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Reflexion schreiben: Definition & 5 Schritte (+ Beispieltext)

Wenn du eine Reflexion schreiben willst, kannst du dich an unseren Leitfaden halten. Neben allen wichtigen Fakten zum Thema haben wir dir mithilfe eines Beispieltexts erklärt, was du beachten musst und wie du die besten Ergebnisse aus deiner schriftlichen Reflexion ziehen kannst.

Es gibt viele Anlässe eine Reflexion zu schreiben – ob für ein Praktikum, ein Referat, eine Gruppenarbeit oder ein anderes Unterrichtsmodell, als Referendar, Pädagoge, Schüler oder Student. Viele Menschen schreiben auch privat eine Selbstreflexion, um an sich zu arbeiten. Wir haben alles Wissenswerte zum Thema Reflexion, die Struktur auf einen Blick und einen Leitfaden mit Beispieltext.

Reflexion schreiben

Im Folgenden findest du zunächst eine Definition dazu, was eine Reflexion eigentlich ist und wozu du sie nutzen kannst. Danach klären wir die Schreibweise, da der Begriff “Reflektion” trotz falscher Rechtschreibung immer noch sehr geläufig ist. Außerdem erfährst du die Ziele und gleichermaßen auch die Vorteile einer Reflexion und ihren Unterschied zur Selbstreflexion.

Definition: Was eine Reflexion ist

Definition: Was eine Reflexion ist

Das Substantiv “Reflexion” stammt vom lateinischen “reflexio” ab, das “zurückbeugen”, “zurückwerfen” oder “widerspiegeln” bedeutet. Es tritt in verschiedenen Bereichen auf. So zum Beispiel in der Physik als Lichtreflexion einer spiegelnden Fläche oder im Bereich der Programmierung als Bezeichnung für das Ermitteln von Programmeigenschaften bezüglich ihrer Laufzeit. Am häufigsten begegnet uns der Begriff aber in der Bildung als Bezeichnung für das Nachdenken über einen bestimmten Sachverhalt, ein Thema oder konkrete Erlebnisse.

Diese Art der Reflexion kann entweder schriftlich oder mündlich erfolgen. Sie ist eine gedankliche Spiegelung oder ein kritisches und konstruktives ‘Revue passieren lassen’ mit dem Ziel, eine Situation besser zu verstehen und aus ihr zu lernen. Das kann zum Beispiel hilfreich für Schüler nach einem Praktikum oder dem Unterricht sein.

Angehende Lehrer schreiben Reflexionen häufig in ihrem Referendariat nach den Unterrichtsstunden, um sich zu verbessern. Es gibt auch die sogenannte Selbstreflexion, mit der man sein eigenes Verhalten betrachten und hinterfragen soll, um so zu Selbsterkenntnis zu gelangen, doch dazu später mehr.

Rechtschreibung: Reflexion oder Reflektion

Es wird oft angenommen, dass die Begriffe “Reflexion” und “Reflektion” beide existieren und sie unterschiedliche Bedeutungen haben. Das liegt daran, dass wir die Begriffe “reflektieren” und “Reflektor” (beispielsweise am Fahrrad) kennen. Die Wahrheit ist aber, dass es die Variante mit "k", die “Reflektion”, gar nicht gibt. Wenn etwas “reflektiert” wird und man über den Effekt sprechen will, kann also von dem “Reflektieren” oder der “Reflexion” gesprochen werden. Nur das Substantiv mit “x” ist richtig in der deutschen Rechtschreibung.

