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Diese Fragen sollte sich jeder Autor stellen

11.12.2014 - von - schreiben Kommentar schreiben

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In Schreibratgebern für fiktive Texte findet sich fast immer eine Form des Charakterinterviews oder -fragebogens, um die eigenen Figuren besser verstehen und entwickeln zu können. Doch der Autor sollte auch sich selbst gut kennen und sich regelmäßg die folgenden Fragen stellen.


Habe ich den notwendigen langen Atem?

Schreiben ist auf vielen Ebenen ein Langstreckenlauf, dessen man sich nicht immer bewusst ist. Gerade längere Werke wie einen Roman oder eine Doktorarbeit können sich über mehrere Jahre hinziehen, in denen zahlreiche Hindernisse zu überwinden sind. Fehlende Freizeit, das Romanprojekt fortzuführen, das Auslaufen der Finanzierung für die eigene Forschung oder eine kaputte Festplatte ohne Backup sind dabei nur einige Beispiele. Dennoch gilt es immer wieder einen Weg zu finden, das Schreiben zu einem Teil seines Lebens zu machen, um ein solches Projekt erfolgreich abschließen zu können.

Wenn der erste Entwurf steht, setzt oft der Stolz auf das Erreichte ein. Diesen kann man ruhig genießen. Aber nur für einen Tag oder zwei. Danach geht es an die Überarbeitung, in der jedes Wort, das man sich mühsam abgerungen hat, einer gewissenhaften Kontrolle unterzogen werden muss. Dabei können Sätze, Absätze oder gar Kapitel, mit denen man möglicherweise mehrere Wochen verbracht hat, dem Rotstift zum Opfer fallen.

Auch wenn alle Überarbeitungsdurchgänge abgeschlossen sind, ist der Marathon noch nicht zu Ende. Will man nicht nur für die eigene Schublade schreiben, muss man sich noch für eine Form der Veröffentlichung entscheiden, einen Verlag finden oder die umfangreichen Aufgaben eines Self-Publishers angehen: Layout, Cover-Gestaltung, externe Dienstleister, Marketing und einiges mehr. Will man mit dem Schreiben dann auch noch ernsthaft Geld verdienen, folgt auf das erste Projekt möglichst bald das nächste. Und das nächste. Und das nächste.

Warum schreibe ich?

Um einen solchen Langstreckenlauf erfolgreich abschließen zu können, sollte man sich immer wieder bewusst machen, warum man eigentlich schreibt. Ist es der Wunsch, die eigene Geschichte zu verarbeiten, oder der unstillbare Drang, die Geschichten, die in einem stecken, mit der Welt zu teilen? Vielleicht ist es auch einfach das Gefühl der Ruhe, das einen beim Schreiben befällt, oder der Wunsch nach Anerkennung und danach von der Welt wahrgenommen zu werden?

Es gibt viele Gründe, mit dem Schreiben anzufangen oder dabei zu bleiben und wer seine eigenen Gründe kennt, der kann seine Schreibprojekte oder seinen Schreibprozess entsprechend anpassen: Will ich meine Leser in erster Linie unterhalten, sollte ich mir eher einen leichten Stoff suchen. Genieße ich hingegen in erster Linie den Flow beim Schreiben, sollte ich auf jeden Fall verhindern, dass sich das Schreiben wie eine lästige Pflicht anfühlt. Will ich mit dem Schreiben jedoch Geld verdienen, sollte ich sicherstellen, dass ich mir jeden Tag Zeit zum Schreiben reserviere.

Nur wer seine eigenen Gründe kennt, kann dafür sorgen, dass er die notwendige intrinsische Motivation für das Schreiben nicht verliert und auch nach längerer Zeit immer wieder mit dem Gefühl das Richtige zu tun vor das leere Blatt setzen.

Was kann ich meinen Texten von mir selbst mitgeben?

schreiben tools shutterKenne ich meine Gründe, aus denen ich schreiben möchte, sollte ich mir auch überlegen, was ich meinen Texten von mir selbst mitgeben kann. Was ist es, das ich mit der Welt teilen möchte? Was ist es an meinem Blick auf die Welt, das ich anderen mitteilen möchte und das für diese auch interessant sein könnte? Welche Kenntnisse und welche Einblicke habe ich, die andere nicht haben und welche Aspekte meiner Persönlichkeit bin ich bereit zu offenbaren?

Es gibt keine neutralen Texte. Das geschriebene Wort spiegelt immer auch den Autor wieder, denn jeder Ausdruck enthält immer auch gewisses Maß an Selbstoffenbarung. Das macht das Schreiben zu einem höchstpersönlichen Prozess, der nicht nur darin besteht, eine Geschichte zu erzählen, sondern auch Aspekte des eigenen Ichs nach Außen zu tragen.

Ist man sich dieser Dimension des Schreibens bewusst, kann man sie gezielt einsetzen, um sich eine eigene Stimme zu entwickeln. Diese macht unverwechselbar und verschafft den Texten eine eigene Persönlichkeit, welche sie wiederum für Leser attraktiver macht.

Gerade die letzten beiden Fragen sollte man sich immer wieder stellen. Vielleicht zum Jahreswechsel oder zu Beginn eines neuen Schreibprojekts. Auf diese Weise merkt man auch schnell, wie man sich weiterentwickelt hat und Antworten, die noch vor einem Jahr passend waren, grundlegend überarbeitet werden müssen.

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