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Masterarbeit schreiben: Tipps zu Themenfindung, Gliederung und Ausarbeitung

Zum Abschluss deines Masterstudium sollst du eine wissenschaftliche Arbeit verfassen. Darin bearbeitest du selbstständig eine Fragestellung anhand wissenschaftlicher Methoden. So weit die Theorie. Doch wie sieht die Praxis aus? Wenn du einige Tipps befolgst, kannst du deine Masterarbeit erfolgreich fertigstellen.

Themenfindung der Masterarbeit

Die Masterarbeit unterscheidet sich nicht nur im Umfang von der Bachelorarbeit. Auch was die Themenfindung betrifft, sind hier Unterschiede zu beachten.

Dein Thema sollte in die Fachwelt integrierbar sein. Die Masterarbeit sollte also eine forschungsrelevante Fragestellung beantworten. Dabei zeigst du, dass du dich im aktuellen Forschungsdiskurs auskennst. Dazu solltest du dein wissenschaftlich begründetes Statement machen, das sich nicht mit vorhergehenden Arbeiten doppelt. Lese daher zur Findung deines Masterarbeitsthemas nicht nur Standardwerke, sondern mache dich über aktuelle Tendenzen und Arbeiten schlau.

Wissenschaftlich anschlussfähig, auch zur Dissertation

Während die Bachelorarbeit eine eher geschlossene Fragestellung zum Thema hat, deutet die Masterarbeit bisweilen über sich hinaus: Sie kann als wissenschaftlich anschlussfähige Vorarbeit für die Doktorarbeit dienen. Daher solltest du Thema und Fragestellung so wählen, dass du es auf eine Dissertation ausweiten könntest.

In manchen Fächern ist es nur bei der Masterarbeit möglich, ein empirisches Thema zu bearbeiten, also Daten zu erheben und darauf deine Hypothese aufzubauen. Dies führt meist auch zur Verlängerung des Bearbeitungszeitraumes, den dir das Prüfungsamt zugesteht.

Die Masterarbeit als Bewerbung

Die Masterarbeit als Türöffner zum Traumjob

Auch wenn du nicht weiter an der Uni bleiben willst: Wo es nach dem Master hingehen soll, kann eine Orientierung für die Themenfindung sein. Wenn du beruflich in eine bestimmte Richtung möchtest oder eine spezielle Branche im Auge hast, könnte es dir für spätere Bewerbungen von Nutzen sein, wenn du dich bereits wissenschaftlich damit beschäftigt hast. Bei der Recherche knüpfst du vielleicht schon nützliche Kontakte. Möglicherweise sind auch deine themenbezogenen Kenntnisse später ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Arbeitsmarkt.

Bleibe neugierig, was das Thema deiner Masterarbeit anbelangt. Diskutiere darüber mit anderen, besuche Veranstaltungen auch außerhalb der Uni, bei denen es um dein Interessengebiet geht. Überfliege Webseiten und schaue in Publikationen, ob es neue Artikel dazu gibt. Abonniere gegebenenfalls News-Feeds zu deiner Literatursuche auf der Seite deiner Hochschul-Bibliothek.

Betreuer wählen und Thema eingrenzen

Informiere dich anhand von Nachschlagewerken zunächst grundlegend über das Thema deiner Masterarbeit. Hier findest du eventuell Literaturangaben zu Standardwerken zu deinem Interessengebiet. Recherchiere parallel aber auf anderem Wege um sicherzustellen, dass du aktuelle Arbeiten an der Hand hast.

Suche dir einen Betreuer, der sich mit dem Themenbereich auskennt, indem du seine Forschungsgebiete im Internet recherchierst. Mache dein Interesse deutlich, indem du vorbereitet und informiert in die Sprechstunde gehst. Bereite eine vorläufige Bibliographie vor und habe grundlegende Texte bereits gelesen. So wird auch das Gespräch für dich ergiebiger, weil du gezielter Fragen stellen kannst.

Grenze dein Thema durch eine gezielte Fragestellung ein. Die Fragestellung ist sozusagen dein Werkzeug, mit dem du dir Themenbereiche und wissenschaftliche Texte erschließt. Um aus deinem Thema eine Fragestellung zu entwickeln, kann zum Beispiel die sogenannte „Drei-Schritt-Technik“ von Kate L. Turabian (2007) helfen.