Ziele einer Reflexion

Eine Reflexion ist in jeder Hinsicht hilfreich. Sie verhindert, dass man einer Situation mit denselben Fehlern begegnet wie vorher und sorgt dafür, dass man aus ihr lernt. Entweder kannst du dein eigenes Verhalten reflektieren und lernen, dich zu bessern oder du denkst über Lösungen nach, wie du besser mit dem Verhalten anderer umgehen kannst. Wichtig ist immer zu wissen, dass du das Verhalten anderer nicht steuern kannst und für dich lernst, wie du am besten mit der gegebenen Situation umgehen kannst. Somit kommen wir zu folgenden Zielen einer Reflexion:

  • Probleme lösen / lösungsorientiert Denken
  • Selbsterkenntnis (Charaktereigenschaften, Denkweise)
  • Trainieren der Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen
  • Gefühle und Gedanken aussprechen lernen
  • Trainieren, Entscheidungen zu treffen
  • Strukturiertes und analytisches Denken trainieren
  • Fremdverhalten akzeptieren lernen
  • Für Reflexionen von Unterrichtsstunden: tieferes Verständnis für Unterrichtsstoffe und Fördern des Lernprozesses durch Nach- und Aufarbeitung

Unterschied: Selbstreflexion schreiben

Selbstreflexion schreiben

Eine Selbstreflexion bezieht sich nur auf das eigene Verhalten. Im Bereich der Erziehung können das zum Beispiel die eigenen Erziehungsmethoden sein, als Schüler kannst du deine Mitarbeit im Unterricht reflektieren oder die Bewältigung der Aufgaben im Praktikum. Eine solche Selbstreflexion erfolgt meist schriftlich.

Viele Menschen nutzen eine regelmäßige Selbstreflexion auch als Methode, um ihre Selbstwahrnehmung zu verbessern. Diese Art von Reflexion kann rein gedanklich in Form von Meditation oder schriftlich in Form eines Tagebuchs stattfinden. In jedem Fall werden die Ziele Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein und Selbstverbesserung verfolgt.

Das Schreiben einer Selbstreflexion erfordert Zeit, Geduld, Verständnis für dich selbst, Regelmäßigkeit und den Willen, an dir zu arbeiten. Der Unterschied zur Reflexion ist, dass bei dieser die Gesamtsituation und das Gesamtverhalten der Beteiligten mit einbezogen wird und nicht wie bei einer Selbstreflexion hauptsächlich das eigene Verhalten. Meist dient die ’normale' Reflexion jedoch auch der eigenen Erkenntnis oder als Feedback für den Lehrer.

Formelles und Struktur einer Reflexion

Eine Reflexion wird in der Regel in der Ich-Form verfasst. Außerdem ist es üblich, dass Zwischenüberschriften verwendet werden, um den jeweiligen Kern des Abschnitts zu erfassen. Häufig gibt es viele Punkte, die einzeln beleuchtet werden können. Die Überschriften sorgen dafür, dass du den Überblick behältst.

Abschnitte und Absätze zeigen dir ebenfalls, welcher Aspekt an dieser Situation dich scheinbar besonders beschäftigt hat: Je länger die Textpassage, umso intensiver war eine Reflexion notwendig. Die üblichen Zeitformen einer Reflexion sind das Präteritum oder Perfekt, da du auf etwas Vergangenes zurückblickst. Wenn du jedoch von der Aktualität deines Themas sprichst oder den Blick in Richtung Zukunft richtest, bieten sich natürlich auch Präsens und Futur an.

Im Folgenden haben wir eine kleine Übersicht für dich erstellt, wie die Struktur einer Reflexion grob aussehen kann. Je nachdem, in welchem Bereich du die Reflexion schreibst, kannst du deinen Fokus auf unterschiedliche Aspekte legen. Nach der Übersicht findest du einen ausführlichen Leitfaden zum Schreiben einer Reflexion.

1. Einleitungssatz:

  • Wichtigste Eckdaten auf einen Blick (Datum, Ort, Beteiligte, Benennung der Situation)

2. Einleitung:

  • Zusammenfassung der Situation (Erweiterung des Einleitungssatzes, wichtige Informationen)
  • Gegebenenfalls Vorstellen des Projekts
  • Beschreibung der Ziele
  • Leitfrage: Welche Probleme sollen mithilfe der Reflexion gelöst werden?

3. Hauptteil:

  • Reflexion der Situation (Gefühle, Begründungen für Entscheidungen, eigenes und Fremdverhalten, Erfüllen oder Nichterfüllen der Erwartungen)
  • Darlegung erreichter und nicht erreichter Ziele
  • Leitfragen: Wie verstehe ich die Situation rückblickend? Was verstehe ich nun besser und welche Fragen stehen noch offen?

