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„Manuskript gesucht“: Was Dienstleister von Bezahlverlagen lernen können

Es gibt sie noch, und nicht zu knapp: Die Frankfurter Buchmesse ist voll von Druckkostenzuschuss-Verlagen. Offensichtlich sind immer noch viele Autoren dazu bereit, mehrere Tausend Euro für die bloße Veröffentlichung ihrer Werke zu bezahlen – und sie haben ihre Gründe.  Schreibende wie Self-Publishing-Dienstleister können hier einiges lernen.

Der Klassiker: "Manuskripte willkommen"

Der Klassiker: „Verlag sucht Manuskripte“

Mit großflächigen Claims wie „Neue Autoren willkommen“, „Manuskripte gesucht“ & Co. werben Druckkostenzuschussverlage derzeit wieder um neue Kunden. Seite an Seite mit „echten“ Verlagen und mit den immer zahlreicheren Self-Publishing-Dienstleistern. So befindet sich etwa der Berliner Frieling Verlag praktisch Standwand an Standwand mit epubli – die einen wollen „in der Regel mehrere Tausend Euro“ für eine Veröffentlichung, bei den anderen geht es bei Null Euro los.

Was aber treibt Autoren dazu, auch heutzutage noch viel Geld für die bloße Publikation ihres Werkes auszugeben? Zumal es sich in der Regel um hochgebildete und lebenserfahrene Menschen handelt, die durchaus zu einem profanen Vergleich von Preis und Leistung. epubli-Chefin Barbara Thiele vermutete gegenüber schreiben.net, der Wunsch nach einer scheinbar „richtigen“ Verlagsveröffentlichung sei vielfach Vater des Gedanken.

Tatsächlich geben sich die Bezahlverlage nicht umsonst klangvolle Namen wie „Deutsche Literaturgesellschaft“ oder „Frankfurter Verlagsgruppe AG“ (mit Imprints wie „August von Goethe Literaturverlag“. Für das Autoren-Ego macht ein solches Logo auf dem Cover natürlich mehr her als ein Print-on-Demand-Aufkleber.

Der Bezahlverlag als Rundum-Sorglos-Dienstleister

Frieling Verlag

Frieling Verlag

Johann-Friedrich Huffmann, Verleger des Frieling Verlag, sieht sein Unternehmen selbst als Dienstleister. „Wer sein Buch selbst hochladen kann, ist besser bei BoD bedient“, erklärte er im Gespräch mit schreiben.net (mutmaßlich etwas überspitzt). Viele seiner Kunden – im Jahr hat der Frieling Verlag etwa 100 Neuerscheinungen – würden es schätzen, dass sie viele Tätigkeiten abgenommen bekommen. Autoren könnten sich ihre Leistungen modular zusammenstellen, einen fixen Preis gebe es nicht. Das Geschäft sei insgesamt stabil, es wachse aber nicht, räumte Huffmann ein. Immerhin: Einzelne Bücher werden auch als eBooks konvertiert und ausgeliefert, wenn es die Autoren wünschen.

Geld für Prestige

Im Wesentlichen machen Bezahl-Verlage ihr Geschäft wohl nach wie vor mit dem Autoren-Ego. Autoren, die im Freundeskreis mit der Veröffentlichung bei einem „richtigen“ Verlag punkten wollen, bei Suhrkamp aus ihnen völlig unverständlichen Gründen aber abgelehnt wurden, können bei Frieling & Co. über die Brieftasche doch noch ihre Publikation bekommen – nebst Ausstellung auf der Frankfurter Buchmesse und ähnlichen wohl kaum verkaufsfördernden, aber eben prestigeträchtigen Leistungen.

Die neue Dienstleister- und Distributoren-Generation kann sich einiges von den Bezahlverlagen abschauen. Nicht jeder ist gewillt oder überhaupt fähig, den gesamten Wertschöpfungsprozess von Konvertierung über Auslieferung bis hin zum Marketing selbst auszuführen. Dienstleister täten hier gut daran, hier noch zusätzliche Leistungen anzubieten – die Zahlungsbereitschaft scheint da. Und auch das ohnehin nur scheinbare Prestige einer erkauften Verlagsmarke sollte sich von Dienstleister-Seite abbilden lassen.