Stelle daraufhin gezielte Fragen an die Titel, die deine Fragestellung betreffen. Folge diesem Prinzip sowohl bei der Recherche, um zu entscheiden, ob du einen Titel brauchst oder nicht, als auch bei der Lektüre der Texte selbst.

Gliederung der Masterarbeit

Auf der Fragestellung aufbauend kannst du eine Gliederung deiner Masterarbeit gestalten. Teile deine Hauptfrage in kleine Unterfragen auf, die du im Text zu beantworten gedenkst. Teile die Antworten wiederum in Thesen auf, die du mit deinen Erkenntnissen und Textstellen begründest.

Basierend auf dem Wissen, das du schon über das Thema hast, kannst du eine Argumentationsstruktur entwickeln, mit der du deine Arbeitshypothese stützt. Durch die ganze Arbeit muss sich am Ende ein roter Faden ziehen, der zu einem Ergebnis führt. Der rote Faden macht das Ergebnis für den Leser nachvollziehbar.

Wissen ordnen mittels Visualisierung und Clustering

Ordne dein Wissen, indem du Visualisierungstechniken wie das „Clustern“ oder Mindmaps nutzt. Verfasse Kernaussagen, hinter der du die Literatur vermerkst, die deine Thesen stützen oder die für diesen Teil wichtig sind. Nummeriere die Cluster- oder Mindmap-Gruppen, die dir zusammengehörig erscheinen. Daraufhin kannst du die Clustergruppen auf eine lineare Reihenfolge abtragen, die in der Gliederung verlangt wird.

Nutze Literatur-Organisationsprogramme, um Literaturangaben nach Gliederungspunkten zu ordnen. Artikeldateien und Zugriff-Links kannst du auch direkt damit verbinden. Je nach Programm hilft dir das, auch deine Notizen und Exzerpte zu sortieren und durch die Suchfunktion wiederzufinden.

Wenn du lieber schreibend argumentierst, gibt es auch die Möglichkeit, einen Entwurf zu schreiben und daraus eine Gliederung für deine Masterarbeit abzuleiten.

Überlege, um Überschriften zu formulieren, wie ein eiliger Leser am besten zu den richtigen Textstellen findet. Lasse deine Entwürfe von jemandem gegenlesen, der fachfremd ist.

Ein Absatz, eine Funktion

Frage dich, welche Funktion ein bestimmter Absatz im Gesamttext  der Masterarbeit übernimmt. Er sollte nur ein Thema oder Argument beinhalten. Gliedere den Absatz in einen zusammenfassenden „Themensatz“ oder „topic sentence“ und den Rest, der diesen erläutert. Schaue dir als Vorbild auch die Unterteilung von Textabschnitten in anerkannten Fachzeitschiften an. Stelle dir dafür bei jedem Absatz die Frage, welche Funktion dieser erfüllt.

Überlege, wie viele Seiten du für welchen Teil brauchst. Das kann dir helfen, den Aufwand für die gesamte Arbeit im Blick zu behalten.

Wenn du im Laufe deiner Arbeit merkst, dass bestimmte Aspekte viel wichtiger sind und sich deine Argumentationsführung ändert, passe die Gliederung an.

Nutze Flussdiagramme, um deine Argumentationskette graphisch zu visualisieren. In aufeinander folgenden, mit Pfeilen verbundenen Feldern wird dabei jeweils ein Argument niedergeschrieben. Dies kann auch zur Veranschaulichung der Argumentation in der Arbeit selbst dienen.

Ausarbeitung der Masterarbeit

Führe während des Schreibens ein Forschungstagebuch, in dem du Gedanken, Ziele, Fortschritte und Ideen fernab vom wissenschaftlichen Text niederschreibst. Das motiviert und hilft dir, dich noch mal auf einer übergeordneten Ebene mit deinem Text und deiner Forschung zu befassen und ergebnisorientierter zu arbeiten. Die Metareflexion hilft Sackgassen und unnötige Fleißarbeiten erkennen. Es kann aber auch sehr motivierend sein. Die Science-Fiction-Autorin Octavia E. Butler hat in ihr Notizbuch geschrieben: „My book will be read by millions of people!“

Erstelle einen Zeitplan für deine Masterarbeit, den du an der Gliederung orientierst. Setze dir kleinere Zwischenziele und arbeite darauf hin, sie zu erreichen. Überlege dir Belohnungen, wenn du diese Ziele erreicht hast.