4. Schluss:

  • Eigene Bewertung der Situation (Verbesserungsvorschläge für die Zukunft, Kritik, eigene Fähigkeiten und Schwierigkeiten)
  • Leitfrage: Was habe ich mithilfe der Reflexion aus der Situation gelernt?

5. Schlusssatz:

  • Abschließender Satz mit Blick in die Zukunft (wichtigste Erkenntnis der Reflexion und Bedeutung für die Zukunft nennen)

Reflexion schreiben: Leitfaden + Beispieltext

Reflexion schreiben: Leitfaden + Beispieltext

Wer eine Reflexion schreiben will, muss, je nachdem um welchen Bereich und welches Thema geht, seinen Fokus legen. Zum Beispiel ist das Revue passieren lassen einer Gruppenarbeit in der Schule eher auf die Verhaltensanalyse ausgelegt, das Reflektieren einer Unterrichtsstunde eher auf die Methode. Bei einem Projekt oder einem Praktikum sieht es nochmal anders aus.

Wir haben einen Leitfaden für dich erstellt, in dem wir unter jedem Punkt kurz erklären, was du zu tun hast. Als Beispiel zur Veranschaulichung haben wir uns folgende Situation ausgedacht: Ein Schüler soll eine Reflexion zu einer Gruppenarbeit im Unterricht schreiben. Dieses Beispiel ist recht abstrakt und soll lediglich der Orientierung dienen.

Einleitungssatz

In den Einleitungssatz gehören immer die wichtigsten Informationen auf einen Blick. Dazu gehört das Datum oder der Zeitraum, auf den sich deine Reflexion bezieht, die Beteiligten und eine kurze Benennung der Situation oder des Projekts. So weiß der Leser sofort, worum es geht.

Selbst wenn du die Reflexion nur für dich schreibst, ist es hilfreich, direkt zu Beginn zu wissen, worum es geht. Wenn es viele Beteiligte gibt, ist es sinnvoll sie in eine oder mehrere Gruppen zu unterteilen, statt alle Namen zu nennen. Außerdem ist es manchmal besser, alle Beteiligten zu anonymisieren.

Beispiel:

In der folgenden Reflexion geht es um eine Gruppenarbeit im Deutschunterricht in der Klasse 9b, in der unsere Vierergruppe das Gedicht “Die blaue Blume” (1818) von Joseph von Eichendorff analysieren sollte.

Einleitung

In der Einleitung wird eine Situation, ein Projekt, ein Praktikum, ein Unterrichtsentwurf oder ein beliebiges Thema geschildert. Gib hier alle wichtigen Informationen, die für die spätere Reflexion im Hauptteil wichtig sein könnten. Beschreibe außerdem die Ziele, die mit der Situation erreicht werden sollten und nenne den Grund für deine Reflexion. Eine wichtige Leitfrage ist hier: Welche Probleme sollen mithilfe der Reflexion gelöst werden?

Beispiel:

Unsere Lehrerin, Frau Muster, gab uns dazu ein Arbeitsblatt, das wir uns zu viert geteilt haben. Es war das Gedicht darauf abgebildet und darunter stand: Analysiert und diskutiert das Gedicht “Die blaue Blume” von Joseph von Eichendorff. Worum geht es in dem Gedicht, welche rhetorischen Mittel verwendet er und welcher Epoche ist das Gedicht zuzuordnen? Begründet eure Antworten, macht euch Notizen und stellt eure Ergebnisse hinterher der Klasse vor. Ziel der Gruppenarbeit war es, die Vorteile der Gruppe zu nutzen, damit wir schneller zu mehr Ergebnissen kommen und zu lernen, gemeinsam als Team zu arbeiten. Ziel der Reflexion ist es, nachzuvollziehen, ob das erfolgreich gelungen ist.

