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Wissenschaftliche Arbeiten selbst publizieren: Möglichkeiten und Fallstricke

25.11.2014 - von - Autor Kommentar schreiben

shutter science

In der Wissenschaft sind Publikationen die zentrale Währung. Wer seine wissenschaftliche Arbeit – insbesondere die Doktorarbeit – selbst publizieren will, hat dazu einige Möglichkeiten. Er muss aber auch verschiedene Dinge beachten.

Nach mehreren Jahren nervenaufreibender Arbeit ist die Doktorarbeit fertig. Die Gutachten sind geschrieben und die Verteidigung oder das Rigorosum ist erfolgreich überstanden. Um an den begehrten Titel zu kommen und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit die eigenen Ergebnisse zugänglich zu machen, fehlt nun noch ein letzter Schritt: die Publikation. Dabei unterscheiden sich die Gepflogenheiten zwischen den Disziplinen deutlich. Während in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern eine reine Online-Publikation mittlerweile gang und gäbe ist, bleibt in den Sozial- und Geisteswissenschaften die klassische Buchpublikation der Standard. Dabei sind Publikationszuschüsse von bis zu mehreren tausend Euro üblich.

Mit den zahlreichen Möglichkeiten des Self-Publishing, bieten sich nun für alle Disziplinen interessante Hybrid-Modelle zwischen reiner Online-Veröffentlichung und Buchpublikation, die Sascha Förster und Markus Neuschäfer vorstellen. Damit lässt sich unter bestimmten Umständen das beste aus beiden Welten verbinden: die geringen Kosten und der universelle Zugang zu Online-Publikationen mit der physischen Präsenz der Bücher und der Möglichkeit, sie in Bibliotheken aufzunehmen. Lediglich das Renommee eines etablierten Verlags lässt sich so nicht nutzen.

Autorenverträge schließen meist freie Lizenzen aus

OpenAccess_LogoEin möglichst breiter Zugang zu öffentlich finanzierter Wissenschaft wird in den letzten Jahren unter dem Schlagwort “Open Access” diskutiert. Während einige Länder, wie beispielsweise die Niederlande, mit großen Schritten voranschreiten, ist die Entwicklung in Deutschland wesentlich langsamer. Nichtsdestotrotz ist es gerade auch im Interesse junger Wissenschaftler, die eigene Arbeit einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. So legen beispielsweise erste Untersuchungen nahe, dass frei verfügbare Artikel häufiger zitiert werden.

Die Autorenverträge, die klassische Verlage anbieten, sind mit einer solchen Publikation allerdings selten kompatibel. Gerade die für Open-Access-Veröffentlichung empfohlenen Creative-Commons-Lizenzen können hier meist nicht genutzt werden. Erst wenige Verlage – wie beispielsweise der Marbuger tectum-Verlag – bieten eine solche Möglichkeit. Auch Book-on-Demand-Dienste wie BoD oder Grin können in ihren Autorenverträgen solche Lizenzen implizit ausschließen, wie Sascha Förster berichtet. Lediglich epubli wirbt aktiv mit speziellen Creative-Commons-kompatiblen Autorenverträgen. Hier gilt es also, die eigenen Wünsche mit den gebotenen Möglichkeiten abzugleichen.

Korrektorat und Marketing müssen vom Autor selbst übernommen werden

Wer keinen Verlag in die Veröffentlichung seines Buches einbinden will, der muss die Aufgaben, die ansonsten ein Verlag übernimmt, selbst erfüllen. Nachdem die inhaltliche und grundsätzliche Qualität einer Doktorarbeit durch die Gutachten und die möglicherweise notwendige Überarbeitung gesichert sein sollte, fehlt noch ein sprachliches Korrektorat. Hier ist es auf jeden Fall sinnvoll, in einen professionellen Korrektor zu investieren – so zumindest ein Fazit von Markus Neuschäfers ausführlichem Erfahrungsbericht. Dabei können, je nach Umfang der Arbeit, Kosten von mehr als 1000€ entstehen.

Auch das Marketing der Arbeit muss der Autor in diesem Fall selbst übernehmen. Dazu gilt es, thematisch relevante Zeitschriften anzuschreiben und entsprechende Rezensionsexemplare anzubieten – welche wiederum vom Autor selbst finanziert werden müssen. Wer will, dass seine Arbeit auch den Weg in die wissenschaftlichen Bibliotheken findet, muss die jeweiligen Fachreferenten persönlich anschreiben oder über eigene Kontakte an den verschiedenen Unis Anschaffungsvorschläge lancieren. Auch die Verbreitung der Arbeit im Netz liegt in den Händen des Autors, beispielsweise durch Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung. Nur so findet die Arbeit ihren Weg in eine breitere (wissenschaftliche) Öffentlichkeit.

Hybrides Self-Publishing aus einer Open-Access-Publikation online und der Produktion eines gedruckten Buchs könnte gerade für die Sozial- und Geisteswissenschaften zu einer beliebten Form der Veröffentlichung von Doktorarbeiten werden. Die Kosten liegen meist deutlich unter denen einer klassischen Verlagspublikation, die Online-Verbreitung wird nicht eingeschränkt und gleichzeitig kann ein gedrucktes Werk im Buchhandel verfügbar gemacht und für Bibliotheken angeschafft werden. Als kleiner Bonus bleiben dem Autor darüber hinaus ein großer Teil der Umsätze des Buchs erhalten. Eine umfangreiche Checkliste für die alternative Publikation der Dissertation findet sich bei Markus Neuschäfer. Zudem ist es unbedingt notwendig, die Bedigungen der jeweiligen Promotionsordnung zu kennen und einzuhalten!

<Bildnachweis: Science von Shutterstock>

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