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37.000 Online-Abonnenten in einem Jahr: 4 Gründe für den Erfolg von “De Correspondent”

Der niederländische De Correspondent, ein allein von seiner Leserschaft finanziertes Online-Magazin, feiert am morgigen Dienstag sein einjähriges Bestehen. Im Laufe der ersten zwölf Monate hat sich die Zahl der zahlenden Abonnenten nahezu verdoppelt. Spurensuche bei einer Erfolgsgeschichte.

Im März und April 2013 führte “De Correspondent” ein Crowdfunding durch, in diesem Zeitraum entschieden sich 18.933 Leser für ein kostenpflichtiges Abonnement des niederländischen Magazin. Sie verpflicheten sich, 60 Euro dafür zu bezahlen, das damals noch nicht bestehende Magazin ein Jahr lang lesen zu dürfen – ein immenser Vertrauensvorschuss.

Am 30. September 2013 ging “De Correspondent” ans Netz, mit damals rund 20.000 Abonnenten. Vergangene Woche, kurz vor dem einjährigen Jubliäum, zogen die Betreiber Bilanz. Die Fakten:

  •  am 23. September gab es 37.057 zahlende Abonnenten, fast doppelt so viele wie zum Start. Bei 60 Euro Jahresgebühr entspricht das Einnahmen von mehr als 2,2 Millionen Euro. Und: Schon jetzt sollen mehr als 10.000 Abonnenten der ersten Stunde ihre Subscription verlängert haben
  • obwohl fast ausschließlich kostenpflichtig und damit mit wenig “teilbareb” Inhalte, gibt es eine große Anhängerschaft im Social Web (75.000 Facebook-Fans, 45.000 Follower bei Twitter)
  • insgesamt verzeichnete die Website 4,5 Millionen Besucher und rund 11 Millionen Visits, darunter naturgemäß knapp 10 Millionen aus den Niederlanden.
  • aktuell arbeiten 14 Mitarbeiter Vollzeit für De Correspondent, davon acht in der Redaktion. Hinzu kommen mehrere Dutzend Freiberufler und Korrespondenten auf aller Welt.
Correspondent-Redakteure bei der Arbeit

Correspondent-Redakteure bei der Arbeit

Die Abonnenten-Zahl von “De Correspondent” entspricht gemünzt auf Deutschland 180.000 kostenpflichtigen Jahres-Abonnements, rechnet Konrad Lischka vor. Von so vielen Online-Abonnenten können selbst namhafte Print-Medien nur träumen. Was aber macht den Erfolg von “De Correspondent” aus?

1. Aufwändige, exklusive Inhalte ,…. “De Correspondent” bringt bewusst Analysen und Reportagen abseits vom Tagesgeschehen, die in den “Mainstream Medien” keinen Platz haben. Geschrieben werden sie von renommierten Journalisten wie dem Guardian-Mann Joris Luyendijk und von Korrespondenten auf aller Welt, die auch den Umgang mit Videokameras beherrschen.

2. …, publiziert nach Buzzfeed-Schema:  Anders als viele feuilletonistische Publikationen orientiert sich das Magazin aber trotzdem an Nutzwert und einem breiten öffentlichen Interesse. Beispiele dafür sind die wenigen bislang in englische Sprache übersetzten Artikel, etwa “Warum wir allen Geld geben sollten“,  “6 Gründe, warum Louis van Gaal das Genie ist, das er ist (und warum es Mainstream-Medien übersehen)“. “De Correspondent” schreckt also auch vor “Listicles” und Cliffhanger-Überschriften nicht zurück, wie sie klickgetriebene Websites von Buzzfeed bis heftig.co nutzen. Was sich aber unterscheidet, sind die dahinter befindlichen Inhalte: Hintergründige Berichte statt inhaltloser Bildergalerie.

3. Einbeziehung der “Crowd”: “It’s about community” beschrieb Gigaom schon im Januar 2014 das Erfolgsmodell von “De Correspondent”. Es gibt einen einzigartig umfangreichen Austausch zwischen Autoren und Leserschaft, jeder Autor hat sozusagen sein eigenes Diskussionsforum. Die “Zeit” berichtete von monatlichen Korrespondenten-Abenden, wo sich Abonnenten und Autoren treffen.

4. Klarer Mehrwert für Abonnenten: Wer 60 Euro jährlich für ein De-Correspondent-Abonnement bezahlt, hat gegenüber Nicht-Abonnenten einige handfeste Vorteile. Er hat direkten freien Zugriff auf alle Inhalte (nicht nur solche, die als “teilbar” gekennzeichnet sind), er hat Interaktionsmöglichkeiten, er hat Korrespondentenabende und mehr.

Beim deutschen Pendant von “De Correspondent”, dem in den Startlöchern stehenden Krautreporter, ist ein solcher Mehrwert noch nicht in Aussicht gestellt. Abonnenten, die hier ebenfalls 60 Euro jährlich bezahlen, sollen Beiträge kommentieren können – das war es. Um über Medienschaffende und Idealisten hinaus Nutzer zum Abonnement zu bewegen, muss es einen realen Mehrwert geben. Dazu gibt es höchst unterschiedliche Ansätze, Golem etwa versucht es mit Werbefreiheit.

Einen Königsweg zur ewig jungen Frage “wie finanziert man Journalismus im Internet?” gibt es noch nicht. Aber der Erfolg von “De Correspondent” spricht dafür, dass es auch für Textinhalte eine signifikante Zahlungsbereitschaft gibt.

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Kommentare


Neu: schreiben.net – Fachdienst für Schreibende » lesen.net 1. Oktober 2014 um 17:52

[…] die Reise geht: So beleuchten wir den Werbe-Trend Native Advertising aus Autoren-Sicht, nennen 4 Gründe für den Erfolg vom Crowdfunding-Projekt De Correspondent und werfen einen Blick auf die Kooperation zwischen Self-Publishing-Dienstleister BoD und der […]


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