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Print-Bestseller dank Community: Von Postillon bis Simon Desue

Aus dem Stand stürmt das zweite Buch des Satire-Blogs Der Postillon die Print-Bestsellerliste von Amazon. Dabei gibt es für 15 Euro „nur“ ein paar Blogartikel, die auch kostenlos im Netz lesbar sind. Das ist kein Einzelfall: Wer eine große Fangemeinde mitbringt, kann selbst profilierte Buchautoren abhängen. Dafür braucht es nicht einmal einen Blog.

Postillon: Print ist gefragt

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 15.33.36Am vergangenen Freitag erschien Der Postillon: Das Beste aus über 160 Jahren als Hardcover und eBook. Wie schon das im Jahr 2012 erschienene erste Buch besteht das Werk im Wesentlichen aus aneinandergereihten Satire-Artikeln, die in den letzten Monaten auf der-postillon.com publiziert wurden.

Die kostenlose Verfügbarkeit seiner Inhalte tut dem Erfolg des Buches aber keinen Abbruch. Gegenwärtig steht Platz 21 der Buch-Charts von Amazon.de zu Buche. Damit liegt es zwischen Wem gehört die Zukunft? von Friedenspreis-Träger Jaron Lanier und dem Dauerbrenner Strafgesetzbuch. Bemerkenswert: Das immerhin 3 Euro beziehungsweise 20 Prozent günstigere Kindle Books liegt nicht einmal in den Top 1000. Wer das Buch kauft, will es sich offensichtlich auch ins Regal stellen – oder verschenken.

Nach den Gründen des außerordentlichen Verkaufserfolges muss man nicht lange suchen.  Am gestrigen Dienstag wies Der Postillon die mehr als 1,2 Millionen Fans (!) seiner Facebook-Seite auf die Neuerscheinung hin, das Posting bekam über 1.000 Likes und wurde mehrere Dutzend mal geteilt. Auch auf der Website gab es einen Produkthinweis. Der Vermarkter Vice weist aktuell 5,3 Millionen monatliche Besucher für der-postillon.com aus – man braucht nicht viel Fantasie, um angesichts dieser Fanbasis auf Print-Verkaufszahlen zu kommen, von denen viele gelernte Autoren (mit einzigartigen Inhalten) nur träumen können.

Verkaufserfolge von Netzpersönlichkeiten und Fachbloggern

Bald Buchautor: Youtube-Star Simon Desue

Bald Buchautor: Youtube-Star Simon Desue

Dass die tollen Verkaufszahlen Methode haben, hat in Deutschland vor allem die Münchner Verlagsgruppe (mvg) erkannt. im mvg-Imprint Riva erschienen in der Vergangenheit neben dem Postillon-Buch auch Bücher der Facebook-Seite Unnützes Wissen (wir berichteten) und von Berlin-Tag-und-Nacht-Star Ole Peters alias Falko Ochsenknecht (380.000 Facebook-Fans). Neuster Coup: Riva hat den Youtube-Star Simon Desue als Buchautor verpflichten können, Mitte November erscheinen gleich vier „Bücher“ auf einmal. Fast 1,5 Millionen Youtube-Abonnenten und unglaubliche 4 Millionen Facebook-Fans – der 23-jährige hat zweifellos das Fan-Potenzial für die Charts-Spitze.

Während für erfolgreiche Youtuber wie Simon Desue die Bucheinnahmen aber selbst bei Stürmung der Charts relativ gesehen nur Zubrot sind, können sich Fachblogger mit dem Verkauf von Büchern ein wichtiges zusätzliches Standbein verschaffen. Hinzu kommt ein schärferes Profil und ein Experten-Status, der auch bei der Akquise von Aufträgen von Beratung bis journalistischen Tätigkeiten hilfreich sein kann. Einigen Bloggern wie Timothy Ferriss (forhourworkweek.com) ist es nicht zuletzt dank ihrer Bücher sogar gelungen, sich selbst zur Marke zu machen.

Der umgekehrte Weg: Vom Buch zum Blog

Bildschirmfoto 2014-10-15 um 15.28.37Wesentlich seltener anzutreffen, aber ebenfalls schon erfolgreich praktiziert ist der umgekehrte Weg: Am Anfang steht die Publikation eines Buches, aus dem ein erfolgreiches Blog erwächst. Prototyp hier ist Jochen Mai mit seiner Karrierebibel, das 2008 als Marketing-Instrument zur Verkaufsförderung des gleichnamigen Buches ans Netz ging. Das Buch verkaufte sich nicht schlecht, wurde aber vom Erfolg des Blog schnell in den Schatten gestellt: Mai kündigte im Jahr 2011 nach 13 Jahren seine Redakteursstelle bei der Wirtschaftswoche und bloggt inzwischen hauptberuflich über Karrierethemen. Gleichzeitig tritt er als Social-Media-Berater und Dozent auf, die Aufträge verdankt er wiederum Blog und Buch – alles greift zusammen.

<Bildnachweis: Community von Shutterstock>

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Kommentare


Kindle Scout: Buch-Voting von Amazon läuft an » lesen.net 31. Oktober 2014 um 13:22

[…] den pitchenden Autoren scheint in den seltensten Fällen die Aktivierung von Fans zu gelingen (dafür geht das MVG-Konzept an anderer Stelle auf). Erfolgsversprechender erscheint der Ansatz des Piper Verlages, der seinen Schreibwettbewerb […]


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