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Hörbuch-Flatrate Audible Romance: Miese Ausschüttungen entsetzen Autoren

Drei Monaten nach dem vielbeachteten Start der Hörbuch-Flatrate Audible Romance in den USA trudeln in diesen Tagen die ersten Quartals-Abrechnungen bei teilnehmenden Autoren ein. Und sorgen für ungläubiges Staunen, denn die Vergütungen unterbieten selbst die inzwischen eher mauen Ausschüttungen bei der eBook Flatrate Kindle Unlimited noch einmal um ein Vielfaches. Viele Handlungsoptionen haben die Urheber gleichwohl nicht.

Audible Romance wurde im November in den USA eingeführt und ergänzte dort das bekannte Abo-Modell, bei dem Hörbuchfreunde zum Fixpreis ein Hörbuch nach Wahl aus dem Sortiment erhalten und sich weitere Vertonungen auf Wunsch dazukaufen können. Im Gegensatz dazu ist Audible Romance eine „echte“ Flatrate, wenngleich mit einem überschaubaren und kategoriespezifischen Angebot.

10.000 romantische Hörbücher zum monatlichen Fixpreis

Audible Romance Package

Zum Fixpreis von 15 US-Dollar monatlich für ausschließliche Flatrate-Abonnenten (7 US-Dollar Aufpreis für Abo-Kunden von Audible und Kindle Unlimited) stehen rund 10.000 Romantik-Hörbücher zur Auswahl, die unbegrenzt  gehört werden können. Alle Hörbucher sind romantischer Natur, wobei die Zahl der Plots und Charaktere (von charmanten Vampiren bis gefährlichen Wikingern) natürlich riesig ist. Groß ist auch die Bandbreite der Urheber, neben Bestseller-Vertonungen etwa von Sylvia Day gibt es auch zahlreiche Indie-Titel.

Wie bei Kindle Unlimited erfolgt auch bei Audible Romance die Vergütung aus einem Autoren-Pool abhängig von der Beliebtheit der bereitgestellten Titel, hier nach Wiedergabeminuten. In dieser Woche gab es nun die erste Quartalsabrechnung für von Beginn an teilnehmende Autoren – und die fiel reichlich ernüchternd aus.

57 Cent für ein komplett gehörtes 10-stündiges Hörbuch

Nur knapp 0,1 US-Cent pro gehörter Minute bekommen Buchautoren ausbezahlt. Diesen Betrag haben sie in der Regel zudem noch mit dem Hörbuch-Produzenten zu teilen. Das bedeutet für ein komplett gehörtes (!) zehnstündiges Hörbuch eine Vergütung von gerade einmal 57 US-Cent, rechnet das Fachblog The Digital Reader vor.

Damit liegt die Vergütung noch einmal deutlich unter der für Kindle-Unlimited-Titel, wo in den USA immerhin 0,44 US-Cent pro Seite gezahlt werden (also 1,30 US-Dollar für ein ganz gelesenes 300-seitiges Buch). Berücksichtigt man dann auch noch, dass Hörbücher pro Einzelkauf auch noch deutlich mehr Geld in die Kassen spülen als eBooks, sind die Audible-Ausschüttungen nahezu drastisch niedrig.
Entsprechend groß ist das Entsetzen bei Autoren, die ihre Titel für Audible Romance verfügbar gemacht haben („viel schlimmer als meine schlimmsten Erwartungen“).

Das Problem: Anders als bei Kindle Unlimited, wo es nur sehr kurze Vertragslaufzeiten gibt, hatten Autoren bei Audible Romance für volle 7 Jahre zu unterschreiben. Und kommen nun juristisch nicht mehr aus dem Vertrag heraus. Immerhin scheint Audible bereit zu sein, unzufriedene Autoren formlos ziehen zu lassen.

Problem: Hörbuch-Flatrate wird genutzt wie beworben

Die miserablen Vergütungen deuten darauf hin, dass Audible Romance von den Abonnenten der ersten Stunden tatsächlich so genutzt wurde wie von Amazon beworben, nämlich als Hör-So-Viel-Du-Willst-Service. Schon der einstige eBook-Flatrate-Marktführer Scribd musste 2015 die Erfahrung machen, dass sich im Romantik-Bereich besonders viele Intensivst-Nutzer (besser: Benutzerinnen) befinden, die einem Pauschaltarif dann natürlich auch besonders zugeneigt sind und diesen entsprechend stark nutzen.

Anders als Scribd, die einen Fix-Betrag pro gelesenem Buch an die Urheber ausschütteten und von den Romantik-Fans sprichwörtlich arm gelesen wurden, ist Amazon mit seinen anteiligen Pool-Ausschüttungen wirtschaftlich zunächst einmal fein raus. Allerdings wird sich die miese Vergütung natürlich auch bei bislang noch außenstehenden Urhebern herumsprechen und die Vorbehalte gegenüber einer Teilnahme an der Hörbücher-Flatrate wachsen lassen, die die Audible-Mutter Amazon mittelfristig auch in Deutschland geplant haben dürfte.

Gefährlicher Ausweg Eigen-Produktionen

Audible Original Channels

Schon heute gibt es hierzulande mit den Audible Original Podcasts einen Sortimentsteil, der für Audible-Abo-Kunden kostenlos zugänglich ist und unbegrenzt genutzt werden kann. Hier handelt es sich um Lizenz-Produktionen im Auftrag von Audible, wie sie auch eine Blaupause für die Hörbücher-Flatrate sein könnten. Netflix macht es im Video-Streaming-Bereich zunehmend genauso, und auch bei Kindle Unlimited machen Titel der Amazon-Verlage inzwischen einen bedeutenden Teil des (genutzten) Angebotes aus.

Für den Plattform-Betreiber bedeuten solche Eigen-Produktionen Sicherheit sowohl auf der Kosten- als auch auf der Angebotsseite. Für Indie-Autoren und Verlage können sie allerdings mittelfristig existenzbedrohlich werden, denn im Zweifel werden die Plattform-Betreiber immer eher eigene Titel bewerben als kalkulatorisch problematischere Dritt-Angebote.

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