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Glosse: Definition, Merkmale + 6 Beispiele für Glossen

Die Glosse ist eine journalistische, aber auch eine lyrische Textsorte. Als journalistische Darstellungsform kommentiert sie ein bestimmtes Thema in überspitzter Form. In der Lyrik wird ein bestimmtes Motto aufgegriffen, welches der Dichter in der Glosse kommentiert. Was genau eine Glosse ist und welche Merkmale sie hat, erfährst du hier.


In der Glosse setzen sich Autoren mit bestimmten Themen auseinander und kommentieren diese. Sie findet sowohl in der Lyrik als auch im Journalismus Anwendung, wobei sich beide Formen voneinander unterscheiden. Während die lyrische Variante sich durch ihren strophischen Aufbau kennzeichnet, erkennst du die Glosse als journalistische Darstellungsform anhand ihrer sarkastischen und überspitzten Art.

Häufig werden Darstellungsformen wie der Kommentar, die Kolumne oder die Nachricht mit der Glosse verwechselt. Obwohl sich diese Formen in gewisser Weise ähneln, unterscheiden sie sich in bestimmten Punkten, wie beispielsweise der Länge.

Definition von Glosse

Was eine Glosse ist

Die Glosse ist eine Textsorte, die im Journalismus und in der Lyrik verwendet wird. Als journalistische Darstellungsform handelt es sich um einen meinungsbildenden Beitrag, der aktuelle Themen in einer satirischen Art und Weise behandelt. In der Regel zeichnet sich die Glosse durch die überspitzte Darstellung der Thematik und ihre Kürze aus.

Als spanische Gedichtform findest du die Glosse auch in der Lyrik wieder. Zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert wurde überwiegend diese Gedichtform verwendet, die philosophische und erotische Themen behandelt. Ein Merkmal der lyrischen Glosse ist der Aufbau. Sie besteht aus einem vorangestellten Motto mit vier Versen, welches den Leitgedanken des Gedichts beschreibt. Darauf folgen vier Strophen, die als Dezime bezeichnet werden. Dabei besteht ein Dezim aus zehn Versen.

Ursprung der Glosse

Glosse als Gedichtform aus Spanien

Der Begriff 'Glosse' stammt aus der griechischen Sprache und kann mit 'Zunge' oder 'Sprache' übersetzt werden. Die Bezeichnung bezieht sich dabei auf die nötige sprachliche Fertigkeit, die der Autor beim Schreiben einer Glosse benötigt.

Die Textsorte entstammt dem 15. Jahrhundert und gilt als spanische Gedichtform. Heutzutage wird die Glosse aber auch als kurzer journalistischer Text beschrieben. In solchen Texten setzt sich der Autor mit den aktuellen Nachrichten auseinander und beschreibt oder kommentiert diese in einer satirischen Art. Um den Text verfassen zu können, muss sich der Autor umfassend mit dem Thema beschäftigt haben.

Merkmale der Glosse

Die Glosse wird einerseits in der Lyrik und andererseits im Journalismus eingesetzt. Als Gedichtform wurde sie vor allem in Spanien angewendet und behandelt erotische und philosophische Themen.

Im Journalismus hingegen beschreibt die Glosse einen kurzen, meinungsäußernden Text, der in humorvoller und teils sarkastischer Art ein (aktuelles) Thema kommentiert.

Glosse als Gedichtform

Die Glosse als Gedichtform

Bei der Glosse kann es sich um eine Gedichtform handeln, die in Spanien ihren Ursprung fand. Im 15. bis 17. Jahrhundert hatte diese Gedichtform ihre Glanzzeit, aber selbst in der Postmoderne findest du noch einige Beispiele. Die Glosse oder Glosa handelt in der Regel von philosophischen oder erotischen Themen.

Ein Merkmal der Textsorte ist die Strophenform: Häufig beginnt eine Glosse mit einem Motto oder einer Anfangsstrophe aus vier Versen. In dieser findest du den Leitgedanken des Gedichts. Hierauf folgen vier Strophen, die aus sogenannten Dezimen bestehen.

Im Allgemeinen ist ein Dezim eine Strophe, die aus zehn Versen und einem bestimmten Reimschema besteht. Dieses Reimschema ist in der klassischen spanischen Glosse symmetrisch. Einige Gedichte unterscheiden sich aber von der klassischen Form und besitzen ein nichtsymmetrisches Reimschema. Dieses findest du häufig in deutschen Gedichten von bekannten Dichtern wie Joseph von Eichendorff, Ludwig Tieck oder Ludwig Uhland.

a-b-b-a-a / c-c-d-d-c (symmetrisch)

a-b-b-a / a-c-c-d-d-c- oder a-b-b-a / c-a-c-d-d-d (nichtsymmetrisch)

Glosse als journalistische Darstellungsform

Die Glosse als journalistische Darstellungsform

Im Journalismus gilt die Glosse als Königsdisziplin der Darstellungsformen. In dieser wird kurz und prägnant ein Sachverhalt oder ein (aktuelles) Thema kommentiert. In der Regel kennzeichnet sich die Darstellungsform durch ihre humoristische und satirische Art. Aufgrund ihres Unterhaltungswerts und hohen sprachlichen Niveaus gilt die Glosse als besonders anspruchsvoll.

