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Von Heldenreisen, sieben Punkten und fünf Akten: Die Romanhandlung in den Griff bekommen

Vor dem Schreiben eines Romans kommt die zumindest grobe Entwicklung der geplanten Handlung. Auch wenn die Möglichkeiten hier quasi unendlich sind, kann die Einhaltung bestimmter etablierter Handlungsstrukturen für Leser wie Autoren hilfreich sein.

Die Planung der Handlung des eigenen Romans stellt gerade für neue Autoren eine große Herausforderung dar. Es geht darum, einen Bogen zu spannen, der den Leser über mehrere hundert Seiten bei der Stange hält und ihn dazu bringt, eine Seite nach der anderen zu verschlingen. Natürlich sind hierfür auch die Figuren, ihre Verstrickungen sowie die eigentliche Handlung wichtig, aber schon bei der groben Struktur der Geschichte lässt sich einiges falsch oder eben auch richtig machen. So gibt es unterschiedliche Raster, anhand derer sich eine Handlung bereits im Voraus planen lässt und von denen wir hier drei vorstellen.

Heldenreise

16219659_16219659_xlDie Heldenreise ist eine Struktur, die heutzutage insbesondere im Fantasy-Genre Verwendung findet. Hier folgt die Geschichte einer Hauptfigur und begleitet deren Kampf um die Rettung der Welt. Die Reise beinhaltet dabei immer eine charakterliche Entwicklung, ist aber meist verbunden mit einer tatsächlichen, physischen Reise. Daher bietet sie sich besonders dafür an, dem Leser die eigene Fantasie-Welt vorzustellen. Ein klassisches Beispiel für diese Struktur ist J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe".

Am Beginn der Heldenreise steht ein Ruf, der die Hauptfigur aus ihren bekannten Umfeld herauslöst. Die Figur weigert sich zu Beginn, diesem Ruf zu folgen, bestimmte Ereignisse oder Reflektion bringen sie schließlich jedoch doch dazu, die Heimat zu verlassen. Zu Beginn der Reise begegnet sie dann einem weisen oder mythischen Mentor, der ihr den Zweck der Reise erneut verdeutlich und sie im Weiteren unterstützt.

Nach kurzer Zeit sieht sich der Held dann jedoch der ersten schweren Prüfung ausgesetzt, die er mit Mühe, Not und Hilfe von außen meistern kann, nur um sich danach weiteren Prüfungen gegenüber zu sehen. Am Ende dieser Prüfungen steht dann jedoch das Ziel der Reise und der vorläufige Abschluss der charakterlichen Transformation der Hauptfigur. Diese muss nun jedoch noch den Weg zurück in ihre alte Heimat finden. Auch hier zögert sie zu Beginn, kehrt dann jedoch zurück und es gelingt ihr, das unterwegs erworbene Wissen und die gewonnen Erfahrungen in das neue alte Leben zu integrieren.

7-Punkte-Struktur

Eine etwas andere und allgemeinere Herangehensweise liegt der 7-Punkte-Struktur zugrunde, die in erster Linie durch den Bestsellerautor Dan Wells propagiert wird. Dieser hat hierzu eine Reihe von Blogposts verfasst und stellt die Methode auch in einigen Youtube-Videos vor:

Die Entwicklung einer Geschichte beginnt er mit der Formulierung der “Resolution”, also des Endzustandes der Geschichte, dem besiegten Feind oder dem gewonnen Wettbewerb. Dann folgt die Formulierung des “Hooks”, also den Ausgangszustandes am Beginn der Geschichte, der möglichst weit von diesem Endzustand entfernt sein sollte, damit in der Handlung eine deutliche Entwicklung erzählt werden kann. Es folgt die Konzeption des “Midpoints”, an dem die Hauptfigur selbst aktiv wird und nicht länger ausschließlich auf die Geschehnisse um sie herum reagiert.

Nun geht es noch darum, das Skelett aus “Hook”, “Midpoint” und “Resolution” mit weiteren Handlungselementen auszufüllen. So folgt auf den “Hook” ein erster “Plot Turn”, der die Hauptfigur aus ihrer gewohnten Umgebung reißt und sie zum Reagieren zwingt. Durch den anschließenden ersten “Pinch” wird diese Situation weiter verschärft, bis die Hauptfigur im “Midpoint” dann vom passiven in den aktiven Modus wechselt. Dieses aktiv Werden rächt sich jedoch im anschließenden zweiten “Pinch”, in dem sich die Situation weiter verschärft. Erst der zweite “Plot Turn” bringt die Hauptfigur auf den Weg zur abschließenden “Resolution”.

Die fünf Akte des französischen Regeldramas

Wer es lieber klassisch mag, der findet auch im Theater eine Handlungsstruktur, die sich ebensogut für die Gestaltung eines Romans eignet: die 5-Akt-Struktur. Auch hier beginnt die Handlung mit einer “Exposition”, in der die wichtigsten Figuren, der Kontext der Handlung sowie der grundlegende Konflikt vorgestellt werden. Darauf folgt die “Komplikation”, in der sich dieser Konflikt verschärft und die bewegte, aktive Handlung in Gang kommt. Diese erreicht schließlich mit dem “Klimax” ihren Höhepunkt, bevor in Akt vier das “retardierende Moment” einsetzt, welches verhindert, dass sich die im Klimax aufgebaute Spannung sofort entlädt. So bereitet sie das anschließende Finale vor. Dieses kann dann entweder eine Katastrophe umfassen, wie in der klassischen Tragödie, oder das heute so beliebte Happy End – die klassische Komödie.

Handlungsstrukturen verknüpfen

Diese drei Handlungsstrukturen sind keineswegs unabhängig voneinander gedacht, sondern sind in ihrer grundsätzlichen Anlage durchaus verwandt und miteinander kompatibel. So lassen sich Heldenreise und 7-Punkte-Struktur durchaus auch im Rahmen der fünf Akte interpretieren. Sie legen jedoch jeweils unterschiedliche Schwerpunkte: die Heldenreise auf die Entwicklung des Helden, die 7-Punkte-Struktur auf den Fortgang der Handlung und die fünf Akte schließlich auf die Entwicklung des Spannungsbogens. Je nach persönlichen Vorlieben und Art des zu schreibenden Romans können sie also unterschiedliche Hilfestellungen leisten.

<Bildnachweis: Whats Your Story von Shutterstock>

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Story, Stil und Struktur: Die Komponenten der Überarbeitung – schreiben.netschreiben.net 14. Dezember 2014 um 11:43

[…] bietet es sich gerade für weniger erfahrene Autoren an, sich relativ eng an einer der etablierten Erzählstrukturen zu orientieren, beispielsweise der Heldenreise oder der klassischen 5-Akt-Struktur. Bei der […]


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