wichtig, sich stetig weiterzubilden und auf dem neusten Stand zu bleiben. Das ist sowohl in der Forschung notwendig als auch für die Selbstständigkeit oder als Angestellter in einem Unternehmen.

Tausche dich regelmäßig mit anderen Expertinnen und Experten aus, erweitere dein Wissen und gib es weiter. Bleibe außerdem standhaft und kenne deinen Wert, wenn es darum geht, dich als Experte zu behaupten. Erkläre logisch nachvollziehbar, warum andere deinem erfahrenen Rat folgen sollten.

Experten erkennen: Merkmale von Expertise

Experten erkennen: 7 Merkmale von Expertise

In diesem Kapitel erfährst du, woran du Expertise erkennen kannst. Das ist zum einen hilfreich bei der Suche eines echten Experten und zum anderen bei deiner Selbsteinschätzung.

Theoretisch kann sich nämlich jeder als Experte bezeichnen, doch du hast keine Garantie, dass die Person wirklich tiefgehendes Fachwissen besitzt. Sicherlich weiß sie mehr als du auf ihrem Gebiet, aber du solltest dich dennoch nicht blindlings auf ihr Urteil verlassen, ohne Nachfragen zu stellen.

Möchtest du zum Beispiel wissen, ob du dich selbst als Experte bezeichnen könntest, helfen dir die folgenden Merkmale. Teste dich selbst oder eine andere Person, die sich als Experte bezeichnet.

Nachvollziehbare Argumentation

Trifft die Person mit Fachwissen Entscheidungen aus dem Zusammenhang gerissen oder argumentiert sie für dich schlüssig und bietet plausible Erklärungen?

Auch als Laie kannst du einen Eindruck davon gewinnen, ob eine Person lediglich mit Fachvokabular um sich wirft, um sich rhetorisch hervor zu tun. Wichtiger wäre es jedoch, dass du das Urteil verstehen kannst und die Meinung des Experten somit für dich nachvollziehbar wird.

Nennt die Person lediglich vereinzelte Beispiele, um ihre Argumente zu stützen oder zieht sie wissenschaftliche Fakten und mehrere Argumente heran?

Hier findest du die wichtigsten Argumenttypen und Tipps für eine Argumentation. 

Realistische Beurteilung eigener Fähigkeiten

Manche Menschen, die sich als Expertinnen und Experten bezeichnen, sind ein gutes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt. Das bedeutet, sie überschätzen ihr Expertenwissen und treten folglich sehr selbstbewusst auf, was sie für Laien überzeugender wirken lässt.

Ein vertrauenswürdiger Experte sollte seine Fähigkeiten hingegen immer realistisch einschätzen können. Wenn du die Argumentation einer Person mit angeblicher Expertise also nicht nachvollziehen kannst, solltest du immer konkrete Fragen stellen.

Höre bei der Antwort genau zu, ob deine Frage wirklich beantwortet wird oder ob dein Gegenüber ihr ausweicht. Achte auch auf sein Auftreten. Spricht er ruhig und sachlich oder lenkt er durch lautes Sprechen, viel Gestik und Mimik vom Inhalt des Gesagten ab?

Erfahrung

Erfahrung

Ein wichtiger Aspekt bei der Expertise ist die Erfahrung. Hierbei geht es darum, ob die Expertin oder der Experte bereits komplexe Analysen durchgeführt und zufriedenstellende Lösungen gefunden hat.

Erfahrung in der Praxis ist bei der Umsetzung seines Wissens unverzichtbar. Eine Person mit Expertise sollte nämlich unbedingt zur Deduktion fähig sein.

Deduktion

Die sogenannte Deduktion (lateinisch deductio für “Ableitung”) ist eine Methode, um von dem vorhandenen Wissen auf andere Sachverhalte schlusszufolgern. Bereits in der Antike kannte man dieses logische Verfahren, bei dem von einer allgemeinen Regel auf etwas Einzelnes geschlossen wird.

Ähnlicher Meinung wie andere Experten

Ein guter Indikator für eine Person mit Expertise ist, wenn sie oft von anderen ihres Fachbereichs zitiert wird. Ob das auf eine Expertin oder einen Experten zutrifft, findest du durch (Online-)Recherche heraus. Außerdem kannst du weitere Expertenmeinungen einholen und Vergleiche ziehen.

Hier findest du Tipps für bessere Recherche-Ergebnisse. 

Ein gutes Gedächtnis

Menschen mit spezifischen Fachkenntnissen müssen sich viele Details merken, die nach außen hin unwichtig erscheinen mögen. Bei der Expertise geht es nämlich genau darum. Es ist wichtig, möglichst viel Hintergrundwissen zu besitzen, um Sachverhalte besser analysieren und einschätzen zu können.

Nur durch ein gutes Gedächtnis und ein hohes Interesse an ihrem Fachgebiet können sich Menschen mit Expertise diese vielen Kleinigkeiten merken. Gleichzeitig lernen sie immer wieder etwas Neues dazu und trainieren damit ihre Merkfähigkeiten.

