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Als Autor die eigene Nische finden – auch zwischen den Genre-Schubladen

Wer einen Roman nicht nur schreiben, sondern auch möglichst lukrativ veröffentlichen will, der kann sich durch die klare Ausrichtung auf Genre an ein bereits bestehendes Publikum richten. Aber was, wenn die eigenen Ideen nicht in ein einzelnes Genre passen?

Immer mal wieder kommen Debatten auf, in denen sogenannte Genre-Literatur der “echten” Literatur gegenübergestellt wird. Dabei wird erstere oft als minderwertig betrachtet. Für Autoren, die mit ihren Büchern ein breites Publikum erreichen möchten, bieten die Genregrenzen jedoch eine gute Möglichkeit, ihre Zielgruppe abzustecken.

Genre-Publikum als klare Zielgruppe

Klare Genre-Zuordnung durch Titel und Cover

Klare Genre-Zuordnung durch Titel und Cover

Indem Autoren die Erwartungen einer bestimmten Gruppe von Genre-Lesern bedienen, können sie auf relativ einfache Weise ein bestehendes Publikum anzapfen. Potentielle Leser wissen dann oft schon beim Blick auf das Cover oder den Klappentext, was sie von einem Buch zu erwarten haben. Ist auf dem Titelbild beispielsweise ein mittelalterlich gekleideter Krieger abgebildet, legt dies einen klassischen Fantasy-Roman nahe – oft in Form einer Heldenreise strukturiert. Ein leicht bekleideter mit mystischen Tattoos versehener Mann weist hingegen eher auf eine übernatürliche Liebesgeschichte hin und eine neblige Straße auf einen Krimi oder Thriller. So können auch unbekannte Autoren mit einfachen Mitteln ihr potenzielles Publikum anziehen.

Auch die Ideenfindung und die Strukturierung des eigenen Romans können durch die Festlegung auf ein Genre einfacher werden. So haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche Konventionen entwickelt, wie Romane in bestimmten Genres strukturiert sind, welche Erzählformen verwendet werden, wie Figuren eingeführt und entwickelt werden und so weiter. Auch finden sich in jedem Genre archetypische Erzählelemente und Figuren wie der alte Weise in Fantasy-Romanen oder der schrullige Assistent des akkuraten Kommissars in Krimis. Hier können sich Autoren fließig bedienen und wissen gleichzeitig, dass Konstellationen aus solchen Elementen innerhalb des Genres funktionieren.

Die eigene Stimme zwischen den Genres

Diese vorgeblichen Vorteile einer Ausrichtung auf ein Genre können sich aber auch in Nachteile verkehren. So werden entsprechende Bücher von Lesern außerhalb des Genres meist nicht wahrgenommen, und auch Genre-Fans können sich an den etablierten Elementen ihres Genres sattlesen. Zudem werden Genre-Romane im Self-Publishing schnell als einfache Kopien erfolgreicher Bücher wahrgenommen und könnten so von potenziellen Lesern von vornherein ignoriert werden. Auch für den Autor selbst kann eine Ausrichtung auf ein einzelnes Genre unbefriedigend sein. Die eigenen Vorstellungen des Romans können quer zu den verschiedenen Genres liegen, oder die Archetypen des Genres können nicht zu der geplanten Handlung passen. Es gibt viele Gründe, sich nicht eindeutig festlegen zu wollen.

Dass dies grundsätzlich kein Problem sein muss, hat US-Autor Nick Stephenson in einem Blogbeitrag deutlich gemacht. Er nennt zahlreiche Beispiele von erfolgreichen Self-Publishing-Autoren, deren Bücher sich nicht eindeutig einem Genre zuordnen lassen.Dass ein Roman sich nicht eindeutig zu verorten ist, heißt allerdings nicht, dass man sich die bestehenden Genre-Publika nicht trotzdem zunutze machen kann. Hier weist Stephenson darauf hin, dass auch solche Romane sich oftmals zumindest in manchen Aspekten einem Genre zuordnen lassen. Vielleicht spielt der übersinnliche Liebesroman ja in der Zukunft, sodass sich eine Anbindung sowohl an Urban Fantasy als auch Science-Fiction anbietet. Oder der autobiographische Roman über eine Skandinavienreise gipfelt in einer Liebesgeschichte, die als Anknüpfungspunkt für die Positionierung herhalten kann.

Solche Fälle erfordern allerdings ein wenig Fingerspitzengefühl, die Erwartungen der Genre-Leser so weit zu bedienen, dass sie das Buch kaufen und lesen, gleichzeitig aber nicht falsche Erwartungen zu wecken, dass sie sich am Ende getäuscht fühlen. Aber hat der Leser einmal begonnen, sich auf den Roman einzulassen, zählt nur noch eine gute Geschichte; ob sie Genre-Konventionen einhält, bewusst bricht oder ignoriert wird dann zweitrangig.

<Bildnachweis: Aquarium von Shutterstock>

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