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Erst lesen, dann zahlen: Wie Laterpay Reportagen, Live-Ticker und E-Book-Kapitel monetarisiert

Wer professionell schreibt, stellt sich immer auch die Frage, wie sich die eigenen Texte auch im Internet gewinnbringend vermarkten lassen. Das Münchener Startup Laterpay bietet eine einfache Möglichkeit, auf der eigenen Webseite Micropayment umzusetzen – die ersten Erfahrungen machen Mut.

Die Möglichkeiten, mit eigenen Texten online Geld zu verdienen sind aktuell noch begrenzt. Neben der in der letzten Zeit viel disktutierten Option „Self-Publishing“ durch Amazon oder einen der zahlreichen entsprechenden Dienstleister bleibt meist lediglich das technisch aufwändige Einrichten eines eigenen Mitgliederbereichs oder Online-Shops sowie die mehr oder weniger explizite Bitte um Spenden durch die Leser via PayPal oder Flattr. Diese Palette ist nun um eine Option reicher: Das Münchener Startup Laterpay hat vor sechs Monaten seine Micropayment-Lösung vorgestellt, die es auf Dauer jedem Inhalteanbieter erlauben soll, ein zentral abgewickeltes Micropayment auf der eigenen Webseite einzurichten und damit einzelne Texte für Centbeträge zu verkaufen.

Einfache Implementierung, flexible Abrechnung

Startseite von Laterpay

Startseite von Laterpay

Micropayment gilt schon seit Längerem als ein vielversprechender Weg, seine Inhalte online zu monetarisieren. Bislang stellte sich dabei als Anbieter jedoch das Problem, dass man hierzu aufwändig eine eigene Lösung zur Abrechnung und Zugriffsregulierung einrichten muss. Der Leser brauchte im Gegenzug für jede Seite einen eigenen Login und musste jedes Mal seine Zahlungsdaten angeben. Laterpay bietet nun – in Analogie zu Flattr – eine zentrale Plattform für die Abrechnung und Kontrolle, die sich aktuell per WordPress-Plugin in eine bestehende Seite integrieren lässt.

Im Gegensatz zu Flattr rechnet Laterpay aber nicht freiwillige Spenden ab, sondern den Kauf von einzelnen Texten, Bildern oder Videos. Der Leser erhält nach einem kurzen Preview erst dann Zugriff auf den vollständigen Inhalt, wenn er verbindlich zugestimmt hat, den angegebenen Preis für den Inhalt zu bezahlen. Laterpay sammelt diese Umsätze und rechnet sie nachträglich mit dem Leser ab, sobald diese eine Summe von insgesamt 5 Euro überschreiten. Auf diese Weise wird der Bezahlvorgang für den Leser möglichst einfach gehalten und macht sich einige psychologische Tricks zunutze. Dabei ist für jeden Artikel einstellbar, ob dieser kostenfrei sein soll oder welcher Preis verlangt wird. Zusätzlich bietet Laterpay auch die Möglichkeit, Zusatzinhalte für eigentlich kostenlose Artikel zu vermarkten oder durch das neu eingeführte „Single Sale“ einzelne Produkte für einen Preis von mehr als 5 Euro sofort abzurechnen.

Preise von 19 Cent bis 150 Euro

Laterpay im Einsatz bei Lousy Pennies

Laterpay im Einsatz bei Lousy Pennies

Nach Angaben im eigenen Blog hat Laterpay aktuell circa zehn Kunden, die ihre Inhalte über die Plattform vermarkten. Neben dem Referenzkunden und Laterpay-Berater Richard Gutjahr unter anderem der Blog Lousy Pennies und der norddeutsche Fußballblog Blog trifft Ball. Kürzlich hat mit der Hamburger Morgenpost auch die erste klassische Tageszeitung angekündigt, Laterpay auf ihrer Webseite einzusetzen. Dabei überwiegt bei allen Nutzern aktuell der experimentelle Charakter dieser neuen Bezahlform, sodass sie bislang nur für einzelne Artikel oder Zusatzmaterial genutzt wird. So stellt Blog trifft Ball beispielsweise ein ausführliches Interview mit Ewald Lienen für 29 Cent bereit und Lousy Pennies bietet die Ergebnisse einer Umfrage zu Einnahmequellen von Journalisten für denselben Preis.

Am experimentierfreudigsten war bislang Richard Gutjahr, der in den letzten sechs Monaten insgesamt zwölf seiner Artikel in der einen oder anderen Form vermarktet hat. Neben einzelnen Artikeln für 19 oder 29 Cent bot er beispielsweise einen Liveticker von der Apple-Keynote im September für 99 Cent an oder eine Lizenz für die dort geschossenen Fotos für 4,99 Euro (Blogger) oder 149,99 Euro (Professional).

