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Morning Pages: Drei Seiten Text, um den Kopf frei zu bekommen

Das Aufwachen und Aufstehen am Morgen ist für viele einer der schwierigsten Teile des Tages. Mit Hilfe von Morning Pages lässt sich der Dämmerzustand zwischen Wachen und Schlafen jedoch nutzen, um den Kopf frei zu bekommen und den inneren Kritiker für den Rest des Tages ruhigzustellen.

Für die meisten besteht die morgendliche Vorbereitung auf den anstehenden Tag in Aufstehen, duschen, anziehen, Kaffee trinken und frühstücken. In ihrem Buch Der Weg des Künstlers schlägt die Autorin Julia Cameron vor, diese Rituale um ein weiteres zu ergänzen: das tägliche Verfassen von sogenannten Morning Pages. Auch wenn es auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, verspricht sie einen großen Gewinn daraus, sich jeden Morgen eine weitere halbe Stunde Zeit zu nehmen. Mittlerweile finden sich online auch immer mehr Erfahrungsberichte, die dieses betätigen, beispielsweise von Autorin und Schreibberaterin Pia Helfferich, Guardian-Kolumnist Oliver Burkeman oder dem Blogger Chris Winfield.

Drei Seiten, handgeschrieben, unzensiert

Beim Schreiben der Morning Pages gibt es im Grunde nur wenige Dinge zu beachten: Möglichst bald nach dem Aufstehen einen Stift und ein Notizbuch zur Hand nehmen und schnell und ohne nachzudenken drei Seiten im A4-Format handschriftlich befüllen. Dabei geht es darum, den Gedankenfluss einzufangen und zu Papier zu bringen und nicht darum, hochwertigen Text, reflektierte Tagebucheinträge oder einen Ausblick auf den anstehenden Tag zu verfassen.

Am besten schreibt man seine Morning Pages deswegen ohne den Stift abzusetzen. Auch Korrekturen oder das Zurückschweifen über den bereits geschriebenen Text sollte man sich verkneifen, um nicht anzufangen, das Geschriebene zu reflektieren. Auch sollten die Morning Pages selbst von Freunden des Digitalen und Besitzern unleserlicher Handschriften mit der Hand geschrieben werden. Durch das Setzen an den Schreibtisch und das Anschalten des Computers wird der Kopf bereits in einen reflektierten Arbeitsmodus versetzt, der den freien Fluss der Gedanken hemmt.

Die Morning Pages sind zudem unbedingt privat zu verstehen, also nicht für irgendein Publikum gedacht – nicht die Leser der eigenen Romane, die Besucher des eigenen Blogs oder auch nur den Lebenspartner. Auch wenn es zu Beginn trotzdem nicht einfach ist, lässt sich der Fluss der Gedanken nur dann ungefiltert auf das Papier bringen, wenn wir nicht darüber nachdenken müssen, was ein zukünfitger Leser über bestimmte Passagen denken könnte.

Mit Morning Pages den Kopf frei bekommen, Ideen generieren und sich selbst besser kennenlernen

Wenn die drei Seiten im Anschluss mit unzusammenhängenden Satzfragmenten, Wutausbrüchen oder grüblerischen Kreisgedanken gefüllt sind, ist dies genau der Sinn der Sache. All diese Gedanken, Ideen, Sorgen und Grübeleien hätten einen sonst den Tag über begleitet und ein freies kreatives Schreiben erschwert. Es hilft einem, wirklich in dem Tag anzukommen und kann gleichzeitig die ewig kreisenden Gedanken beruhigen. Auch der innere Kritiker, der ansonsten jeden unserer Schritte und jedes unserer Worte kommentiert, kann auf diese Weise ruhig gestellt werden.

Neben diesem therapeutischen Effekt können die Morning Pages uns auch helfen, Ideen zu erzeugen, beziehungsweise Ideen, die uns beim freien Schweifenlassen der Gedanken kommen, festzuhalten. Denn oft ist es gerade dieser kleine hartnäckige innere Kritiker, der uns daran hindert, eine Idee zumindest in unser Notizbuch zu übernehmen. Auch ist es möglich, dass sich nachträglich(!) die eine oder andere gute Formulierung findet, die dann Eingang in andere Texte finden kann.

Schließlich helfen die Morning Pages einem auch, sich selbst besser kennenzulernen. Indem man seine ungefilterten Gedanken zu einem späteren Zeitpunkt nachlesen kann, merkt man viel deutlicher, welche Themen einen eigentlich beschäftigen und welche Fragen sich jeden Tag auf’s Neue stellen.

<Bildnachweis: Morning Pages von Shutterstock>

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