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Crowdfunding für Autoren und Journalisten: Leser vorfinanzieren Schreiben

Self Publishing bereits verfasster Bücher ist längst in der Mitte des Buchmarktes angekommen, zumindest im Netz. Doch es gibt für Autoren auch eine Möglichkeit, sich das geplante Buch bereits nach der Konzept-Phase von den zukünftigen Lesern finanzieren zu lassen: Crowdfunding. Wir bieten einen ersten Überblick und stellen Plattformen sowie erfolgreiche Projekte vor.

Fertige Manuskripte oder ein entwickeltes Konzept mit der Crowd vermarkten

Das klassische Modell von Verlagen, die Autoren unter Vertrag nehmen und deren Bücher vermarkten gerät schon seit einiger Zeit durch das viel diskutierte Self Publishing unter Druck. Werden dabei meist bereits fertig verfasste Bücher vermarktet, ermöglicht es das Crowdfunding angehenden Autoren, ein Buch bereits durch die zukünftigen Leser finanzieren zu lassen, wenn es gerade fertig konzipiert und noch nicht verfasst ist. Dabei stellt der Autor seine Idee auf einer der zahlreichen Crowdfunding-Plattformen vor und wirbt um Unterstützer. Diese erhalten für ihr Geld zumeist bestimmte „Geschenke“ als Gegenleistung versprochen – meist unterschiedliche Ausgaben des Buchs, Danksagungen oder Einladungen zu speziellen Events. Wird das vorab angegebene Funding-Ziel erreicht, erhält der Autor das Geld – abzüglich einer Provision für die Plattform – ausgezahlt und ist damit in der Pflicht, seine Versprechen zu erfüllen. Gelingt es nicht, das Ziel zu erreichen, fließt kein Geld.

Im Verlagsgeschäft ist eine solche Finanzierungsform im Grunde nicht unbekannt. Seit dem 17. Jahrhundert finanzieren Verleger besonders ambitionierte Buchprojekte wie mehrbändige Enzyklopädien mit Subskriptionsmodellen, bei denen die Leser Bücher bereits vor dem eigentlichen Erscheinen verbindlich erwerben. Durch das Internet werden solche Modelle nun auch für einzelne Autoren zu einer bedenkenswerten Option. So haben einige Verlage mittlerweile Plattformen eingerichtet, auf denen sie mit Hilfe der Crowd Bücher suchen, welche sie in ihr Programm aufnehmen. Hier sind unter anderem die Münchner Verlagsgruppe mit ihrer Plattform 100 Fans zu nennen sowie das englischsprachige Unbound. Noch einen Schritt weiter geht die spanisch-englische Plattform Pentian, das Unterstützer eines Buchs auch an dessen Einnahmen beteiligt. Für diese Plattformen muss jedoch bereits ein fertiges Manuskript vorliegen.

Nationale und internationale Plattformen mit Erfolgsquoten bis zu 60 Prozent

Wer bislang lediglich eine Idee hat und auf der Suche nach Finanzierung ist, diese umzusetzen, der kann auf unterschiedlichen Plattformen eine eigene Crowdfunding-Kampagne starten. International ist dabei Kickstarter der Platzhirsch – aktuell sind hier im Bereich Publishing knapp 700 Projekte aktiv, im Bereich Comics 170 und im Bereich Journalismus gut 100 Projekte. Dabei nimmt Kickstarter bei erfolgreichen Projekten eine Provision von 5%. Großer Beliebtheit erfreut sich auch indiegogo, wo auch ein flexibles Ziel möglich ist, sodass eingeworbene Mittel auch ausgezahlt werden, wenn die Kampagne nicht erfolgreich ist. Hier beträgt die Provision bei erfolgreichen Kampagnen 4% und bei nicht-erfolgreichen flexiblen Kampagnen 9%.

startnextIn Deutschland ist Startnext die bekannteste Crowdfunding-Plattform. Hier erfolgt eine Kampagne in zwei Phasen: In der ersten Phase müssen für eine Idee eine bestimmte Anzahl (Abhängig von Funding-Ziel) an unverbindlichen Fans gewonnen werden, bevor dann die eigentliche Finanzierungsphase beginnt. Die Plattform wirbt mit mehr als 2.000 erfolgreichen Projekten, einer Finanzierungssumme von fast 15 Millionen Euro und einer Erfolgsquote von knapp 60%. Startnext erhebt keine feste Provision, sondern erlaubt dem Starter, nach Abschluss der Kampagne über den Betrag zu bestimmen. Aktuell finden sich hier 20 Projekte im Bereich Literatur und zehn im Bereich Journalismus.

Finanzierungssummen bis zu 20.000 Euro und experimentierfreudige Autoren

neuespielDas Spektrum an (erfolgreichen) Crowdfunding-Projekten deutschsprachiger Bücher ist dabei sehr breit – ebenso die angestrebten Fundingziele. So zielen aktuell beispielsweise das Kinderbuch „Pinipas Abenteuer“ auf eine Summe von 3.900 Euro (90 Prozent erreicht) und der Facebook-Roman „Zwirbler“ auf 15.000 Euro (85 Prozent). Über ihr Ziel hinaus schossen beispielsweise der Verlag Feder & Schwert mit seiner Steampunk-Anthologie „Eis und Dampf“ (3.300 statt 1.650 Euro), der Autor Michael Seemann mit seinem Buch „Das neue Spiel“ (20.500 statt 8.000 Euro) oder der Journalist Dirk von Gehlen mit seinem Buch „Eine neue Version ist verfügbar“ (14.100 Euro statt 5.000).

Michael Seemann und Dirk von Gehlen nutzen die Möglichkeiten des Crowdfundings auch dazu, bei den Lizenzen der von ihnen verfassten Bücher Neues auszuprobieren. So veröffentlichte der metrolit-Verlag „Eine neue Version ist verfügbar“ unter einer Creative Commons Lizenz und Michael Seemann stellte digitale Version seines Buchs gleich unter eine „Do What the Fuck You Want to Public License (WTFPL)„.

Chancen in der Nische, aber rechtliche Risiken

Crowdfunding ist demnach auch in Deutschland zu einer Möglichkeit geworden, eigene Buchprojekte zu finanzieren. So finden gerade Ideen, die eine bestimmte Nische ansprechen oder die sich fundiert mit dem Thema des digitalen Wandels auseinandersetzen durchaus ausreichend Unterstützung. Hierzu ist es jedoch notwendig, dass der Initiator bereits gut vernetzt ist und über ein gewisses Publikum verfügt, das er für seine Kampagne mobilisieren kann.

Rechtlich bieten sich im Bereich des Crowdfundings allerdings einige Stolpersteine. So müssen die eingeworbenen Gelder selbstverständlich versteuert werden und für die verteilten Geschenke kann, laut Startnext, Umsatzsteuer fällig werden. Nachdem in den letzten Wochen einige mit hohen Summen finanzierte Projekte gescheitert sind, wird aktuell zudem diskutiert, inwieweit ein Initiator in diesem Fall die Gelder zurück erstatten muss.

<Bildnachweis: Crowdfunding von Shutterstock>

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