E-Books kapitelweise kaufen

Micropayment bietet sich jedoch nicht nur für Nachrichten, Reportagen und aktuelle Themen an, sondern ermöglicht auch im Belletristik-Bereich neue Publikationsformen: So bietet die von Ivar Leon Menger betriebene Webseite Psychothriller.Club die Möglichkeit, in der Psychothriller GmbH erschienene E-Books im Browser zu lesen und kapitelweise zu kaufen. Dabei kosten einzelne Kapitel aktuell zwischen 5 und 20 Cent, sodass sich ein Buchpreis von rund 2,50 Euro ergibt, ungefähr die Hälfte des Preises des regulären E-Books.

834 Euro Einnahmen mit einem Artikelblock

Nachdem Laterpay erst seit sechs Monaten im Markt ist, lässt sich über die konkreten Ergebnisse der gerade anlaufenden Experimente noch wenig sagen. Einzig Richard Gutjahr hat kürzlich seine Einnahmen aus den ersten Monaten offengelegt: Demnach bescherten seine zwölf Artikel ihm einen Gesamtumsatz von knapp 1.200 Euro – also die stolze Summe von knapp 99 Euro pro Beitrag. Dieser recht hohe Betrag relativiert sich jedoch, wenn man betrachtet, dass 834 Euro alleine aus der Berichterstattung über die Apple-Keynote stammen und hier insbesondere aus den angebotenen Foto-Lizenzen (insgesamt 706 Euro). Der Liveticker spielte ihm 128 Euro ein, ein Artikel über seinen Arbeitsalltag 125 Euro und eine aufwändige Reportage aus einem NSA-Datencenter 95 Euro. Andere Artikel blieben bei weniger als 5 Euro. Rechnet man die Fotolizenzen raus kommt Gutjahr für seine Texte auf Einnahmen von durchschnittlich ungefähr 17 Euro. Ein nettes Zubrot, aber besonders den sehr aufwändigen gestalteten Artikeln kaum angemessen.

Experimentierfeld mit vielfältigem Umsatz-Potenzial

Das soll jedoch nicht heißen, dass Laterpay nicht mittelfristig zu einer wichtigen Einnahme Quelle für Inhaltsproduzenten werden kann. Es zeigt nur auf, dass auch ein einfaches Bezahlsystem nicht automatisch dazu führt, dass die Besucher einer Webseite für die Texte auch Geld ausgeben. Vielmehr müssen es spezifische Inhalte sein, von denen sich die Leser einen konkreten Nutzen versprechen, sodass sie bereit sind, in die virtuelle Tasche zu greifen. Laterpay räumt allerdings zahlreiche technische und psychologische Hindernisse aus dem Weg und macht den Kaufvorgang so einfach und wenig invasiv wie möglich.

Eine weitere Beobachtung aus den Zahlen Richard Gutjahrs sollte jedoch gerade die Autoren fiktionaler oder anderer eher zeitloser Texte aufhorchen lassen: entsprechende Inhalte generieren nicht nur in den ersten Tagen nach ihrer Veröffentlichung erkleckliche Umsätze, sondern über längere Zeit hinweg und führen so zu einem stetigen, wenn auch bislang nur dünnen, Strom an Einnahmen, für die keine Extra-Zeit mehr investiert werden muss.

Wie auch netzwertig.com festhält, steht Micropayment und damit auch Laterpay erst am Anfang seiner Entwicklung und die Zeit wird zeigen, ob sich diese Art, Inhalte zu monetarisieren langfristig für Leser und Autoren etablieren kann. Aktuell stellt sie ein spannendes Experimentierfeld dar, mit dem sich junge wie etablierte Autoren bei entsprechendem Einsatz ein nettes Zubrot verdienen können.

<Bildnachweis: Geld von Shutterstock>

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Kommentare


Substanz: Wie Wissenschaftsjournalismus neu erfunden wird – schreiben.netschreiben.net 18. Dezember 2014 um 9:03

[…] Mit dem Start des Magazins setzt Substanz nun in erster Linie auf bezahlte Inhalte. Jeden Freitag erscheint ein langes Stück, das für 3 Euro erworben werden kann. Kleinere Stücke, die auch unter der Woche erscheinen, werden mit 29 Cent berechnet. Zudem sind Abonnements verfügbar, die sich die Macher mit 9 Euro pro Monat bezahlen lassen. Dafür gibt es neben den vier langen Stücken und einer unbestimmten Anzahl an kürzeren auch Zugriff auf alle bisherigen Artikel. Technisch umgesetzt wird dieses Konzept mit der Hilfe des Münchener Bezahldienstleisters Laterpay, den wir auch bereits vorgestellt haben. […]


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