Früher wurde der Begriff genutzt, wenn in einen fremden Text Kommentare oder Randbemerkungen geschrieben wurden. Diese Kommentare wurden dann zu einer eigenen Darstellungsform umgewandelt – die journalistische Glosse.

Die Darstellungsform soll zum Schmunzeln und Lächeln anregen und humoristisch sein. Bereits die Überschrift soll vermitteln, dass es sich um eine Glosse handelt und das Thema bewusst überspitzt und sarkastisch dargestellt wird. Diese Überspitzung entsteht häufig durch stilistische und rhetorische Mittel wie Übertreibungen, Vergleiche, Sarkasmus, Ironie oder Wortspiele.

Im Grunde darfst du in der Glosse über jedes Thema schreiben. Dennoch ist ein sogenannter Aufhänger wichtig, der dem Thema eine gewisse Aktualität verleiht.

Abgrenzung zu anderen Textsorten

Abgrenzung zu anderen Textsorten

Die journalistische Glosse wird oft mit anderen journalistischen Textsorten verglichen und vertauscht. Was die genauen Unterschiede zu ähnlichen Texten sind, erfährst du in den folgenden Kapiteln. Hier listen wir alle wichtigen Merkmale auf und grenzen die Glosse von anderen Textsorten ab.

Abgrenzung zum Kommentar

Der Kommentar ist wie die Glosse ebenfalls eine meinungsäußernde Darstellungsform. Dadurch wirken beide Textsorten ähnlich. Ebenso beinhaltet der Kommentar die Meinung des Autors zu einem bestimmten Thema, sodass der Kommentar eine Stellungnahme beinhaltet. Zusätzlich gibt es im Kommentar ein abschließendes Fazit.

Der größte Unterschied zur Glosse ist die Länge. Während der Kommentar mehrere Seiten lang sein kann, zeichnet sich die Glosse durch ihre kurze Form aus. Durch den satirischen Stil wirkt die Glosse zudem häufig unterhaltend. Der Kommentar hingegen soll in der Regel die Meinung des Autors widerspiegeln und Informationen liefern oder Missstände aufdecken. Daher wirkt der Kommentar meist ernster und sachlicher. Die Glosse hingegen ist eher überspitzt und provoziert in vielen Fällen bereits mit der Überschrift.

Abgrenzung zur Kolumne

Die Kolumne ist eine Sonderform des Kommentars und erscheint regelmäßig. Ähnlich wie beim Kommentar nimmt der Autor hier Stellung zu einem bestimmten Thema. In den meisten Fällen ist die Kolumne in der Ich-Form geschrieben. Im Gegensatz zum Kommentar muss sich die Kolumne aber nicht auf eine Nachricht beziehen.

Anders als die Glosse erscheint die Kolumne im regelmäßigen zeitlichen Abstand an der gleichen Stelle des jeweiligen Mediums. In der Regel wird die Kolumne immer vom selben Autor verfasst. Die Glosse hingegen erscheint unregelmäßig und behandelt ein aktuelles Thema, mit dem sich der Autor in einer satirischen und ironischen Weise auseinandergesetzt hat.

Abgrenzung zur Nachricht

Ähnlich wie die Glosse behandelt die Nachricht ein aktuelles Thema. Ziel der Nachricht ist es, Informationen zu liefern. Dabei sollte sie die W-Fragen beantworten und keine Meinung beinhalten.

Die Glosse hingegen gibt die Meinung des Autors wieder und kommentiert das aktuelle Thema in subjektiver Form. Während die Nachricht die Informationen neutral wiedergibt, nutzt der Autor in der Glosse häufig Satire oder Sarkasmus und wirkt daher in vielen Fällen zusätzlich unterhaltend.

Beispiele für Glossen

Beispiele für Glossen

Die Glosse wird einerseits als Gedichtform genutzt, in der über philosophische und erotische Themen geschrieben wird. Andererseits findest du Glossen auch als journalistische Darstellungsformen wieder. In kurzen Texten werden Themen aufgegriffen, die überspitzt und in einer sarkastischen Art und Weise kommentiert werden.

Um dir zu zeigen, wie die Textsorte in der Lyrik genutzt wird, haben wir im Folgenden einige Beispiele für dich. In den Auszügen von Ludwig Tieck und Ludwig Uhland findest du eine Anfangsstrophe, die aus vier Versen besteht und in den meisten Fällen das Motto des Gedichts beinhaltet. In der Regel sind Glossen in Dezimen geschrieben, also Strophen aus zehn Versen mit einem bestimmten Reimschema. Dennoch findest du in den Beispielen einige Gedichte, die sich von der klassischen Struktur unterscheiden.