Schreibpartner suchen, Schreibzeiten ausprobieren

Probiere verschiedene Schreibzeiten aus und schaue, wann du dich gut konzentrieren kannst. Hast du diese gefunden, stelle deinen Zeitplan so, dass du möglichst immer zu diesen Zeiten schreibst.

Suche dir Schreibpartner, mit denen du dich zum Arbeiten verabredest, aber lasse dich nicht durch andere von deinem Arbeitsrhythmus abbringen, wenn es gerade gut läuft.

Schreibe zuerst den Hauptteil, dann die Einleitung, dann den Schluss.

Masterarbeit: Das gehört in Einleitung, Hauptteil, Fazit

In der Einleitung der Masterarbeit präsentierst du die Problemstellung, den aktuellen Stand der Forschung die Problemstellung betreffend, die Methoden, die du anwenden wirst und dein Forschungsinteresse.
Definiere alle zentralen Begriffe grundlegend, was du im Laufe der Arbeit noch vervollständigst. Achte darauf, dass du nichts auslässt, was für das Thema wichtig ist. Wirf aber auch keine Fragen auf, die im Laufe deiner Arbeit nicht beantwortet werden.

Der Hauptteil der Masterarbeit umfasst die Argumentation, die deine Arbeitshypothese belegt. Jeder Teil der Arbeit sollte dazu beitragen. Was diesen Zweck nicht erfüllt, fliegt raus. Jede These muss von Forschungsliteratur, Zitaten aus Primärtexten oder gesammelten Daten flankiert und dadurch begründet werden. Damit untermauerst du dein objektives Urteil.

Das Fazit der Masterarbeit dient einerseits als zusammenfassender Rückblick. Dann gewinnst du aus der Argumentation ein Ergebnis. Setze dies in Relation zu dem, was du in der Einleitung als Arbeitshypothese formuliert hast und bette es zuletzt in den thematisch relevanten Forschungskontext ein. Inwiefern ist dein Beitrag, den du mithilfe deiner Arbeit leistest, für die aktuelle Forschung relevant? Hier ist auch die Gelegenheit für einen Ausblick, für den Fall, dass das Forschungsergebnis neue Fragen aufgeworfen hat.

Korrekte Präsentation der Daten beachten

Bei empirischen Arbeiten wie der Masterarbeit ist es wichtig, die Präsentation der Daten von ihrer Interpretation und Diskussion, am besten durch die Unterteilung in verschiedene Abschnitte oder Kapitel, zu unterteilen.

Verwendest du Abbildungen im Anhang der Masterarbeit, um die Auswertung deiner Ergebnisse graphisch zu belegen, beschrifte sie zuerst. Bei den Abbildungsunterschriften solltest du direkt benennen, was du daran verdeutlichen willst. Nach der Zusammenstellung der Abbildungen, Tabellen und Graphiken sollte man anhand von Texten die Ergebnisse erklären. Die Ergebnisse sollten ohne Literaturverweise dargestellt werden. Diskutiert werden sie erst im darauf folgenden Diskussionskapitel.

Das Diskussionskapitel kann in Methoden- und Ergebnisdiskussion unterteilt werden. Nenne mögliche Schwächen der gewählten Methoden oder ob durch andere Methoden abweichende Ergebnisse erzielt worden wären. Wenn dies schon in anderen Studien geschehen ist, nenne diese.

Zum Schreiben von Hauptteil, Einleitung und Schluss derMasterarbeit kann es hilfreich sein, zwei unterschiedliche Leseradressaten abzugrenzen. Während der Hauptteil eher für die fachkundige Leserschaft geschrieben wird, informierst du in Einleitung und Schluss fachfremde Interessierte über deine Arbeit und ihre Ergebnisse.

Vergiss nicht, die angeführte Fachliteratur zu kommentieren. Distanziere dich objektiv von den darin dargelegten Aussagen. Hierzu gehört auch, Fachtermini zu klären und einzuordnen. Führe aus, wer sie geprägt hat und in welchem theoretischen und historischen Kontext sie entstanden sind.

Und schließlich: Lasse deine Arbeit gegenlesen. Triff dafür feste Verabredungen.

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