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Kommentare


Chris Kurbjuhn 9. Oktober 2014 um 22:32

Da möchte ich widersprechen. Ich kenne beide Seiten, und denke, Dienstleister können sich von den Vanity-Verlagen wenig bis nichts anschauen. Die Vanity-Verlage leben von der Eitelkeit ihrer Kundschaft, und die verhindert zum Beispiel in vielen Fällen ein vernünftiges Lektorat, weil der Kunde vollkommen beratungsresistent ist. Ähnliches beim Coverdesign, beim Klappentext, beim Marketing („Brauchen wir nicht, mein Buch ist Dynamit, da wird eine Bombe platzen!“). Die Vanity-Kunden denken ja oft, dass sie selbst am besten Bescheid wissen und tun das Knowhow, dass die Dienstleister anbieten, als Besserwisserei ab. IMHO haben Die Zuschussverlage und wir Dienstleister zwei vollkommen unterschiedliche Zielgruppen.

Johannes 10. Oktober 2014 um 10:02

Mir ist schon klar, dass viele Autoren hier schwierig sind. Letztlich müsste ein angebotenes Lektorat etc wohl eher Vorschlags-Charakter haben – was ich hier auch unproblematisch finde, weil Dienstleister (anders als „richtige“ Verlage) ja nicht direkt vom Erfolg des Titel profitieren (sondern nur indirekt über Folgeaufträge; wenn der Autor entgegen dem Lektoren-Rat handelt, hat man hier auch bei Misserfolg Argumente). Fingerspitzengefühl ist da auf jeden Fall ein kritischer Faktor.

Insgesamt habe ich das Gefühl, das Zuschussverlage hier auf der Buchmesse, aber auch in sonstigen Branchen-Zusammenhängen recht pauschal als und „Bauernfängerei“ abgetan werden.Dabei handelt es sich um ein seit Jahrzehnten erfolgreiches Geschäftsmodell mit hierzulande (kumulierten) Umsätzen mindestens im hohen siebenstelligen Bereich und Gewinnmargen, von denen viele „seriöse“ Verlage nur träumen können. Vollkommen legal, wohlgemerkt. Kann man per se als Abzocke abstempeln oder von den Mechanismen zu lernen versuchen.

Ciao
Johannes

Ruprecht Frieling 10. Oktober 2014 um 21:11

Wie ist die Lage an der Autorenfront? Ein Autor kratzt jahrelang an den Türen der Verlage, ein anderer verzweifelt und gibt auf, ein dritter nimmt die Angebote eines Dienstleisters in Anspruch, ein vierter macht alles selbst und geht unter die Selbstverleger usw.

Es gibt viele Wege zum persönlichen Glück und wer sich eines Dienstleisters bedient (sei es in Teilen wie Lektorat, Korrektorat, ISBN-Vergabe, Katalogisierung, Werbung, Öffentlichkeitsarbeit oder was auch immer), den mag ich nicht als »eitel« verurteilen.

Wichtig scheint mir zu sein, ihn mit konkretem Wissen auszustatten, was er erwarten darf und was nicht. Es ist schließlich ein Riesenunterschied, ob er bei einer Zuschussgruppe landet, die unter dem Schirm der Church of Scientology arbeitet oder bei einem Unternehmen, das sich zumindest kümmert und seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt. Ich würde deshalb allein schon aus der intimen Kenntnis der Szene weder alle DKZV-Anbieter noch alle Autoren über einen Kamm scheren, sondern immer empfehlen, dass ein Pott den zu ihm passenden Deckel sucht.

Lächerlich finde ich in dem Zusammenhang, dass sich besonders gern Autoren des DKZV-Verlages BoD in die erste Reihe der Kritiker stellen. Glauben sie denn tatsächlich, etwas Besseres zu sein? Auch wenn Books on Demand (BoD) gern als revolutionärer Dienstleister gepriesen werden, haben sie am verpönten „Druckkostenzuschuss-Prinzip“ nicht ein Jota geändert. Im Gegenteil: Sie haben daraus ein lukratives Unternehmen entwickelt, das sogar für die Lagerhaltung der Daten weitgehend unverkäuflicher Werke kassiert.


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