Und läg' ich auch in harten Kerkerbanden,
Umgäb' auch rings die Nacht mich öd' und leer,
Und irrt' ich auch in weit entfernten Landen
Durch Gluth und Frost, durch Wüsteney und Meer,
Verfolgt, bedroht, verlassen, unverstanden,
Im Sturm und Noth, mit mattem Fuß, umher,
Doch würde nie dein Bild sich von mir trennen,
Dein würd' ich seyn und dich noch sterbend nennen.

Denn wie belebt das ungezwung’ne Eisen
Sich folgsam naht dem fesselnden Magnet,
Wie ewig treu in wandellosen Kreisen
Die Erde sich um’s Licht der Sonne dreht,
Wie ohne Rast auf nächt’gen Pilgerreisen
Von Meer zu Meer die Schaar der Sterne geht,
So war auch ich in dunkeln Schicksalsstunden
Mit finsterm Zwang an deinen Pfad gebunden.

-Ernst Schulze 1789-1817-

Liebe denkt in süßen Tönen,
Denn Gedanken stehn zu fern.
Nur in Tönen mag sie gern
Alles, was sie will, verschönen.

Wenn im tiefen Schmerz verloren,
Alle Geister in mir klagen,
Und gerührt die Freunde fragen:
>>Welch ein Leid ist dir geboren?<<
Kann ich keine Antwort sagen,
Ob sich Freuden wollen finden,
Leiden in mein Herz gewöhnen,
Geister, die sich liebend binden,
Kann kein Wort niemals verkünden,
Liebe denkt in süßen Tönen.

– Ludwig Tieck 1773-1853-

Du holder Geist der Lieder, den hienieden
Zum Troste mir ein milder Gott verliehn,
Du Einziger, der nie von mir geschmieden,
Der freundlich oft, bekränzt mit Immergrün
Und angethan mit träumerischem Frieden,
Ein rettend Licht im Sturme mir erschien,
Noch einmal laß in wunderbaren Weisen
Durch dich dich selbst und, die dich weckt, mich preisen!

Verworren liegt das unbeständ’ge Leben
Vor unserm Blick und ungestaltet da,
Und Keiner kann’s entwirren und entweben,
Wer nicht die Welt in deinem Spiegel sah.
Du machst das Harte mild, das Rauhe eben,
Das Dunkle hell, das Weitentfernte nah
Und weißt allein in lieblichen Gestalten
Den kurzen Traum des Schönen festzuhalten.

-Ernst Schulze 1789-1817-

Süße Liebe denkt in Tönen,
Denn Gedanken stehn zu fern;
Nur in Tönen mag sie gern
Alles, was sie will, verschönern.

Schönste! Du hast mir befohlen,
Dieses Thema zu glossieren;
Doch ich sag es unverhohlen:
Dieses heißt die Zeit verlieren,
Und ich sitze wie auf Kohlen.
Liebtet ihr nicht, stolze Schönen!
Selbst die Logik zu verhöhnen,
Würd ich zu beweisen wagen,
Daß es Unsinn ist zu sagen:
Süße Liebe denkt in Tönen.

-Ludwig Uhland 1787-1862-

Sie hat nicht Lust, mich freizulassen,
Noch Lust, auch mich ans Herz zu fassen.
Dem Vogel gleich im Vogelbauer,
Der Tag und Nacht von Liebe singt,
Der, ob’s ihr nicht zu Herzen dringt,
Sie doch ergetzt mit seiner Trauer,
Weil oft neugierig ein Beschauer
Sein’twegen stehn bleibt auf den Gassen;
Hat sie nicht Lust, mich freizulassen.

Dem Spiegel gleich, in dessen Glanze
Sie ihre Reize gern beschaut,
Der ihr muß sagen oft und laut,
Unübertrefflich sei das Ganze;
Doch wenn sie eben geht zum Tanze,
Legt sie den Spiegel weg gelassen,
Hat Lust nicht, ihn ans Herz zu fassen.

-Friedrich Rückert 1788-1866-

Sie ist zum frohen Tanz gegangen,
Ich weile traurend im Gemach,
Und nur mein Dichten, mein Verlangen,
Doch nicht mein Auge folgt ihr nach;
Und möcht' ich auch gern mich freuen
An ihrer Freude heiterm Licht,
Doch muß ich, ihr zu nahn, mich scheuen,
Denn meine Näh' erfreut sie nicht.

Was glücklich ist im bunten Leben,
Das sucht des Tages holden Schein;
Im Lichte will der Vogel schweben,
Die Blum' im Lichte nur gedeihn.
Nur wem in sonnenhellen Räumen
Die Bilder kalt entgegenschaun,
Der muß aus Schatten und aus Träumen
Sich luft’ge Blüthenlauben baun.

Und horch, schon schlägt des Glückes Stunde,
Die holde Stimme flüstert schon;
Schon fühl' ich leis' auf meinem Munde,
Ach, nur im Traum, de süßen Lohn!
Wie ist doch Jene, die so freundlich
Mein kühnstes Sehnen jetzt erfüllt,
Dem Nahen stets so fern und feindlich
Und nur dem Fernen nah' und mild!

-Ernst Schulze 1789-1817-

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