Hauptteil

Hauptteil einer Reflexion

Im Hauptteil reflektierst du die Situation. Nenne deine persönliche Einschätzung, Gefühle und begründe deine Entscheidungen. Außerdem sollte hier deutlich werden, ob das Ziel oder die Erwartungen erfüllt wurden oder nicht. Teile die Aspekte am besten durch Überschriften auf, damit du dir strukturiert zu jedem wichtigen Punkt Gedanken machen kannst. Die wichtigen Leitfragen sind: Wie verstehe ich die Situation rückblickend? Was verstehe ich nun besser und welche Fragen stehen noch offen?

Beispiel:

Umgang mit nur einem Arbeitsblatt

Zuerst haben wir uns das Gedicht nacheinander durchgelesen. Während der eine Schüler noch gelesen hat, haben die anderen bereits das Gedicht besprochen. Das führte dazu, dass derjenige nicht wirklich mitreden konnte, weil schon vieles gesagt wurde. Außerdem hat er von dem bereits Besprochenen nichts mitbekommen, weil er mit dem Lesen beschäftigt war.

Ich fände es hilfreicher, wenn wir das Gedicht beim nächsten Mal alle für uns lesen, still darüber nachdenken und Notizen machen und uns erst danach austauschen. Noch besser wäre es gewesen, wenn die Lehrerin jedem von uns ein Arbeitsblatt gegeben hätte, damit wir gleichzeitig lesen und Notizen hätten machen können. Ich verstehe aber den Ansatz, warum wir nur ein Blatt bekommen haben: Damit wir lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und uns abzuwechseln.

 

Schnellere Ergebnisse

Ich kann bestätigen, dass wir in der Gruppe schneller zu Ergebnissen gekommen sind als sonst und das Sprechen über das Gedicht uns zu neuen Ideen angeregt hat. Die anderen Schüler haben Stilmittel erkannt, die ich nicht auf den ersten Blick gesehen habe und vor allem beim Gesamtverständnis hat es geholfen, gemeinsam zu interpretieren und über die Metaphern zu sprechen. Dieses Ziel ist auf jeden Fall gelungen.

 

Aufteilung der Notizen und Vorstellen der Ergebnisse

Da wir beim Interpretieren des Gedichts nicht mehr an das Vorstellen der Ergebnisse vor der Klasse gedacht haben, haben wir keine Aufteilung gemacht, wer was sagt. Heraus kam ein Durcheinander aus einzelnen Notizen, die sich jeder während des Gesprächs gemacht hat. Deshalb haben manche Schüler der Gruppe fast nichts gesagt und die anderen fast alles. Eine faire Aufteilung wäre wichtig für die nächste Gruppenarbeit, damit sich niemand benachteiligt oder schlecht fühlt.

Schluss

Schluss einer schriftlichen Reflexion

Zum Schluss ziehst du ein Fazit der Gesamtsituation und gibst Verbesserungsvorschläge für die Zukunft. Sprich über deine Fähigkeiten und die positiven Aspekte, aber auch über deine Schwächen und Punkte, an denen noch gearbeitet werden muss. Leitfrage dieser Passage deiner Reflexion ist: Was habe ich mithilfe der Reflexion aus der Situation gelernt?

Beispiel:

Insgesamt war die Gruppenarbeit eine gute Idee. Wir haben schneller Ergebnisse erhalten und mehr herausgefunden, als wenn wir allein gearbeitet hätten. Allerdings müssen auch wir mehr üben, in einer Gruppe aufeinander zu achten, damit niemand zu kurz kommt. Ich fände ein Arbeitsblatt für jeden wichtiger als zu üben, wie wir mit nur einem Blatt umgehen können.

Schlusssatz

Der Schlusssatz sollte abschließend deine wichtigste Erkenntnis noch einmal hervorheben und den Blick positiv in Richtung Zukunft lenken. Du kannst an dieser Stelle auch zwei oder drei Sätze schreiben, wenn es nötig ist.

Beispiel:

Ich habe für die Zukunft gelernt, besser auf meine Gruppenmitglieder zu achten. Außerdem weiß ich nun, dass ich im Team mehr Spaß am Lernen habe als allein und es nicht darauf ankommt, ob ich mit meinen Freunden in einer Gruppe bin oder mit anderen Mitschülern, die ich weniger gut kenne.

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