Hier findest du Tipps für ein besseres Gedächtnis. 

Mögliches Eigeninteresse

Ist ein Experte von einem Unternehmen angestellt, ist es naheliegend, dass er auch die Ziele des Unternehmens verfolgt. Er ist also nicht mehr neutral in seiner Meinung und kann sein Wissen möglicherweise exakt so auslegen, dass es diesem Zweck dient.

Dein persönliches Interesse würde in diesem Fall in den Hintergrund rücken. Insbesondere, wenn es um Finanzen geht, solltest du achtsam sein, welcher Expertise du vertraust. Weniger risikoreich ist eine Expertise, wenn die Person selbstständig ist und ausschließlich durch gute Beratung und die Weitergabe ihres Wissens Geld verdient.

Nachweisbare Erfolge

Nachweisbare Erfolge

Sowohl deinen eigenen Status als Experte als auch den Status anderer kannst du an nachweisbaren Erfolgen messen.

  • Hat er Bücher oder wissenschaftliche Arbeiten zu seinem Fachbereich verfasst?
  • Gehören renommierte Unternehmen zu seinen Kunden?
  • Sind seine Vorhersagen eingetroffen?
  • Gibt es Urkunden oder Zertifikate, die ihn als Experten ausweisen?

Diese Fragen solltest du dir immer stellen, um eine Person mit Expertise einschätzen zu können. Ebenso kannst du aber auch dich selbst als Experte bezeichnen, wenn du nachweisbare Erfolge vorzuweisen hast.

Beispiele für Expertise

Expertisen gibt es sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form in vielen verschiedenen Bereichen. Sie können sich zum Beispiel als Prognosen oder Analysen äußern. Deine Fachkenntnisse sollten sich aber auch in deinem Lebenslauf widerspiegeln.

Wir verdeutlichen dir mit den folgenden Beispielen, wie wichtig Expertisen geworden sind und welche unterschiedlichen Formen sie annehmen können.

Im Kunsthandel

Eine Expertise im Kunsthandel bestimmt beispielsweise, ob ein Gemälde wirklich vom angegebenen Künstler gemalt wurde. Kunstexperten erkennen, aus welcher Zeit ein vorliegendes Werk stammt und welchen Wert es heute hat.

Da es viele Fälschungen auf dem Markt gibt, sind Kunstexperten sehr gefragt. Sie arbeiten entweder allein oder in kleinen Teams und führen Materialprüfungen durch.

Gebraucht werden sie beispielsweise in Auktionen oder Museen. Bisher gibt es noch keine technischen Verfahren, die diese Expertise ersetzen könnten.

Neben der Aufdeckung von Fälschungen besitzen Kunstexpertinnen und Experten zum Teil auch die Fähigkeit, ein Kunstwerk einem bestimmten Künstler zuzuordnen. Dieses Wissen ist hilfreich, wenn ein Werk nicht signiert wurde, eine eindeutige Zuordnung den Wert aber erheblich steigern würde.

Expertise im Lebenslauf

Expertise im Lebenslauf

Manchmal spricht man auch in Bezug auf den Lebenslauf von Expertise, wenn es um dein berufsspezifisches Wissen geht. Durch deinen Werdegang und deine individuelle Erfahrung in deinem Job besitzt du viel praktisches Wissen, das anderen Unternehmen bei der Problemlösung helfen kann.

Zum Beispiel kannst du als erfahrener Recruiter beziehungsweise Personaler mit viel Menschenkenntnis ein Unternehmen dabei unterstützen, geeignetere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu akquirieren.

Das solltest du sowohl in deinem Anschreiben als auch in deinem Lebenslauf zur Sprache bringen. Bringe in deinen Lebenslauf beispielsweise nicht nur deine Aufgaben als Unterpunkte mit ein, sondern nenne konkrete Leistungen, die du erbracht hast.

Hier findest du wichtige Tipps für einen besseren Lebenslauf. 

Finanzberatung

Eine weitere Art der Expertise ist die Finanzanalyse oder Finanzexpertise. Zu diesem Bereich gehört beispielsweise auch die Aktienanalyse.

Hierbei wird die Marktentwicklung prognostiziert und relevante Werte analysiert, um der investierenden Person möglichst gute Chancen auf Gewinne zu ermöglichen.

Rechtliche Expertisen

Zu den rechtlichen Expertisen gehören zum Beispiel ein Rechtsgutachten oder eine sogenannte Sozialprognose. Ein rechtliches Gutachten beschäftigt sich unter anderem mit der Rechtmäßigkeit, Gültigkeit und Vollstreckbarkeit einer Rechtsfrage.

Die Sozialprognose beurteilt die Wahrscheinlichkeit eines Straftäters erneut Regeln und Gesetze zu brechen. Dazu gehört demnach auch das Risiko für die Gesellschaft, das von einem Straftäter ausgeht. Einbezogen werden hierbei kriminologische, psychiatrische und psychologische Faktoren.

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